mini|hochkant=1.3|Stolpersteine vor dem ehemaligen Offiziers­wohn­haus der Flieger­kaserne zur Erinnerung an Men­schen, die vom NS-Regime in Stein an der Donau, im KZ Groß-Rosen, im KZ Dachau und in Schloss Hartheim er­mordet wur­den Das Projekt Stolpersteine für Wiener Neustadt wurde im Oktober 2009 vom Verein Aktion Mitmensch und der Straßenzeitung Eibisch-Zuckerl ins Leben gerufen und kümmert sich um die Verlegung von Stolpersteinen in Wiener Neustadt. Bislang wurden von Gunter Demnig mehr als hundert Stolpersteine im Stadtgebiet von Wiener Neustadt verlegt.

Gründung, Ziele und Vernetzung Als 2008 in der Straßenzeitung Eibisch-ZuckerlAusgabe 34, Oktober/November 2008 ein Bericht von Anton Blaha über die in Mödling verlegten Stolpersteine erschien, der mit der Frage endete: „Würde sich eine solche Aktion auch in Wiener Neustadt umsetzen lassen?“, bildete sich rasch eine Arbeitsgruppe, getragen von der Herausgeberin Brigitte Haberstroh, dem Verleger Maximilian Huber und dem Historiker Michael Rosecker. Die Arbeitsgruppe konnte die Historiker Anton Blaha, Karl Flanner, einen Wiener Neustädter Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, und Werner Sulzgruber zur Mitarbeit gewinnen und den Bürgermeister Bernhard Müller von der Sinnhaftigkeit des Projekts überzeugen.

Das vorrangige Ziel der Initiative ist die Verlegung von originalen Stolpersteinen durch Gunter Demnig im Stadtgebiet. Bislang fanden Verlegungen statt am 24. Juli 2010, am 4. und 5. Juli 2011, am 26. März 2012, am 22. April 2013, am 5. Juli 2014 sowie am 18. Juli 2015. Mit nunmehr über 100 Stolpersteinen ist Wiener Neustadt eine der aktivsten Städte außerhalb Deutschlands, nach Salzburg (310), Oss und Oudewater (mit jeweils 263), Eindhoven (244), Rom (207), Gouda (183) und Rotterdam (128) an achter Stelle. Die Arbeit der Initiative besteht in der umfassenden biographischen Erfassung der Opfer, dem Eruieren des letzten Wohnsitzes, dem Einholen der behördlichen Genehmigung, der Finanzierung und der Verpflichtung des Künstlers, der die Steine persönlich verlegt, sowie der Öffentlichkeitsarbeit und der Website. Wesentlich erscheint dem Projekt das Gewinnen der Akzeptanz der Bevölkerung und der Institutionen der Stadt. Der Kaufmännische Direktor des Landesklinikums Wiener Neustadt, Andreas Gamlich: „Die Aktion Stolpersteine für Wiener Neustadt ist ein wichtiger Beitrag der geschichtlichen Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, ist eine symbolische Verbeugung vor den Opfern und deren Schicksal. Mit dem Stolperstein für Alfred Wödl gibt es nun auch im Landesklinikum einen Ort der Erinnerung.“Landeskliniken-Holding Niederösterreich: , abgerufen am 23. Juli 2015.

Schon in der Planungsphase wurde die Jüdische Gemeinde Wiener Neustadt eingebunden, eine Reihe ihrer Vorschläge wurde übernommen.Jüdische Gemeinde Wiener Neustadt: Gedanken und Anmerkungen zum Projekt „Stolpersteine“ in Wiener Neustadt, abgerufen am 25. Juli 2015. Das Wiener Zentrum für Selbstbestimmtes Leben BIZEPS druckte in seiner Zeitschrift BIZEPS-Info einen Bericht von Anton Blaha über das Stolperstein-Projekt ab.BIZEPS-Info: „Stolpersteine“ für Wiener Neustadt, 10. Oktober 2010. Am Bundesrealgymnasium Gröhrmühlgasse wurde Aufklärungsarbeit betrieben und eine Spendenaktion gestartet, mit deren Ertrag 26 weitere Stolpersteine finanziert werden konnten.BRG Gröhrmüllergasse: , abgerufen am 22. Juli 2015. Die Handelsakademie und Handelsschule Wiener Neustadt übernahm die Patenschaft für drei Stolpersteine und finanzierte diese.Handelsakademie Wiener Neustadt: , abgerufen am 23. Juli 2015.

