Werder oder lateinischÜbersetzung von Werder Insula ist der Name mehrerer uradliger Familien aus Niedersachsen bzw. dem äußersten Nordhessen, die in der Forschung oft unzureichend unterschieden wurden.

Grafen von Gieselwerder Dieses Geschlecht nannte sich nach Gieselwerder an der Weser. 1071 wird ein Graf Rether als Parteigänger Herzog Ottos von Northeim erwähnt., Wolfgang Petke: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königtum und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert. Hildesheim 1971, S. 291, Anm. 47. Ob er bereits, wie seine beiden Nachfolger in erzbischöflich mainzischem Dienst stand, ist offen.

Aus einer, nach der Bestätigungsurkunde von 1144 gefälschten, Urkunde Erzbischof Ruthards von Mainz über die Stiftung des Klosters Bursfelde durch Graf Heinrich den Fetten von Northeim geht hervor, dass Albert von Werder (Albertus de Insula) einen Großteil des Ortes, an dem das Kloster errichtet wurde, an den Grafen verkauft hatte. Alberts Bruder, Ludolf von Werder, Domherr in Magdeburg, hatte diesen Verkauf erfolgreich angefochten, übertrug den strittigen Besitz aber, besagter gefälschter Urkunde zufolge, nun, im Jahre 1093, selbst dem Kloster.Gustav Luntowski: Die Bursfelder Urkundenfälschungen des 12. Jahrhunderts. In: Archiv für Diplomatik 5-6 (1960), S. 154–181, doi:10.7788/afd.1960.56.jg.154, vgl. dazu Wolfgang Petke: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königtum und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert. Hildesheim 1971, S. 291, Anm. 47.

Zwischen 1105 und 1129 tritt Burchard de Insula in mehreren Urkunden auf.Wolfgang Petke: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königtum und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert. Hildesheim 1971, S. 291, Anm. 47. Er war ein Wanderer zwischen den Welten, denn er urkundet sowohl in Hildesheimer Urkunden, wie in Mainzer. Da er zudem, wie der zeitgleich lebende Burchard I. von Loccum agiert, beide in einem Teil des Ambergaus amtierten, könnte man beide Personen für identisch halten, gäbe es nicht eine Urkunde, in welcher beide miteinander urkunden. Die beiden Grafen dürften miteinander versippt, zumindest verschwägert gewesen sein.

Auf Burchard von Insula folgt ein weiterer Rether von Insula, der in mehreren wichtigen Urkunden der Mainzer Erzbischöfe um 1150 als Zeuge agiert. Sein Vater hieß Widold. Rether bezeugt die bedeutende Urkunde im Jahr 1144, als Erzbischof Heinrich I. von Mainz in Rosdorf, dem Stammsitz der Herren von Rosdorf, Heinrich II. von Winzenburg mit dem Erbe der Grafen von Northeim belehnt. Aus der Familie der Rosdorfer ist Konrad von Geismar als Zeuge zugegen.

Grafen von Werder Die Hauptsitze dieser Familie lagen in Werder an der Nette (im Ambergau) und in Emne (bei Gronau).Wolfgang Heinemann: Das Bistum Hildesheim im Kräftespiel der Reichs- und Territorialpolitik vornehmlich des 12. Jahrhunderts. Hildesheim 1968 (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens 72), S. 321. Ihre Grafschaftsrechte waren ein Lehen des Reichsstifts Gandersheim.Wolfgang Petke: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königtum und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert. Hildesheim 1971, S. 288, Anm. 35.

Die Familie von Werder war mit den Grafen von Wöltingerode verschwägert und versippt, was dazu führte, dass letztere, nach dem Erlöschen dieses Geschlechts von Werder im Mannesstamm, die Amtsführung im Ambergau von den von Werder übernahmen.Wolfgang Petke: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königtum und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert. Hildesheim 1971, S. 297, S. 288, Anm. 35, S. 129.

Zeitgleich mit Rether von Gieselwerder tritt Teodericus de Insula auf, als Dietrich I. von Werder-Emne sehr wahrscheinlich Stammvater dieser Familie. Er war Schwiegersohn von Graf Ludolf von Wöltingerode.Wolfgang Petke: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königtum und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert. Hildesheim 1971, S. 62. Anders als in der älteren Forschung mitunter vermutet, war Dietrich von Werder-Emne wohl kein Sohn Burchards von Gieselwerder. Dietrich von Werder-Emne urkundet zwischen 1147 und 1172.Wolfgang Petke: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königtum und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert. Hildesheim 1971, S. 290–291.

