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mini|Münzporträt des Hadrian mini|Abschnitt des Hadrianswalls zwischen Newcastle und Wallsend, John Horsley, 1732 mini|Befundplan des Steinkastell II, 3. Jahrhundert n. Chr. mini|Blick auf den archäologischen Park, links im Hintergrund das wiederaufgebaute Lagerbad mini|Bauinschtriftfragment der Legio VI vom Haupttor des Lagers mini|Rekonstruktion der Mauer an der Buddle Street, Blick aus SO mini|Fragmente einer römischen Rüstung mini|Konservierte Überreste des Hadrianswalls nahe dem Besucherzentrum mini|Weihealtar des Zenturios Iulius Honoratius
Segedunum war ein römisches Hilfstruppenkastell auf dem Gemeindegebiet (Parish) von Wallsend, District North Tyne, County Tyne and Wear, England.
Es gehörte zu der aus insgesamt 16 Kastellen bestehenden Festungskette des Hadrianswalls (per lineam valli) und sicherte dessen östlichen Endpunkt am Ufer des Tyne. Das Lager wurde etwa 300 Jahre, vermutlich von 125 bis 400 n. Chr., genutzt und zählt heute zu den am besten erforschten Befestigungen am Wall. Heute ist die Ausgrabungsstelle vor allem durch das wiederaufgebaute Lagerbad, eine Nachbildung des Walls und der Aussichtswarte des Museums, bekannt. Der Hadrian’s Wall Path-Wanderweg beginnt (oder endet) hier.William Richardson 1923
Name Der Name des Kastells wurde in der Notitia dignitatum, einem Verzeichnis der spätrömischen Verwaltung aus dem 4. Jahrhundert, als Segeduno und in der Cosmologie des Geographen von Ravenna aus dem 7. Jahrhundert als Seduno überliefert. Wahrscheinlich wurde der Name des Kastells ursprünglich als Serduno ausgesprochen und im Laufe der Zeit zu Segeduno verschliffen. Seine Bedeutung ist in der Forschung umstritten. Eventuell stammt er aus dem keltischen, von der Bezeichnung für „mächtig“ oder „siegreich“ ab. Vielleicht auch aus sego (= Stärke) und Dunum (= befestigter Ort) oder sechdun (= trockener/wasserloser Hügel). Für Rivet und Smith leitet sich die antike Ortsbezeichnung aus einer (hypothetischen) indoeuropäischen Wurzel ab, segh. Es bedeutet wohl „Macht“ oder „Kraft“. Laut der ND war Wallsend mit einer Kohorte Lingonen aus Gallien belegt. So ist es auch möglich, dass viele ihrer Soldaten, entweder direkt aus dem gallischen Oppidum Segodunum an der Suin (Saône-et-Loire, Bourgogne) stammten oder verwandtschaftliche Verbindungen dorthin hatten.
Der heutige Ortsname (= Mauerende) leitet sich vom Hadrianswall ab und ist seit dem Jahr 1085 in Verwendung.R. Chamberlin 2000, J. T. Koch 2006, M. Wainwright 2000, Rivet/Smith 1979, S. 452–453.
Lage Segedunum ist das erste Glied in der Festungskette des Hadrianswalls (vallum aelium). Der Standort des Kastells war gut gewählt. Es handelte sich um ein schmales Plateau über dem nördlichen Flussufer, von wo man aus das Flusstal des Tyne (Tinea) in Richtung Osten bis zum Hafen Arbeia (South Shields) sowie flussaufwärts in Richtung Westen bis zur Tynebrücke bei Pons Aelius (Newcastle upon Tyne) überwachen konnte. Im späten 2. Jahrhundert gehörte die Region um Segedunum zur Provinz Britannia inferior, ab dem 4. Jahrhundert zur Provinz Britannia secunda.Guy de la Bedoyere 1998, S. 39–40 2024 betrug die Besucherzahl etwa 28.000 Personen.
Forschungsgeschichte Bis in das späte 19. Jahrhundert war das Kastell weitgehend überbaut. Nur geringe Reste blieben weiterhin sichtbar. Im Jahre 1885 berichtete John Collingwood Bruce, dass er 1884 an einem mit Gras bewachsenen Hügel auf die Reste des östlichen Kastellwalls gestoßen sei. Von der ortsansässigen Bevölkerung erfuhr er, dass auch der Abschnitt des Walls, der von der Südostecke des Kastells bis zum Fluss reichte noch teilweise sichtbar war. Er befürchtete, dass auch das restliche noch unbebaute Areal der römischen Festung als Baugrund für Industrie- und Wohngebäude freigegeben werde. Der Niedergang des Kohlebergbaus und der Werftindustrie in Wallsend bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ermöglichte schließlich die fast vollständige Freilegung des Kastells.
