mini|Frédéric François (2012) Frédéric François, eigentlich Francesco Barracato (* 3. Juni 1950 in Lercara Friddi, Sizilien), ist ein italienischer Sänger und Komponist, der im wallonischen Landesteil Belgiens lebt. Er verkaufte über 35 Millionen Tonträger, was ihn zum dritterfolgreichsten belgischen Sänger hinter Salvatore Adamo und Jacques Brel macht. Insgesamt sang er 350 Lieder in vier Sprachen.
Leben Herkunft und Kindheit Er wurde am 3. Juni 1950 in Lercara Friddi (Sizilien) als zweites von acht Kindern der Näherin Antonina Salemi und des Minenarbeiters Giuseppe Barracato geboren. Der Vater wanderte nach Belgien in das Lütticher Kohlerevier aus, wo er einen Dreijahresvertrag erhielt.
1951 zog die Mutter mit ihren beiden Söhnen nach, worauf sie mit Vater Peppino in einem Hilfskonvoi des Roten Kreuzes in TilleurTilleur ist 8 km von Lüttich entfernt. lebte. Peppino sang gerne neapolitanische Lieder und Opernarien, wobei er sich selbst auf der Gitarre begleitete. Francesco trat bereits im Alter von zehn Jahren in einem Café vor Publikum auf.
Anfänge 1963 wurde er nebenberuflich Gitarrist und Sänger einer Gruppe namens Les Eperviers. 1965 verließ er die Berufsschule und nahm Geigenunterricht am Lütticher Musikkonservatorium, wo er unter anderem Kurse in Diktion, Deklamation und Gesang belegte.
1966 schloss er sich der Gruppe Les Tigres Sauvages an, und gewann den Microsillon d’Argent beim Festival von Châtelet in Belgien. Zum Preis gehörte auch die Aufnahme einer Single. Hierfür spielte er unter dem Pseudonym François Bara die Titel Petite fille und Ne pleure pas ein. Sein Vater erwarb die 500 Schallplatten und verkaufte sie an Jukebox-Besitzer. Außerdem durfte der Gewinner dieses Musikwettbewerbs als Vorgruppe dreier berühmter Künstler auftreten: Johnny Hallyday, Pascal Danel und Michel Polnareff.
1969 verschaffte ihm der belgische Produzent Constant Defourny den ersten Plattenvertrag bei dem Musik-Label Barclay-Belgique. Im Juli 1969 nahm er Sylvie auf und brachte seine erste Single unter dem Namen Frédéric François heraus, als Hommage an den Komponisten Frédéric Chopin. Seine ersten Soloauftritte fanden auf Lütticher Bühnen statt, wobei er in das Repertoire des Tanzorchesters The Best Group fünf Eigenkompositionen einbettete. Es erschienen die erfolglosen Singles Les Orgues de Saint Michel und Comme tous les amoureux. Dieses Lied hatte er für die belgische Teilnahme am Concours Eurovision de la chanson 1970 geschrieben, kam damit aber nicht in die letzte Auswahl.
1970er-Jahre 1970 nahm Frédéric François einen neuen Titel auf, Jean, eine Adaptation des britischen Film-Songs The Prime of Miss Jean Brodie des Regisseurs Ronald Neame (1969). Dieses Lied wurde unter dem Label AZ vertrieben und hatte auch über den französischsprachigen Landesteil Belgiens hinaus Erfolg. 1970 heiratete er Monique Vercauteren, eine Bergarbeiterstochter. Im Duett mit ihr nahm er ein neues Lied auf, diesmal gesprochen und nicht gesungen: I love you, je t’aime. Ihr erstes Kind, Gloria, wurde am 13. Februar 1971 geboren. Die 30.000 verkauften Exemplare dieser Single galten als erster Achtungserfolg. Monique musste aber weiter in der Fabrik arbeiten. Frédéric konnte kaum von seiner Musik leben und glaubte schon nicht mehr an den großen Erfolg, als er die Lieder Comme on jette une bouteille à la mer und Je n’ai jamais aimé comme je t’aime zu Texten des Chansontexters Marino Atria komponierte.
Frédéric François stand 13 Wochen auf Platz 1 der Hitparade in der Sendung Formule J und war damit in aller Munde, was sein neues Label Vogue-Belgique dazu bewegte, Je n’ai jamais aimé comme je t’aime testweise zu vertreiben, vorerst nur in den französischen Plattenläden des Départements Pas-de-Calais, einer Nachbarregion Belgiens. 250.000 Exemplare wurden verkauft. Er selbst betrachtet diese sechste Single, die er unter dem Namen Frédéric François herausbrachte, als seinen ersten wirklichen Erfolg.
