Erika Stürmer-Alex (* 4. Februar 1938 in Wriezen) ist eine deutsche Malerin und Grafikerin, die in den Bereichen Tafelbild, Druckgrafik, Collageplastik, Polyesterplastik, Installation und Wandmalerei künstlerisch tätig ist.

Leben Die gebürtige Brandenburgerin studierte von 1958 bis 1963 in der DDR Malerei, Grafik und Kunst am Bau an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee, wo zu ihren Lehrern Herbert Behrens-Hangeler und Kurt Robbel gehörten. Ab 1967 war sie Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR, ab 1978 als Leiterin der Sektion Maler/Grafiker des Bezirks Frankfurt/Oder.

Nach Studium und erster freiberuflicher Schaffenstätigkeit arbeitete sie von 1970 bis 1987 als Kursleiterin für Malerei und Grafik am Kulturhaus Rüdersdorf bei Berlin. Ab 1980 setzte sie zudem zahlreiche Aufträge und Ausführungen in der baubezogenen Kunst um.

Nachdem sie aus kulturpolitischen Gründen Berlin-Verbot bekommen hatte, verließ sie 1982 die DDR-Hauptstadt und verlagerte ihren Lebensmittelpunkt nach Lietzen, wo sie ein Gehöft erwarb und seit 1983 alljährlich Kurse für Malerei, Grafik und Collage leitet.

Im gleichen Jahr sammelte Erika Stürmer-Alex zusammen mit der Malerin Johanna Görke während einer Feier in Schwedt Unterstützungsunterschriften für den kurz zuvor erschienen „Berliner Appell“, der von dem Wissenschaftler Robert Havemann und dem Pfarrer Rainer Eppelmann verfasst wurde. In diesem Appell ging es um eine dauerhafte Grundlage einer Friedensordnung und nicht um einen Frieden als Abwesenheit von Krieg. Die etwa 80 Unterzeichner traten für eine Politik ein, die nicht lediglich die Vertagung des Krieges im Blick hatte, sondern substantielle Entspannung anstrebte.Der Berliner Appell bei jugendopposition.de In dessen Folge wurde sie bei verschiedenen Gremien der Partei und des Künstlerverbandes vorgeladen und ein Verfahren beim Ministerium für Staatssicherheit gegen sie eröffnet. Als Freunde später die DDR verließen, erhielt Erika Stürmer-Alex ein Verbot, eine Porträtserie ausgereister Freunde auszustellen.Hannelore Offner und Klaus Schroeder: Eingegrenzt – Ausgegrenzt: Bildende Kunst und Parteiherrschaft in der DDR 1961–1989, Seite 255 f., Akademie Verlag Berlin GmbH, 2000, ISBN 3-05-003348-7 1988 arbeitete sie im Rahmen einer Arbeitsgruppe während des X. Kongresses des Verbandes Bildender Künstler der DDR eine Resolution gegen das Verbot der sowjetischen Zeitschrift Sputnik aus.Günter Feist und Eckhart Gillen: KUNSTKOMBINAT DDR, Seite 194, Museumspädagogischer Dienst Berlin, 1990, ISBN 3-88940-064-7

Nach der Wende war sie 1991 Mitgründerin des Endmoräne-Künstlerinnen aus Brandenburg und Berlin e.V. Seit Mitte 1990er Jahre ist sie Mitglied im GEDOK Brandenburg und im Brandenburgischen Verband Bildender Künstlerinnen & Künstler e. V.

Arbeiten von Erika Stürmer-Alex befinden sich u. a.im Besitz der Nationalgalerie (Berlin), des Museums Junge Kunst Frankfurt (Oder), der Brandenburgische Kunstsammlungen Cottbus, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, des Potsdam Museums, der Universitätsgalerie Evansville (Indiana), USA und in vielen privaten Sammlungen.

Ein Filmporträt von Therese Koppe, Im Stillen laut („A Quiet Resistance“), beleuchtet das Leben von Erika Stürmer-Alex und Christine Müller-Stosch, ihrer Lebensgefährtin seit 1971. auf rbb24 vom 2. November 2019.

