mini|Heerführer der Comitatenses und Limitanei im 5. Jahrhundert n. Chr. mini|Spätrömischer Offiziershelm vom Typ Berkasovo I, 4. Jahrhundert mini|Illustration des Tractus Italiae circa Alpes in der Notitia Dignitatum mini|Provinzen im Italien des 5. Jahrhunderts Der Comes Italiae war in der Spätantike Befehlshaber von mobilen Eingreiftruppen (Comitatenses) der weströmischen Armee, die im Kernland des Reiches, Italien, operierten.

Namentlich bekannte Comites: Generidus (408) Ricimer (Mitte 5. Jahrhundert)Friedrich Anders 2010, S. 121

Definition Der Titel comes wurde in der Regel an Mitglieder der höchsten Rangklasse des Adels (vir spectabilis) bzw. die engsten Vertrauten des Imperators verliehen. In der spätrömischen Armee übertrug er sich dann auch auf die Kommandeure der mobilen Feldarmeen oder Offiziere, die mit zeitlich begrenzten Sonderkommandos betraut wurden (Comes rei militaris). Sein direkter Vorgesetzter war der Magister peditum praesentalis (der Hofheermeister) des Westens für die Infanterie und der Magister equitum praesentalis für die Kavallerie.Ralf Scharf 2005, S. 302.

Funktion Das Amt ist nur aus der Notitia Dignitatum Occidentum bekannt. Die Nachverfolgung seiner Geschichte gestaltet sich mangels anderer zeitgenössischer Quellen äußerst schwierig und ist zum größten Teil reine Spekulation. Im Kapitel des Comes werden weder sein Verwaltungsstab (officium), noch Truppeneinheiten, deren kommandierende Offiziere oder Festungsstädte bzw. Kastelle, in denen sie stationiert waren, angegeben. Vermutlich waren sie Bestandteil der Armeen des Magister peditum bzw. des Magister equitum und wurden daher auch von deren Verwaltung administriert.

Kommandobereich Der Comes und die Angabe seines Zuständigkeitsbereiches scheinen noch zusätzlich im Kapitel des Magister peditum auf.Notitia Dignitatum Occ. XXIV („zur Verfügung des höchst ehrenwerten Graf von Italien“). Sub dispositione viri spectabilis comitis Italiae: Tractus Italiae circa Alpes. Sein Militärbezirk (tractus) erstreckte sich im Wesentlichen auf die Städte und Kastelle in Norditalien und die Sperrwerke in den Julischen Alpen. Der Einsatzraum der italienischen Feldarmee umfasste aber wohl auch die übrigen italischen Provinzen (intra italiam):

Liguria (Liguria und Westpiemont) Transpadana (Piemont und Lombardei) Venetia et Histria (Veneto, Friaul-Julisch Venezien und Trentino-Alto Adige) Aemilia (Emilia-Romagna) Tuscia, (Etruria et Umbria, heute Toskana und Umbrien) Flaminia (Picenum und der vormalige Ager Gallicus, Region Marken) Latium et Campania (Küste von Latium und Kampanien) Samnium (Abruzzen, Molise und Irpinia) Apulia et Calabria (Apulien) Lucania et Bruttium (Basilicata und Kalabrien) Sicilia (Sizilien und Malta) Corsica et Sardinia (Korsika und Sardinien)

Ein bemerkenswertes Detail der Abbildung seines Zuständigkeitsbereiches in der Notitia Dignitatum Occ. sind zwei mit Türmen und Zinnen bewehrte Mauern. Wahrscheinlich eine Darstellung der Befestigungen der Claustra Alpium Iuliarum, deren Vollausbau erst im 4. Jahrhundert abgeschlossen worden war. Sie sollten vor allem die Fernverkehrsstraßen durch den Birnbaumer Wald schützen. Die Route über die Julischen Alpen war für Eindringlinge aus dem Nordosten der schnellste Weg nach Italien. Die dortigen Sperrmauern und Kastelle waren aber vermutlich gar nicht mehr mit römischen Soldaten besetzt, als die Notitia Dignitatum erstellt wurde. Die Darstellung des Castrum Italia soll möglicherweise die Zuständigkeit dieses Comes für alle Provinzen bzw. Militärstützpunkte auf der Italienischen Halbinsel symbolisieren. Es könnte damit aber auch eine alte römische Veteranenkolonie, die Festungs- und Handelsstadt Aquileia, gemeint sein. Aufgrund ihrer Schlüsselposition diente sie lange als Bollwerk gegen Einfälle von Feinden aus dem Norden.Friedrich Anders: Flavius Ricimer, Macht und Ohnmacht des weströmischen Heermeisters in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts. Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2010, ISBN 978-3-631-61264-4, S. 121.

