mini|Elizabeth Keckley um 1870 Elizabeth Keckley (auch Keckly) (* Februar 1818 in Dinwiddie Court House, Virginia; † 26. Mai 1907 in Washington, D.C.) war eine US-amerikanische Schneiderin und Autorin. Ursprünglich eine Sklavin, gelang es ihr im Alter von 30 Jahren, sich selbst und ihren Sohn freizukaufen. Als Schneiderin machte sie sich rasch einen Namen unter den Ehefrauen hochrangiger, amerikanischer Politiker und wurde schließlich die Modistin und enge Vertraute der Präsidentengattin Mary Lincoln. Zusätzlich gründete sie Hilfsvereine für ehemalige Sklaven. Nach dem Ende des Sezessionskriegs und der Ermordung des Präsidenten Abraham Lincoln veröffentlichte Keckley im Jahr 1868 ihre Autobiografie Behind the Scenes. Or, Thirty Years a Slave, and Four Years in the White House, die zum Teil ihre Erinnerungen an die Sklaverei und zum Teil ihr Leben mit der Familie Lincoln beschreibt. Obwohl die Autobiografie zu Keckleys Lebzeiten unterdrückt wurde und keinen Erfolg hatte, wird sie auch heute noch als Quelle für das Familienleben der Lincolns benutzt.
Leben
Kindheit und Jugend
mini|hochkant=1|Gedenktafel für Elizabeth Keckley in Hillsborough, North Carolina
Elizabeth wurde im Februar 1818 in Dinwiddie Court House, Virginia, als Tochter der afroamerikanischen Sklavin Agnes Hobbs geboren. Das genaue Datum ist unbekannt, da es nicht üblich war, die Geburtstage von Sklaven aufzubewahren. Ihre Mutter war mit George Pleasant verheiratet, dem Sklaven eines Nachbarn, der seine Familie nur zu Ostern und Weihnachten sehen durfte. Agnes Hobbs’ Aufgabe im Haushalt ihrer Herrschaften war u. a. Schneiderei und Elizabeth ging ihr dabei zur Hand, sobald sie alt genug war. Die Kenntnisse, die sie sich hier erwarb, sollten ihr später zu ihrer Karriere verhelfen. Ihre Eltern wurden schließlich für immer getrennt, als Pleasants Herr in den Westen zog und seinen Sklaven mit sich nahm. Obwohl sie in ihrer Autobiografie Pleasant als ihren Vater bezeichnete, gab sie später an, dass ihr Herr, Colonel Armistead Burwell, ihr Vater sei, was möglicherweise erklärt, warum sie von Zeitgenossen als recht hellhäutig bezeichnet wurde. Ebenso könnte es ein Grund für die Härte ihrer Herrin gegen Elizabeth und Agnes gewesen sein.
Im Alter von vier Jahren wurde Keckley mit der Pflege der neugeborenen Tochter ihres Herren, Elizabeth, betraut und wurde das erste Mal in ihrem Leben ausgepeitscht, als sie versehentlich die Wiege so stark schaukelte, dass das Baby herausfiel.Elizabeth Keckley: Behind the Scenes. 1868, S. 8. Wie andere Sklaven erlebte sie Trennungen von versklavten Familien und ihr Onkel beging eher Selbstmord, als seinem Herren den Verlust von landwirtschaftlichen Geräten zu gestehen. Im Alter von vierzehn Jahren wurde sie dem Haushalt des ältesten Sohnes Robert Burwell zugeteilt und vier Jahre später zog die Familie nach North Carolina. Dort wurde Keckley auf Betreiben ihrer Herrin wiederholt sowohl von Burwell als auch vom Schuldirektor Bingham ausgepeitscht, um „ihren hartnäckigen Stolz zu brechen“. Letztendlich blieb Keckley moralischer Sieger, da sich beide bei ihr entschuldigten und weitere Misshandlungen gegen sie und andere Diener einstellten.
Vier Jahre lang wurde sie zudem von dem Weißen Alexander Kirkland sexuell missbraucht, dessen Sohn George sie 1839 zur Welt brachte. Kirkland starb, als George anderthalb Jahre alt war. Jahre später, als Keckley nach dem Tod ihres Sohnes eine Rente für verwitwete Mütter gefallener Soldaten beantragte, gab sie an, dass ihr Besitzer sie mit Kirkland verheiratet hätte. Allerdings war Kirkland zum Zeitpunkt von Georges Geburt nachweislich mit Anne McKenzie Cameron verheiratet und in ihrer Autobiografie erzählt Keckley von schmerzlichen Erinnerungen an Kirklands „Nachstellungen“ und „niedrige Lüste“. Es ist daher möglich, dass sie lediglich behauptete, seine Ehefrau gewesen zu sein, um ihren Sohn zu legitimieren und die Rente zu erhalten.
