mini|hochkant|St. Andreas in Köln (2008) mini|hochkant|Innenansicht (2020)
Die Basilika St. Andreas ist eine der zwölf großen romanischen Kirchen in Köln. Sie befindet sich im Stadtteil Altstadt-Nord und ist wenige Gehminuten vom Dom entfernt. Seit 1. Januar 2010 ist St. Andreas keine Pfarrkirche mehr, sondern Filialkirche der katholischen Kirchengemeinde St. Aposteln.
Geschichte Baugeschichte alternativtext=innenliegender Treppenturm mit alter Außenfassade|mini|hochkant|Treppenturm zum Vierungsturm (2019) mini|hochkant|links|Eingangshalle mit Kruzifix und Andreasstatue mini|hochkant|links|Andreasstatue aus dem 18. Jahrhundert in einer Nische der Eingangshalle mini|Pfeilermalerei (Jüngstes Gericht 15. Jahrhundert) mini|Römischer Sarkophag mit den Gebeinen von Albertus Magnus in der Krypta der Kirche (2011) St. Andreas ist eine dreischiffige Pfeilerbasilika, die romanische wie gotische Elemente enthält. Der Standort von St. Andreas geht vermutlich auf eine frühchristliche Kapelle mit dem Namen St. Matthaeus in fossa (St. Matthäus am Graben) zurück.
Historische Dokumente belegen in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts die Gründung eines dem hl. Andreas gewidmeten Chorherrenstifts; das von Erzbischof Bruno initiierte frühromanische Kirchengebäude mit Krypta wurde von Erzbischof Gero im Jahr 974 auf St. Andreas als Schutzpatron geweiht. Erst den größeren Neu- oder Erweiterungsbau des 11. Jahrhunderts kennen wir, teils ist er in die bestehende staufische Kirche einbezogen.
In den Westteilen der heutigen Kirche sind wesentliche Teile des spätromanischen, staufischen Neubaus aus dem 12. und 13. Jahrhundert erhalten; im 14. Jahrhundert wurden an die Seitenschiffe des Langhauses gotische Kapellen angefügt. Ein Jahrhundert später wurden der romanische Ostchor und die Krypta (Link führt u. a. zum Bild derselben) zu Gunsten einer gotischen Chorhalle – nach dem Vorbild der Aachener Chorhalle errichtet – abgerissen. Der Umbau des nördlichen Querarms folgte um 1470/80, während der südliche Querarm 1492 zur Gänze in spätgotischer Form neu errichtet wurde. Signifikant ist der romanische Vierungsturm mit seinem Faltdach. Aus dem salischen Bau stammen noch die zwei Treppentürme zum Vierungsturm, die im Laufe der Umbauten im Mittelalter mit ihren Außenfassaden nach innen gerückt sind.
1802 erfolgte die Säkularisation des Stiftes. Vor dem Abbruch der benachbarten Kölner Dominikanerkirche wurden Gebeine des Albertus Magnus (1200–1280) und bedeutende Ausstattungsstücke in die Andreaskirche, die Pfarrkirche wurde, überführt. Dorthin gelangte infolge der Säkularisation des Benediktinerinnenklosters zu den heiligen Makkabäern auch der spätmittelalterliche Schrein mit den Reliquien der Makkabäer.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts erfolgte der Abbruch der Stiftsgebäude und die Wiederherstellung der Kirche mit neuromanischen Korrekturen. Die beiden Architekten Heinrich Nagelschmidt und Julius Raschdorff erarbeiteten das historische Konzept und leiteten die Restaurierung. Der Kreuzgang im Westen der Kirche wurde 1843 bis auf den Ostflügel, die heutige Eingangshalle, abgerissen. Die Chorscheitelfenster wurden ab 1899 von der bekannten Kölner Glasmalereiwerkstätte Schneiders & Schmolz erneuert.Susanne Heydasch-Lehmann: Die Fenster im Chor der Pfarrkirche St. Andreas durch die Firmen Schneiders & Schmolz (1899) und Reiter (1918). In: Colonia Romanica. Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e. V. 5 (1990), S. 121–135.Romanische Kirchen in Köln: Chhorscheitelfenster in St. Andreas (Köln), abgerufen am 10. Juni 2013
Die Schäden des Zweiten Weltkrieges wurden bis 1947 weitgehend behoben. In den 1950er Jahren erfolgte die Wiederherstellung des Äußeren einschließlich des Falthelms auf dem Turm. Wie durch ein Wunder waren trotz der Zerstörungen während des Krieges die wertvollen mittelalterlichen Wandmalereien in den Kapellen der Seitenschiffe erhalten geblieben.Horst Hahn: Die Restaurierung der Wandmalereien in St. Andreas. In: Colonia Romanica. Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e. V. 5 (1990), S. 111–120.