Entwicklung Guido Clemente ist der Ansicht, dass die comitiva zwischen 401 und 405 eingerichtet wurde. In dieser Zeit war die Alpenregion Schauplatz der Kämpfe gegen Alarich I. und Radagais. Die italische Feldarmee galt in dieser Dekade als die kampfkräftigste des Westreichs. Nachdem der Magister militum selbst das Kommando über die Armee in Italien übernommen hatte, wurde das Amt wieder abgeschafft. Arnold H. M. Jones vermutet, dass der Comes Italiae mit Etablierung des Comes Illyrici, dessen Zuständigkeitsbereich u. a. die Provinzen Noricum und Rätien umfasste, überflüssig wurde. Um 456 könnte auch der spätere Magister militum, Flavius Ricimer, das Amt eines Comes von Italien bekleidet haben, da ihn Kaiser Avitus mit der Abwehr der Vandalen auf Korsika und der Sicherung der Getreidelieferungen für die Stadt Rom aus Afrika und Sizilien betraute.Ralf Scharf 2005, S. 303; A. H. M. Jones: The Later Roman Empire, 284–602. A Social, Economic and Administrative Survey. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 1986, ISBN 0-8018-3285-3 (Paperback edition), S. 1424; Friedrich Anders: Flavius Ricimer, Macht und Ohnmacht des weströmischen Heermeisters in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts. Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2010, ISBN 978-3-631-61264-4, S. 121.

Truppen Welche Einheiten unter seinem direkten Kommando standen, ist mangels diesbezüglicher Schriftquellen unbekannt. Die Schildmuster wurden in der westlichen Notitia Dignitatum überliefert. Die nachfolgend aufgelisteten Einheiten gehörten zur Italienarmee des Magister peditum. Sie dienten zum Schutz der italischen Provinzen und könnten im Krisenfall dem Comes Italiae unterstellt gewesen sein. Der Großteil der weströmischen Armee bestand aus Infanteristen, obwohl auch Bogenschützen und berittene Bogenschützeneinheiten in den Quellen häufig erwähnt werden. Die Infanterieeinheiten wurden wohl größtenteils unter Diokletian und Konstantin aufgestellt. Die Kavallerieeinheiten umfassten wahrscheinlich zwischen 500 und 1000 Mann (inklusive der Stallburschen). Die Herkunft der Soldaten in der italienischen Feldarmee ist sehr unterschiedlich: Grabinschriften von Aquileia und Concordia aus dem 4. und frühen 5. Jahrhundert erwähnen u. a. Bataver, Heruler, Salfranken und Vandalen. Die ethnische Zusammensetzung der nichtrömischen Einheiten wurden aber – in den meisten Fällen – mit der Zeit immer mehr durchmischt.A.H.M. Jones 1964, Kapitel 17, Notitia Dignitatum Occ. VI Qui numeri ex praedictis per infrascriptas provincias habeantur: Intra Italiam, XLII Item praepositurae magistri militum praesentalis a parte peditum.

Distributio Numerorum Laut der ND Occ. standen dem Comes möglicherweise folgende Einheiten zur Verfügung:sub dispositione

Gardeeinheiten (Kavallerie) Einheiten Bemerkung Abbildung Comitatenses – Vexillationes palatina Farbgebung nach der Überlieferung im Oxford-Manuskript der Notitia Dignitatum Comites seniores Comites bedeutet Gefährten oder Gefolgsleute; damit war insbesondere das Gefolge des Kaisers gemeint. Eine Inschrift, auf der vielleicht die Comites seniores (oder eine ähnliche Truppe) erwähnt wird, stammt vom Gräberfeld der Colonia Iulia Concordia (heute Portogruaro in der Provinz Veneto, Italien). Die Inschrift erwähnt einen Centenarius, Flavius Roveos, die sich – um die fehlenden Buchstaben erweitert – vielleicht als „equitum comit[um] seni(orum) sagit(tariorum)“ auflösen lässt., D. Hofmann S. 27.

Eine weitere Einheit der

Comites seniores (Vexillationes palatinae) sind unter dem Magister militum praesentalis II (Ostreich) aufgelistet. Bogenschützen der Comites sagitarii iuniores (Vexillationes palatinae), standen in der Armee des Magister militum praesentalis I (Ostreich).

