Der Amoklauf von Isla Vista ereignete sich am 23. Mai 2014 in Isla Vista in der Nähe des Campus der University of California, Santa Barbara in Kalifornien. Ein 22-jähriger Täter tötete sechs Menschen und verletzte vierzehn andere Personen, bevor er sich mit einem Schuss in den Kopf selbst tötete.Ian Lovett und Asam Nagourney: Video Rant, Then Deadly Rampage in California Town. In: The New York Times, 24. Mai 2014.Christiane Heil: Elliot Rodger: Amoklauf mit Ansage. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Mai 2014.Le fils d'un réalisateur annonce « le jour du châtiment » et tue 6 personnes en Californie. In: Le Monde, 25. Mai 2014.
Tathergang Vorbereitung Im September 2012 besuchte der Täter nach eigenen Angaben eine Schießanlage in Oxnard, Kalifornien, um das Schießen zu üben.Alan Duke: Timeline to 'Retribution': Isla Vista attacks planned over years. In: CNN, 27. Mai 2014. Im November oder Dezember 2012 kaufte er seine erste Handfeuerwaffe, eine Glock 34, in einem örtlichen Waffengeschäft in Goleta.Jennifer Medina: Even in a State With Restrictive Laws, Gunman Amassed Weapons and Ammunition. In: New York Times, 25. Mai 2014. Er schrieb in seinem Manifest, dass er sich für die Glock 34 entschieden habe, weil sie seinen Recherchen nach eine „effiziente und sehr zielgenaue Waffe“ sei. Für den Kauf der Pistole verwendete er 700 USD des Geldes, das ihm Familienmitglieder für seine Universitätskurse gegeben hatten.
Im Frühling 2013 kaufte er in Oxnard eine zweite Waffe, eine SIG Sauer P226, für 1.100 USD. Diese sei von viel höherer Qualität als die Glock, schrieb er, und viel effizienter. Im Laufe des Jahres erwarb er in BurbankPhilip Ross: California Police Lacked Probable Cause To Confiscate Shooter Elliot Rodger's Handguns. In: International Business Times, 27. Mai 2014. eine dritte Waffe sowie 400 Patronen.Lauren Paglini: How Far Will the Strictest State Push the Limits: The Constitutionality of California's Proposed Gun Law Under the Second Amendment. In: Journal of Gender, Social Policy & the Law. 23, Nr. 3, 2015, S. 459–485. Die Kosten seien ihm gleichgültig, weil er über 5000 USD auf seinem Bankkonto für seinen „Tag der Abrechnung“ zurückgelegt habe.
Verlauf Am Morgen des 23. Mai 2014 tötete der Täter drei Studenten der University of California, Santa Barbara, in seiner Wohnung in der Seville Road in Isla Vista.Shelby Lin Erdman und Greg Botelho: Timeline: A killer's rampage through a California college town. In: CNN, 25. Mai 2014.Oren Dorell und William M. Welch: Police identify Calif. shooting suspect as Elliot Rodger. In: USA Today, 26. Mai 2014.Raquel Maria Dillon, Martha Mendoza und Julie Watson: U.S. Sheriff: Calif. Gunman Killed 3 People at Home. In: ABC News, 24. Mai 2014. Auf die drei Männer wurde nach Angaben des zuständigen County-Sheriffs mehrmals eingestochen. Die Polizei fand am Tatort neben einem Messer und zwei Macheten auch einen Hammer, gab jedoch nicht bekannt, welche Waffe der Täter verwendet hatte.Ian Lovett: Rampage Victims Drawn to California Campus From Near and From Far. In: New York Times, 25. Mai 2014. Zwei der drei Studenten waren seine Mitbewohner, das dritte Opfer war ein Besucher, der in der Wohnung übernachtet hatte.Isla Vista suspect allowed to buy guns despite emotional problems. In: The Los Angeles Times, 28. Mai 2014.
