Die Botswana Defence Force (BDF; ) sind die Streitkräfte von Botswana. Sie nahmen an zahlreichen Auslandseinsätzen zur Friedenssicherung teil.

Geschichte Vorgeschichte Bei der Unabhängigkeit Botswanas im Jahr 1966 verzichtete die neue Regierung auf die Errichtung einer Armee; stattdessen wurde eine kleine Einheit der Militärpolizei eingerichtet, die Botswana Police Mobile Unit (PMU).

Im Dezember 1976 töteten Aufständische im Rhodesischen Bürgerkrieg mehrere Geistliche. Als Einheiten der von Ian Smith geführten Rhodesian Security Forces im selben Monat das Hauptquartier der „Nkomo-Fraktion“ des südafrikanischen ANC in Francistown angriffen, zerstörten sie dabei auch Einrichtungen von in Grenznähe lebenden botswanischen Bewohnern. Diese Militäroperation mit Grenzübertritt wurde von einem regionalen Kommandeur Rhodesiens bestritten. Botswana führte jedoch vor dem UN-Sicherheitsrat darüber Beschwerde. Der damalige Außenminister Archie Mogwe berichtete im Januar vor den UN vom faktischen Kriegszustand in diesem Grenzbereich und bat um internationale Hilfe.SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1977. Johannesburg 1978, S. 590–592 Im weiteren Verlauf des Jahres 1977 kam es zu weiteren Grenzübertritten von Flüchtlingen aus Rhodesien, darunter über 1000 Kinder und viele junge schwarze Rhodesier, die zuvor in ihrer Heimat Joshua Nkomo unterstützt hatten. Letztere wandten sich überwiegend in den Norden von Botswana und gingen in militärische Ausbildungslager des ANC, um später von dort nach Sambia verbracht zu werden. Die Regierung von Botswana hatte für solche Fremdaktivitäten keine Erlaubnis erteilt und stationierte Anfang 1977 zur besseren Kontrolle der botswanisch-rhodesischen Grenze eine Einheit der PMU. Während dieser Zeit kam es zu zahlreichen Sabotageakten und Bombenexplosionen in Rhodesien, wofür rhodesische Stellen das Eindringen von Insurgenten aus Botswana verantwortlich machten. Für die botswanische Zone parallel zur Grenze wurde ein Sonderstatus unter Polizeikontrolle errichtet.

Gründung und Erweiterung Im April 1977 gründete die Regierung auf der Grundlage des BDF Act No. 13 of 1977 die Botswana Defence Force. Die Konflikte setzten sich jedoch fort. Im Mai wurden nach Angaben des Rhodesian Combined Operations Command vermeintliche Guerillakämpfer bis auf botswanisches Territorium verfolgt, wobei es zu Kontakt mit den benachbarten Streitkräften kam, jedoch ohne mit in Kampfhandlungen verwickelt zu werden. 1978 kam es zum Lesoma Ambush, bei dem 15 botswanische Soldaten von Kämpfern der Rhodesian Security Forces getötet wurden,Lebenslauf ian Khamas bei gov.bw (englisch), abgerufen am 13. Juli 2015 und 1985 zum Überfall eines Kommandos der südafrikanischen South African Defence Force auf Gaborone mit zwölf Toten. 1986 hatte die BDF eine Mannstärke von 3000 sowie eine kleine Luftwaffe.Fred Morton, Jeff Ramsay, Part Themba Mgadla: Historical Dictionary of Botswana. Scarecrow Press, Lanham, Maryland/Oxford 2008, ISBN 978-0-8108-6404-7, S. 53. Auszüge bei books.google.de 1992 war die Mannstärke auf 7000 angestiegen. Die BDF erhielt rund 16 Prozent des Staatshaushalts, vor allem zum Ausbau der Luftwaffe, der rund 250 Millionen US-Dollar kostete. Mitte der 1990er Jahre beanspruchte Botswana die Flussinsel Sedudu im Chobe, die bei niedrigem Wasserstand wenige Quadratkilometer groß ist und ebenfalls von Namibia beansprucht wurde. In der Folge erhöhte auch Namibia seine Rüstungsausgaben. In: Southern Africa Report Archive. Vol 12 No 1, 1996 1999 starben bei dem Absturz eines Hubschraubers drei Militärs, darunter der Bruder des damaligen Präsidenten. Flugzeuge der BDF (englisch, PDF; 8,15 MB) 2004 war die BDF auf 12.000 Menschen angewachsen. In: African Security Review. Vol 13 No 4, 2004

Die BDF beteiligte sich an zahlreichen friedenssichernden und -erhaltenden Maßnahmen in Afrika.

