Die Ende Juli 1917 angesetzte Tarnopol-Offensive, bezeichnet eine erfolgreiche Gegenoffensive der Mittelmächte im südlichen Abschnitt der Ostfront des Ersten Weltkrieges. Die Anfang Juli 1917 eingeleitete russische Sommeroffensive des russischen Kriegsministers Kerenski hatte ihr Angriffsziel Lemberg nicht erreichen können. Die Gegenoffensive wurde mit der Durchbruchschlacht zwischen Zalosce und Zborow am 19. Juli eingeleitet. Auflösungserscheinungen der russischen Armee begünstigten den Angriff, am 25. Juli fiel die Grenzstadt Tarnopol in die Hände der Mittelmächte. Der Angriff wurde mit der Rückeroberung der Bukowina fortgeführt und endete erst am 15. August mit der Wiedergewinnung der im September 1914 verlorenen Gebiete Ostgaliziens. Bis Ende August konnten die Truppen der russischen Südwestfront auf den Zbrucz-Abschnitt zurückgedrängt werden, hier begann neuerlich der Stellungskrieg, bis der Friedensvertrag von Brest-Litowsk den Krieg im Osten im Frühjahr 1918 beendete.

Angriffsvorbereitungen mini|hochkant|General Iwan Georgjewitsch Erdeli, Oberbefehlshaber der russischen 11. Armee wurde nach dem Scheitern der Kerenski-Offensive abgelöst Bereits am 18. Juli war dem russischen Oberbefehlshaber General Brussilow klar geworden, das seine letzte Großoffensive völlig festgelaufen war und seine Tage im Kriegsrat Kerenskis gezählt waren. Die im Raum Brody stehende russische 11. Armee unter General Iwan Erdeli deckte das westliche Vorfeld von Tarnopol. Gegenüber der bewährten Südarmee unter General der Infanterie von Bothmer stand in den unveränderten Stellungen von Anfang Juli zwischen Brzezany und bis Halicz am Dnister die russische 7. Armee. Südlich des Flusses stand die russische 8. Armee noch im Angriff im Raum Kalusz. In der Bukowina und den Waldkarpaten verblieb die südlicher folgende russische 9. Armee unter General Georgi Stupin noch defensiv.

Am 14. Juli hatte der deutsche Oberbefehlshaber Ost, Generalfeldmarschall Leopold von Bayern, mit seinem Stab sein Hauptquartier von Brest-Litowsk nach Zloczow verlegt, um der bedrohten Front näher zu sein. Die deutsche Heeresleitung plante noch während der russischen Angriffe bei Kalusz eine eigene Gegenoffensive in Ostgalizien anzusetzen. Von der Westfront waren dafür seit Anfang Juli sechs Divisionen zusätzlich nach Galizien herangeführt worden. Der Angriff erfolgte im Zusammenwirken mit der im Angriffsabschnitt befehlshabenden österreichisch-ungarischen Heeresgruppe Böhm–Ermolli. Der preußische General von Winckler, Befehlshaber des deutschen I. Armee-Korps (Abschnitt Zloczow), übernahm die Führung einer Angriffsgruppe, deren Schwerpunkt nördlich Zborow lag und welche die russische Front in Richtung auf Tarnopol zu durchbrechen hatte. Winckler standen dafür am ersten Angriffstag elf deutsche und anderthalb österreichisch-ungarische Divisionen mit 124,5 Bataillonen, 24 Schwadronen und 219 Batterien zur Verfügung. Die Armeegruppe Winckler wurde zwischen der k.u.k. 4. Armee und der Südarmee anstelle der k.u.k. 2. Armee eingeführt und übernahm den Abschnitt des in der Kerenski-Offensive geschlagenen k.u.k. IX. Korps. Nach dem erfolgten Durchbruch sollte entsprechend der Frontlage der Stoßkeil mit etwa 30.000 Mann verstärkt und auch die Breite des Durchbruches durch das Vorgehen der südlicher anschließenden etwa 150.000 Mann starken Südarmee vergrößert werden. Wegen einer regnerischen Periode war der Aufmarsch schwierig, ebenso die schlechte Nachschublage – ausreichendes Pferdefutter war knapp.