1953 bis 1955 wurde durch Karl Band die Krypta des 11. Jahrhunderts unter dem Ostchor in Teilen freigelegt, modern ausgebaut und erweitert durch eine Grabkapelle für den Theologen, Kirchenlehrer und Naturwissenschaftler Albertus Magnus, dessen Gebeine seit dem 25. November 1954 dort in einem römischen Sarkophag ruhen.
Von 1992 bis 1997 erfolgte eine umfassende Innen- und Außenrestaurierung. Von 2005 bis 2010 schuf Markus Lüpertz einen farbenfrohen, zwölfteiligen Glasmalereizyklus in den gotischen Fenstern des Nord- und des Südquerarms (näheres weiter unten, ein Beispiel in der Galerie). Insgesamt sind 23 Fenster im Quer- und Längsschiff geplant. Im Chor haben die historischen Fenster von 1899 und 1917/18 den Zweiten Weltkrieg überstanden. Die Lüpertzfenster sollen die Notverglasungen nach dem Krieg ersetzen.
Dominikaner 1947 übertrug Erzbischof Joseph Frings den Dominikanern die Seelsorge an St. Andreas.Elias H. Füllenbach: Zur Geschichte des Ordens im 19. und 20. Jahrhundert. In: Ders. (Hrsg.): Mehr als Schwarz und Weiß. 800 Jahre Dominikanerorden. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2016, ISBN 978-3-7917-2757-8, S. 147–165, hier S. 164. 1957 stellte das Erzbistum Köln den Dominikanern die Kirche als Klosterkirche zur Verfügung. Am 700. Todestag des heiligen Albertus Magnus (15. November 1980) besuchte Papst Johannes Paul II. das Grab des Heiligen.
Ritterorden vom Heiligen Grab Seit der Gründung der deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem am 8. Dezember 1933 ist St. Andreas die Ordenskirche des Päpstlichen Laienordens. An den Herz-Jesu-Freitagen versammeln sich die Mitglieder der Kölner Komturei Heilige Drei Könige zur Heiligen Messe in ihrer Ordenskirche St. Andreas.Ordo Equestris Sancti Sepulcri Hierosolymitani (OESSH), Webseite St. Andreas, abgerufen am 18. Januar 2014
Ausstattung alternativtext=Maria als Beschützerin der Dominikaner|mini|Retabel: Schutzmantelmadonna (2019) alternativtext=Bryn Altar im Südflügel|mini|Triptychon von Bartholomäus Bryn d. Ä. mini|Pieta im Marienchor (Ende des 14. Jahrhunderts) Aus dem Mittelalter sind noch die Skulpturen des hl. Christophorus und die des Erzengels Michael vor der Westempore von Meister Tilman und mehrere erhaltene Wandmalereien.
Der spätgotische Apostelschrein auf dem Hochaltar, der aus der Johanniskirche in Niederlahnstein stammt, hat die gewohnte Form einer gotischen Kapelle. Die Temperamalereien zeigen unter anderen die Heiligen Bischöfe Martin und Dionysius, für deren Gebeine der Schrein ursprünglich angefertigt wurde. Von 1859 bis 1954 enthielt er die Reliquien des Albertus Magnus. Seit 1954 beherbergt der Schrein die Armreliquie des Apostels Andreas, dem die Kirche geweiht ist. Im Chor der Kirche steht bis heute das Chorgestühl aus der Zeit um 1430.Klaus Hardering: Das Chorgestühl von St. Andreas. In: Colonia Romanica. Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e. V. 5 (1990), S. 79–100.
Zudem sind Fresken aus dem späten Mittelalter und eine Pieta aus dem späten 14. Jahrhundert im Nordquerarm erhalten. Maria ist hier eher jung dargestellt in einem Gewand mit kostbar verzierten Säumen.
