Peter Rocha (* 1. September 1942 in Gotha; † 30. August 2014 in PotsdamStets mit kritischem Blick. bei pnn.de, abgerufen am 17. Juli 2015) war ein deutscher Dokumentarfilmer.

Leben Peter Rocha, der aus einer niedersorbischen Familie stammte, wurde 1942 in Gotha geboren. Sein Großvater war der niedersorbische Volksdichter Fryco Rocha.Wolfgang Albus: , Łužyca (rbb), 18. Oktober 2014.

Rocha besuchte die Schule in Cottbus. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Maurer.Ralf Schenk: Nachruf auf Peter Rocha (1942–2015). In: Film-dienst 23/2014 vom 6. November 2014, Seite 26 Danach studierte er von 1961 bis 1964 an einer Fachschule für angewandte Kunst Malerei und absolvierte dort sein Staatsexamen. Später studierte er an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Babelsberg. Bereits während des Studiums entstanden erste Dokumentarfilme wie Wäsche, Vietnam – 5. Episode: Eine Puppe für Bè Mai, Kybernetik und Turmklempner. Im Anschluss war Rocha zunächst frei als Regisseur und Drehbuchautor für die DEFA beschäftigt. Ab 1970 erhielt er eine Festanstellung im Studio.

Von 1982 bis 1983 absolvierte Rocha ein zusätzliches Studium am Leipziger Institut für Literatur „Johannes R. Becher“.

Unter Leitung von Karl Gass, dem „Nestor“ des DEFA-Dokumentarfilms, porträtierte er als Teil der Gruppe „Effekt“ wirtschaftliche Prozesse und Betriebe sowie ausgewählte Arbeiterpersönlichkeiten. In seinen Filmen dokumentierte Rocha den Alltag in der DDR mit einem „eigenwilligem und oft auch humorvollem Blick“. Seine durchaus kritischen Porträts der Werktätigen brachten ihn oft in Konflikt mit den Verantwortlichen der DEFA.

Mit Bejdin – Oberst a. D., dem Porträt eines russischen Kriegsveteranen, schuf Rocha 1988 ein Plädoyer für Glasnost und Perestroika. Der Film überstand die Zensur in der DDR im Gegensatz zu früheren kritischen Werken Rochas nicht unbeschadet. Nach zahlreichen Diskussionen, Kürzungen und drastischen Schnitten verschwand die Kopie des Films, bevor es zu einer Aufführung kommen konnte.

Ende der 1980er Jahre wandte sich Rocha verstärkt dem Thema der Umweltzerstörung und Devastierung ganzer Ortschaften im Lausitzer Braunkohlerevier zu. Es entstanden Filme wie Hochwaldmärchen über die Zerstörung ganzer Landstriche für den Kohleabbau und Leben am Fließ – W Błotach über eine sorbische Familie, der in der Produktionsgruppe Sorbischer Film gedreht wurde. Der dritte und letzte Film der Trilogie, Schmerzen der Lausitz, entstand unter Beteiligung von Gerhard Gundermann und Jurij Koch bereits nach der Wende und konnte die Umweltsünden im Braunkohlerevier noch deutlicher aufzeigen als die beiden ersten Filme. Rochas Lausitz-Filme inspirierten später unter anderem den Dokumentarfilmer Peter Benedix zu eigenen Filmen über den Braunkohleabbau in der Lausitz.Drei Dörfer in der Lausitz – Peter Benedix über seinen Dokumentarfilm „BrückenJahre“. In: Film-dienst 14/2015 vom 9. Juli 2015, Seiten 24–25

1991 wurde Rocha im Zuge der Abwicklung der DEFA entlassen. In den 1990er Jahren entstanden noch vereinzelt Dokumentarfilme. Danach zog er sich vom Filmemachen zurück und widmete sich der Malerei und Fotografie. Einen geplanten weiteren Film über die Lausitz konnte er nicht mehr realisieren.

Peter Rocha, der zuletzt in Tremsdorf lebte, starb Ende August 2014 nach langer Krankheit im Alter von 71 Jahren im Klinikum Ernst von Bergmann Potsdam.

Filmografie 1966: Wäsche 1966: Vietnam – 5. Episode: Eine Puppe für Bè Mai 1967: Kybernetik 1967: Turmklempner 1967: Mit dem Kinderwagen durch Polen 1968: Versuche über Karl Marx 1969: Erika T. – Notizen über eine Frau des Jahrgangs 1918 1970: Der Oktober kam... 1971: Lichtmacher – Fest in Oberspree 1972: Arbeitsmedizinische Gefahren in der DDR-Industrie 1972: Raketeers. Sternenbanner und Bundesadler in der NATO 1973: Ergonomische Komplexanalyse 1974: Leipziger Messe 1974: Mein Gästebuch – Prof. Manfred von Ardenne 1976: Der Lebendige – Georg Friedrich Händel 1977: Verführung zur Musik 1977: Kinderkomponistenklasse des Bezirkes Halle 1978: Im Spiel sich erkennen – Kindermusiktheater 1978: Peter Schreier – Wege und Stationen eines Weltstars 1979: Witaj – heißt: Ich grüße dich 1980: Lothar S. – Lokführer 1981: Mutter 1981: Sonst wären wir verloren... Buchenwaldkinder berichten 1984: Der Lewerenz – Porträt eines Heizers 1984: Solange du bei mir bist – L. Färnberg 1985: Aus den Akten der preußischen Criminalpolizei – Die Communisten-Verschwörung in Berlin 1985: Eine Schloßgeschichte 1987: Erinnerungsfoto – Heinz Kahlau 1986: Berlin-Nordost 1987: Hochwaldmärchen 1988: Das Singen im Dom zu Magdeburg 1988: Bejdin – Oberst a. D. 1988: Podo 1989: Leben am Fließ – W Błotach 1989: Der Physiker – Ansichten zu Prof. Dr. Dr. Dr. H.Jürgen Treder 1990: Die Schmerzen der Lausitz 1991: Flugträume 1993: Die Straße 1997: Wie wendisch ist der Maien – Unterwegs mit dem Prediger Frahnow 1997: Kurjos Hof 1999: Wendisches Abendlicht – Pfarrer Herbert Noack, Jahrgang 1916

Literatur Grit Lemke: Peter Rocha. »Wir machen keine Folklorefilme!« In: Grit Lemke & Andy Räder (Hrsg.): Sorbische Filmlandschaften. Serbske filmowe krajiny., Schriftenreihe der DEFA-Stiftung, Bertz + Fischer Verlag, Berlin: 2024, ISBN 978-3-86505-424-1, S. 199–219.

Weblinks

Peter Rocha Kurzbiografie bei der DEFA-Stiftung

Einzelnachweise

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