mini|Polaroid SX-70 Kamera
SX-70 war ein 1972 vorgestelltes Sofortbild-System von Polaroid. Es handelte sich um den ersten Integralfilm, dieses bedeutete, das Foto kam unmittelbar nach der Aufnahme motorisch aus der Kamera gefahren und entwickelte sich ohne jedwedes Zutun des Fotografen von allein, wobei auch kein Abfall anfiel. Polaroid hatte den Integralfilm mit großen Aufwand entwickelt. Nachfolger war Polaroid 600.
SX-70 bezeichnete auch die erste Kamera für das System SX-70, ein faltbare Sofortbild-Spiegelreflexkamera, die von 1972 bis 1981 hergestellt wurde und ob ihres technischen Aufwands und Designs viel Beachtung fand.
Das System SX-70 war ein gigantischer Erfolg. Es trug hauptsächlich dazu bei, dass in den USA 1980 etwa jedes fünfte Farbfoto als Sofortbild gemacht wurde.Farbfotografie Band 2, Kapitel: Das farbige Sofortbild Zudem war die Polaroid 1000 viermal die weltweit meistverkaufte Kamera des Jahres. Darüber hinaus hat es der Kameratechnik Neuheiten gebracht: Die SX-70 war die erste faltbare und die erste Sofortbild-Spiegelreflexkamera. SX-70 Sonar und 5000 Sonar waren die ersten beiden Kameras mit Ultraschall-Autofocus.
Film mini|SX-70-Bild mit charakteristischem Rahmen mini|Manipulierte Fotografie eines Chevy Nova mini|Manipulierte Fotografie von Augusto De Luca
Entstehung Polaroid hatte 1947 das schwarzweiße Sofortbild vorgestellt, der Weg zum farbigen Sofortbild mit dem Trennbildverfahren Polacolor 1963 und schließlich dem Integralfilm SX-70 waren die aufwendigsten und langwierigsten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in der Geschichte der Fotochemie. Der Schritt zum Integralfilm allein, das Projekt Alladin verschlang $ 500 Mio., allerdings inklusive dem Errichten von fünf Fabriken, zwei für die Farbnegative, je eine für Filme, Chemikalien und Kameras.
Edwin Herbert Land wünschte sich eine maximal einfach zu bedienende Sofortbildkamera, um auch technisch unbegabten Leute zum Fotografieren mit Polaroid-Kameras zu bewegen und so den Umsatz zu steigern. Das System war dabei ausschließlich für Farbbilder geplant, die unmittelbar nach dem Belichten mit einem Elektromotor aus der Kamera ausgeworfen und dabei wie beim Trennbild durch zwei Walzen gequetscht werden sollten, um den Entwicklungsprozess zu starten. Dieser sollte dann mit einem fertigen Bild von selbst enden. Die Problematik bestand darin, dass die Entwicklung bei Dunkelheit stattfinden musste und das Negativ nicht weggeworfen werden konnte.
Die Bezeichnung SX-70 griff den firmeninterne Codename für das erste Polaroid Sofortbildverfahren aus den 1940er Jahren auf.
Entwicklung Ablauf Weil das Negativ beim Integralfilm nicht weggeworfen wurde, musste es unter dem Positiv angeordnet werden, um es nach Gebrauch unsichtbar machen zu können. Dabei gab es zwei Möglichkeiten für die Belichtung, nämlich von hinten, so wie später bei Kodak, oder von vorne durch das Positiv hindurch, wie im Falle von SX-70. Letzteres hatte vier Bedingungen zur Folge: ein beim Fotografieren durchsichtiges Positiv eine nach dem Fotografieren entstehende Trennschicht zwischen Negativ und Positiv, die das Negativ unsichtbar machte und eine weiße Farbe als Grundlage für das Positiv haben musste eine Kamera, die ein Spiegelbild lieferte, da die Belichtungsseite des Negativs im Vergleich zum Trennbildverfahren um 180° gedreht war eine glänzende Bildoberfläche, da matte Oberflächen das Licht beim Belichten gestreut und das Bild dadurch unscharf gemacht hätten
Wie beim Trennbild lief die Entwicklung außerhalb der Kamera ab. Sie wurde ebenfalls mit dem Verlassen der Kamera durch Walzen gestartet, welche die Chemikalien zwischen Negativ und Positiv verteilten. Im Gegensatz zum Trennbild lief der Entwicklungsprozess aber immer vollständig ab. Es gab nämlich keine Möglichkeit, ihn durch den Fotografen zu beenden.