1992–1993: Operation Restore Hope der USA in Somalia 1993–1994: UN-Friedensmission UNOSOM I in Somalia 1993–1994: UN-Friedensmission UNAMIR in Ruanda 1994: UN-Friedensmission ONUMOZ in Mosambik 1998–1999: Operation Boleas der SADC in Lesotho 2007: AU/UN-Mission im sudanesischen Darfur Seit 2008 gibt es in Gaborone eine Eingreiftruppe (SADC Standby Brigade) der SADC.Porträt der Brigade bei sadc.int (englisch), abgerufen am 13. Juli 2015

mini|Beitrag über die Ausbildung botswanischer Soldaten durch Soldaten der US Army Special Forces Command (Airborne) Die USA, aber auch das Vereinigte Königreich, Indien, Kanada und andere Staaten bildeten die botswanischen Offiziere aus.

Organisation mini|Präsidentengarde der BDF (2007) Die BDF hat die folgenden Aufgaben: Gewährleistung der nationalen Sicherheit und Stabilität Schutz der Menschen und ihres Eigentums Schutz der Verfassung von Botswana, um die Herrschaft des Rechts zu gewährleisten Verteidigung der territorialen Integrität Botswanas zu Lande und in der Luft Bewahrung Botswanas als freier, unabhängiger und souveräner Staat Unterstützung der Zivilbehörden bei inländischen Hilfsaktionen Stärkung der internationalen Beziehungen Botswanas durch Teilnahme an regionalen und internationalen SicherheitsunterstützungsmaßnahmenAufgaben der BDF (englisch), abgerufen am 12. Juli 2015

Die BDF besteht aus folgenden Truppenteilen: Ground Forces („Bodentruppen“), mit dem Hauptquartier in Glen Valley bei Gaborone Air Arm („Luftwaffe“), Hauptquartier Thebephatswe Air Base bei Molepolole Defence Logistics („Verteidigungslogistik“), Hauptquartier Sir Seretse Khama Barracks in Gaborone

Minister of Defence, Justice and Security („Minister für Verteidigung, Justiz und Sicherheit“) ist seit 2014 Shaw Kgathi (Botswana Democratic Party). In der BDF gibt es auch weibliche Offiziere. Es gibt keine Wehrpflicht.

Die BDF verfügt über Patrouillenboote zur Kontrolle der Flüsse Okavango und Chobe.

Der Air Wing verfügte nach seiner Gründung 1977 über zweimotorige Propellerflugzeuge des Typs Islander, die vor allem zur Grenzüberwachung eingesetzt wurden. 1979 folgten zwei Transportflugzeuge Skyvan, die 1993 von ebenfalls zwei Aviocar abgelöst wurden (Nachbeschaffung von zwei Flugzeugen 2018 und 2019 nach einem Absturz im Jahr 2017Botswana acquires another C212, defenceweb.co.za, 18. April 2019). Schon 1988 waren zwei CN.235M dazu beschafft worden und ab Mitte 1990er Jahre liefen insgesamt drei C-130 Hercules zu. Dazu kamen einige Kleinflugzeuge und zwei Geschäftsreiseflugzeuge HS 125, die später durch Gulfstream IV ersetzt und durch eine Globale Express ergänzt wurden.

Im Jahr 1990 ersetzten sieben Pilatus PC-7 die sechs älteren Bulldog als Trainingsflugzeuge. Im Jahr 1985 stießen die ersten Hubschrauber zur Flotte, als AS350BA Ecureuils beschafft wurden. Drei Jahre später kamen drei Bell 412 dazu und gelangten mit neun bis 13 Flugzeugen vom Typ Strikemaster, aus Kuwait und Kenia stammend, die ersten Jets zum Air Arm. 1996/1997 wurden diese durch vorerst 13, später insgesamt 17 F-5A und F-5B aus Kanada ersetzt.Nach anderen Angaben 2500 Luftwaffenangehörige: http://www.defenceweb.co.za/index.php?option=com_content&view=article&id=29364:botswana&catid=119:african-militaries&Itemid=255

Kommandostruktur Der Präsident ist Commander-in-Chief. Ihm steht das Defence Council („Verteidigungsrat“) zur Seite, dem unter anderem Minister, Parlamentarier sowie der Commander („Kommandeur“) angehören, der operative Leiter der Armee. Er hat einen Stellvertreter (Deputy Commander). Die drei Truppenteile werden ebenfalls von je einem Commander angeführt.Kommandostruktur der BDF bei gov.bw (englisch), abgerufen am 13. Juli 2015