Am Abend desselben Tages fuhr der Täter zum Haus der Studentinnenverbindung Alpha Phi nahe dem Campus der University of California in Santa Barbara. Als die Frauen auf sein minutenlanges Klopfen an der Tür nicht reagierten, schoss er auf Studentinnen der Verbindung Delta Delta Delta auf dem Gehweg in der Nähe des Verbindungshauses. Zwei Frauen wurden getötet und eine wurde verwundet. Danach verletzte der Täter auch einen Mann und eine Frau auf der Straße.Chris Carlson: Thwarted in his plan, California gunman improvised. In: CBSNews, 25. Mai 2014. Anschließend fuhr er in seinem Auto zwei Häuserblocks zum Feinkostgeschäft Isla Vista Deli Mart, wo er einen weiteren Studenten erschoss.Amanda Covarrubias und Joe Mozingo: In a college community, disbelief turns to outrage and mourning. In: Los Angeles Times, 25. Mai 2014. Um näher an dem Bürgersteig zu sein, hielt sich der Täter auf der linken Spur und feuerte aus dem Auto auf zwei Fußgänger und verletzte beide. Er rammte einen Fahrradfahrer mit seinem Auto und feuerte weitere Schüsse auf Fußgänger. Vier Polizisten trafen am Ort ein, drei von ihnen lieferten sich mit dem Täter einen Schusswechsel. Der Täter wurde in die Hüfte getroffen. Als er davonfuhr, rammte er einen zweiten Radfahrer und kollidierte dann mit mehreren geparkten Autos. In dem Auto nahm er sich dann mit einem Kopfschuss das Leben.
Hintergründe Täter mini|Führerscheinfoto von Elliot Rodger Elliot Oliver Robertson Rodger (* 24. Juli 1991; † 23. Mai 2014)Elliot Rodger manifesto outlines plans for Santa Barbara attack. In: The Sydney Morning Herald, 25. Mai 2014. wurde als Sohn des britischen Filmemachers Peter Rodger und der malayischen Filmassistentin Li-Chin Rodger in London geboren.Andrew Springer: The Agony of Peter Rodger, a Dad Whose Son Became a Mass Killer. In: ABC News, 27. Juni 2014. Sein Großvater war der Fotograf George Rodger. Im Alter von fünf Jahren zog die Familie in die Vereinigten Staaten, und Elliot Rodger wuchs in Los Angeles auf.Antonia Molloy: California killings: Elliot Rodger's parents heard news of massacre on radio as they raced to stop their son. In: The Independent, 26. Mai 2014. Er hatte eine jüngere Schwester und einen jüngeren Halbbruder.
Als Rodger sieben Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. Zur selben Zeit wurde er mehrmals psychologisch untersucht. Man vermutete bei Rodger u. a. wegen seines Unvermögens Freundschaften zu schließen, seiner Scheu vor Menschenmengen, seiner Abneigung gegenüber lauten Geräuschen und seiner stereotypen Verhaltensweisen bereits damals Autismus.Santa Barbara County Sheriff’s Office: Isla Vista Mass Murder May 23, 2014. Investigative Summary, 2015, S. 52–53. Er selber behauptet in seinem Manifest, an einer sozialen Angststörung gelitten zu haben.Peter Langman: Elliot Rodger: An Analysis, in: The Journal of Campus Behavioral Intervention 2 (2014). Seit seinem achten Lebensjahr befand er sich in psychiatrischer Behandlung und nahm Psychopharmaka zu sich (später, im Alter von 18 Jahren, verweigerte er jedoch eine weitere Behandlung).Lindsay Bramble: Putting a Band-Aid on a Bullet Wound: Why Gun Legislation Targeting Individuals With Mental Illness Isn't Working. In: Journal of Health Care and Policy. 14, Nr. 2, 2014, S. 303–325. Rodger litt wegen seiner mütterlicherseits ostasiatischen Abstammung an einem Minderwertigkeitskomplex und färbte sich als Kind seine Haare eine Zeit lang blond, weil er wie ein weißer Junge aussehen wollte.Joan Walsh: Elliot Rodger's half-white male privilege, Salon.com, 29.05.14. Er besuchte eine katholische Jungenschule und zwei andere High Schools im Umkreis Los Angeles.Adam Nagourney u. a.: Before Brief, Deadly Spree, Trouble Since Age 8. In: The New York Times, 2. Juni 2014. Die mehrmaligen Schulwechsel seien, ihm zufolge, auf Mobbing zurückzuführen gewesen. 2007 wurde bei ihm schließlich PDD-NOS diagnostiziert, sodass er Anspruch auf entsprechende öffentliche Dienstleistungen hatte. 2010 erhielt er seinen High-School-Abschluss und zog im Jahr darauf nach Isla Vista, um das Santa Barbara City College zu besuchen. Laut seinem Manifest hatte er alle seine Kurse im Februar 2012 abgebrochen. Rodgers einziger Freund versuchte damals, ihn in die Unternehmungen seiner Clique miteinzubinden, woran dieser allerdings kein Interesse gezeigt habe.sindermann: Freund des Killers: "Er wollte die Welt unterwerfen", Merkur.de, 26.05.14.