Chemische Vorgänge Der grundlegende Entwicklungsvorgang entsprach dem Trennbildverfahren. Beim Integralfilm waren Positiv und Negativ aber miteinander versiegelt und auf einen schwarzen Träger aufgebracht. Für die „chemische Dunkelkammer“, also die Verdunklung während der Entwicklung sorgten Indikatorfarbstoffe im Entwickler, die in alkalischer Umgebung sichtbar und in neutraler Umgebung transparenter wurde, also mit der Neutralisation ihre Farbe verloren. Da das Umgebungslicht etwa 106-mal stärker war, als zur Veränderung eines Bildes erforderlich, musste der Indikator eine sehr hohe Trübung aufweisen und zudem eine völlig farblose Leukoform besitzen. Hierzu wählte man Phthaleine, von denen mindestens zwei das gesamte Lichtspektrum abdeckten.
Die Entwicklungspaste enthielt zusätzlich Titandioxid, das die Hälfte ihres Volumen ausmachte. Es gab dem Positiv einen weißen Grund und verdeckte dabei das Negativ. Das Titandioxid unterstützte auch die Verdunkelung, da das Licht durch die Reflexion an ihm einen längeren Weg durch die Farbstoffe zurücklegen musste. Nur die Kombination aus Titandioxid und Indikatorfarbstoffe ergab einen vollständigen Schutz, eine Komponente allein hätte dafür nicht ausgereicht.
Die Stabilisierung lief zwar genauso wie beim Trennbildverfahren ab, die Anforderungen daran waren aber erheblich höher, da die Bildübertragung nicht vom Fotografen durch Entfernen des Negativs angehalten wurde. Sowohl die Entwicklung wie auch der Bildübertragung wurde nur durch die Absenkung des pH-Werts angehalten. Für den Temperaturbereich gab es ebenfalls höhere Anforderungen, da auch hier der Fotograf nicht eingreifen konnte. Demgegenüber konnte Polaroid beim Trennbildverfahren eine von der Temperatur abhängige Zeit bis zum Entfernen des Negativs angeben. Beides, Stabilisierung und Temperaturbereich erforderten eine präzise Herstellung des Films, sowohl in Hinblick auf die Chemie als auch auf die Abmessungen.Polaroid One-Step Color Photography, Wolfgang Berg in Die Naturwissenschaften, Ausgabe 1 von 1977
Ein SX-70-Bild bestand aus 14 chemischen Schichten. Jede einzelne Schicht fiel dabei erheblich dünner als ein menschliches Haar aus.
Durchsichtige Folie Säureschicht Verzögerungsschicht Bildempfangsschicht Raum für Entwicklerpaste Silberhalogenid blauempfindlich Farbschicht Gelb Sperrschicht Silberhalogenid grünempfindlich Farbschicht Purpur Sperrschicht Silberhalogenid rotempfindlich Farbschicht Blaugrün Bildträger
Farben Die bei SX-70 eingesetzten metallisierten Farbstoffe konnte dass UV-Licht kaum ausbleichen. Bei Polaroid sprach man von Bildern, die „unseres Wissens nach absolut stabil“ sind. Bei den gewöhnlichen Fotopapieren konnte dabei nur Cibachrome mithalten. Zudem erhöhte sich die Farbsättigung. Dazu gab man den Farbstoffen ein metallisches Ion bei, man imprägnierte sie sozusagen mit Metallsalzen. Ein Team bestehend aus sechs Chemikern hatte damit 1965 begonnen und erst 1970 mit Gelb die letzte der drei Grundfarben fertiggestellt.
Beim Bildeindruck war SX-70 im Vergleich zu Polacolor deutlich überlegen, die Farben wurden präziser und mit höherer Sättigung wiedergegeben. Polaroid hatte besonders auf die Hautwiedergabe geachtet, lediglich Purpur erwies sich als problematisch und tendierte zu Orange. Die Auflösung betrug 40 Linien pro Zoll und eine Körnung ließ sich mit bloßem Auge nicht erkennen. Polacolor 2, im Jahr 1975 erschienen, übernahm dann die metallisierten Farbstoffe und war daraufhin überlegen. SX-70 konnte mit der ersten Überarbeitung aber gleichziehen.
Entwicklungsverlauf Das ausgeworfene Bild zeigte zunächst eine milchig blaugrün erscheinende Fläche, nach 2 min blassgelbe Umrisse und nach spätestens 10 min das farbige Bild. Wie bereits von Polacolor bekannt, musste bei Temperaturen unter 7 °C die Entwicklung mit Hilfe der eigenen Körperwärme unterstützt werden, sonst kam es zur Unterbelichtung und Farbverfälschungen. Der Arbeitsbereich reichte bis 27 °C, die optimale Temperatur betrug 22 °C. Die Kamera selbst arbeitete von −30 °C bis 50 °C.