Zwischen 1173 und 1190 taucht Graf Dietrichs Sohn, Dietrich II. von Werder-Emne, in den Urkunden auf. Er ist unter den Zeugen, als das Kloster Wöltingerode zu Ehren seiner Großeltern gestiftet wird. Gemeinsam mit ihm testieren die Brüder Egilmar und Friedrich von Rothe, wie sich der Seitenzweig der Herren von Rosdorf, die Herren von Hardenberg ursprünglich nannten.Karl Janicke (Hrsg.): Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe. Erster Theil. Bis 1221. Leipzig 1896, Nr. 368, hier S. 353 ().

Von Dietrich II. von Werder-Emne sind drei Söhne, namens Dietrich (III), Ludger und Konrad, überliefert. Graf Dietrich III. von Werder-Emne urkundet zwischen 1190 und 1220. Er starb ohne Erben, wie sein Bruder Ludger. Graf Ludger von Werder-Emne war Mitbesitzer der Orte Ammenhusen und Waldenhusen, gemeinsam mit Lippold von Escherde und Gunter von Bovenden aus der Familie der Herren von Rosdorf. Graf Ludger urkundet zwischen 1217 und 1225. Er starb am 10. Juli 1226 oder 1227 und sein Erbe wurde auf die Verwandten verteilt.Wolfgang Petke: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königtum und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert. Hildesheim 1971, S. 46 (Todesdatum), S. 378 f.

Konrad de Insula (Werder-Emne), der dritte Sohn Dietrich II., war Geistlicher. Zunächst Domherr zu Hildesheim, war er später Propst von St. Mauritius, dem Kloster, dessen Vogt Lippold von Escherde und dessen Nachkommen waren. Lippold von Escherde war ein Schwager Konrad von Insulas. Als Erbe des größten Teils der Erbschaft seines Vaters und seiner verstorbenen Brüder, teilte er sich das Erbe mit seinen beiden Neffen, den Grafen von Herzberg-Wohldenberg. Ein Teil dieses gemeinsamen Besitzes war der Anteil von einem Viertel am Pandelbachwald.Wolfgang Petke: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königtum und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert. Hildesheim 1971, S. 377. Die Grafen von Werder teilten sich den Besitz dieses Waldes mit den Herren von Freden, Mitgliedern der Familie der Herren von Rosdorf, sowie mit den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg.

Vor seinem Tod 1255 verkaufte Konrad de Insula gemeinsam mit seinem Neffen, Hermann von Wohldenberg, das Stammgut Emne an das Bistum Hildesheim.Klaus Naß: Mittelalterliche Quellen zur Geschichte Hildesheims (= Quellen und Dokumentationen zur Stadtgeschichte Hildesheims 16). Hildesheim 2006, ISBN 3-8067-8518-X, S. 79 = . Damit endet die gräfliche Linie von Werder-Emne.

Herren von dem Werder mini|hochkant|Stammwappen derer von dem Werder Angehörige des Ministerialengeschlechts von dem Werder (de insula) oder vom Alten Markt (de antiquo foro oder de veteri foro), traten im 12. und 13. Jahrhundert wiederholt als Vögte der Stadt Hildesheim oder als Vögte des bischöflichen Eigenklosters St. Michael in Erscheinung.

Werner Wittich vermutete, dass diese Familie ursprünglich frei gewesen und erst im 12. Jahrhundert in die Ministerialität des Hochstifts Hildesheim eingetreten sei.Werner Wittich: Altfreiheit und Dienstbarkeit des Uradels in Niedersachsen. In: Vierteljahrschrift für Social- und Wirtschaftsgeschichte. IV, 1906, S. 1–127, hier S. 97, Familie vom Altenmarkt oder vom Werder (de Insula). (, Digizeitschriften). Georg Bode widersprach Wittichs Annahmen vehement, spätere Forscher folgten, in abgemilderter Form, Bodes Argumentation.Georg Bode: Der Uradel in Ostfalen (= Forschungen zur Geschichte Niedersachsens. 3,2/3). Hannover 1911 S. 233 f.; Astaf von Transehe-Roseneck: Die ritterlichen Livlandfahrer des 13. Jahrhunderts (= Marburger Ostforschungen. Band 12). Würzburg 1960 S. 53; Wolfgang Heinemann: Das Bistum Hildesheim im Kräftespiel der Reichs- und Territorialpolitik vornehmlich des 12. Jahrhunderts (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens. 72). Hildesheim 1968 S. 79. Anne Südbeck hält eine Gleichsetzung der Familien de insula und de antiquo/veteri foro nicht für zwingend und rät zur Vorsicht. Mehrere Angehörige der Familie vom Alten Markt waren nach ihren Forschungen Vögte von St. Mauritius in Hildesheim.Anne Südbeck: Hildesheims weltliche Eliten im Hochmittelalter. Regensburg 2021 (Objekte und Eliten in Hildesheim 1130 bis 1250 6) ISBN 978-3-7954-3634-6, S. 91 Anm. 508, S. 128f., S. 177 und S. 206–208 (leider ohne Register).

