Die Duquesne-Klasse war eine aus zwei Schiffen bestehende Klasse Schwerer Kreuzer und die erste Klasse dieses Typs in der französischen Marine. Ihr gehörten die Duquesne und die Tourville an. Unter den Einschränkungen des Washingtoner Flottenabkommens gebaut, waren es schnelle, gut bewaffnete Schiffe mit minimalem Panzerschutz.

Die Schiffe gehörten meist zur Mittelmeerflotte. Nach dem Ausscheiden Frankreichs aus dem Zweiten Weltkrieg wurden sie in Absprache mit den Briten in Alexandria interniert. Mitte 1943 wurden sie reaktiviert und kamen auf alliierter Seite zum Einsatz. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden sie im Rahmen des Indochinakriegs eingesetzt, bis sie 1947 aus dem aktiven Dienst ausschieden.

Geschichte Entwicklungsgeschichte Nach dem Ersten Weltkrieg war das Schiffsmaterial der französischen Marine größtenteils veraltet. Insbesondere verfügte sie über keine auch nur annähernd modernen Kreuzer, so dass sie sich mit ausgelieferten deutschen und österreich-ungarischen Kreuzern behelfen musste. 1922 bis 1923 wurden daher die drei leichten Kreuzer der Duguay-Trouin-Klasse in Bau gegeben. Mit dem Abschluss des Washingtoner Flottenabkommens 1922 wurden zukünftige Kreuzer auf eine Standardverdrängung von 10.000 tn. l. (10.060 t) und ein Geschützkaliber von 20,3 cm begrenzt. Dies führte dazu, dass die Signatarstaaten und führenden Seemächte Großbritannien, USA, Japan, Frankreich und Italien Entwürfe für kleinere Kreuzer als zweitklassig betrachteten und die Vertragsgrenzen voll ausnutzten.

Frankreich war das einzige Land, das sich bei der Entwicklung seiner ersten Klasse schwerer Kreuzer weitestgehend auf einen vorhandenen Entwurf (die genannte Duguay-Trouin-Klasse) stützte.John Jordan: Warships after Washington. Seaforth Publishing, Barnsley 2011, ISBN 978-1-84832-117-5, S. 113. Dies führte zur Duquesne-Klasse. Die Schiffe sollten die folgenden Aufgaben übernehmen: strategische Aufklärung Unterstützung von leichten Überwasserstreitkräfte, Konvoi-Eskorten und U-Booten Zerstörung feindlicher Handelsstörer schnelle Truppentransporte zwischen Nordafrika und Frankreich Zeigen der Flagge

Die französische Marine erachtete eine hohe Geschwindigkeit als notwendig, damit die Schiffe den britischen (Hood, Renown-Klasse) und japanischen (Kongō-Klasse) Schlachtkreuzern davonlaufen konnten.John Jordan: Warships after Washington. Seaforth Publishing, Barnsley 2011, ISBN 978-1-84832-117-5, S. 109. Sie ging davon aus, dass der Größenunterschied zwischen Duguay-Trouin-Klasse und Duquesne-Klasse von 2.000 t Standardverdrängung schon durch die Kalibersteigerung der Hauptartillerie aufgebraucht werden würde, so dass auch die Duquesne-Klasse kaum Panzerung erhalten würde.

Im Juli 1922 spezifizierte der Generalstab der französischen Marine („état-major géneral de la marine“) die Anforderungen an die Schiffe: acht 20,3-cm-Geschütze mit 150 Schuss pro Geschütz in drei oder vier leicht gepanzerten Türmen vier 10-cm-Flugabwehrkanone mit 500 Schuss pro Geschütz zwei Vierlingssätze für 55-cm-Torpedos mit insgesamt vier Reservetorpedos vier 24-cm-Anti-U-Boot-Mörser von Thornycroft 5.000 Seemeilen Reichweite bei 15 kn. Es sollten zwei Entwürfe erstellt werden: Ein Entwurf für ein Schiff ohne Panzerschutz und mit höchstmöglicher Geschwindigkeit, der zweite mit einer um 2 kn geringeren Geschwindigkeit, wobei das eingesparte Gewicht für eine Panzerung verwendet werden sollte.

Im November 1922 erweiterte der Generalstab die Anforderungen: Die schwere Flugabwehr sollte auf acht 10-cm-Geschütze verstärkt werden, hinzukommen sollten acht 40-mm-Geschütze und zwölf 8-mm-MG (Mehrgewicht ca. 95 t). Außerdem sollten ein Wasserflugzeug und ein Druckluftkatapult eingeplant werden (Mehrgewicht ca. 160 t). Als Ausgleich sollten nur Drillings- statt Vierlingstorpedosätze eingebaut werden. Da gleichzeitig die Anzahl der Reservetorpedos auf 6 erhöht werden sollte – mithin die Gesamtzahl der mitzuführenden Torpedos bei zwölf blieb – wurde hierdurch kaum Gewicht eingespart.

