Die Aeolus war eine deutsche Bark, die von 1872 bis 1893 in der weltweiten Trampschifffahrt eingesetzt wurde. Sie ging am 23. September 1899 in einem Sturm an der Westküste Jütlands verloren. Von ihren Reisen sind elf so genannte meteorologische Journale erhalten, die sich heute im Archiv des Deutschen Seewetteramts befinden. Benannt war sie nach dem griechischen Windgott Aiolos.

Technische Daten Bielbrief: 18. März 1872 Größe: 187,8 Commerzlasten Baukosten: 13.778 Taler

Bauart und Eigentumsverhältnisse Die Aeolus zeichnete sich durch ein extrem langes Quarterdeck aus, das beinahe bis zum Großmast reichte. Hier befand sich auch die Kajüte, die den Besanmast umschloss. Am Heck befand sich ein kleiner Aufbau für das Ruder einschließlich des Aborts. Das Deckshaus mit Logis und Kombüse war um den Fockmast herum gebaut.

Neben dem Auftraggeber existierten 12 weitere Anteilseigner, darunter auch der Kapitän Jacob Diedrich Schuhmacher, der Besitzer der Bauwerft, Hinrich Eylers, sowie drei Witwen aus Elsfleth und Brake.

Reisen Über die ersten Reisen der Aeolus fehlen detaillierte Aufzeichnungen. Die Jungfernreise führte mit einer Stückgutladung von Bremen über Montevideo nach Buenos Aires und Chile. Kapitän war der Partenreeder Jacob Diedrich Schuhmacher aus Oberhammelwarden. Er führte das Schiff bis 1877. Sein Nachfolger war Hermann Carl Friedrich Reiners aus Oldenburg, nach Karting ein „ungewöhnlich aufmerksamer Beobachter“:

Beispiele für die Reisedauer des Schiffs aufgrund der Aufzeichnungen von Reiners:

1878: Vlissingen nach San José de Guatemala: 118 Tage, 1879: Corinto/Nicaragua an Falmouth/England: 128 Tage, Newcastle upon Tyne/England an Montevideo: 61 Tage, 1880: Montevideo an Coronel/Chile: 42 Tage. Von dort nach Talcahuano: 2 Tage. Von dort nach Buenos Aires: 36 Tage. Von Montevideo an Queenstown/Irland: 64 Tage, 1881: Hamburg – Valparaíso: 109 Tage, Talcahuano – Kapstadt: 48 Tage. Von dort nach Batavia: 45 Tage. Von dort nach Surabaya: 3 Tage.

Am 24. Mai 1881 wurde die Aeolus in der Nähe von Kap Hoorn auf Position 57°34´S/69°40´W beinahe von einem Meteor getroffen, wie Reiners berichtete:

Ab 1885 wurde die Aeolus praktisch ausschließlich an der amerikanischen Westküste eingesetzt; ihre Reisen führten bis nach Apia/Samoa und Levuka/Fidschiinseln. Am 4. März 1891 geriet sie auf einer Reise mit einer Ladung Kopra von Neu-Irland nach Hamburg vor Australien in einen Orkan, in dem u. a. das Ruder stark beschädigt wurde. Sie musste daher Brisbane als Nothafen anlaufen, wo sei am 18. März ein.

Im Februar 1889 übergab Kapitän Reiners in Marseille das Kommando an Kapitän W. Frerichs aus Hammelwarden. Die Bark wurde weiter in Mittel- und Südamerika eingesetzt und besuchte 1892 u. a. Amapala/Honduras und Corinto/Nicaragua. Frerichs führte die meteorologischen Berichte von Reiners fort.

Einsatz in der Nord- und Ostsee Am 26. August 1895 wurde die Aeolus als letztes Holzschiff der Gebrüder Hustede an die Alsen’sche Portland Cement-Fabriken in Hamburg verkauft. Von Itzehoe aus führte sie Reisen nach Norwegen, Schweden, Finnland und England durch, meist um Stangenholz für Zementfässer zu transportieren. In England wurde Kohle für die Holzhäfen übernommen.

Im September 1899 übernahm die Aeolus unter Kapitän Krenzin in Christiania Stabholz für Itzehoe und geriet am 23. vor der Westküste Jütlands in einen schweren Sturm. Das Schiff wurde leck und näherte sich der Jammerbucht. Krenzin entschloss sich, die Bark auf den Strand zu setzen, wo sie quer schlug. Dabei ging der Leichtmatrose Stein über Bord und ertrank. Die Mannschaft schwamm an Land, da die Aeolus jeden Moment auseinanderzubrechen drohte. Dabei wurde Krenzin von dem herabstürzenden Fockmast getroffen und starb auf der Stelle. Die übrigen acht Besatzungsmitglieder wurden durch dänische Rettungskräfte an Land gebracht und in Söndervig untergebracht. Das Wrack der Aeolus wurde bereits in den nächsten Tagen vollständig von den Wellen zerschlagen.

Abbildungen und Modelle Ein Kapitänsbild (Ölgemälde) von 1872 der Aeolus sowie ein Modell der Bark befinden sich im Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser. Das Modell weicht erheblich von der tatsächlichen Bauart des Schiffs ab, die durch ein inzwischen verschollenes Halbmodell und das Gemälde bekannt ist. Das Gemälde und ein Schiffsriss sind reproduziert bei Pawlik.

Literatur Herbert Karting: Geschichte der Lühring-Werft in Hammelwarden und der dort gebauten Segelschiffe. Band 1: Vom Holz zum Stahl. (1860–1909). H. M. Hauschild, Bremen 1993, ISBN 3-926598-97-2, S. 38–48. Peter-Michael Pawlik: Von der Weser in die Welt. Band 2: Die Geschichte der Segelschiffe von Weser und Hunte und ihrer Bauwerften von 1790 bis 1926. Elsfleth – Brake – Oldenburg. H. M. Hauschild, Bremen 2003, ISBN 3-89757-150-1, S. 314–316.

Kategorie:Dreimaster Kategorie:Frachtschiff (Deutschland) Kategorie:Frachtsegler Kategorie:Schiffsverlust durch Strandung Kategorie:Schiffsverlust 1899 Kategorie:Bark Kategorie:Seeunfall Kategorie:Verkehrsunglück 1899