mini|Kleiner Ziertscherper mini|Großer Ziertscherper mini|Obersteiger der Frohnauer Bergbrüderschaft mit Tzscherpertasche Ein Tscherper, auch Tzscherper, ist ein feststehendes Berufsmesser der erzgebirgischen und Oberharzer Bergleute. Es zeigte – zum Habit getragen – den bergmännischen Stand seines Trägers an. Häuer trugen einen, Doppelhäuer zwei Tscherper.Herttwig: Bergbau. 1710, S. 397a (nach Grimm: Tscherper) Tscherper wurden zuerst im erzgebirgischen Erzbergbau verwendet.

Etymologie Der Begriff Tscherper stammt aus dem Slawischen. Der Tscherper war auf beiden Seiten des Erzgebirgskamms zu finden. Ein Ursprung aus dem Tschechischen ist jedoch nicht nachweisbar, da dort ein entsprechendes Wort fehlt.

Wortformen Affricata: Grubentzscherper, Grubentscherper,Christian Lehmann: Natur-Chronik, veröffentlicht als: Historischer Schauplatz derer natürlichen Merkwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Ertzgebirge, Leipzig 1699, 1747 erschien schon ein Nachdruck ohne Verfasserangabe (Ausführliche Beschreibung Des Meißnischen Ober-Ertzgebürges mit 1005 Seiten), Reprintausgabe Stuttgart 1988, Neuer unter anderem Titel (Erzgebirgsannalen Des 17. Jahrhunderts. Von Unwettern. Tieren in Wald und Haus. Kuriositäten. Pestilenzen und Spukereien. Verlags-Anstalt Union. Berlin. 1991). Das einzige seiner Werke, das vollständig in Druck ging. (Digitalisat) S. 81. Tscherper,Frommann: dt. maa. Band 6, S. 175 (für die Nord- und Südseite des Erzgebirges, nach Grimm: Tscherper) Tšeerpür,(Zwickauer Mundart) In: Zusammenfassung für deutsche Mundarten, 1909, S. 355, (nach Grimm: Tscherper) Zscherper,Georg Körner: Philologisch-historische Abhandlung von dem Alterthume des böhmischen Bergwerks, 1758. (Digitalisat), S. 31. Zschärper, Zschörper,Petrus Albinus: Newe Meysnische Chronica, 1580, S. 542, nach: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Band 22, Spalten 1441–1446 „einen Scherber“ (auch Tscherpermesser).In: Clausthaler Bergpolizeiverordnung vom Jahre 1869, zitiert nach: Zusammenfassung für Bergrecht 10, S. 485, (nach Grimm: Tscherper)

Oberdeutsch: : Scherperschmid,(v. j. 1568) bei SCHMELLER-FR. 2, 470, (nach Grimm: Tscherper) Waffen- und Scherpenschmid,(v. j. 1653) ebda, (nach Grimm: Tscherper) Scherper („starkes Messer zum Spalten kleiner Holzblöcke“, „Taschenmesser“), Mondscherper („ein Messer mit drei Halbmondzeichen“).Schöpf: Tirol. S. 603, (nach Grimm: Tscherper) Hinwieder mit Affricata: Tscherpmesser („schlechtes, abgenütztes messer“).Bacher: Lusern. S. 409, (nach Grimm: Tscherper)

Aufbau Ein Tscherper war ein sehr einfach gehaltenes Messer mit kurzer gerader starker Schaffuß-Klinge. Bei Arbeitstscherpern bestand das Heft in der Regel aus einfachem Holz, bei Repräsentationstscherpern, die zum Paradehabit getragen wurden, meistens aus Horn, oder gar Elfenbein mit Einlegearbeiten.

Verwendung Das Tscherpermesser musste von den Harzer Bergleuten als universelles Werkzeug immer in der Seitentasche an der Hose oder neben der Tasche am Gürtel mitgeführt werden. Der Tscherper diente in erster Linie dazu, die Helme der Eisen zurechtzuschneiden. Mit dem Tscherper wurde das Gezimmer in der Grube (dazu gehörten Stempel, Joche, Einstriche, Spreizen etc.) untersucht, um herauszufinden, ob dieses noch tragfähig war oder etwa durch Fäulnis schon gelitten hatte.

Jeder Bergmann hatte die Pflicht, gebrochene oder beschädigte Sprossen in den hölzernen Fahrten umgehend zu reparieren. Die Verordnung des Bergamtes zu Clausthal (1850) sagt: Tscherper: Beyer Otia met 2.,65.: – Scherber: Jeder Arbeiter ist angewiesen, ein gutes Feuerzeug und einen Scherber bei sich zu führen. Aeltere clausthalsche Bergpolizeivorschrift.

Es diente in den früheren Jahren dem Bergmann als Werkzeug und Essbesteck, mit dem er sein Brot „über den Daumen“ aß. Hiermit schnitt er, wie es kam, Tauwerk, Gezimmer und auch seine Mahlzeiten in den Pausen.

Der Tscherper diente auch als Signalmittel, indem die über Tage verbliebenen Leute damit an die Fahrten schlugen, was vor allem bei den älteren, kleinen Bergwerken bis vor Ort hörbar war.

In den 12 Büchern vom Bergwerk von Georgius Agricola sind alle damaligen Werkzeuge der Bergleute beschrieben und abgebildet. Dabei fehlt jedoch der Tscherper, der ihm wahrscheinlich nicht bekannt war.

Rezeption …(hervor) mein zschärper, scharf und gut, du schneidest brodbrod: Brot und eisenhelm,eisenhelm: der Helm (Stiel) des Bergeisens doch auch in feindesblut Moritz Döring: Sächsische Bergreyhen, Freiberg 1839, Bd. 1, S. 92.

Tscherperessen Das Tscherperessen ist eine regionale Harzer Bergbautradition.

Weblinks

Foto einer original erhaltenen Geleuchttasche mit zwei Tzscherpern

Einzelnachweise

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