Friedrich August Johann Georg AlbrechtDie Pastoren der Landeskirchen Hannovers und Schaumburg-Lippes seit der Reformation. Im Auftrage des Landeskirchenamts Hannover namens der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte in Gemeinschaft mit zahlreichen Mitarbeitern herausgegeben von Philipp Meyer; Band 2. Göttingen 1942, S. 257 f. „Hans“ Dannenbaum (* 23. April 1895 in Oldenburg (Oldenburg); † 1. Mai 1956 in Hannover) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe, Stadtmissionsdirektor und Pfarrer.Lebensdaten im DNB-Portal, abgerufen am 21. Juli 2015.
Herkunft Dannenbaum wurde als Sohn des Wachtmeisters und späteren Magistratsekretärs Karl Dannenbaum in Oldenburg in kleinbürgerliche Verhältnisse hineingeboren und wuchs in Hannover auf. Dort legte er das Abitur ab und meldete sich gleich danach freiwillig zum Militär (Ulanen). Dannenbaum wurde im Sommer 1915 zum Leutnant und Kompanieführer befördert und nahm am Ersten Weltkrieg als Adjutant bei höheren Stäben des Heeres teil.
Theologiestudium und Berufseinstieg Als unversehrter Kriegsheimkehrer begann Dannenbaum mit dem Theologiestudium in Göttingen und wechselte bald an die Theologische Fakultät der Universität Marburg zur Fortsetzung des Studiums. Zu seinen Professoren gehörten der Neutestamentler und Kirchengeschichtler Adolf Jülicher, der Systematiker Wilhelm Herrmann und der Religionswissenschaftler Rudolf Otto. Das Theologiestudium schloss Dannenbaum an der Georg-August-Universität Göttingen mit dem ersten Examen ab. Zu seinen Kommilitonen im theologischen Seminar gehörte der später durch seine Bibelübersetzung bekannt gewordene Hans Bruns.Hans Bruns. In: Hans Brandenburg: Hans Dannenbaum von seinen Freunden, Gladbeck (1957), S. 106. 1921 ist Dannenbaum bei einer Evangelisationsverantaltung von Ernst Lohmann zu einem erwecklichen Glauben gekommen. Im gleichen Jahr begann er sein Vikariat, das er mehrere Monate bei der Berliner Stadtmission unter Pfarrer Erich Schnepel absolvierteErich Schnepel, in: Hans Brandenburg in: Hans Dannenbaum von seinen Freunden, Gladbeck (1957), S. 41.. Das sich daran anschließende Predigerseminar besuchte er in Erichsburg in Niedersachsen. Nach dem zweiten theologischen Examen erhielt Dannenbaum 1923 eine Hilfspredigerstelle an der Pauluskirche in Hannover. Noch im selben Jahr wechselte Dannenbaum auf die offene Pfarrstelle in Othfresen bei Goslar, wo er seinen Dienst als Geistlicher bis 1926 ausübte.
Wirken in der Berliner Stadtmission Dannenbaum leistete einem Ruf Folge, Inspektor in der Berliner Stadtmission und Pastor an deren Kirche in Berlin-Kreuzberg mit der dazugehörigen Gemeinde zu werden. In einem zeitgenössischen Bericht über den Pfarrer dieser Kirche wurde geschrieben: „Seine liturgisch reich geschmückten Abendmahlsgottesdienste in den Abendstunden, in denen Einsetzungsworte und Vaterunser wie die anderen Teile des Altardienstes in alter, ehrwürdiger Vertonung von ihm gesungen werden, vereinigen jedes Mal Hunderte und ziehen eine steigende Zahl von Teilnehmern an.“50 Arbeits-Jahre im Dienste des Glaubens und der Liebe. 1877–1927. Jubiläumsschrift der Berliner Stadtmission. Bearbeitet von Walther Thieme; Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt, Berlin, 1927, S. 39. Siehe auch dort die Abbildung von Pastor Hans Dannenbaum im Talar.Ein Porträtfoto von Hans Dannenbaum u. a. auch von Erich Schnepel findet sich in: Die Weihnachtsbücher des Furche Verlages … unter besonderer Berücksichtigung der Neuerscheinungen des Jahres 1936 .... – S. 2: Dannenbaum u. S. 7: Schnepel; Bilderleiste; Flyer-Sammlung, Benutzer:Schudi 45.