Liutoldus oder Ludolf von dem Werder tritt erstmals 1132 in einer Urkunde Bischof Bernhard I. von Hildesheim als Vogt der Stadt Hildesheim in Erscheinung.Karl Janicke (Hrsg.): Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe. Erster Theil. Bis 1221. Leipzig 1896, Nr. 200, hier S. 184 (). Die zweite Urkunde,Karl Janicke (Hrsg.): Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe. Erster Theil. Bis 1221. Leipzig 1896, Nr. 201, hier S. 185 (). in der Ludolf von dem Werder als Vogt der Stadt und seines Bischofs auftritt ist zwischen 1132 und 1141 zu datieren. Beide Urkunden hängen inhaltlich miteinander zusammen. Sie sind aufschlussreich für die familiären Bezüge der von Werder zum Klan der Herren von Rosdorf, da zahlreiche Zeugen den miteinander verwandten Familien zuzuordnen sind: der Stifter Siegfried von Mehle gehört zum Umfeld der Herren von Escherde, Bodo von Wichbike (= Adelebsen) ist verschwägert mit den von Bovenden, von Hardenberg, von Rosdorf; Ernst von Rössing (de Rothigge) ist verschwägert mit den von Escherde und den von Rosdorf, Lippold von dem Werder ist ein Bruder des Vogtes. Neben Lippold von dem Werder hatte Ludolf von dem Werder noch einen weiteren Bruder, Hugo von dem Werder, der häufig ebenfalls gemeinsam mit seinen Brüdern urkundet.

Neben dem an der Innerste gelegenen Stammsitz (dort, wohin 1660 die Hildesheimer Kartause verlegt wurde, Anm. 59.), gehörte der Familie ein Eigengut in Heisede. Das nahe Sarstedt gehörte den Herren von Escherde. Zudem hatten die Werder in Escherde gemeinsam mit den von Escherde Besitz.Werner Wittich: Altfreiheit und Dienstbarkeit des Uradels in Niedersachsen. In: Vierteljahrschrift für Social- und Wirtschaftsgeschichte. IV, 1906, S. 1–127, hier S. 97, Familie vom Altenmarkt oder vom Werder (de Insula). (, Digizeitschriften); Georg Bode: Der Uradel in Ostfalen (= Forschungen zur Geschichte Niedersachsens. 3,2/3). Hannover 1911 S. 233.

1147 bezeugen Ludolf und Lippold von dem Werder eine Schenkung Bischof Bernhards von Hildesheim zu Ildehausen. Dieser Ort war bereits 965 anlässlich einer Besitzrückübertragung Kaiser Otto I. an Graf Billing erwähnt worden. 1309 verkauften Friedrich von Rosdorf und Hildebrandt von Hardenberg den Ort.

Als im Jahr 1150 Bischof Bernhard Hermann II. von Winzenburg erneut mit seiner Stammburg belehnte, bezeugen dies Graf Ludolf von Wöltingerode, Graf Dietrich von Werder-Emne, sowie die Brüder Ludolf, Lippold und Hugo von dem Werder. 75 Jahre später befinden sich Teile der Burg sowie ihrer Außenwerke im Besitz der Herren von Escherde und von Freden. Dies wirft die überaus interessante Frage auf, auf welchem erbrechtlichem Weg Teile des Winzenburger Erbes bei Mitgliedern der Familie der Herren von Rosdorf landeten. Die Bezüge zwischen den Urkunden von 1144 (in Rosdorf), 1150 (Winzenburg), 1151 (Schöneberg) sind jedenfalls auffällig.