Der dritte Weg (Eigenschreibweise: DER DRITTE WEG, auch DER III. WEG, Kurzbezeichnung III. Weg) ist eine rechtsextremeVerfassungsschutzbericht. 2017, S. 78 (Im Original: „Die 2013 gegründete rechtsextremistische Kleinstpartei […]“). In: Bundesamt für Verfassungsschutz, 2014 (aktuelle Fassung: online). und neonazistische deutsche Kleinpartei. Sie wurde 2013 unter maßgeblicher Beteiligung ehemaliger NPD-Funktionäre und Aktivisten des im Juli 2014 verbotenen Freien Netzes Süd (FNS) gegründet, was vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz als Versuch gewertet wird, das FNS unter dem Schutz des Parteienprivilegs weiterzuführen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat einen deutlichen Einfluss von Neonazis und Gewaltbereitschaft in der Partei festgestellt. Die Partei ist insbesondere in Süd- und Ostdeutschland tätig.Andreas Glas, Dominik Hutter, Susi Wimmer: Islamhass kittet Neonazis zusammen. In: Süddeutsche Zeitung, 18. Januar 2015.
Geschichte und Mitglieder mini|Demonstrationszug am 15. Oktober 2016 in Fürth Die Partei wurde am 28. September 2013 in Heidelberg unter maßgeblicher Beteiligung ehemaliger NPD-Funktionäre und Aktivisten des im Juli 2014 verbotenen Freien Netzes Süd (FNS) gegründet. Sie gilt als Versuch, das FNS unter dem Schutz des Parteienprivilegs weiterzuführen.Nadja Erb, Hanning Voigts: Der dritte Weg führt nach rechts. In: Frankfurter Rundschau, 6. Februar 2015. Zum ersten Vorsitzenden der Partei wurde der ehemalige NPD-Funktionär Klaus Armstroff gewählt. Die Partei ist Sammelbecken einer relativ kleinen, aber sehr aktiven Gruppe von radikalen völkischen Nationalisten, die vorher in den Kameradschaften des Freien Netzes Süd aktiv waren. Die Partei strebt keine starke Vergrößerung an; ihre jetzigen Mitglieder verstehen sich vielmehr als „bewusste neonazistische Elite, die nicht auf Wachstum aus ist“.
Die Mehrheit der Mitglieder wird vom Brandenburgischen Verfassungsschutz als höchst gewaltbereit eingestuft.
Bekannte Mitglieder des III. Wegs sind neben Klaus Armstroff Maik Eminger, Matthias Fischer, Tony Gentsch, Benjamin Hager, Norman Kempken, Martin Wiese und MaKss Damage.
Struktur
In Bayern spiegelten die sechs sogenannten „Stützpunkte“ 2014 die Zentren der früheren Kameradschaften wider. Ihr gelang es im Jahr 2019, ihre Strukturen – wenn auch nur geringfügig – auszubauen. Von den geplanten vier Gebietsverbänden konnten demnach bislang nur drei gegründet werden. Im Norden von Deutschland sei es der Partei bislang nicht gelungen, Strukturen aufzubauen. Auf dem Bundesparteitag im September 2019 beschloss Der III. Weg Satzungsänderungen bezüglich einer Umstrukturierung der Gebietsverbände in Landesverbände. Die Partei hatte zuvor an den Kommunalwahlen in Sachsen 2019 teilgenommen, aber zur Landtagswahl in Sachsen am 1. September 2019 war ihr die Teilnahme aus formalen Gründen vom Landeswahlausschuss verwehrt worden. Mit den Satzungsänderungen unterstrich die Partei ihre Absicht, auch zukünftig bei Wahlen anzutreten und somit eine der für den Erhalt des Parteistatus notwendigen Voraussetzungen zu erfüllen bzw. zu festigen.Verfassungsschutzbericht 2019, S. 81
2019 erhöhte sich die geschätzte Zahl der Mitglieder/Anhänger/Unterstützer bundesweit auf ca. 580. Stand 2021 war die Mehrzahl der ca. 650 Voll- und Fördermitglieder in den Bundesländern Bayern, Berlin, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Sachsen aktiv, seit 2019 auch in NRW im Großraum Köln-Düsseldorf.
Finanzierung Die Partei finanziert sich laut Verfassungsschutzbericht des Landes NRW über das Jahr 2019 vor allem durch Spenden und Beiträge.