Erste Untersuchungen am Westtor wurden 1929 durchgeführt. Von 1975 bis 1976 wurden in Wallsend einige Wohnhäuser aus dem 19. Jahrhundert abgerissen. Dadurch konnte der südliche Teil des Kastells zwischen den Jahren 1975 und 1984 ausgegraben werden. Dabei wurden das Lager in seinen Umrissen erfasst und Fundamentreste des Lagerhauptquartiers konserviert. Im Jahre 1979 wurde die südöstliche Sektion des Kastells von Charles M. Daniels untersucht. Diese Grabungen brachten die Überreste der südlichen und östlichen Umwehrung zutage. Gleichzeitig konnten die Positionen der Mannschaftsunterkünfte, einiger Zwischentürme und der Lagerstraßen bestimmt werden. Insgesamt kamen bei den Grabungen über 700 antike Artefakte ans Tageslicht. Unter ihnen sind besonders die Reste eines Kettenhemds (Lorica hamata), Messingpfannen, eine Trinkschale und ein tragbarer Götterschrein, die in den Kasernen zutage kamen, bemerkenswert. Im Kommandantenhaus stieß man u. a. auf den abgeschlagenen Kopf einer Minervastatue und auf eine Skulptur der Fortuna. An der westlichen Schlupfpforte fand sich ein Inschriftenstein und in der Principia einige Scherben von Keramik aus der Zeit der angelsächsischen Landnahme in Britannien. Im Hospital wurde ein Kerzenständer und das Fragment eines steinernen Toilettensitzes geborgen. Letzterer ist bislang der einzige derartige Fund in England. Die Toilettensitze des wiederaufgebauten Lagerbads wurden nach seinem Vorbild gestaltet.
Das Kastellareal wurde 1977 und 1992 aus der Luft fotografiert. Bei den Ausgrabungen von 1997 bis 1998 konnte festgestellt werden, dass das römische Lager direkt über einer eisenzeitlichen Siedlung errichtet worden war. Die im Kastell aufgefundene Keramik stammt aus der Zeit zwischen dem 2. und späten 4. Jahrhundert. Das Segedunum-Projekt startete 1997 und hatte zum Ziel, nach Abschluss der Ausgrabungen einen Teil des Areals der ehemaligen Swan-Hunter-Werft in ein Museum bzw. Schaugelände umzugestalten und das Badegebäude vollständig zu rekonstruieren. Museum und Schaugelände wurden im Juni 2000 ihrer Bestimmung übergeben.
1814 berichtete der Pfarrer und Historiker John Hodgson von der Entdeckung des Badehauses während der Verlegung von Kohlenwagengleisen. Als Beifunde wurden noch römische Münzen und ein Kessel geborgen. Bei deren Freilegung wurden die Überreste jedoch schwer beschädigt. Deren Lage wurde auf einem Plan markiert, danach gerieten sie wieder in Vergessenheit. Nach Studium von alten Karten und Aufzeichnungen konnte man den Standort des ursprünglichen römischen Badehauses unter dem – mittlerweile abgerissenen – Ship in the Hole-Pub, identifizieren. Bei Sondierungsgrabungen im Mai 2014 fand man römische Keramik, Bruchstücke von wasserdichtem Zement, einige Säulen der Hypokaustenanlage und Bausteine. In weiterer Folge stieß man noch auf Mauerreste und ein noch gut erhaltenes Kaltwasserbecken.Guy de la Bedoyere 1998, S. 39
Entwicklung Im Jahre 122 befahl Kaiser Hadrian im Norden Britanniens eine Sperrmauer, verstärkt durch Wachtürme und Kastelle, vom Tyne bis zum Solway-Firth zu errichten, um so die britischen Provinzen besser vor Einfällen der Pikten aus dem Norden zu schützen. Der Wall wurde hauptsächlich durch Soldaten der drei in Britannien stationierten Legionen und von Mannschaften der Classis Britannica errichtet.
Das Kastell zählte zu den am spätesten errichteten Wallbefestigungen. Sein Bau war notwendig, da die direkte Sicht auf das Kastell Arbeia, nahe der Mündung des Tyne von Pons Aelius, wegen der zu großen Entfernung nicht gegeben war. Ursprünglich sollte der Wall schon bei Kastell Pons Aelius enden. Zwischen 125 und 127 entschloss man sich aber die Mauer noch etwas weiter nach Osten zu verlängern und dort ein neues Kastell zu erbauen um das Umland der Brücke bei Pons Aelius und die hier siedelten Briganten noch besser schützen zu können. Der neue Wallabschnitt reichte von Wallsend bis Byker, dem östlichsten Stadtbezirk von Newcastle.