Das Stadtmuseum Wiener Neustadt präsentierte im April/Mai 2011 eine Sonderausstellung Schicksalswege. Die jüdische Gemeinde in Wiener Neustadt und öffnete dem Projekt seine Räume für eine ergänzende Ausstellung, die den Biographien der jüdischen Familien Müller (Baumkirchnerring 5) und Buxbaum (Gröhrmühlgasse 31) gewidmet war.erinnern.at: Ausstellung: „Stolpersteine des BRG Gröhrmühlgasse“ im Stadtmuseum Wiener Neustadt, abgerufen am 22. Juli 2015. Im Juni 2011 präsentierten zwei der Initiatoren die Ziele des Projekts im Wiener WUK.Verena Gappmaier: Stolpersteine-Vortrag bei WUK m.power, 9. Juni 2011. Am 3. November 2011 fand im Stadttheater Wiener Neustadt ein Festakt statt, in dessen Rahmen die Historiker Brigitte Bailer-Galanda und Werner Sulzgruber sprachen und das Buch des Projekts präsentiert wurde.Radlobby: Festakt Stolpersteine für Wiener Neustadt, abgerufen am 23. Juli 2015. Der Festakt wurde von Schülern der Musikmittelschule Burgplatz musikalisch umrahmt.Musikmittelschule Wiener Neustadt: Stolpersteine 3.11.2011, abgerufen am 23. Juli 2015. Das Fernsehen berichtete.siehe Weblink WNTV

Die Stolpersteine für Wiener Neustadt erzielten regionales Presseecho,Stolpersteine für Wiener Neustadt: Zeitungsartikel 2010, abgerufen am 23. Juli 2015. die Straßenzeitung Eibisch-Zuckerl, die das Projekt mitbegründet hatte, widmete dem Projekt insgesamt 22, teilweise umfangreiche Beiträge.Stolpersteine für Wiener Neustadt: Artikel in der Straßenzeitung „Eibisch-Zuckerl“, abgerufen am 23. Juli 2015. Kurze überregionale Aufmerksamkeit erfuhren Vandalismusakte an dem Projekt im Winter 2015; Der Standard und der ORF berichteten.Colette M. Schmidt: Stolpersteine in Wiener Neustadt: Verdacht auf Säureattacken. In: Der Standard, 6. März 2015.ORF: Vier „Stolpersteine“ in Wr. Neustadt beschädigt, 6. März 2015.Erwähnt wurde die Verlegung von Stolpersteinen in Wiener Neustadt auch von einer Reihe weiterer Medien, vgl. Die Presse: Graz: „Stolpersteine“ erinnern an NS-Opfer, 29. Juli 2013.

Die Seite des Vereines sowie die mit ihr kooperierende Seite zur Wiener Neustädter Zeitgeschichte wurde Ende 2015 Ziel eines Hackerangriffs, wobei die Seite so zerstört wurde, dass sie faktisch neu aufgebaut werden muss. Kurz nach dem Hackerangriff wurde auch ein erfolgter Säureattentat auf mindestens zwei Stolpersteine des Projektes aufgedeckt.derStandard.at - Neuerlich Attacken auf Stolpersteine in Wiener Neustadt. Artikel vom 14. Jänner 2016, abgerufen am 14. Jänner 2016.

Ausgewählte Stolpersteine Die folgenden Stolpersteine wurden zum Teil mehrfach Ziele vandalistischer Akte. Die Steine für Gertrud und Johanna Hirsch wurden zweimal mit Säure beschädigt, auch die Stolpersteine der Familie Breuer wurden mit Säure beschädigt, beim Stolperstein für Julius Puschek wurde das Messingblech zweimal komplett weggemeißelt und die Erinnerungsmale für die Familie Hacker wurden zweimal mit blauer Farbe bestrichen:

