Schaafheim (im lokalen Dialekt: Schoffem)Darmstädter Echo, Montag, 22. August 2016, S. 22 ist eine Gemeinde im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Geographie Schaafheim liegt in Südhessen, etwa 12 km nordöstlich von Dieburg und 15 km westlich des bayerischen Aschaffenburg in der historischen Region Bachgau auf .
Geologie Das Gemeindegebiet liegt in der Hanau-Seligenstädter Senke, einem Teil der Untermainebene. Südwestlich von Schaafheim, am Nordhang des Odenwaldes, befindet sich fruchtbarer Lößboden, der bereits ersten Siedlern in der Jungsteinzeit gute Lebensbedingungen bot.
Nachbargemeinden und -kreise An Schaafheim grenzt im Norden die Stadt Babenhausen, im Osten die Gemeinden Großostheim (Landkreis Aschaffenburg) und Mömlingen (Landkreis Miltenberg) sowie im Süden und Westen an die Ortsteile Kleestadt, Klein-Umstadt und Dorndiel der Stadt Groß-Umstadt.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus dem namensgebenden Schaafheim und den Ortsteilen Schlierbach, Mosbach und Radheim. Die Kerngemeinde Schaafheim besteht aus der Gemarkung Schaafheim. In dieser liegt die Burg Schaafheim.
Geschichte Historische Erwähnungen Soweit bekannt wurde Schaafheim in einem Güterverzeichnis des Klosters Fulda im Jahr 817 erstmals urkundlich erwähnt. Eine Abschrift ist im Codex Eberhardi überliefert, dabei wird das Jahr 830 als Bezug gesetzt. Der damalige Ortsname Scofheim leitet sich von Scop (Schoppen = Schuppen im Gehölz) und Heim (fränkisch für Dorf) ab, hat also keinerlei Beziehung zum Begriff Schaf. Das vermeintliche „Schaf“ im Schaafheimer Ortswappen ist tatsächlich ein Lamm und steht als Symbol für den auferstandenen Christus.
In erhaltenen Urkunden späterer Jahre wurde Schaafheim unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Schaffheim (1272), Schafheim (1326), Schoffheim (1355), Schafheym (1390), Schafheim (1394), Schaffhem (1476), Schoffheym (1492), Schaaffheym (1538) und Schaafheim (1710).
Herrschafts- und Verwaltungsgeschichte Schaafheim gehörte im Mittelalter zum Wildbann Dreieich; in dem Dorf befand sich eine Wildhube. Dieser Wildbann gehörte zum Herrschaftsbereich der Familie Hagen-Münzenberg. 1326 sprach der Abt des Klosters Fulda die durch den Tod des Grafen Dieter von Katzenelnbogen erledigten Lehen, nämlich einen Teil des Dorfes mit Gericht, Leuten und Gütern, Ulrich von Bickenbach und Ulrich II. von Hanau zu. mini|Das Marktkreuz symbolisierte die Stadtrechte Schaafheims Kaiser Karl IV. gewährte 1368 Schaafheim Stadtrecht mit den Freiheiten von Hanau und Windecken.Regesta Imperii 8, Nr. 4598; Heinrich Reimer: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau = Hessisches Urkundenbuch, Zweite Abtheilung. Band 3: 1350–1375, Leipzig 1894., Nr. 569. Der Ort wurde mit einer Stadtmauer befestigt, verfügte über einen Marktplatz und war Sitz der Gerichtsbarkeit (kaiserliches Hofgericht, Unter-, Obergericht) mit einem Galgen als Hinrichtungsstätte. König Ruprecht von der Pfalz bestätigte das Stadtrecht 1404. Schaafheim entwickelte sich aber als Stadt nicht. Nachdem der Freiheitsbrief 1648 verschollen war, wurden die Stadtrechte nicht mehr anerkannt.Meyer, S. 76.
1394 besaß Ulrich V. von Hanau das Dorf mit Zubehör einschließlich Zehnt und dem Kirchsatz, früher ein Lehen des Klosters Fulda, von Pfalzgraf Ruprecht II. zu Lehen. 1410 erfolgt eine erneute Belehnung durch Pfalzgraf Ludwig III. anlässlich dessen Regierungsantritt. Ulrich V. – mittlerweile von seinem Bruder Reinhard II. 1404 abgesetzt – verbrachte wohl seine letzten Lebensjahre auf der Burg von Schaafheim. Später müssen die Rechte – außer dem Zehnten – an Hanau übergegangen sein, denn bei dem Vergleich über das Kondominat Umstadt 1521 sind nur noch diese Teil des dabei vereinbarten Rechte-Tauschs, alle anderen Rechte liegen bereits bei Hanau.Willi Alter (Hrsg.): Pfalzatlas. Textband I. Speyer: Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften 1964, S. 426.
Bei der Hanauer Landesteilung 1458 fiel Schaafheim – wie die übrigen südmainischen Besitzungen der Grafschaft Hanau – an Graf Philipp den Älteren von Hanau und wurde damit Bestandteil der späteren Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde die Kirche gebrandschatzt, das Schloss geplündert, das Rathaus zerstört und viele Menschen starben an der Pest. 1635 gab es nur noch 17 Steuerzahler. Für einige Zeit war der Ort sogar entvölkert, weil die Einwohner in die besser gesicherte Stadt Babenhausen geflüchtet waren.
Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg. Aufgrund der Intestaterbfolge fiel die Grafschaft Hanau-Lichtenberg an den Sohn der einzigen Tochter von Johann Reinhard III., Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt. Umstritten zwischen den beiden Erben war die Zugehörigkeit des Amtes Babenhausen und seiner Orte zu Hanau-Münzenberg oder zu Hanau-Lichtenberg. Es kam fast zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, als Hessen-Kassel mit schon sorgsam in Hanau stationiertem Militär den größten Teil des Amtes Babenhausen besetzte. Der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt aber gelang die Besetzung von Schaafheim. Der Ort Schaafheim wurde Verwaltungssitz des Amtes Schaafheim, das aus den Teilen des Amtes Babenhausen bestand, die Hessen-Darmstadt für sich sichern konnte. Die Auseinandersetzung um das Hanauer Erbe konnte erst nach einem langjährigen Rechtsstreit vor den höchsten Reichsgerichten 1771 mit einem Vergleich beendet werden, dem so genannten Partifikationsrezess. Schaafheim verblieb bei Hessen-Darmstadt, dem späteren Großherzogtum Hessen.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Schaafheim:
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Schlierbach zum 31. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Schaafheim eingemeindet. Am 1. Januar 1977 wurden auch Radheim und Mosbach durch das Landesgesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt eingemeindet. Für die eingegliederten Gemeinden wurden Ortsbezirke gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Schaafheim angehört(e):
14. Jahrhundert: Heiliges Römisches Reich, Zent Umstadt (vorher Zent Ostheim) ab 1521: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Lichtenberg, Amt Babenhausen 1736–1773: Strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel ab 1773: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Schaafheim ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Schaafheim ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Starkenburg, Amt Schaafheim ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Schaafheim ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DieburgTrennung zwischen Justiz (Landgericht Umstadt) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Dieburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg
Die Verwaltungsgeschichte der bis Ende des 20. Jahrhunderts unabhängigen Ortschaften Radheim und Mosbach verlief anders: Diese waren bis 1772 in der Zent Bachgau dem Kurfürstentum Mainz zugehörig. Die 1772 in Amtsvogtei Obernburg umbenannte Zent kam 1804 zum Fürstentum Aschaffenburg, ab 1810 zum Großherzogtum Frankfurt und war ab 1814 Teil des Königreichs Bayern. Mit dem Bayerisch-Hessischen Gebietsaustausch von 1817 kamen Radheim und Mosbach zu Hessen-Darmstadt und später zu Schaafheim.
Die Burg innerhalb der ehemaligen Stadtmauern wurde Mitte des 19. Jahrhunderts abgebrochen. Die Straßennamen Schlossgraben und Burggartenstraße erinnern noch daran.
Gerichte Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz war: Zentgericht Ostheim, ab dem 14. Jahrhundert zu Umstadt 1821: Landgericht Umstadt 1879: Amtsgericht Groß-Umstadt 1970: Amtsgericht Dieburg
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011/2022 Nach den Erhebungen des Zensus 2011/Zensus 2022 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Schaafheim 9030/9157 Einwohner. Darunter waren 631/1035 (7,0 % / 11,3 %) Ausländer, von denen 340/654 aus dem EU-Ausland, 204/242 aus anderen europäischen Ländern und 86/136 aus anderen Staaten kamen. Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 11,5 %. Nach dem Lebensalter waren 1612/1402 Einwohner unter 18 Jahren, 3950/3706 waren zwischen 18 und 49, 1899/2469 zwischen 50 und 64 und 1573/1883 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 3679/5655 Haushalten. Davon waren 912/- Singlehaushalte, 1013/1175 Paare ohne Kinder und 1336/1138 Paare mit Kindern, sowie 344/312 Alleinerziehende und 73/? Wohngemeinschaften. In 605/379 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2570/1781 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1806: 1.151 Einwohner, 197 Häuser • 1829: 1.338 Einwohner, 218 Häuser • 1867: 1.475 Einwohner, 267 Häuser • 2010: 5.472 Einwohner (Kerngemeinde ohne Ortsteile) • 2012: 5.547 Einwohner (Kerngemeinde ohne Ortsteile)
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 1284 lutheranische (= 95,96 %), 51 jüdische (= 3,81 %) und 3 katholische (= 0,22 %) Einwohner • 1961: 2679 evangelische (= 74,29 %), 872 katholische (= 24,18 %) Einwohner • 1987: 3553 evangelische (= 46,8 %), 3437 katholische (= 45,2 %), 605 sonstige (= 8,0 %) Einwohner • 2011: 3393 evangelische (= 37,6 %), 3229 katholische (= 35,8 %), 2406 sonstige (= 26,6 %) Einwohner • 2022: 2724 evangelische (= 29,7 %), 2829 katholische (= 30,9 %), 3006 sonstige (= 39,4 %) Einwohner
Erwerbstätigkeit Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen: Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenSozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 1057 74.525 1.695.567 2.524.156 Veränderung zu 2000 +9,3 % +21,1 % +16,1 % +16,0 % davon Vollzeit 2017 67,0 % 68,3 % 72,8 % 71,8 % davon Teilzeit 2017 33,0 % 31,7 % 27,2 % 28,2 % Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 394 15.305 224.267 372.991 Veränderung zu 2000 +33,6 % +14,4 % +9,0 % +8,8 %
Branche Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenProduzierendes Gewerbe 2000 58,1 % 41,1 % 27,0 % 30,6 % 2017 39,4 % 31,3 % 20,4 % 24,3 %Handel, Gastgewerbe und Verkehr 2000 16,9 % 26,1 % 26,4 % 25,1 % 2017 27,6 % 26,8 % 24,7 % 23,8 %Unternehmensdienstleistungen 2000 7,8 % 11,6 % 25,1 % 20,2 % 2017 13,8 % 17,1 % 31,6 % 26,1 %Sonstige Dienstleistungen 2000 15,8 % 18,8 % 20,1 % 22,5 % 2017 18,8 % 23,6 % 23,0 % 25,4 %Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) 2000 1,4 % 2,4 % 1,4 % 1,5 % 2017 0,8 % 0,5 % 0,3 % 0,4 %
Religion
Kirche