Programmatik mini|Programmatisches Plakat Die Partei fordert nach eigener Darstellung einen sogenannten „deutschen Sozialismus“ als vermeintlichen „dritten Weg“ abseits von Kommunismus und Kapitalismus. Ihre Programmatik basiert im Allgemeinen auf einem extrem völkischen Menschenbild in enger Orientierung am historischen Nationalsozialismus und der militanten Kameradschaftsszene.https://detektor.fm/politik/der-dritte-weg-neue-rechte-partei Die Partei ist antiparlamentarisch; sie strebt eine Präsidialdemokratie mit „weitreichenden Befugnissen“ für den Präsidenten an. Schlüsselindustrien und Banken sollen im Dienste eines „deutschen Sozialismus“ verstaatlicht werden.Jakob Schuchardt: Der Dritte Weg (Der III. Weg) www.bpb.de, 3. Mai 2019 Der III. Weg versteht sich selbst ideologisch als „nationalrevolutionär“ und knüpft teilweise an die Programmatik des sogenannten „linken“ Flügels der NSDAP um die Schwarze Front der Brüder Strasser an. Aus dieser Ideologie heraus sagte Armstroff bei einem Aufmarsch in Plauen im Mai 2014: „Kapitalistische Unternehmer […] stellen die Deutschen auf das Abstellgleis der Langzeitarbeitslosigkeit und gieren nach frischem Ausländerblut.“Robert Andreasch: Mit Hitler durch Plauen. In: a.i.d.a., 4. Mai 2014. Auf dem Bundesparteitag 2014 rief er dazu auf, Flugblattaktionen vor Flüchtlingsunterkünften zu starten und die Bevölkerung gegen Ausländer zu agitieren. In: Bayerisches Landesamt für Verfassungsschutz, 2015 (PDF). Die Partei stellt sich ausdrücklich gegen christliche Werte, die durch eine „heidnisch-germanische“ Esoterik der Artgemeinschaft ersetzt werden sollen.Christoph Hämmelmann: Braune Anti-Christen, Die Rheinpfalz, 20. Oktober 2015 Dabei rückte die Partei auch im Jahr 2019 insbesondere die Umwelt- und Klimaschutzdebatte in ihren Fokus.
Außenpolitisch solidarisiert sich Der III. Weg mit der griechischen neonazistischen Partei Chrysi Avgi,bpb.de ungarischen, ukrainischen und russischen Rechtsextremisten, der rechtsextremen skandinavischen Schwedischen Widerstandsbewegung, der neofaschistischen CasaPound Italia und dem syrischen Assad-Regime. S. 116 ff. Des Weiteren fordert Der III. Weg in geschichtsrevisionistischer Weise die „Wiederherstellung Deutschlands in seinen völkerrechtlichen Grenzen“ (laut Bayerischem Landesamt für Verfassungsschutz ist damit offenbar das Deutsche Reich vor dem Zweiten Weltkrieg gemeint)., S. 139. Die Partei ist zudem antisemitisch und antizionistisch., S. 111., S. 170 f., S. 163 ff. Das Parteiprogramm zur Europawahl 2019 trug die Überschrift „Europa erwache! Europäische Eidgenossenschaft statt EU-Diktatur!“ in Anlehnung an die strafrechtlich verbotene Losung „Deutschland erwache“ aus dem Sturmlied der SA. In: Rechtsextremismus 6/2019, Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, abgerufen am 20. Dezember 2019. Die parlamentarischen Repräsentanten in ganz Europa gelten der Partei als „Verräter“, „Vertreter des feigen Bürgertums“ und „Geldempfänger des Kapitals“. Man fiebere „jedem Schlag […] entgegen“, der diesen „volksfeindlichen Systemen“ beigebracht werde, und verneige sich „vor jedem Toten und jedem Verletzten dieses gesamteuropäischen Kampfes“.Hessischer Verfassungsschutzbericht 2018, S. 99 Ferner fordert Der III. Weg den Austritt aus der NATO.
Der III. Weg verwendet Symbole aus der Zeit des Nationalsozialismus wie das Zahnrad als Symbol der Deutschen Arbeitsfront sowie einen Hammer und ein Schwert, die sich kreuzen. Diese beiden Symbole waren seit 1929 Feldgauzeichen der Hitlerjugend und sollten die Vereinigung von Soldaten und Arbeitern veranschaulichen.Verfassungsschutzbericht Freistaat Thüringen 2018 S. 25
Das vom Bundesvorsitzenden Armstroff im April 2019 herausgegebene Handbuch mit dem Titel Der Nationalrevolutionär. Handbuch für Aktivisten unserer Bewegung kann als Grundsatzschrift der Partei für ihre Mitglieder und Anhänger aufgefasst werden. Gleichzeitig will die Partei damit über ihre Grenzen hinaus ideologiebildend und handlungsanleitend wirken, wobei sie aufgrund ihrer visuellen Gestaltung und Praxisorientierung dazu geeignet ist, auch außerhalb des traditionellen neonationalsozialistischen Spektrums Leser zu finden. Darin wird als Ersatz für das bestehende System – d. h. laut Partei „den ausbeuterischen Kapitalismus“ und „den volkszerstörenden Liberalismus“ – „der Deutsche Sozialismus als gerechte und soziale völkische Ordnung“ angekündigt, laut dem baden-württembergischen Verfassungsschutz eine Umschreibung für den Nationalsozialismus. In diesem Handbuch bezeichnet sich die Partei ferner als „die unversöhnlichen Feinde […] [einer] multikulturellen, kapitalistischen und liberalen Welt. Das Überleben unseres Volkes erfordert ihren Untergang.“, S. 171 ff. Insgesamt kommen in zahlreichen Äußerungen der Partei nicht nur ein ideologischer Fanatismus, sondern eine unverhohlene Feindseligkeit gegen die gesamte westliche Moderne zum Ausdruck.