Stolpersteine auf vier Erinnerungswegen

Innenstadt Nord Baumkirchnerring 5: Kurt Müller Lazar Müller Paul Müller Ruth Müller Wolfgang Müller Ida Riegler geb. Basch Irma Riegler Nathan Riegler Purgleitnergasse 46: Franz Winkelmann Gröhrmühlgasse 31: Julie Buxbaum Julius Buxbaum Margarete Buxbaum geb. Bohenszky Max Buxbaum Martinsgasse 8: Heinrich Gerstl Raugasse 4: Emma Bauer geb. Gewing Ernst Bauer Leopold Bauer Susanne Bauer Wiener Straße 51: Alfred Höchstätter Kaiserbrunngasse 17: Johanna Schischa Wilhelm Schischa Innenstadt Süd Kollonitschgasse 12: Berta Reininger Herzog-Leopold-Straße 28: Paul Johannes Schlesinger Herzog-Leopold-Straße 3: Arnold Lemberger Bella Lemberger geb. Kohn Hauptplatz 13: Gustav Robert Braunberg Wiener Straße 13: Julius Duhl Hauptplatz 20: Ludwig Huber Grazer Straße 95: Juliane Taul Kesslergeasse 15: Rudolf Müller Langegasse 5 / Lederergasse 1: Charlotte Pollak geb. Adler Edith Pollak Friedrich Pollak Inge Pollak Zehnerviertel Neunkirchner Straße 53: Arnold Beinhacker Eugen Beinhacker Margarethe Beinhacker geb. Leitner Dietrichgasse 23: Maier Hacker Regine Hacker geb. Tauber Robert Hacker Kaisersteingasse 7: Franz Seckl Hanni Delfine Seckl geb. Grünfeld Kaisersteingasse 13: Johann Hödl Brunner Straße 30: Heinrich Seckl Ignaz Seckl Wassergasse 9: Emma Poppinger Serbenhalle / Flugfeld Pottendorfer Straße 121: Julius Puschek Pottendorfer Straße 47/49: Denkmal Die Opfer des KZ in der Serbenhalle Mießlgasse 43: Helga Pauer Wiener Straße 95: Max Stössel Flugfeldgürtel 13/15: Karoline Formann Franz Kasteiner Heinrich Sauer Eduard Schaller Fischauergasse 100: Maria Wolf Zusätzlich wurden weitere Stolpersteine verlegt, die bisher nicht Teil der Erinnerungswege sind. Die beiden Erinnerungswege durch die Innenstadt können zu Fuß absolviert werden, für die beiden anderen Strecken werden Fahrräder empfohlen.

Buchpublikationen Im November 2011 wurde ein Buch über die Wiener Neustädter Stolpersteine publiziert. Es wurde im Rahmen eines Festakts präsentiert, zu dem auch Angehörige der Opfer eingeladen waren. Das Buch heißt Stolpersteine Wiener Neustadt – Stadtführer des Erinnerns, wurde von den Initiatoren des Projekts, Brigitte Haberstroh, Maximilian Huber und Michael Rosecker, herausgegeben, reflektiert die Leistungen der Arbeitsgruppe und ist im Verein Alltag Verlag erschienen.United States Holocaust Memorial Museum: Stolpersteine Wiener Neustadt – ein Stadtführer des Erinnerns, abgerufen am 23. Juli 2015. Am Buch haben eine Reihe namhafter Historiker aus ganz Österreich mitgearbeitet, darunter Brigitte Bailer-Galanda vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, die Kinder-Euthanasie-Expertin Waltraud Häupl, Manfred Lang vom Renner-Institut und SoHo sowie Florian Wenninger vom Verein zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeitgeschichte, alle aus Wien, und Erika Thurner vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck.

Im selben Verlag erschien 2014 der Band Wir bedauern ... Wiener Neustadt und Neudörfl im Sog der NS-Euthanasie von Anton Blaha. Der Autor hatte gemeinsam mit seiner Frau für das Wiener Neustädter Stolpersteine-Projekt die biographischen Erfassungen der Aktion-T4-Opfer übernommen und stellte seine Recherchen schließlich in Buchform vor. Das Buch wurde am 13. November 2014 im Stadtarchiv Wiener Neustadt präsentiert.Verein Alltag Verlag, Ankündigung der Buchpräsentation von Anton Blaha, abgerufen am 22. Juli 2015.

Literatur mini|hochkant=0.7|Ein Stolperstein in Wiener Neustadt Brigitte Haberstroh, Michael Rosecker, Maximilian Huber (Hrsg.): Stolpersteine Wiener Neustadt – ein Stadtführer des Erinnerns. Verein Alltag Verlag, Wiener Neustadt 2011, ISBN 978-3-902282-35-4.

Weblinks

Stolpersteine für Wiener Neustadt, offizielle Website des Projekts Buchpräsentation: Stolpersteine WN, Fernsehbeitrag von WNTV über den Festakt im Stadttheater

Einzelnachweise

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