In diesem Stadium der Entwurfsarbeiten standen selbst bei Verzicht auf einen nennenswerten Panzerschutz nur 1.740 t für die Antriebsanlage zur Verfügung. Gemessen am Leistungsgewicht der Antriebsanlage der Duguay-Trouin-Klasse hätte das eine Leistung von 85.000 PS und damit eine Geschwindigkeit von nur 31,5 kn bedeutet. Um dieses Problem zu lösen, schrieb die französische Marine die Antriebsanlage öffentlich aus. Ateliers et Chantieres de Bretagne bot daraufhin eine Antriebsanlage an, die bei einem Kesseldruck von 20 bar 115.000 PS für 34 kn leisten sollte.

Eine gewisse Gewichtseinsparung wurde dadurch erreicht, dass das Kaliber der schweren Flak von 10 cm auf 7,5 cm verringert wurde, das der mittleren Flak von 40 mm auf 37 mm und dass auf die U-Abwehr-Mörser verzichtet wurde. Die Konstruktionsabteilung der Marine („service technique des constructions navale“) schlug vor, auf 2 kn Geschwindigkeit zu verzichten, um mit dem eingesparten Gewicht den Panzerschutz zu verstärken. Der Generalstab lehnte dies ab, da ihm Berichte vorlagen, dass die neuen italienischen Schweren Kreuzer (die spätere Trento-Klasse) 34 kn laufen würden. Die französische Marine ging wie andere Marinen ohnehin davon aus, dass bei der gegebenen Verdrängung ein Schutz gegen 20-cm-Granaten unmöglich sei. Gegenüber Zerstörern und Torpedobooten sollten die Schiffe in der Lage sein, das Gefecht auf so große Entfernungen zu führen, so dass diese kaum Trefferaussichten hätten. Außerdem entwickelte die französische Marine Großzerstörer, um ihre Kreuzer gegen Gefechte auf kurze Entfernungen abzuschirmen.

Die Bauaufträge für die beiden Schiffe wurden am 1. Juli 1924 den Marinewerften in Brest und Lorient erteilt, wo am 30. Oktober 1924 (Duquesne) bzw. am 14. April 1925 (Tourville) der Kiel gestreckt wurde.

Einsatzgeschichte Anfänglich waren die Schiffe in Abgrenzung zu den noch vorhandenen Panzerkreuzern als „croiseur léger“, wörtlich leichte Kreuzer, klassifiziert. Diese Bezeichnung ist jedoch inhaltlich nicht identisch mit dem später verwendeten Begriff Leichter Kreuzer. Den Definitionen des Londoner Flottenabkommens 1930 folgend wurden die Schiffe zu „croiseur 1ère class“ (Kreuzern 1. Klasse) umklassifiziert.

Noch vor ihrer offiziellen Fertigstellung nahmen die beiden Schiffe am 3. Juli 1928 an einer Flottenschau in Le Havre teil.Jordan, Moulin: French Cruisers. S. 175.

Bald darauf mussten sie zusammen mit dem Schweren Kreuzer Suffren die Ausbildungsreise der Marineschule übernehmen, weil der zuvor als Schulschiff eingesetzte alte Panzerkreuzer Edgar Quinet durch Strandung verlorengegangen war. Die Reise begann im Oktober 1930 in Brest und führte über Dakar, Rio de Janeiro und das französische Westindien im Januar 1931 nach Toulon, außerdem zwischen April und Juli ins östliche Mittelmeer.Jordan, Moulin: French Cruisers. S. 171.

Anschließend waren die Schiffe die meiste Zeit der Mittelmeerflotte zugeteilt und bildeten im Normalfall mit der Suffren eine Division (zuerst als „1re Division Léger“, dann als „3e Division Léger“, also 1. bzw. 3. leichte Division, schließlich als „2e Division Croiseur“, 2. Kreuzerdivision). Im November 1937 wurde die Division der Marineartillerieschule in Toulon zugeordnet. Die Duquesne wurde dabei im Zusammenhang mit dem spanischen Bürgerkrieg eingesetzt.