Aktivitäten Mit den drei Betätigungsfeldern „Politischer Kampf“, „Kultureller Kampf“ und „Kampf um die Gemeinschaft“ versteht sich Der III. Weg als „ganzheitliche Organisation“. Zum „politischen Kampf“ gehören unter anderem Demonstrationen, Kundgebungen, Verteilaktionen sowie der „Antritt als wahlpolitische Initiative“. Der „kulturelle Kampf“ bezieht sich auf die Brauchtumspflege. Der „Kampf um die Gemeinschaft“ beinhaltet die Aspekte „Nachbarschaftshilfe“,„gelebte Gemeinschaft“, „gemeinsame Freizeitgestaltung“ und „sportliche Zusammenkünfte“, bei denen gerade Kampfsport eine besondere Rolle spielt.
Die Partei versucht, karitative Aktivitäten wie Sachspenden für Obdachlose, S. 116. („Deutsche Winterhilfe“) oder Kleiderverteilaktionen zur Propaganda und zur Gewinnung von Wählern zu nutzen. Mit Kampagnen wie „Kein Applaus für Tierquälerei!“ möchte sie an politische Themen der Mehrheitsgesellschaft anknüpfen und anschlussfähig werden., S. 91 f., 107 Zudem bietet sie auch Hausaufgabenhilfe, Kochkurse, Geschenkaktionen zu Weihnachten und Jugendtreffen an. Mittlerweile hat die Partei ein breitgefächertes Angebot speziell für Kinder und Jugendliche, wozu auch Wanderungen und Zeltlager gehören. Im Gegensatz zu karitativen Organisationen, die ihre Hilfen rein nach Bedürftigkeit vergeben, werden Spenden jedoch ausschließlich an Deutsche abgegeben.Rainer Fromm: Wutbürger – Innenansichten der neuen Rechten. Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF), Deutschland 2016, Erstausstrahlung am 14. März 2016 auf ZDFinfo, 44 Minuten, hier ab Minute 4:30.
Innerhalb der „Stützpunkte“ spielen neben Aktivitäten wie Flugblattverteilungen auch kulturell-völkische Aspekte eine Rolle, etwa gemeinsame Feiern wie Sonnenwendfeiern, Herbstfeste und Heldengedenken. Zentrales Veranstaltungsformat sind in regelmäßigen Abständen durchgeführte „Stützpunktabende“, bei denen neben aktuellen auch ideologische Themen besprochen werden.
Neben ihrer zuletzt 2017 überarbeiteten Website unterhielt die Partei einen Facebook-Auftritt. Nach der Sperrung durch Facebook versuchte die Partei, die Entsperrung im gerichtlichen Eilverfahren durchzusetzen, scheiterte jedoch im September 2021 vor dem Bundesverfassungsgericht. Zudem unterhält Der III. Weg einen Online-Shop zum Vertrieb seiner Propagandamittel sowie seit Ende 2017 einen Internet-Radiosender mit dem Namen Revolution auf Sendung, der einmal im Monat sendet. S. 139. Über diesen Materialvertrieb ist auch das Grundsatzpapier National, Revolutionär, Sozialistisch der Partei zu beziehen. Dieser politiktheoretische Text „soll der Neonaziszene eine weltanschauliche Orientierung geben.“ Von dieser dürfte jedoch „nur ein kleiner Teil […] in der Lage sein, diesen doch anspruchsvollen und abstrakten Text zu erfassen“. Die Broschüre ist „ein komprimierter Abriss der Grundlagen einer an die heutige Zeit angepassten nationalsozialistischen Weltanschauung“ und als „theoretische Abhandlung für die gesamte rechtsextreme Szene zu verstehen“. Sie ist „in ihrer Art bemerkenswert, da derartige Grundlagenüberlegungen in dieser Form zuletzt in den 1980er und Anfang der 1990er Jahre vorgelegt wurden“. Ebenfalls für ihre Propagandazwecke nutzt die Partei auch das russische Netzwerk vk.com., S. 133, 141