Das SX-70-Kassette Ein Bild hat das Format 7,8 cm × 7,9 cm mit einem Passpartout im Format 8,9 cm × 10,7 cm. Man durfte es nicht zerschneiden oder knicken, sonst war es zerstört. Die Empfindlichkeit gab Polaroid mit ASA 150 an, also rund ISO 160/23°.
Der Listenpreis einer Kassette betrug $ 6,90, sie enthielt 10 Bilder, darüber lag ein Lichtschutz, den die Kamera nach dem Einschieben automatisch auswarf. Dann drückte eine Feder die Bilder sukzessive nach oben, so dass das oberste immer in der Bildebene lag. Ganz unten lag die Polapulse-Batterie. So sollte vermieden werden, dass die Kamera wegen leerer Batterie nicht einsatzbereit war.
Polaroid setzte im Hinblick auf den Leistungsbedarf des Motorantriebs auf Zinkchlorid-Zellen, eine Neuentwicklung der ESB Inc.New Batteries: Flat packs, lead-acid Ds, 150-minute ni-cads, chlorine power, Popular Science Oktober 1973 Die Batterie maß etwa 90 mm × 70 mm × 30 mm, bestand aus 4 übereinanderliegende Zellen mit Minuspol an der Oberseite, die direkt miteinander verbunden waren, um Übergangswiderstände zu minimieren. Ein umhüllendes Zinkblech dafür sorgte, dass beide Anschlüsse an der Unterseite lagen. In der Kassette lag die Batterie unter einer Folie, die auf einer Pappkarte aufgeklebt war und zwei kreisrunden Löchern für die Kontakte aufwies. Da die Batterie für etwa 150 Bilder ausreichte,Inside story of the Pocket Polaroid SX-70 Camera, Popular Science Januar 1973 gab es im Zubehör Polapulse-Taschenlampen und sogar ein Transistorradio, um sie weiter nutzen zu können.
Anlaufschwierigkeiten Polaroid hatte zuvor nur die Endmontage seiner Kameras übernommen, die Fertigung aller Einzelteile also bei Zuliefern in Auftrag gegeben. Ebenso hatte man die Zutaten für die Sofortbildfilme nicht selber produziert. Deswegen tat man sich schwer, die Produktion zu starten. Es kam zu Flecken und abgelaufenen Filmen, weil man für die Batterielebensdauer anfänglich nur drei Monate ansetzte. Erst nachdem Polaroid die Batterie selber herstellte, konnte man ein weiter in der Zukunft liegendes Verfallsdatum angeben und vorzeitige Ausfälle vermeiden.Kodak's instant-picture camera, Popular Science Juli 1976 Selbst bei einwandfreien Produkten gab es Klagen, nämlich über die vier- bis fünfmal längere Entwicklungszeit gegenüber dem Trennbildverfahren. Einige Zeitschriften bemängelten überdies die unsichere, da sehr temperaturabhängige Farbwiedergabe.
New SX-70 Zur Photokina 1976 kündigte Polaroid mit dem Slogan „New Improved Faster Developing!“ einen New SX-70 Land Film an. Die empfohlene Verarbeitungstemperatur lag nun zwischen 7 °C und 35 °C, wobei er sich bemerkenswert unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen zeigte. Hinzu kam eine verbesserte Farbwiedergabe mit „eingeengter Grünlücke“, natürlicherer Hautwiedergabe und intensiverem Schwarz. Zudem führte eine dünnere Mylar-Beschichtung der Oberfläche zu reflexfreier Betrachtung und weicheren Kontrasten. Die Entwicklung ging nun bereits in 6 min vonstatten.
Im Juli 1978 kam es zu einer weitern Verkürzung der Entwicklungszeit, diesmal auf 4 min.
SX-70 Supercolor Im Spätherbst 1979 führte SX-70 Time Zero bereits auf den Testmarkt in Florida ein, wobei sich die Bezeichnung auf die Entwicklungszeit bezog. Das Bild erschien binnen einer Minute, womit SX-70 nun mit dem Trennbildverfahren gleich zog; erste Details ließen sich nach wenigen Sekunden erkennen. Neu war außerdem, dass das Bild zu Beginn komplett weiß war. Die Einführung in den deutschen Markt begann im Sommer 1980 mit einer Pressevorstellung im Münchener Hotel Holday Inn unter dem Namen SX-70 Supercolor. Polaroid legte Wert darauf, dass es kein „alter, verbesserter“, sondern ein ganz neuer Film sei. Die Bilder waren schärfer als bisher und die Farben originalgetreuer. Nur Landschaftsaufnahmen fielen unverändert enttäuschend aus.
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