Pastor der Bekennenden Kirche und Militärseelsorger Dannenbaum stand mit seiner Gemeinde „von Anfang an im Lager der Bekennenden Kirche“.Hans Dannenbaum: Werden und Wachsen und Wachsen einer Missionsgemeinde. Erlebnis- und Tatsachenbericht aus der Arbeit im Dienste der Berliner Stadtmission 1926–1947. Schriftenmissions-Verlag, Gladbeck (1950), S. 177. Sein Vorgesetzter (1933 bis 1939), der Berliner Stadtmissionsdirektor Pfarrer Walter Thieme (* 1878; † 1945), war Delegierter der ersten Synode der Bekennenden Kirche (BK) in Barmen und Dahlemer BK-Synoden.K. Keim, O. Reschke, G. Wehner: Widerstand gegen das NS-Regime 1933 bis 1945. Ein biographisches Lexikon; Bd. 8, S. 56 f. Stichwort: Thieme, W. ISBN 978-3-89626-908-9. Zusammen mit dem führenden Vertreter der Bekennenden Kirche, Martin Niemöller, und ihrem leitenden Mitarbeiter Gerhard Jacobi sprach Dannenbaum auf Bekenntnisversammlungen. Dannenbaum schloss sich bereits 1933 in der Gründungsphase der Jungreformatorischen Bewegung an, zu deren Initiatoren Pfarrer Niemöller und Hanns Lilje, der damaligen Generalsekretär der Deutschen Christlichen Studentenvereinigung sowie Pfarrer Walter Künneth, Leiter der Apologetischen Centrale im Berliner Evangelischen Johannisstift, gehörten, die sich gegen eine „Gleichschaltung“ der evangelischen Kirchen durch das NS-Regime zur Wehr setzte. Dannenbaum war Mitunterzeichner des öffentlichen „Aufrufs zur Sammlung“ dieser Bewegung.Heinz Boberach: Handbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949. Organe – Ämter – Verbände – Personen. Bd. 1: Überregionale Einrichtungen. Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte. Reihe A: Quellen, Band 18; Göttingen, 2010, ISBN 978-3-525-55784-6, S. 104.
Im Jahre 1935 griffen der Völkische Beobachter sowie eine weitere nationalsozialistische Zeitung, Der SA-Mann, den Bekenntnispfarrer Dannenbaum an, weil er in einem Aufsatz zur Judenfrage unter bibeltreuer Auslegung die Kapitel 9 bis 11 des Römerbriefes „Gottes Weg mit Israel“ erörtert hatte. Von „staatsfeindlicher Einstellung“ war in der NS-Presse die Rede und der Forderung, ihn „aus dem Amt zu entlassen“ bis hin, ihn strafrechtlich zu verfolgen, verbunden mit dem Verlangen: „Der Verfasser gehört ins Konzentrationslager ...“ Nach dieser Pressekampagne wurden Hausdurchsuchungen, Verhöre bei der Gestapo und Bespitzelungen der Gottesdienste, insbesondere der Predigten Dannenbaums, durchgeführt.Hans Dannenbaum: Werden und Wachsen und Wachsen einer Missionsgemeinde. Erlebnis- und Tatsachenbericht aus der Arbeit im Dienste der Berliner Stadtmission 1926–1947. Schriftenmissions-Verlag, Gladbeck (1950), S. 178 f. Während des „heftigen Sturmwindes der Kirchenkampfes“ förderte Dannenbaum die Rückbesinnung der bekennenden Kirche auf die christlichen Erweckungsprediger, um für „gegenwärtiges Handeln zu lernen“ und konnte für sich feststellen, dass er „für seinen Missionsdienst in Berlin dem großen hannoverschen Erweckungsprediger Louis Harms Entscheidendes verdankt.“Vorwort von Hans Dannenbaum zu seinem Band 2 Sie werden leuchten wie die Sterne in der Reihe: „Gotteszeugen aus zweitausend Jahren Kirche Jesu Christi“, erschienen im Furche-Verlag, Berlin, 1939, S. 6.