Sehenswert ist die Altartafel der Rosenkranzbruderschaft (auch Madonna mit dem Mantel oder Schutzmantelmadonna) des Meisters von St. Severin aus dem frühen 16. Jahrhundert. Unter dem Mantel Mariens, den die beiden Dominikanerheiligen Dominikus und Petrus von Mailand halten, knien unter anderem Papst Sixtus IV., Jakob Sprenger, Kaiser Friedrich III. und sein Sohn Maximilian. Das Jesuskind spielt mit dem Rosenkranz aus Korallenperlen. Die äußeren Tafeln zeigen die hll. Dorothea und Cäcilia. Ebenfalls in der westlichen Kapelle der Südseite steht ein Triptychon von Bartholomäus Bryn dem Älteren. Auf der Mitteltafel die Kreuzigung Christi mit Maria, Johannes, Magdalena und dem knienden Auftraggeber, der Stiftsdechant Hermann Keutenbreuer, unterhalb der Hl. Odilia, die der Stifter wohl wegen seines Augenleidens um Fürsprache bat. Auf dem linke Flügel sind Papst Urban I. und der Bischof Ulrich von Augsburg dargestellt, während auf dem Rechten das Martyrium des heiligen Andreas zu sehen ist. Die Außenseiten der Flügel schmücken links Papst (Cornelius?) und der Heilige Gereon und rechts der Heilige Georg und Gregorius Maurus. Die Figur der Rosenkranzmadonna am rechten Vierungspfeiler stammt aus dem ehemaligen Dominikanerkloster und wurde vom Apostolischen Nuntius anlässlich der Gründung der Erzbruderschaft (Rosenkranzbruderschaft) im Jahr 1475 gestiftet. Sie ist eine der ersten figürlichen Darstellungen des Rosenkranzmotivs und eine kölnische Arbeit. Maria trägt das segnende Jesuskind, das die Weltkugel in der Hand hält. Die Farbfassung sowie die silbernen Kronen und das Zepter aus dem Kirchenschatz sind neuzeitlich.Dominikanerkloster an St. Andreas, S. 5
In der Vorhalle steht der sogenannte Blutbrunnen der Heiligen Ursula, ein steinernes Reliquienbehältnis des frühen 16. Jahrhunderts aus dem Makkabäerkloster am Eigelstein.
Makkabäerschrein mini|Makkabäerschrein (2019)
Im Jahr 1803 gelangten der spätgotische „Machabäerschrein“ von 1520–27 und der zugehörige barocke „Machabäeraltar“ (heute in St. Maria in der Kupfergasse) infolge der Säkularisation in die Andreaskirche. Der Schrein birgt die Hauptreliquie des ehem. „Benediktinerinnenklosters zu den Hll. Machabäern“, das Anfang des 19. Jh. aufgehoben und abgerissen wurde. Die Gebeine, aufgefunden im Heiligen Land durch die Heilige Helena im 3. Jh., gelangten durch den Erzbischof Rainald von Dassel 1164 zusammen mit den Reliquien der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln. Das südliche Querhaus der Andreaskirche wird heute nach dem dort aufgestellten Schrein „Machabäer-Chor“ genannt. Bei den sieben machabäischen Brüdern und ihrer Mutter, deren Reliquien im Schrein ruhen, handelt es sich um alttestamentliche jüdische Märtyrer, deren Zeugnis im 2. Buch der Machabäer detailreich beschrieben ist. Auf dem äußerst prunkvollen Schrein ist dieses Martyrium in allen Einzelheiten drastisch dargestellt, zum Beispiel durch die Geißelung der Makkabäerbrüder sowie Christus. Typologisch wird dem Martyrium der Machabäer jeweils eine Szene aus der Passion Christi gegenübergestellt. Das Leiden der alttestamentlichen Blutzeugen wurde als Vorausbild des Leidens Christi verstanden, woraus die christliche Verehrung dieser jüdischen Heiligen resultiert. Vergoldete Kupferplatten bilden diesen Makkabäerschrein, der der Überlieferung nach Reliquien der sieben heiligen Makkabäerbrüder und ihrer Mutter Salome () beinhalten soll.Lucie Hagendorf-Nußbaum, S. 24–26 Auf den rund 40 Reliefs sind Szenen aus dem Martyrium der Makkabäer und ihrer Mutter Salome zu erkennen. An den Ecken des Daches sind die vier Evangelisten in zeitgenössischer Humanisten-Tracht dargestellt: Matthäus, Johannes, Lukas und Markus. An den Eckpfeilern sind figürliche Darstellungen von Christus, Helena, Maria und einem Priester zu finden.Roswitha Hirner: Der Makkabäerschrein in St. Andreas zu Köln. Diss. Bonn 1970. Schöpfer dieses Schreines war der Goldschmied Peter Hanemann.
Krypta