Ende Juni bis Mitte September des Jahres 2015 ereigneten sich ungewöhnliche Hitzewellen in Europa. Mit örtlich über 40 °C wurden verbreitet höchste Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen. Besonders betroffen waren die maghrebinische Mittelmeerküste, Südwest-, Zentral- und Südosteuropa mit einer der größten Hitzen der letzten Jahrzehnte.

Meteorologie Synoptischer Überblick über den Verlauf Ursächlich für die Hitzewelle war anfangs eine klassische Omega-Wetterlage. Das Hochdruckgebiet Annelie über Mitteleuropa, flankiert von Tiefdruckgebieten auf dem Atlantik und über Osteuropa, sorgte in weiten Teilen Europas für eine massive Einströmung subtropischer Heißluftmassen aus dem Mittelatlantik und Nordwestafrika bis in das südliche Skandinavien. Es folgte eine Hitzewelle mit Schwerpunkt in westlichen und zentralen Teilen Europas. Die zweite Phase war geprägt von dem in den Atlantik vor der Iberischen Halbinsel verlagerten Azorenhoch, das sich gegen Mitte des Monats Juli Richtung Zentraleuropa ausweitete. Wegen der im Vergleich zum Monatsanfang labileren Schichtung war diese Phase schwüler und gewitterreicher.Hitzebelastung an schwülen Tagen höher. ZAMG Klima News, 23. Juli 2015 – Analyse der Schwülheit für Österreich im Frühsommer. Mitte des Monats Juli verband sich die Hochdrucklage des Mittelmeerraumes mit jener Vorderasiens und Mittelsibiriens, die dort seit dem mittleren Juni eine extreme Hitzewelle mit bis zu 50 °C hervorbrachte. Ein neuerliches Osteuropahoch Finchen mit weitgespannter Omegacharakteristik zwischen Atlantik und Sibirien dominierte die dritte Phase ab Ende Juli. Damit konzentrierte sich die Hitze auf die östlicheren Teile Europas, im Westen herrschten instabilere Lagen vor. In der dritten Augustwoche ging diese Extremhitze ihrem Ende zu. Dann wurde es mit den Hochs Isabel/Jessica über Zentraleuropa gegen Ende August noch einmal sommerlich heiß, diese vierte Phase hielt in die ersten Septembertage an. Eine neuerliche sehr nördliche Omegalage des Hochs Lajana brachte Mitte September noch einmal Hitze im südöstlicheren Europa.

In den Randzonen wie auch bei den jeweiligen Wetterumschwüngen begleiteten heftige Unwetter die Hitze.

+ Andauer und Höchst­temperaturen nach Land (Auswahl) Land Dauer Tmax (°C) Datum, Ort seit – 16. Juli, 21. Juli – 1. Aug., 4.–6. Aug., 17.–21. Aug., 25.–30. Aug. 45,2 Córdoba (AN)Dieser Wert wurde schon während der Hitzewellen in Europa am 14. Juli 2017 mit einem neuen Landesrekord von 47,3 °C in Montoro, CO, übertroffen. 2012 (45,9 °C) – 7. Juli, 11.–18. Juli, 5.–13. Aug., 20.–22. Aug., 26.–30. Aug. 41,4 Brive-la-Gaillarde (19) 2003 (44,1 °C) –7. Juli, 17.–21. Juli, 4.–14. Aug.,Für die Phase ab dem 4. August meldete Meteoalarm für Deutschland nur maximal Stufe Gelb. 22. Aug. – 1. Sep. 40,3 und 7. Aug. Kitzingen (BY) B.d.W. (40,2 °C 2003) –7. Juli, 11.–25. Juli, 4.–13. Aug., 27.–31. Aug. 39,7 Genf GE 2003 (41,5 °C) –9. Juli, 11.–25. Juli, 7.–13. Aug., 24. Aug. – 6. Sep., 16.–19. Sep. > 40    div. 2012 (44,7 °C) –7. Juli, 15.–25. Juli, 4.–15. Aug., 24. Aug. – 2. Sep., 16.–17. Sep. 38,3 Krems und Langenlebarn (NÖ) 2013 (40,5 °C) –7. Juli, 16.–26. Juli, 3.–16. Aug., 26. Aug. – 5. Sep., 14.–19. Sep. 39,3 Buda­kalász (PE) 2013 (40,6 °C) –8. Juli, 15.–30. Juli, 10.–14. Aug., 31. Aug. – 6. Sep., 14.–22. Sep. 38,4 Veliko Gradište 2013 (39,7 °C) Dauer: Hitzewarnstufen orange/rot im Meteoalarm-System und Angaben der Wetterdienste; „seit“ ist landesweiter Spitzenwert; B.d.W. … Beginn der Wetteraufzeichnungen / Messungen