Ränge Soldaten werden als Recruit/Private oder Officer Cadet eingestellt. Die Rekruten können bis zum Force Sergeant Major aufsteigen, die Offizierslaufbahn kann bis zum Brigadier, Major General oder zum höchsten Rang Lieutenant General führen. bei gov.bw (englisch)

Kommandeure der BDF Name Beginn der Amtszeit Ende der AmtszeitGeneral Mompati Merafhe 1977 1989General Ian Khama 1989 1998General Mathswenyego-Louis Fisher 1998 2006General Tebogo Masire 2006 2012General Gaolathe Galebotswe 2012 2016General Placid Segokgo 2016 im Dienst

Personal 2021 dienten der BDF rund 8500 Soldaten im Heer und 500 Soldaten im Air Arm.

Ausrüstung Ground Force Die Botswana Ground Force verfügt über folgende gepanzerte Fahrzeuge und Artillerie:

Fahrzeuge + Typ Herkunft Funktion Version Anzahl Kürassier Leichter Panzerca. 20 Scorpion Leichter Panzer25 RAM Spähpanzer V1 RAM-2000 Spähpanzerca. 8 Véhicule Blindé Léger Spähpanzer64 Mowag Piranha SchützenpanzerMannschaftstransporter V UT-30III22+45 BTR-60 Mannschaftstransporter50 M706 Mannschaftstransporter50 Casspir MRAP12 FV103 Spartan Mehrzweckfahrzeug6 Greif Bergepanzer Bergepanzer M578 Bergepanzer Aardvark JSFU Minenräumpanzer

Panzerabwehrwaffen + Typ Herkunft Funktion Version M706 Panzerabwehrfahrzeug V-150 TOW FFV Carl Gustaf Panzerabwehrhandwaffe

Artillerie + Typ Herkunft Kaliber Funktion Version Anzahl L118 105 mm Haubitze12 Gebirgshaubitze Modell 56 105 mm Haubitze6 Soltam M-71 155 mm Haubitze12 BM-21 122 mm Raketenwerfer APRA-4020 81 mm Mörser22 M-43 120 mm Mörser6

Flugabwehr + Typ Herkunft Funktion VL MICA Flugabwehrrakete Javelin Flugabwehrrakete Mistral Flugabwehrrakete 9K310 Igla-1 MANPADS 9K32 Strela-2 MANPADS M167 Vulcan Flugabwehrpanzer Typ 65 Flugabwehrkanone

Botswana Defence Force Air Arm Der Botswana Defence Force Air Arm verfügt über folgende Flugzeug- und Hubschraubertypen (Stand Ende 2021): FlugzeugFotoHerkunftVerwendungVersionAktivBestelltAnmerkungen Kampfflugzeuge F-5 Freedom Fighter 200px Jagdflugzeug F-5AF-5D11 Transportflugzeuge BN-2 Islander 200px Transportflugzeug1 C-130 Hercules 200px Transportflugzeug C-130B3 CASA C-212 200px Transportflugzeug3 CASA CN-235 200px Transportflugzeug2 Beechcraft King Air 200px Transportflugzeug King Air 2001Geschäftsreiseflugzeuge Dornier 328 200x200px Geschäftsreiseflugzeug Do-328-1101 Bombardier Global 200x200px Geschäftsreiseflugzeug BD7001 Schulflugzeuge F-5 Freedom Fighter 200px Schulflugzeug F-5D4 PC-7 200px Schulflugzeug PC-7 MkII5 Hubschrauber Bell 412 200px Mehrzweckhubschrauber6 H125 Écureuil 200px Mehrzweckhubschrauber H125M10

Sonstiges Die BDF wird auch im Kampf gegen Wilderei eingesetzt. Verdächtige werden ohne Gerichtsverfahren erschossen. So wurden im Mai 2015 drei namibische mutmaßliche Wilderer von BDF-Soldaten getötet.Botswana, Namibia diplomatic row feared as BDF kills Namibian poachers. sundaystandard.info (englisch) vom 24. Mai 2015, abgerufen am 2. April 2018

Der armeeeigene Sportverein Botswana Defence Force XI war sieben Mal botswanischer Fußballmeister in der Botswana Premier League, zuletzt 2004.Liste der Meister bei rsssf.org, abgerufen am 13. Juli 2015

Literatur Dan Henk: The Botswana Defence Force. In: African Security Review. Vol 13 No 4, 2004. Digitalisat

Weblinks

Offizielle Website (englisch) Die BDF bei defenceweb.co.za (englisch) Flugzeuge der BDF (englisch, PDF; 8,15 MB)

Einzelnachweise

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