Das Schildmuster ist sehr einfach gehalten, roter Rand auf Indigo- oder Purpurgrund, der Schildbuckel ist mit denselben Farben geviertelt. Dass gerade eine Eliteeinheit ein so simples Schilddesign führte ist nicht überraschend. Im Gegensatz zu den stationären Limitanei waren die Feldarmeen immer in Bewegung und mussten auf Ausrüstung aus wechselnden Bezugsquellen, die über das ganze Reich verteilten kaiserlichen Fabricae (Waffenfabriken), zugreifen. Schilde wurden in der Schlacht oft schwer beschädigt und mussten danach meist durch neue ersetzt werden. Daher ist es wahrscheinlich, dass eine aufwendige Bemalung bei den Comitatenses nicht so gerne gesehen wurde. Dies passt auch zu einer Erwähnung beim Chronisten Ammianus Marcellinus, nach der die Comitatenses im 4. Jahrhundert oft in Kämpfe verwickelt wurden.Simon James 2004, Dietrich Hoffmann 1963, S. 22–57.mini|hochkant=0.7|Truppenliste des Intra Italiam cum viri illustris magistri peditum: Schildzeichen der Comites seniores Equites promoti seniores Die in der Notitia Dignitatum aufgelisteten equites promoti stammten meist von Legionsreitern ab, die im 3. Jahrhundert, unter Diokletian (284–305) aus ihrer Stammlegion herausgezogen wurden und von da an als eigenständige Einheiten operieren sollten. Als promoti scheinen ursprünglich nur einzelne Soldaten bezeichnet worden sein, die aus irgendeinem Grund befördert worden waren. Später wurden jedoch ganze Gruppen ausgewählter Legionäre offenbar zu Reitern ausgebildet. Dies führte, insbesondere im 3. Jahrhundert, zur Aufstellung von Legionskavallerie, die dann zunehmend als eigenständige Einheiten eingesetzt wurden. Dies erklärt die große Anzahl an Equites promoti-Einheiten in der Notitia – allerdings meist bei den Limitanei und nicht in den Feldarmeen. Die 31 in der Notitia genannten Einheiten stellten einen beträchtlichen Teil des Kavallerieaufgebots des späten Reiches dar. Die volle Mannschaftsstärke einer Promoti-Einheit betrug anfangs 726 Reiter, wesentlich mehr als die rund 300 Mann der equites legionis der frühen und mittleren Kaiserzeit. Sie dienten in den damaligen Legionen als Gardeeinheit des Legatus und waren auch etwas besser ausgebildet. Ihre Neuorganisation verdeutlicht die zunehmende Bedeutung, die der Kavallerie im Allgemeinen und den Legionen im Besonderen bei der Grenzverteidigung während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts zuerkannt wurde. In der Notitia Dignitatum werden sie sowohl als Teil der limitanei als auch der comitatenses aufgelistet. Sie galten als Eliteformationen und bildeten am Limes die taktische Reserve, um schneller auf Bedrohungen reagieren zu können. In der Donauarmee standen die Promoti über den Dalmatae, was ihre Rolle als taktische Reserve noch unterstreicht. Einige von ihnen wurden deswegen nicht nur in ihrer Provinz eingesetzt, sondern bei Bedarf auch an andere Kriegsschauplätze abkommandiert. Man geht heute davon aus, dass eine spätantike Promoti-Einheit in der Regel um die 500 Mann stark war. Vegetius bezeichnet sie auch als Loricati, d. h. sie trugen eine Körperpanzerung und waren mit Lanzen bewaffnet.Michael Frederick Pavkovic: The legionary horsemen: an essay on the equites legionis and equites promoti. University of Hawaii, 1991, S. 106ff. Die Equites promoti seniores könnten ebenfalls im 3. Jahrhundert aus einer Legion zunächst in den kaiserlichen Comitatus abkommandiert worden sein. Eine namensgleiche Einheit stand – als ranghöchste – in der Armee des Magister militum praesentalis I (Ostreich). Wie bei allen östlichen Kavallerieeinheiten wurde das Schildmuster der östlichen Equites promoti seniores jedoch nirgendwo überliefert. Das Schildmuster der westlichen Equites promoti seniores ist ebenfalls sehr einfach gehalten, roter Grund mit einem weiß und blau geviertelten Schildbuckel. Es ist den Schildmustern der Equites sagittarii Parthi iuniores und der Taurunenses sehr ähnlich. Diese unterscheiden sich nur darin, dass deren Schildbuckel weiß oder schwarz eingefärbt war. Das Schildzeichen der Equites promoti iuniores, hatte einen violetten Grund. Die westlichen Einheiten werden in der Notitia nur als Equites promoti angeführt, während bei den östlichen in Equites promoti indigenae und