mini|Restaurierter Ikarus 601 Der Ikarus 60 war ein Omnibus des ungarischen Busherstellers Ikarus und der Vorläufer des bis in die 1980er Jahre verbreiteten Ikarus 630, mit dem er sich grundlegende technische Merkmale teilt.

Technik und Varianten Im Gegensatz zum gleichzeitig entwickelten Ikarus 66, der eine selbsttragende Karosserie besitzt, hat der Ikarus 60 ein eigenständiges Fahrgestell mit aufgesetztem Aufbau. Der für den Stadtverkehr vorgesehene Ursprungstyp (23 Sitz- und 32 Stehplätze oder 27 Sitz- und 31 Stehplätze) besaß zwei Doppelfalttüren für die Fahrgäste hinter der Vorder- bzw. Hinterachse, die davon abgeleitete Variante Ikarus 601 (37 Sitz-, 10 Stehplätze) eine Doppelfalttür zwischen den Achsen. Die Überlandbus-Variante Ikarus 602 (≥ 40 Sitz-, ≤ 15 Stehplätze) hatte eine oder zwei nach außen aufschlagende Schlagtüren. Zahlreiche Fahrzeuge hatten lediglich einen Kasten für die Liniennummer über den Frontscheiben; die Exportvarianten hatten stattdessen oft einen größeren Zielschild-Kasten. Der über eigene, hinten angeschlagene Türen zu betretende Fahrer- und Beifahrerraum über der Vorderachse, der auch den Raum für den 6-Zylinder-Dieselmotor beinhaltete, nahm eine beträchtliche Grundfläche des Fahrzeugs ein. Er war mit einer Trennwand vollständig vom Fahrgastraum abgetrennt. Dadurch und durch die Lage der Fahrgasttüren bedingt, war der Fahrscheinverkauf durch den Fahrer sehr umständlich. Die Busse waren deshalb im schaffnerlosen Betrieb, der sich in den 1960er Jahren durchsetzte, nur eingeschränkt verwendbar. Die Einführung von Zahlboxen bei den DDR-Verkehrsbetrieben erlebten nur noch wenige Fahrzeuge dieser Typen.

Besonders in der DDR und Ungarn wurden die Fahrzeuge häufig mit Anhängern gekuppelt. Der Ikarus 60 diente bei den Budapester Verkehrsbetrieben auch als Basisfahrzeug für Umbauten zu Gelenkbussen (Typen 600, 660), O-Bussen (Typ 60T) und Gelenk-O-Bussen (Typ 400T). Die dort eingesetzten Anhänger basierten ebenfalls auf einem verkürzten Wagenkasten des Motorwagens, in der DDR wurden LOWA-Anhänger verwendet. Einige Exemplare wurden ab Werk für spezielle Zwecke (beispielsweise Fernseh-Übertragungswagen, Röntgen- und Ambulanzbusse) ausgerüstet.

Verwendung Der Ikarus 60 und seine Varianten waren außer in ihrem Ursprungsland Ungarn auch in anderen osteuropäischen Ländern und in der DDR im Einsatz. Allein die Budapester Verkehrsbetriebe hatten 507 Stück im Bestand; in die DDR wurden etwa 600 Stück, abgerufen am 5. Juli 2015 und in die UdSSR 300 StückSeite zum Ikarus 60 auf http://sovautoimport.narod.ru (russisch), abgerufen am 28. August 2016 exportiert. In der DDR fuhren hauptsächlich die Varianten 601 und 602; von der Stadtbus-Variante Ikarus 60 sind zurzeit bekannt: 26 Fahrzeuge für DresdenHistorische Kraftfahrzeuge des Dresdner Nahverkehrs e.V., abgerufen am 5. Juli 2015, fünf Fahrzeuge für CottbusTechnische Daten der Omnibusse in Cottbus auf www.tram-cottbus.de, abgerufen am 27. August 2016, mindestens vier Fahrzeuge für RostockVon der Pferdebahn zum Hybridbus – Der öffentliche Nahverkehr nach Brinckmansdorf, abgerufen am 27. August 2016, ein Fahrzeug für JenaBus 13 – Nahverkehrsfreunde Naumburg–Jena e.V., abgerufen am 8. April 2026 und eine unbekannte Zahl für Erfurt.Längst historisch: Obusse in Erfurt, abgerufen am 5. Juli 2015

In der DDR verschwanden die zuletzt meist stark verschlissenen Fahrzeuge bis Mitte der 1970er Jahre aus dem Linienverkehr. Einige wurden zu Arbeitswagen der Verkehrsbetriebe umgerüstet, an Industrie- oder Landwirtschaftsbetriebe für Werkverkehr oder an private Busbetriebe abgegeben. Mit Stand Oktober 2019 sind drei gut erhaltene Exemplare bekannt: Die Budapester Verkehrsbetriebe besitzen einen fahrbereiten Ikarus 60, der im Nostalgieverkehr eingesetzt wird, sowie einen schleppfähigen Ikarus 60T (zurzeit ohne elektrische Ausrüstung), der in Szeged restauriert wurdeInformationen zu den Fahrzeugen und ihrem Einsatz, abgerufen am 20. Oktober 2019Foto des O-Bus-Zuges von Michał Kwaśniak auf Flickr, abgerufen am 28. August 2016, beide mit zugehörigem Anhänger. Der Verkehrsbetrieb Cottbusverkehr stellte am 19. Mai 2019 einen betriebsfähigen Ikarus 601 vor, der in 15-jähriger Arbeit restauriert wurde.Cottbusverkehr: Aktuelles, Beitrag vom 21. Mai 2019 von Nicole Lempke, abgerufen am 21. Mai 2019

Weblinks

Seite zum Ikarus 60 und Varianten mit Geschichte ihres Einsatzes bei den Budapester Verkehrsbetrieben auf www.old-ikarus.hu (ungarisch)

Literatur Christian Suhr: Ikarus · Busse für die Welt. Verlag Kraftakt, Reichenbach/Vogtland / Halle/Saale 2014, ISBN 978-3-938426-17-3, S. 53–63 So fuhren wir in der DDR Trabi, Barkas Co., HEEL-Verlag, Königswinter 2020, ISBN 978-3-96664-135-7, S. 161

Einzelnachweise

Kategorie:Omnibusmodell #::60