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges bat Feldbischof Franz Dohrmann Dannenbaum, Standortpfarrer III von Berlin zu werden, um zunächst vor allem das Wehrmachtslazarett in Berlin-Tempelhof seelsorgerlich zu betreuen.Hans Graf Kanitz (General a. D.), in: Hans Brandenburg in: Hans Dannenbaum von seinen Freunden, Gladbeck (1957), S. 79. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Wehrmachtspfarrer Erwin Bendel (* 29. April 1910), der als evangelischer Standortpfarrer III hauptamtlich tätig war,Pfarralmanach für die Kirchenprovinz Mark Brandenburg / Evangelisches Konsistorium der Mark Brandenburg, Abschnitt V, Berlin, 1939, S. 439. wurde Dannenbaum mit der Militärseelsorge im NebenamtRolf Dannenbaum, in: Hans Dannenbaum von seinen Freunden, Gladbeck (1957), S. 21. beauftragt. Seine nebenberufliche Tätigkeit als Geistlicher im Standortpfarramt in Berlin während des Zweiten Weltkrieges bewahrte ihn Anfang der 1940er Jahre vor dem unmittelbaren Zugriff der Gestapo, weil er „als Standortpfarrer sozusagen der Wehrmacht unterstand“.Hans Dannenbaum: Werden und Wachsen und Wachsen einer Missionsgemeinde. Erlebnis- und Tatsachenbericht aus der Arbeit im Dienste der Berliner Stadtmission 1926–1947. Schriftenmissions-Verlag, Gladbeck (1950), S. 180 f. Der kommissarische Leiter der Berliner Stadtmission, v. Bahrfeldt, teilte dem Evangelischen Konsistorium der Mark Brandenburg, Abteilung Berlin, 1941 mit, dass der „Generalstaatsanwalt ein Ermittlungsverfahren gegen den Stadtmissionsinspektor Dannenbaum wegen politischer Äußerungen … eingeleitet (hat)“, welches „zur Zeit bei der hiesigen Geh. Staatspolizei schwebt“.Schreiben vom 17. Juni 1941 mit offiziellem Briefkopf der Berliner Stadtmission, gerichtet „An das Evangelische Konsistorium, Berlin SW 68, Lindenstraße14“; Archivalie im Evangelischen Landeskirchenarchiv in Berlin Signatur: ELAB 14/3001 Das Konsistorium wandte sich daraufhin unmittelbar an den „Generalstaatsanwalt bei dem Landgericht als Leiter der Anklagebehörde bei dem Sondergericht“ und erfuhr, dass „wegen Vergehens § 2 des Heimtückegesetzes“ gegen Pastor Dannenbaum „ein Ermittlungsverfahren eingeleitet“ wurde, das noch nicht abgeschlossen sei.Antwortschreiben vom 10. Dezember 1941 des Berliner Generalstaatsanwalts beim Landgericht an das Evangelische Konsistorium der Mark Brandenburg. Im Jahre 1942 wurde Dannenbaum von der Justiz im Dritten Reich warnend darauf hingewiesen, dass gegen ihn Anklage erhoben werde, wenn sich vorhandene aktenkundige Vorwürfe wegen seiner aktiven Beteiligung am Kirchenkampf wiederholten.Hans-Rainer Sandvoß: „Es wird gebeten, die Gottesdienste zu überwachen…“: Religionsgemeinschaften in Berlin zwischen Anpassung, Selbstbehauptung und Widerstand von 1933 bis 1945. Berlin 2014, S. 146f. ISBN 978-3-86732-184-6. Als Standortpfarrer der Wehrmacht, der u. a. als Seelsorger für inhaftierte Soldaten und Offiziere in zwei Wehrmachtsgefängnissen zuständig war,Rolf Dannenbaum, in: Hans Dannenbaum von seinen Freunden, Gladbeck (1957), S. 22. hatte Dannenbaum Besuchsbefugnisse in Berliner HaftanstaltenEberhard Bethge: Dietrich Bonhoeffer. Theologe – Christ – Zeitgenosse. . und besuchte gemeinsam mit Harald Poelchau im Tegeler Gefängnis Dietrich Bonhoeffer.Ferdinand Schlingensiepen: Dietrich Bonhoeffer, 1906–1945. München 2006, S. 358; ISBN 3-406-53425-2. Er hat bei einem Besuch Bonhoeffer als Zellenlektüre das Buch „Klopstock“ des Autors Karl Kindt leihweise überlassen.Hans Brandenburg in: Hans Dannenbaum von seinen Freunden, Gladbeck (1957), S. 129. Seine Besuche schloss Dannenbaum in der Gefängniszelle in Berlin-Tegel mit der Lesung eines Bibelabschnitts und einem Fürbittegebet ab, was Bonhoeffer dankbar annahm.Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer. Evangelische Verlagsanstalt Berlin GmbH, Berlin, 1986; (Dieser Ausgabe lag die 5. Auflage 1983 des Chr. Kaiser Verlages München zugrunde.) S. 956.
Neuanfang nach der Befreiung 1945