Rezeption "Kunst ist für sie Selbstausdruck und Selbstbehauptung ganz gleich ob gegenüber der Diktatur eines Kunstmarktes oder einer Staatsideologie, wie sie selbst es formuliert." (Gabriele Muschter)

„Mit unterschiedlichen Bildtechniken begibt sich Erika Stürmer-Alex permanent in Reibungszonen der Wirklichkeit, um eigene Positionen im Wechsel mit allgemein existenziellen Fragen zu überprüfen, das Prozesshafte des Seins mit individueller Mythologie zu verbinden und dafür eine subjektive Zeichensprache zu entwickeln. Darum setzt sie auf Alltägliches mit verfänglichem Hintersinn, mischt sie Visionäres in die Spielarten des Banalen und zielt, mit allem was sie tut, provozierend ins Zentrum unserer Wahrnehmung“ (Herbert Schirmer)Herbert Schirmer: Erika Stürmer-Alex. Sandstein Verlag, Dresden, 2008, ISBN 978-3-940319-52-4 ( Ostdeutsche Sparkassenstiftung im Land Brandenburg [Hrsg.])

Ehrungen 1992 Förderpreis des Landes Brandenburg 1993 Studienaufenthalt in der Villa Massimo, Rom 2001 Stipendium der Stiftung Kulturfonds für das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf 2004 Ostbrandenburgischer Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung 2015 Ehrenpreis des Brandenburger Ministerpräsidenten für ihr Lebenswerk

Teilnahme an Gruppenausstellungen (unvollständig)

1967/1968, 1977/1978 und 1987/1988: Dresden, VI. Deutsche Kunstausstellung und VIII. und X. Kunstausstellung der DDR 1969, 1976, 1979 und 1985: Frankfurt/Oder, Bezirkskunstausstellungen 1969, 1977 und 1983: Leipzig, Messehaus am Markt („Kunst und Sport“) 1974/1975: Frankfurt/Oder, Galerie Junge Kunst („Junge Künstler '74. 1. Jahresausstellung junger bildender Künstler der DDR“) 1976: Karl-Marx-Stadt, Städtische Museen („Jugend und Jugendobjekte im Sozialismus“) 1978: Leipzig, Galerie am Sachsenplatz („Collagen, Montagen, Frottagen von Künstlern der DDR“) 1982: Berlin, Treptower Park, „Plastik und Blumen“ 1983: Berlin, Galerie am Prater („Retrospektive 1973–1983“) 1986: Magdeburg, Kloster Unser Lieben Frauen („Grafik in den Kämpfen unserer Tage“) 2023: Potsdam, Landtag („Umwelt gestalten! Baubezogene Kunst aus der DDR im Land Brandenburg“) 2026: Berlin KVOST–Kunstverein Ost e.V. und drei weitere Berliner Galerien („Queere Kunst in der DDR? Biografien zw. Underground und Propaganda“)

Literatur

Stürmer-Alex, Erika. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 937/938

Gabriele Muschter und Bernd Rosner: Stürmer-Alex. Werke 1962–2017. Lukas-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-86732-312-3. De Gruyter. Allgemeines Künstler-Lexikon. Band 106. 2020, S. 530/531

Weblinks

Katalog_ErikaStuermerAlex.pdf Erika Stürmer-Alex | Galerie Mutare https://www.bildindex.de/ete?action=queryupdate&desc=%22st%C3%BCrmer-alex%2C%20erika%22%20&index=obj-all Bildindex

Erika Stürmer-Alex beim Verbundprojekt Bildatlas Kunst in der DDR Erika-Stürmer-Alex-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin

Webauftritt von Erika Stürmer-Alex bbk Brandenburg — Stürmer-Alex, Erika Ausstellung in der Galerie Junge Kunst Frankfurt Zeitläufe bei der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung, 2008

Einzelnachweise

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