Mitte der dreißiger Jahre hatte die italienische Marine die stark gepanzerten Kreuzer der Zara-Klasse in Dienst gestellt. Die französische Marine befürchtete dazu, dass die Duquesne-Klasse auf Grund ihres Alters ihren Geschwindigkeitsvorsprung größtenteils verloren habe. Deshalb wurde 1935 überlegt, die Schiffe zu Flugzeugträgern umzubauen. Drei der diesbezüglichen Studien sahen einen Flugdeckkreuzer mit einem 139 m langen Flugdeck vor, bei dem der vorderste oder hinterste Hauptgeschützturm beibehalten werden sollte. Die vierte Studie bezog sich auf einen reinen Flugzeugträger mit 176 m langem Flugdeck. Die Kapazität sollte 12 bis 14 Flugzeuge betragen. Die Kesselabgase sollten über einen horizontalen Abzug auf der Steuerbordseite geleitet und am Heck ausgestoßen werden. Das Projekt wurde schließlich zu Gunsten zweckgebauter Flugzeugträger, der nie fertiggestellten Joffre-Klasse, aufgegeben.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden die Schiffe auf Patrouillen zur Suche nach Schiffen der Achsenmächte eingesetzt. Die Tourville überführte außerdem Goldreserven nach Beirut. Am 4. Mai 1940 traten beide Schiffe zur Force X, die zusammen mit der britischen Flotte aus Alexandria heraus operierte. Diese franko-britische Flotte sollte im Falle des Kriegseintritts Italiens das östliche Mittelmeer kontrollieren.

Nach dem Waffenstillstand zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich ab dem 25. Juni 1940 kam es in Alexandria zu Verhandlungen zwischen Admiral Godfroy und Admiral Cunningham über das Schicksal der französischen Schiffe in der Force X. Ergebnis war, das die Schiffe, darunter die Duquesne und die Tourville, deaktiviert wurden und unter einer verringerten französischer Besatzung in Alexandria verblieben.Jordan, Moulin: French Cruisers. S. 191.

Am 17. Mai 1943 traten die in Alexandria befindlichen französischen Schiffe, darunter die Duquesne und die Tourville, der alliierten Seite bei. Bis Anfang 1944 nahmen sie von Dakar aus an mehreren Patrouillen zur Jagd auf deutsche Blockadebrecher teil.Jordan, Moulin: French Cruisers. S. 202. An den Landungen in der Normandie und in der Provence waren sie nicht beteiligt, weil ihnen eine moderne Luftabwehr fehlte.Jordan, Moulin: French Cruisers. S. 204f. Gegen Kriegsende unterstützte die Duquesne Operationen gegen die so genannten Atlantikfestungen.Jordan, Moulin: French Cruisers. S. 209f.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Schiffe im sich entwickelnden Indochinakrieg zu Truppentransporten und Beschießungen eingesetzt. In der zweiten Jahreshälfte 1947 schieden beide Schiffe aus dem aktiven Dienst aus.

Einheiten Name Bauwerft Kiellegung Stapellauf Indienststellung Verbleib Namensgeber Duquesne Arsenal de Brest 30. Oktober 1924 17. Dezember 1925 25. Januar 1929 am 2. Juli 1955 ausgemustert und zum Verkauf gestellt Abraham Duquesne Tourville Arsenal de Lorient 4. April 1925 24. August 1926 12. März 1929 am 8. März 1962 ausgemustert, in Toulon abgewrackt Anne Hilarion de Costentin de Tourville

Technik Die Schiffe waren 191 m über alles und 185 m zwischen den Loten lang, 19 m breit und hatten einen Tiefgang von 6,45 m bei Normalverdrängung. Die Standardverdrängung betrug 10.060 t, die Normalverdrängung 10.440 t und die maximale Verdrängung 12.435 t.

Der Rumpf war in Längsspantenbauweise ausgeführt. Die französische Marine verwendete einen Schiffbaustahl mit einer relativ geringen Zugfestigkeit von 50 kg pro mm2, weshalb die Rumpfbeplattung und die Decks mittschiffs mit 16 bis 24 mm relativ dick waren.Jordan, Moulin: French Cruisers. S. 9f.

Die Schiffe hatten ein erhöhtes Vorschiff, das sich bis zur Brücke erstreckte. Die Hauptbewaffnung trugen sie in je zwei überhöhten Doppeltürmen vor der Brücke und hinter dem Großmast. Über der Brücke befand sich ein schwerer Dreibeinmast, der das Zentralrichtgerät für die Hauptartillerie trug. Die Schiffe hatten zwei Schornsteine. Zwischen dem zweiten Schornstein und dem Großmast war mittschiffs das Katapult eingebaut. Die Beiboote waren zwischen den Schornsteinen und auf beiden Seiten des hinteren Schornsteins und des Katapult untergebracht.

Antrieb Der Antrieb war in vier Kesselräumen und zwei Maschinenräumen untergebracht, wobei sich vor jedem der beiden Maschinenräume je zwei Kesselräume befanden (Einheiten- oder Kraftwerkprinzip), die diesen mit Dampf versorgten. Diese abwechselnde Anordnung sollte die Überlebensfähigkeit im Falle von Gefechtsschäden erhöhte.

In jedem Kesselraum standen zwei ölbefeuerte Guyot-du-Temple-Schmalrohrwasserkessel nebeneinander, also insgesamt acht Kessel. Je vier Kessel in zwei benachbarten Kesselräumen teilten sich einen Schornstein.