Am 15. Mai 1972 wurde sein zweites Kind geboren, Vincent. Seinen ersten großen Kassenschlager landete Frédéric François im Sommer 1972 mit Je voudrais dormir près de toi, der sich 500.000 Mal verkaufte und die Listen in mehreren Ländern anführte.
Mit der Veröffentlichung weiterer Erfolge wie Laisse-moi vivre ma vie, Viens te perdre dans mes bras (1973) und Chicago (1975) war er auch immer häufiger auf Tournee. In diese Zeit fiel die Geburt seines dritten Kindes, Anthony, am 8. Januar 1976. Frédéric François galt mittlerweile als Mädchenschwarm. Von diesem Erfolg konnte er bis 1979 zehren, als der Siegeszug der Diskomusik begann, die ihn von den vorderen Plätzen der Hitparaden verdrängte.
1980er-Jahre Bis 1982 hatte er keinen nennenswerten Erfolg mehr zu verzeichnen. Dies hinterließ seelische Spuren und äußerte sich psychosomatisch in Form von heftigen Panikanfällen, die erst nachließen, als sich der Erfolg wieder einstellte. Aufwind erhielt er durch die freien Radiosender, die immer wieder den Titel Adios Amor (1982) ausstrahlten, bei dem es sich um die Adaptation eines deutschen Schlagers von Andy Borg durch den Liedtexter Michel Jourdan handelt. 500.000 Exemplare dieser Single wurden innerhalb weniger Wochen verkauft, gefolgt von Aimer, einer Adaptation M. Jourdan/Andy Borg im Jahre 1983. 1984 wechselte er zu Trema, dem Plattenlabel von Michel Sardou und Enrico Macias. Bis dahin hatte Frédéric François vor allem Singles verkauft, trotz seiner 13 LPs bei Vogue. Jetzt brachte er ein neues Album heraus, Mon cœur te dit je t’aime, das Gold einspielte.
In diesem Jahr wurden auch die Top 50 ins Leben gerufen, die einen Wendepunkt in seiner Karriere brachten, weil die Sänger sich zum ersten Mal in der Geschichte nach ihren tatsächlichen Verkäufen und nicht nach subjektiven Bewertungen platzierten. In Paris jedoch stieß das Show-Business noch auf Skepsis. Frédéric François war bereits 34 Jahre alt, als er zum ersten Mal im Olympia in Paris auftreten durfte, dank seines Managers Moïse Benitah, der Jean-Michel Boris und Paulette Coquatrix überzeugen konnte. Die Konzerte waren ausverkauft. Sein neues Lied Je t’aime à l’italienne war derart gefragt, dass es ein Jahr später (1985) erneut in roten Lettern über dem Eingang der berühmten Pariser Music Hall prangte. Auch sein erstes Buch erschien, Les yeux charbon (Carrère-Lafon), eine Hommage an seine Familie und sein Publikum.
Am 14. April 1987 starb sein Vater Peppino Barracato. Der Erfolg seines neuen Albums Une nuit ne suffit pas (erste Zusammenarbeit mit einer Liedtexterin, Michaele) und die Vorbereitungen zu seinem dritten Olympia-Auftritt 1988 halfen ihm, diesen Schicksalsschlag zu verkraften.
1989 trat er in 25 Städten Kanadas sowie in den USA (April 1989) in Miami und New York auf, wo er fünf Konzerte in drei verschiedenen Sälen gab: Brooklyn College, Queen’s College der CUNY und Townhall Foundation.
1990er-Jahre Drei Wochen lang, vom 1. bis zum 18. März 1990, stand Frédéric François auf dem Programm im Olympia. Am ersten Abend erfuhr er am Ende des Konzerts, als er gerade das letzte Lied seines Repertoires sang, Je t’aime à l’italienne, dass sein viertes Kind, Victoria, soeben geboren worden war. Zwei Jahre später stand er sogar einen ganzen Monat lang auf dem Programm der berühmten Pariser Music Hall. Dies war die längste Konzertreihe seiner Karriere.
1993 verließ er Trema und gründete ein eigenes Label, MBM, um künstlerisch vollkommen frei zu sein. Für den Vertrieb unterzeichnete er einen Vertrag bei BMG. Dort brachte er die letzte Single-Vinylschallplatte seiner Karriere heraus, L’amour c’est la musique. Es folgte seine erste CD mit dem Titel Tzigane (sowie ein erster Auszug desselben letzten Single-Titels in Belgien).
Am 20. Dezember 1996 empfing Papst Johannes Paul II. ihn zusammen mit anderen Ehrengästen zu einer Privataudienz in Rom. Zu diesem Anlass sang er erstmals vor dem katholischen Oberhaupt, begleitet von 70 Musikern und den Chören der Römer Oper.
