Das Kraftwerk Neurath liegt im Süden von Grevenbroich und grenzt an die Gebiete der Gemeinde Rommerskirchen und der Stadt Bedburg an. Der Betreiber ist RWE in Grevenbroich-Neurath (Rhein-Kreis Neuss).

Das Kraftwerk dient der Erzeugung von Grundlaststrom und besitzt eine elektrische Nettoleistung von 2.120 Megawatt. Die Kohle wird über Gleisanschluss an die Nord-Süd-Bahn aus den Tagebauen des Rheinischen Braunkohlereviers, insbesondere dem Tagebau Garzweiler bezogen.

Im Oktober 2022 einigten sich die schwarz-grüne NRW-Landesregierung Wüst II und RWE, ab 2030 im Tagebau Garzweiler keine Braunkohle mehr abzubauen.siehe auch www.wirtschaft.nrw.de: Braunkohleausstieg 2030 im Rheinischen Revier (mit zahlreichen Downloads)

Kraftwerksblöcke Das Kraftwerk besteht aus sieben Blöcken (3 × 300 MW, 2 × 600 MW und 2 × 1100 MW nominal), die zwischen 1972 und 1976 sowie 2012 errichtet wurden, und besaß bis März 2024 eine Bruttoleistung von ca. 4300 MW.

BlockABCDEF – BoA 2G – BoA 3 Nettoleistung 294 MWel 294 MWel 292 MWel 607 MWel 604 MWel 1.060 MWel 1.060 MWel Inbetriebnahme 1972 1973 1975 1976 2012 Sicherheitsbereitschaft / Versorgungsreserve – 1. Oktober 2019Einigung zu Ausstieg aus der Braunkohle. Auf: www1.wdr.de, 25. Oktober 2015. Abgerufen am 20. August 2019.Block Caesar geht bald in die Notreserve. In: NGZ-Online, 20. August 2019. Abgerufen am 20. August 2019. - - Stilllegung 1. April 2022 31. Dezember 2021 31. März 2024 31. März 2030 (geplant) Wirkungsgrad (elektrisch) 34 % 36,6 % 43,2 % spez. Kohleverbrauch 1,2 kg/kWh 1,1 kg/kWh 0,9 kg/kWh Kamin (Höhe) 3 × 160 m, 1 × 194 m 2 × 170 m, 1 × 196 m - Kühlturm (Höhe) 3 × 103 m 2 × 128 m 2 × 172 m Erläuterungen: BoA: Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik

Blöcke A bis E In den 1980er-Jahren wurde für die Blöcke A bis E eine Rauchgasreinigungsanlage nachgerüstet. Die Abgase werden seitdem über die Kühltürme abgeleitet.

Die Anlage verfügt über zwei sogenannte Bypasskamine, von denen einer den Blöcken A–C und der andere den Blöcken D bis E zugeordnet ist. Ersterer ist 194 Meter,Bypass Chimney for Units D, E for Neurath Power Plant Skyscraperpage.com/cities (englisch) letzterer 196 MeterBypass Chimney for Units A, B, C for Neurath Power Plant Skyscraperpage.com/cities (englisch) hoch. Die Bypasskamine ermöglichen den Betrieb der Anlage im Fall einer defekten Rauchgasreinigungsanlage, was aber selten vorkommt und weshalb die meisten Kraftwerke auf Bypasskamine verzichten (Quelle: Pressestelle RWE).

Alle Blöcke speisen in das Übertragungsnetz des Netzbetreibers Amprion ein: Der Block A war über die Umspannanlage Osterath auf der 220-kV-Ebene, die Blöcke B bis D über die Schaltanlage Opladen auf der 380-kV-Ebene und der Block E über die Schaltanlage Rommerskirchen, ebenfalls auf der 380-kV-Ebene, an das Höchstspannungsnetz angeschlossen.

Der Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland verlangte die Abschaltung der Kraftwerksblöcke A, B und C. Block C befand sich seit dem 1. Oktober 2019 für vier Jahre noch für Versorgungsengpässe in der Sicherheitsbereitschaft, danach sollte er endgültig stillgelegt werden. Die Energiekrise seit 2021 machte die Aktivierung der Braunkohlereserve zum 1. Oktober 2022 erforderlich. Block C konnte befristet bis zum 30. Juni 2023 wieder am Strommarkt teilnehmen. Mit Verfügung zum 4. Oktober 2023 beschloss das Bundeskabinett Scholz die Verlängerung der Versorgungsreserve bis zum 31. März 2024.

Block B wurde am 31. Dezember 2021 und Block A am 1. April 2022 endgültig stillgelegt. Die Blöcke C, D und E wurden am 31. März 2024 endgültig stillgelegt.