Aufmarsch der Mittelmächte Für den Gegenangriff der Mittelmächte wurden vier Korpsgruppen bereitgestellt: Den Hauptstoß führte das XXIII. Reserve-Korps unter General Hugo von Kathen mit der k.u.k. 33. Division (Iwanski), der deutschen 1. (Eitel Friedrich von Preußen) und 2. Garde-Division (Friedrich von Friedeburg), sowie der 6. Division (Herhut von Rohden). Dahinter folgten im zweiten Treffen die Gruppe Berrer (Generalkommando 51) mit der 5. (Hasso von Wedel) und 22. Infanterie-Division (Kurt Kruge) als Reserve. Dahinter versammelte sich die 42. Infanterie-Division (Ludwig von Estorff) und die 92. Infanterie-Division (Theodor Melior) bei Zloczow als Armeereserve. Im Zentrum sollte die Gruppe Wilhelmi mit der deutschen 197. und 237. Division (Jacobi) und Reste der k.u.k. 32. (FML Willerding) und 19. Division (FML Böltz) einen Nebenangriff bei Zborow führen. Am rechten Flügel – etwa zwischen Zborow und Konjuchi – stand das Beskidenkorps (Max Paul Hofmann) mit der sächsischen 96. (von der Decken) und der 223. Infanterie-Division (Haernick).

Dem Angriff sollte sich später im Süden die deutsche Südarmee des General der Infanterie Felix von Bothmer anschließen: Links das k.u.k. XXV. Korps (Peter Hofmann) mit der 54. (von Severus) und 55. Division (Unschuld) In der Mitte mit dem XXV. Reserve-Korps unter General von Heineccius mit der 241. Infanterie-Division, der 4. Ersatz-Division (von Werder) und der 15. Reserve-Division (Limburg). Rechts war das XXVII. Reserve-Korps unter General der Kavallerie Krug von Nidda angesetzt. Ihm unterstanden die 53. (Leuthold) und 24. Reserve-Division (Morgenstern-Döring) und die k.u.k. 38. Honved-Division (Molnar).

Am Südufer des Dnjestr rang währenddessen die schwer angeschlagene k.u.k 3. Armee in der Schlacht von Kalusz, nach der Ablöse von Karl Tersztyánszky von Nádas wurde sie ab 12. Juli von Generaloberst Karl Křitek geführt. Am linken Flügel der 3. Armee stand im Krisenherd Kalusz seit dem 15. Juli die deutsche Korpsgruppe Litzmann (Generalkommando XXXX. Reserve-Korps), welcher über die deutsche 83. Infanterie-Division (Stumpff) und die k.u.k. 15. Division (von Ausch) verfügte und jetzt zudem die 16. Reserve-Division (Sieger) sowie die bayerische 8. Reserve-Division zugeteilt bekam. Rechts bildete die ungarische Gruppe Hadfy (XXVI. Korps) mit der 42. Honved-Division, der k.u.k. 16. (von Kaltenborn) und 36. Division zusammen mit der selbständig bis zum Pantyr-Pass operierenden 5. Division (Felix) einen Defensivflügel. Hier erfolgte die Trennlinie zur k.u.k. 7. Armee unter General Kövess, welche mit dem deutschen Karpathenkorps unter Richard von Conta die Waldkarpaten deckte.

Verlauf der deutschen Gegenoffensive Durchbruchschlacht bei Zalosce ab 19. Juli miniatur|hochkant|Arnold von Winckler, Führer der Angriffsgruppe gegen Tarnopol Am 19. Juli um 3 Uhr früh leitete ein siebenstündiger Artillerieschlag mit 600 Geschützen sowie 180 Minenwerfern den Angriff der Angriffsgruppe Winckler zwischen Zborów und Zwyżyn ein. Der deutsche Gegenangriff wurde auf nur 5 Kilometer Breite angesetzt und mit 92.500 Mann, 2.300 Reitern, 935 Geschützen und 1173 Maschinengewehren ausgeführt.Anton Wagner: Der Erste Weltkrieg, Carl Uberreuter Verlag, Wien 1981, S. 260.