Seine Mutter, die er stets verehrt hatte, starb am 17. August 1997. Frédéric François widmete ihr sein achtes Konzert im Olympia, das im März 1998 stattfand, gefolgt von einer Tournee, die mehr als 300.000 Besucher anzog. Zur Vorbereitung seines ersten Konzerts am 30. Mai 1999 in seiner Geburtsstadt Lercara Friddi auf Sizilien nahm er einige Monate vorher ein Album mit italienischen Klassikern (Volare, Come Prima, Ciao Ciao Bambina) unter dem Titel Les plus grandes mélodies italiennes auf. Er fügte auch ein auf Sizilien bekanntes Familienlied ein, La porta abanidduzza (dt. übers.: Die angelehnte Tür), und sang dabei zum ersten Mal in seiner Karriere in sizilianischem Dialekt. Dies war für ihn eine Art Rückkehr zu den Wurzeln und zugleich eine Gelegenheit, sein 30-jähriges Karrierejubiläum zu feiern.
1999 brachte der Verlag LCJ Productions eine VHS-Kassette des Films Les dédales d'Icare unter der Regie von Armand Rocour (1981 Belgien) auf den Markt. Den Titelsong des Films, Je voyage, sang Frédéric François. Es war zugleich seine erste Filmrolle.
2000er-Jahre Frédéric François begann das neue Jahrtausend mit der Veröffentlichung seines zweiten Buchs, Ma vie (Verlag Hors Collection), in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Serge Igor, dem er sein Leben erzählte, wie er es noch nie zuvor getan hatte. Dabei gewährte er auch zum ersten Mal Zugang zu seinem persönlichen Fotoarchiv.
Seine Tournee 2002–2003 umfasste mehr als 100 Konzerte in Frankreich, Belgien und der Schweiz, einschließlich einer Hommage an Tino Rossi 2003, dessen größte Chanson-Erfolge er in sein Repertoire aufnahm: Méditerranée, Marinella, Ave Maria, Petit Papa Noël.
2004 sang er bei seinem 11. Konzert im Olympia erstmals in Englisch, und zwar ein Cover von Elvis Presley, Love me tender. Das Publikum dankte ihm mit stehenden Ovationen. Nachdem er drei Jahre lang kein neues Lied mehr aufgenommen hatte, brachte er 2005 eine CD mit 15 Chansons heraus, darunter Et si on parlait d’amour. Innerhalb weniger Wochen verkaufte er 200.000 Exemplare.
Im Oktober 2005 zeigte er sich im dritten Buch, Autobiographie d’un Sicilien (Verlag Ramsay), von einer ganz privaten Seite und offenbarte hierin seine Werte und Ideale. Im selben Jahr erhielt er von einigen seiner weiblichen Fans neben dem schon berühmten „Fredo“ einen weiteren Beinamen: „La voix de l’amour“ (The voice of love, dt. übers. Die Stimme der Liebe).
In seinen Liedern erzählt Frédéric François gerne aus dem eigenen Leben. So ist das am 14. Juni 2006 veröffentlichte Album Mes Préférences sinnbildhaft, weil es die Meilensteine seiner Karriere und seines Familienlebens aufgreift: das Lied, das er im Alter von zehn Jahren erstmals vor Publikum sang, O Sole Mio; seine erste Aufnahme Petite fille; sein erster großer Erfolg Laisse-moi vivre ma vie; das Lied, das er seiner Mutter zu Ehren schrieb, als sie noch lebte, Mamina („kleine Mama“ auf Sizilianisch); die Liebeserklärung an sein jüngstes Töchterchen, Victoria, mit dem Lied Fou d’elle; den Titel, den er zum sechsten Todestag seines Vaters schrieb, Le Strapontin de papa.
Frédéric François sagte, mit genau einem Jahr Abstand, gleich zweimal Merci la vie!, das erste Mal am 22. Oktober 2007 mit seiner CD Merci la vie! und das zweite Mal am 22. Oktober 2008 mit der Veröffentlichung seines Fotobandes mit über 300 Aufnahmen von Starfotograf Patrick Carpentier (Merci la vie! im Verlag Du Rocher). Am 26. Oktober 2008 jedoch erkrankte Frédéric François kurz vor seinem Konzert im Lütticher Forum. Infolge von Kortisonmissbrauch erlitt er einen Zusammenbruch. Zweimal musste er in die Lütticher Klinik CHU eingewiesen wurden. Der erste Aufenthalt dauerte fast einen Monat, vom 28. November bis zum 22. Dezember 2008, der zweite vierzehn Tage im Februar 2009. Während er im Krankenhaus lag, erschien sein Live-Album, gefolgt von der DVD seiner Tour 2008 vom Olympia bis zum Forest National mit einer Zusammenstellung von Aufnahmen seiner Bühnenauftritte in Paris und Brüssel.