Blöcke F und G („BoA 2 und 3“) Geschichte Im September 2005 beschloss RWE, am Kraftwerk zwei neue Blöcke (F und G) vom Typ „Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik (BoA)“ zu bauen. Als Weiterentwicklung des BoA-Blockes im Kraftwerk Niederaußem (BoA 1) tragen die neuen Blöcke auch die Bezeichnung „BoA 2 und 3“. Im Januar 2006 begannen die Bauarbeiten. Die BoA-Blöcke haben bei einem Wirkungsgrad von 43 ProzentChristian Wieg: Neue Kraftwerksblöcke in Neurath arbeiten mit optimierter Anlagentechnik. eine Leistung von je 1100 MW. Die Kesselhäuser von BoA 2 und BoA 3 sind 173 Meter hoch und die höchsten der Welt. Die Kühltürme sind 172 Meter hoch..

Die für Ende 2009 geplante Inbetriebnahme verzögerte sich wegen Unfalls am 25. Oktober 2007, bei dem ein erheblicher Teil des Neubaus zerstört wurde. Am 29. November 2011 erreichten erstmals beide Blöcke gemeinsam Volllast und produzierten während der Inbetriebsetzungsphase bis dahin mehr als 1,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. Beide Blöcke befanden sich seit Mai bzw. Oktober 2011 im Testbetrieb. Die endgültige Inbetriebnahme mit der Meldung der Blöcke an die Strombörse EEX erfolgte am 8. Juli 2012 (Block G) bzw. am 3. August. Internetseite der Strombörse EEX. Abgerufen am 3. August 2012. (Block F).http://www.ngz-online.de/grevenbroich/nachrichten/wie-die-boa-funktioniert-1.581133Die Wirtschaftskraft der BoA. In: NGZ-Online, 23. Juni 2012. Abgerufen am 24. Juni 2012. Seither speisen beide Blöcke ebenfalls in das Übertragungsnetz von Amprion in die 380-kV-Ebene ein und sind über die Schaltanlage Rommerskirchen angeschlossen.Leitungen der BoA-Blöcke auf OpenStreetMap

Am 15. August 2012 erfolgte die offizielle Feier zur Inbetriebnahme der neuen Blöcke in Anwesenheit von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Bundesumweltminister Peter Altmaier und weiteren Gästen. Fälschlich wurde es in mehreren Medien als weltgrößtes Braunkohlekraftwerk bezeichnet, tatsächlich war es (hinter Bełchatów, Polen) nur das zweitgrößte in Europa. Richtig ist jedoch, dass die beiden neuen BoA-Blöcke F und G mit jeweils 1100 MW brutto die zu diesem Zeitpunkt leistungsstärksten Braunkohlekraftwerksblöcke der Welt waren. Die Baukosten wurden mit 2,6 Milliarden Euro angegeben.www.ngz-online.de

Das Kraftwerk Neurath war Schauplatz mehrerer Protestaktionen von Umweltschützern, u. a. Lichtprojektionen auf die beiden Kühltürme. Die Gleisanlage der Nord-Süd-Bahn, die zur Versorgung des Kraftwerks Neurath genutzt wird, wurde im Juni 2019 für mehr als 40 Stunden von Aktivisten blockiert, um auf den großen CO2-Ausstoß des Kraftwerks aufmerksam zu machen. Auch im November 2021 ketteten sich mehrere Aktivisten an Gleisen fest; die Blockade wurde von der Polizei aufgelöst.

Probleme Am 30. August 2012 fielen am frühen Nachmittag binnen sieben Minuten beide BoA-Blöcke aufgrund eines Fehlers im Leitsystem aus, weshalb eine Leistung von ca. 2.100 MW ersetzt werden musste. Dabei kam es zu Frequenzschwankungen im Stromnetz; durch Einsatz von Regelenergie wurde ein Stromausfall verhindert. Laut Amprion kann das europäische Stromnetz einen unvorhergesehenen Ausfall von bis zu 3.000 MW an Kraftwerksleistung tolerieren; daher sei keine kritische Situation entstanden. In den frühen Morgenstunden des Folgetags wurden die beiden Blöcke wieder hochgefahren.. In: Financial Times Deutschland, 3. September 2012. Abgerufen am 3. September 2012.

Unfall Am Abend des 25. Oktober 2007 kam es auf dem Baustellengelände zu einem schweren Unfall. Eine über 100 Tonnen schwere Seitenwandbandage, ein Teilstück des Großgerüstes, riss ab und begrub mehrere Monteure unter sich. Drei Bauarbeiter starben, sechs weitere wurden verletzt oder schwer verletzt in umliegende Krankenhäuser eingeliefert. Fast 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Sanitätsorganisationen und Technischem Hilfswerk waren im Einsatz. Im Dezember 2008 wurde das eingeleitete Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung von der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach eingestellt. Laut GutachtenProf. Schmidt&Partner: Zusammenfassende Darstellung der Unfallursache gemäß Gutachten waren die Knotenverbindungen der Bandagenunterkonstruktion zu schwach ausgelegt. Da es keinerlei Kenntnisse über die – in dieser Größe erstmals eingesetzten – Bauteile und deren Stabilitätsprobleme gegeben habe, sei der Unfall für Fachleute nicht vorhersehbar gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Auslegung und Konstruktion seien nach den Regeln der Technik erfolgt.Kölnische Rundschau online:

Emissionsgrenzwerte Im Genehmigungsbescheid vom 20. Juni 2005 legte die Bezirksregierung Düsseldorf Emissionsgrenzwerte für die neuen Blöcke F und G fest, die zur Antragszeit für Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Quecksilber unterhalb der geltenden Mindestanforderungen der 13. BImSchV lagen. Obwohl der Tages-Emissionsgrenzwert mit 0,0135 mg/m3N für die neuen Blöcke vergleichsweise niedrig festgesetzt wurde (die Mindestvorgabe der 13. BImSchV sieht 0,03 mg/m3N vor), erfordert dieser Grenzwert noch keine spezielle Quecksilberminderungstechnik. Dies zeigt sich daran, dass die Quecksilberemissionen nach Inbetriebnahme der neuen Blöcke 2012 auf mehr als das Doppelte anstiegen (zum Vergleich: in den USA gelten für Braunkohlekraftwerke in Abhängigkeit ihres Wirkungsgrades Grenzwerte von 0,005 bis 0,0054 mg/m3N).

Schadstoffe mit Grenzwerten im Tagesmittel werden durch kontinuierlich arbeitende Messgeräte überwacht, die übrigen Werte durch Einzelmessungen. Zum Vergleich mit den Grenzwerten der neuen Blöcke sind die zur Antragszeit gültigen Grenzwerte der 13. BImSchV (2004) aufgeführt sowie die Grenzwerte der aktuellen 13. BImSchV (2013) und die im Normalbetrieb mit besten verfügbaren Techniken erreichbaren Emissionswerte, wie sie im Merkblatt der Europäischen Kommission für entsprechend große Neuanlagen mit Braunkohle-Staubfeuerung auf der Basis der Datensammlung in den Jahren 2001–2002 festgelegt wurden.Neuentwürfe und BVT-Merkblatt „Large Combustion Plants“ (engl.), Joint Research Centre, Europäische Kommission, Sevilla, 2006, Umweltbundesamt, Dessau, 2006

+Emissionsgrenzwerte der Blöcke F und G im Vergleich mit Grenzwerten der 13.BImSchV (2004)/(2013) und mit BVT-Emissionswerten (2006)Genehmigungsbescheid, Tabelle 9, Seite 49 (PDF; 583 kB) nach Bundes-Immissionsschutzgesetz, Bezirksregierung Düsseldorf, 20. Juni 2005LuftschadstoffBetrieblicheEmissionswertemit BVT (2006) imTagesmittel*GrenzwertBlock F und G(20. Juni 2005)TagesmittelGrenzwertBlock F und G(20. Juni 2005)Halbstundenmittel**Grenzwert13. BImSchV(2004)TagesmittelGrenzwert13. BImSchV(2004)HalbstundenmittelGrenzwert13. BImSchV(2013, Neuanlagen)TagesmittelGrenzwert13. BImSchV(2013, Neuanlagen)HalbstundenmittelGesamtstaub (Staub) 5–20 mg/m3N 20 mg/m3N 40 mg/m3N 20 mg/m3N 40 mg/m3N 10 mg/m3N 20 mg/m3NStickstoffoxide(als NO2) 50–200 mg/m3N 200 mg/m3N 400 mg/m3N 200 mg/m3N 400 mg/m3N 200 mg/m3N 400 mg/m3NSchwefeldioxide(als SO2) 20–150 mg/m3N 200 mg/m3N 400 mg/m3N 300 mg/m3N 600 mg/m3N 150 mg/m3N 300 mg/m3NKohlenmonoxid (CO) 100–200 mg/m3N 200 mg/m3N 400 mg/m3N 250 mg/m3N 500 mg/m3N 200 mg/m3N 400 mg/m3NQuecksilber undVerbindungen (als Hg) BVT-Emissionswertnicht festgelegt 0,0135 mg/m3N 0,027 mg/m3N 0,03 mg/m3N 0,06 mg/m3N 0,03 mg/m3N 0,05 mg/m3NAnorganischeChlorverbindungen (als HCl) 1–10 mg/m3N - 20 mg/m3N - - - -AnorganischeFluorverbindungen (als HF) 1–5 mg/m3N - 3 mg/m3N - - - -Ammoniak (NH3) ≤ 5 mg/m3Nbei SCR/SNCR keine SCR/SNCReingebaut keine SCR/SNCReingebaut - - - -Dioxine und Furane** (PCDD/PCDF) BVT-Emissionswertnicht festgelegt - 0,1 ng/m3N(I-TEF 1988) - 0,1 ng/m3N(I-TEF 1988) - 0,1 ng/m3N(WHO-TEF 2008)* Datenbasis des BVT-Merkblattes: 2001–2002, Veröffentlichung: 2006. Aktualisierung des BVT-Merkblattes seit 2011, Veröffentlichung voraussichtlich 2015.** Grenzwert für Dioxine und Furane bezieht sich auf 6-8-stündige Probenahme

Emissionen von Schadstoffen und Treibhausgasen