Karriere
Ihr Leben wandte sich zum Besseren, als sie im Jahr 1842 dem Haushalt Anne Garlands zugeteilt wurde, einer Tochter Colonel Burwells, und mit ihrer Familie nach St. Louis zog. Da die Familie in Geldnöten war, begann Keckley als Schneiderin zu arbeiten und verdiente für zwei Jahre den Unterhalt des achtzehnköpfigen Haushalts. Durch ihre Fähigkeiten, ihre harte Arbeit und ihr einnehmendes Wesen scharte sie bald einen treuen Kundenstamm um sich, hauptsächlich Damen aus den höheren Schichten der Stadt, aus deren Erzählungen Mary Lincoln das erste Mal von Elizabeth Keckley hören sollte. Während dieser Zeit begann James Keckley um sie zu werben, allerdings wies sie ihn zunächst ab, da sie fürchtete, mit ihm Kinder zu bekommen, und da die Kinder einer Sklavin automatisch selbst zu Sklaven wurden. Sie begann mit den Garlands um einen Preis für ihre Freiheit zu verhandeln in der Hoffnung, sich und ihren Sohn freikaufen zu können. Nach langem Zögern setzte Garland den Preis schließlich auf 1200 Dollar fest.
Da James Keckley Elizabeth versicherte, ein freier Schwarzer zu sein, und sie Hoffnung hatte, sich und ihren Sohn bald freikaufen zu können, heiratete sie ihn schließlich, wahrscheinlich im Jahr 1852. Nach der Hochzeit stellte sich allerdings heraus, dass er in Wahrheit selbst ein Sklave war. Keckley verlor später nur wenige Worte über das Zusammenleben mit ihrem Mann und erwähnte lediglich, dass sie acht Jahre mit ihm lebte und dass er „sich als Bürde erwies anstelle eines Gehilfen“. Neben ihrem Ehemann musste Keckley nach wie vor die Garlandfamilie finanziell unterstützen und somit blieb ihr kaum Geld für ihren Freikauf übrig. Nach Garlands Tod fasste sie schließlich den Entschluss, nach New York zu reisen und dort Spenden zu sammeln. Für die Reise benötigte sie jedoch sechs Bürgschaften für ihre Rückkehr. Die letzte hoffte sie von einem Bekannten namens Farrow zu erhalten, der ihr jedoch offen sagte, dass er nicht an ihre Rückkehr glaubte. In dieser Situation kamen ihr ihre Kundinnen zur Hilfe, die für sie 1200 Dollar sammelten. Mit dem Geld konnte Keckley sich und ihren Sohn im Jahr 1855 freikaufen, und da sie nach wie vor als Schneiderin arbeitete, konnte sie den Betrag bald zurückzahlen.
mini|hochkant=1|Varina Davis, Kundin Elizabeth Keckleys Da ihr Mann ihr Geld verschwendete und viel trank, trennte sie sich im Jahr 1860 von ihm und zog in den Norden um. Nach einem kurzen Aufenthalt als Lehrerin für Schneiderei in Baltimore ließ sie sich im Sommer in Washington, D.C. nieder, wo sie wieder begann als Schneiderin zu arbeiten. Auch hier baute sie sich rasch einen treuen Kundenstamm auf und wurde im November als Modistin von Varina Davis eingestellt, der Ehefrau des Senators Jefferson Davis, des zukünftigen Präsidenten der Konföderierten Staaten von Amerika. Von ihr erfuhr Keckley schließlich, dass Krieg bevorstand, schlug jedoch nach einigem Überlegen das Angebot aus, die Familie Davis in den Süden zu begleiten. Kurz bevor sie abreiste, fertigte Keckley zwei Morgenmäntel für Varina Davis an, von denen sie einen denkwürdigerweise nach dem Krieg im Jahr 1865 auf einem Wohltätigkeitsverkauf in Chicago wieder fand. Angeblich, so die Legende, hatte Jefferson Davis ihn zu seiner Gefangennahme getragen.