Bereits vor dem Amoklauf gab es Hinweise auf Rodgers Gewaltbereitschaft. Er hatte nach eigenen Angaben in angetrunkenem Zustand versucht, Studenten bei einer Collegeparty von einem Felsvorsprung herunterzustoßen. Grund hierfür war seine Frustration darüber gewesen, dass sie ihn ignoriert hatten, woraufhin er sie beleidigte und sie ihn dann ebenfalls beleidigten. Dabei wurde er dann jedoch selbst heruntergestoßen und brach sich den linken Fußknöchel. Danach verließ er die Party, wobei er feststellte, dass er seine Sonnenbrille verloren hatte, sodass er, aufgrund seines Alkoholpegels, versehentlich zu einer anderen Party ging, um diese zurückzuholen, und dort verprügelt wurde.Santa Barbara County Sheriff’s Office: Isla Vista Mass Murder May 23, 2014. Investigative Summary, 2015, S. 46. Die Ereignisse dieser Nacht seien für ihn der Auslöser dafür gewesen, den endgültigen Entschluss zu fassen, einen Amoklauf zu begehen. Im Mai 2014 hatte seine Mutter seinen ehemaligen Therapeuten kontaktiert, nachdem sie Rodgers YouTube-Videos gesehen hatte. Der Therapeut meldete den Vorfall bei Santa Barbaras Hotline für psychische Gesundheit, und es wurden Polizeibeamte zu Rodger entsandt. Rodger gab gegenüber den Beamten zu, dass er Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen und Kommilitonen habe, die Beamten sahen angesichts seines ruhigen Auftretens und seines leeren Vorstrafenregisters allerdings keinen Grund für eine Zwangseinweisung. In einem Artikel von 2018 stuft das Southern Poverty Law Center Rodger als Angehörigen der Alt-Right ein.Keegan Hankes, Alex Amend: The Alt-Right is Killing People, Southern Poverty Law Center, 5. Februar 2018. Begründet wird diese Kategorisierung mit seiner Misogynie und Abneigung gegen interrassische Paare.
Manifest und Videos Rodger verfasste ein 141 Seiten umfassendes „Manifest“ mit dem Titel My Twisted World: The Story of Elliot Rodger (dt.: „Meine verdrehte Welt: Die Geschichte des Elliot Rodger“). Dieses schickte er im Vorfeld des Amoklaufs an mehrere Personen, u. a. auch an seinen Therapeuten, seine Eltern und seine früheren Schullehrer und Freunde.Jenny Rice: Pathologia. In: Quarterly Journal of Speech. 101, Nr. 1, Frühling 2015, S. 34–45. .Paul Gill: Lone-Actor Terrorists: A Behavioural Analysis. Routledge, New York 2015, ISBN 978-1-138-78756-8, S. 13.
Darin beschrieb er seinen Plan, den er in drei Phasen unterteilte.. Untersuchungsbericht des County-Sheriffs Bill Brown, 18. Februar 2015. In: News.com.au, 26. Mai 2014. „Am Tag vor dem Tag der Vergeltung werde ich die erste Phase meiner Rache beginnen: Lautlos so viele Menschen wie möglich in der Umgebung von Isla Vista töten, indem ich sie unter irgendeinem Vorwand in meine Wohnung locke.“ Die zweite Phase stellte sich Rodger als einen „Krieg gegen Frauen“ vor, als Rache dafür, dass Frauen ihm Sex vorenthalten hätten: „Die zweite Phase wird am Tag der Vergeltung stattfinden, kurz vor dem kulminierenden Höhepunkt. ... Mein Krieg gegen Frauen. ... Ich werde alle Frauen dafür bestrafen, dass sie mir Sex entzogen haben... Ich kann nicht jede einzelne Frau auf der Welt töten, aber... Ich werde eben die Mädchen angreifen, die alles vertreten, was ich am weiblichen Geschlecht hasse: Die heißeste Schwesternschaft der UCSB.“ In der dritten Phase, die er als „ultimativen Showdown auf den Straßen von Isla Vista“ bezeichnete, wollte er mit dem Auto durch die Stadt fahren und so viele Menschen anfahren wie möglich.
In seinem Manifest legte er auch dar, dass er in seiner perfekten Welt alle Frauen in Konzentrationslagern unter Quarantäne stellen würde. „In diesen Lagern wird die überwiegende Mehrheit der weiblichen Bevölkerung bewusst zu Tode gehungert werden. Das wäre eine effiziente und passende Weise, sie alle zu töten ... Ich würde einen riesigen Turm nur für mich errichten lassen ... und sie alle genüsslich beim Sterben beobachten.“Oliver Darcy: . In: The Blaze, 24. Mai 2014.