Um 410 zog die römische Armee vom Hadrianswall ab. Danach hatte die Region vermehrt unter Einfällen der Pikten und Angelsachsen zu leiden. Als die Sachsen 547 den ganzen Norden verwüsteten, dürfte auch Segedunum davon betroffen gewesen sein. Wahrscheinlich wurde das Kastell noch einige Zeit von der dort ansässigen Zivilbevölkerung genutzt. Es ist möglich, dass sich später dort auch Angelsachsen ansiedelten (Keramikfunde in der Principia). Zur Zeit der normannischen Invasion (1066) dürfte es aber endgültig aufgegeben und weiter landeinwärts die Siedlung Wallsend gegründet worden sein. Wahrscheinlich wollte man damit das Risiko reduzieren, von Plünderern überrascht zu werden, die den Tyne heraufgesegelt kamen.
In den nachfolgenden Jahrhunderten wurde die Ruine nur als Weideland genutzt. Nach 1778 entstanden in ihrer Nähe die ersten Steinkohlezechen und das Kastellareal wurde Zug um Zug von den Reihenhäusern einer Bergarbeitersiedlung, später der Swan-Hunter-Schiffswerft und dem Simpson-Hotel überbaut. Vermutlich um das Jahr 1884 war das Kastell dann fast völlig verschwunden. In den 1970er Jahren wurden die Häuser aus dem 19. Jahrhundert wieder abgerissen und der südliche Teil des Lagers freigelegt. Danach war das Grabungsgelände wieder über lange Jahre sich selbst überlassen. Im Zuge einer Ausschreibung des National-Lottery-Award wurde schließlich ein umfangreiches Revitalisierungprojekt, das den Bau eines Besucherzentrums bzw. Museums, inkl. Anlage eines archäologischen Schaugeländes miteinschloss, in Gang gesetzt.J. Collingwood Bruce, 1863, William Richardson 1923, Frank Graham 1979, RIB 1308, Guy de la Bedoyere 1998, S. 38–40.
Kastell Oberirdisch ist vom Kastell nur mehr wenig zu sehen. Ergraben wurde nur die südliche Hälfte des Festungsareals, die nördliche Hälfte ist von der Buddle Street und Wohnhäusern überdeckt. Es ragt von allen Wallkastellen am weitesten über die Linie des Hadrianswalls hinaus. Das Lager hatte einen quadratischen Grundriss mit abgerundeten Ecken (Spielkartenform) wie es für mittelkaiserzeitliche Kastelle typisch war. Es maß von Nord nach Süd 138 Meter, von West nach Ost 120 Meter und bedeckte eine Fläche von annähernd 1,7 ha. Segedunum erlebte in seiner Geschichte auch mehrere Reparaturen und Umbauten. Insgesamt konnten bei den Untersuchungen drei Steinbauphasen festgestellt werden.
Phase I (125): Zu dieser Zeit wurden die Umwehrung (vallum), das Hauptquartier (principia), das Wohnhaus des Kommandanten (praetorium), ein Lagerhaus (horrea), vermutlich ein Hospital (valetudinarium) am Westtor, Werkstätten (fabrica) Mannschaftsbaracken (contubernium) und Pferdeställe (stabula) hochgezogen. Die Soldatenunterkünfte und Ställe waren zunächst noch aus Holz. Sie wurden im späten 2. Jahrhundert ebenfalls durch Steinbauten ersetzt. Im Fall der Reiterkasernen waren die Pferdeställe in diese integriert. Die Gebäude bestanden aus neun Kammern für die einfachen Soldaten und größeren Unterkünften an den Enden für die Offiziere (sog. Kopfbauten).
Phase II (180 bis 230): Im Kommandantenhaus wurde ein kleines Bad eingebaut. In weiterer Folge kam noch eine Zisterne am Westtor hinzu und die Mannschaftsbaracken und Stallungen wurden in Stein neu aufgebaut. Die Principia und das Horreum wurden baulich vereinigt und durch eine sich von Ost nach West erstreckende Straßenhalle erweitert. An der Westmauer baute man eine zusätzliche Schlupfpforte ein, die einen gesicherten Zugang in den Vicus ermöglichte. In der SO-Ecke der Festung wurde ein Hospital (valetudinarium) erbaut. Am Westtor entstand ein großes Speicherbecken um Frischwasser auf die Kastellgebäude zu verteilen und die Latrinen zu spülen. Die Kanäle, die das Hospital versorgten, sind immer noch zu sehen.