Gegen 10 Uhr erfolgte der kraftvolle Infanteriestoß des deutschen XXIII. Reserve-Korps. Links angesetzt war die k.u.k. 33. Division zwischen dem Sereth bei Ratyszcze bis Zwyzyn, in der Mitte die 1. und 2. Garde-Division bei Manajow, die 6. Division dahinter. Zwischen Perepelniki bis etwa 15 Kilometer nördlich von Zborow bei Jaroslawice, schloss rechts die „Gruppe Wilhelmi“ mit der 197. Infanterie-Division an. Die k.u.k. 33. Division begleitete den Angriff am linken Flügel und bildete nach dem Durchbruch den Flankenschutz nach Norden zum Sereth. Der erste Durchbruch auf etwa 5 Kilometer Breite gelang im Abschnitt der 6. Grenadier-Division bei der russischen 11. Armee. Infolge wichen auch die Truppen des russischen XXV. Korps auf Zalośce zurück. Die deutsche 6. Division nahm Harbuzów und die Höhen bei Troscianiec und westlich von Ratyszcze. Die 2. Garde-Division erstürmte nachmittags Ratyszcze. Die 1. Garde-Division erreichte den Wald von Brodki, bis Abend wurde die Linie Troscianec-Zaloczke erreicht und Übergänge über die Smolanka erreicht. Rechts wurde das Korps Berrer (5. und 22. Division) durch Stauungen und Kreuzungen mit den hinteren Teilen der 6. Division in einer versumpften Serethniederung aufgehalten, während es der 5. Division in südöstlicher Richtung gelang, gegen den Ort Olejów vorzudringen. Die „Gruppe Wilhelmi“ hatte dem russischen XVII. Korps die Höhen bei Zborów entrissen, sie hatte bereits zuvor Zlota Gora und die Wertepy-Höhe genommen, das russische XVII. Korps (3. und 35. Division) wurde geschlagen. Unterstützende Angriffe im Süden durch die 223. Infanterie-Division des Beskidenkorps drangen im Kampf mit dem russischen V. Korps in Koniuchy ein. Bis zum Abend war der Durchbruch auf 15 Kilometer Breite und 6 Kilometer Tiefe erzwungen, die Höhen beiderseits Olejów und Zalosce waren erreicht. 2900 Gefangene und zehn Geschütze wurden eingebracht, zunehmende Auflösungserscheinungen bei den Russen wurden sichtbar.

20. Juli

Am 20. Juli ging der Angriff Wincklers planmäßig weiter. Die Gruppe Wilhelmi sowie das Korps Berrer stießen am 20. Juli weiter gegen Südosten vor und erzielten südlich des Sereth einen neuerlichen Raumgewinn von 16 Kilometer Tiefe. Der Oberbefehlshaber der russischen 11. Armee warf vergeblich seine Reserve, das XXXXIX. Korps, in den Kampf. Ein großer Teil der russischen Soldaten lehnte es ab, nochmals anzugreifen und desertierte. Das russische XVII. Korps räumte, ohne Widerstand zu leisten, seine Stellungen und ging zum Sereth zurück. Das russische V. Korps war dadurch an seiner Nordflanke durch Umfassung bedroht und musste auf die Linie Konjuchi—Kuklince zurückgehen. Das der russischen 7. Armee unterstellte VI. Korps sollte seinen rechten Flügel auf Budylow zurücknehmen und von Süden her in Flanke des durchgebrochenen Gegners angreifen. Das russische V. Korps ging bereits über Kozlow auf Myszkowice zurück. Eine Lücke von 40 Kilometern war in der russischen Front zwischen Mikulince und der Strypa geöffnet. Unter dem Druck vor der Front und aus dem Norden zog sich auch die russische 7. Armee vor der Südarmee aus den Positionen westlich von Halicz zurück. Vor der 96. und 223. Infanterie-Division begann das russische VI. Korps seine Stellungen zu räumen, das deutsche Beskidenkorps rückte auf Augustowka und Jozefowka nach. Gleichzeitig versuchte das k.u.k. XXV. Korps die Wiedereinnahme der alten Stellung bei Byszki am Konjuchibach, um das Vorwärtskommen der deutschen 223. Infanterie-Division bei Konjuchi zu erleichtern. In der Nacht löste General von Bothmer die 15. Reserve-Division aus ihrem südlicheren Frontabschnitt beim XXV. Reserve-Korps, um am linken Flügel der Südarmee eine Reserve zur Verfügung zu haben.

21. Juli Am 21. Juli stellte Feldmarschall Leopold von Bayern der Angriffsgruppe unter General Winckler zum Flankenschutz am Sereth die 92. Infanterie-Division zur Verfügung und sandte auch die 42. Infanterie-Division dem durchgebrochenen XXIII. Reserve-Korps nach. Wincklers Angriff zwischen Strypa und Sereth in südöstlicher Richtung wurde fortgesetzt. Wincklers Truppen stießen entlang der Straße nach Tarnopol und am südlichen Serethufer vor und brachen den gegnerischen Widerstand. Die 5. und 6. Division, die 22., 42., 92., 96. und 223. Infanterie-Division verfolgten nebeneinander und tiefgestaffelt. Die Korpsgruppen Kathen, Wilhelmi und Berrer waren bereits an der Linie Budylow, Kozlow in das westliche Vorfeld von Tarnopol vorgedrungen. Das zurückgegangene russische V. Korps machte auf dem Ostufer des Sereth für neuerlichen Widerstand wieder halt. Der Befehlshaber der russischen 8. Armee, General Lawr Kornilow, dirigierte jetzt seine Reserve in Ostgalizien, das XXXIV. und XXXXV. Korps, in die aufgerissene Bresche zwischen der 7. und der 11. Armee.Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Band 4, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1921, S. 383 f.

Politisches Zwischenspiel mini|General Lawr Kornilow