Keckleys endgültiger Durchbruch kam, als sie ein Kleid für Mrs. Lee für den Empfang des britischen Prince of Wales schneiderte, des zukünftigen Eduard VII. Mrs. Lee empfahl sie anderen Damen, die ebenfalls an dem Empfang teilnahmen, und Keckley arbeitete fortan u. a. für Adele Cutts, Ehefrau von Stephen A. Douglas. Durch die höher bezahlten Aufträge hatte sie bald ein geregeltes Einkommen, allerdings wuchsen auch die Anforderungen ihrer Kundinnen. So wurde von ihr erwartet, auch kurzfristig und über Nacht Aufträge zu erledigen und dennoch hohe Qualität zu liefern. Als Gegenleistung für einen sehr kurzfristigen Auftrag empfahl eine Kundin Keckley an Mary Lincoln, kurz nachdem Abraham Lincoln zum Präsidenten gewählt worden war. Als neue First Lady benötigte Mary Lincoln eine Schneiderin für eine repräsentative Garderobe und wählte am 3. März 1861 Keckley aus insgesamt vier Bewerberinnen aus.
Soziales Engagement
Obwohl Keckley auch nach ihrem Freikauf der Garlandfamilie und anderen Weißen aus dem Süden sehr freundschaftlich verbunden blieb, geht aus ihrer Autobiografie hervor, dass sie die Institution der Sklaverei als Unrecht betrachtete. Sie bezeichnete Sklaven als „Millionen, die in hoffnungsloser Knechtschaft gefangen sind, gefesselt und gebunden mit stärkeren und schwereren Ketten als eisernen Handschellen“ und besonders das Schicksal ihres Sohnes führte ihr lebhaft vor Augen, wie willkürlich Sklaverei insbesondere im Fall von Mischlingen gehandhabt wurde. Sie selbst war mit hoher Wahrscheinlichkeit die Tochter eines Weißen und ihr Sohn hatte ebenfalls einen weißen Vater. Tatsächlich war er so hellhäutig, dass er für die Armee der Nordstaaten als weißer Soldat akzeptiert wurde. Dennoch hatte ihn der bloße Status seiner Mutter ursprünglich zur Sklaverei verdammt.
mini|hochkant=1|Fifteenth Street Presbyterian Church um ca. 1899 Ab 1862 begannen ehemalige Sklaven in den Norden zu strömen. Obwohl Lincoln seinen Offizieren keine Befugnis erteilt hatte, Sklaven zu befreien, argumentierten die Soldaten, dass Sklaven von der konföderierten Armee als Arbeitskräfte benutzt werden konnten, um Verschanzungen und Schützengräben zu bauen. Sklaven wurden daher offiziell nicht befreit, sondern beschlagnahmt als verbotene Ware, auf Englisch contrabands. Die wenigsten der Contrabands hatten Freunde oder Verwandte im Norden und viele blieben sich selbst überlassen, da die weiße Gesellschaft wenig Interesse zeigte, sie zu integrieren.
Keckley hingegen gehörte zur Elite der freien Afroamerikaner und befand sich in der Lage, anderen Schwarzen zu helfen. Sie war mit führenden afroamerikanischen Bürgerrechtlern befreundet, unter ihnen Frederick Douglass und Henry Highland Garnet. Inspiriert durch Benefizveranstaltungen zu Gunsten verletzter Soldaten fasste Keckley den Entschluss, von farbigen Sponsoren gestiftete Hilfsgesellschaften für die Contrabands zu organisieren. In der Fifteenth Street Presbyterian Church fand ihre Idee regen Anklang und die Contraband Relief Association wurde zwei Wochen später ins Leben gerufen, bestehend aus vierzig Mitgliedern. Die Kirche richtete die ersten öffentlichen Schulen für afroamerikanische Kinder ein, unter anderem die Colored Mission Sabbath School.
Einen Ausflug Mary Lincolns nach New York und Boston im September 1862 nutzte Keckley, um unter den freien Schwarzen der Städte Kontakte zu knüpfen und ihre Hilfe für die Organisation zu sichern. In Boston wurde ein Ableger der Organisation gegründet unter der Leitung der Ehefrauen des Pastors Leonard A. Grimes und des Geistlichen Martin. Von dort erhielten Keckley und die Organisation während des Krieges über achtzig Hilfssendungen, gestiftet von freien Schwarzen. In New York organisierte der schwarze Pastor Henry Highland Garnet ein Treffen in seiner Kirche und Frederick Douglass selbst half Keckley Geld zu sammeln und Vorträge zu Gunsten der Organisation zu halten. Über seine Kontakte erhielt die Contraband Relief Association auch Gelder aus Großbritannien. Auch Abraham und Mary Lincoln spendeten regelmäßig Geld. Ein Jahr nach ihrer Gründung wurde die Organisation umbenannt in Freedmen and Soldiers’ Relief Fund. Keckley selbst wurde Präsidentin der Organisation und behielt diese Position von der Gründung der Assoziation bis zum Erscheinen ihrer Autobiografie.
Freundschaft mit Mary Lincoln