Erste Phase Juni/Juli Höchsttemperatur und Temperaturanomalie (Abweichung vom langjährigen Mittel) 28. Juni–4. Juli: Intensive Anfangsphase der ersten Wellerahmenlos|hochkant=1.2lila > +40 °Crahmenlos|hochkant=1.2hochrot > +7 °C 5.–11. Juli: Ausweitung nach Ostenrahmenlos|hochkant=1.2dunkelrot > +35 °Crahmenlos|hochkant=1.2rot > +5 °C Um den 23.–26. Juni entstand eine Hochdruckbrücke des Azorenhochs zum abziehenden Mitteleuropa-Hoch Zoe, aus dem sich unter Einfluss eines Tiefs über den Britischen Inseln (Quintus) um den 29. Juni das Hoch Annelie bildete, das sich dann über die Ostsee verlagerte.

Besonders betroffen von der Hitzewelle war bereits in der Anfangsphase Spanien, wo sich schon Ende Juni 2015 bei Temperaturen von bis zu 43 °C Hitzerekorde eingestellt hatten. Seit dem 25. Juni herrschten landesweit Hitzewarnungen, seit dem 28. zumindest die zweite Warnstufe. Auch in Algerien und Marokko erreichten die Temperaturen bis an die Küste wiederholt über 40 °C. Portugal war hingegen vergleichsweise nur kurz betroffen.

In anderen Teilen Westeuropas wurden ebenfalls ungewöhnlich hohe Maximalwerte der Lufttemperatur gemessen.Jon Erdman: Heat Records Shattered in Germany, France, The Netherlands; Relief In Sight For Europe Heat Wave. Wunderground.com News Stories, 7. Juli 2015. In Frankreich wurden zahlreiche lokale Rekordtemperaturen bis knapp unter 40 °C verzeichnet, die Temperaturen lagen an der Kanalküste bis 20 °C über dem langjährigen Mittel für diese Zeit. An der Wetterstation am Flughafen London Heathrow wurde am 1. Juli 2015 eine Temperatur von 36,7 °C gemessen und damit der bisherige Juli-Rekord für Großbritannien überschritten. In den Niederlanden wurde mit 38,2 °C in Maastricht am 2. Juli der heißeste Julitag überhaupt und die dritthöchste je gemessene Temperatur in den Niederlanden verzeichnet.

Die Hitze griff schnell auch auf das westliche Mitteleuropa über. In Deutschland wurden an vielen Stationen Allzeit-Rekordtemperaturen gemessen, die die Werte aus dem Sommer 2003 übertrafen. In Karlsruhe wurden am 5. Juli 2015 vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung 40,8 °C gemessen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte zum 1. November 2008 die Messungen an diesem Ort eingestellt, daher gelten diese Werte nicht als offiziell. Der DWD maß 40,3 °C in Kitzingen; das war zu diesem Zeitpunkt die höchste jemals gemessene Temperatur in Deutschland seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881, der vorangehende Höchstwert von 40,2 °C wurde aber nur knapp übertroffen. Die Schweiz verzeichnete vom 1.–7. Juli eine der extremsten Hitzewochen seit 150 Jahren, neben 2003 und 1947.

mini|hochkant=1.4|300-hPa-Höhenwinde 28. Juni – 4. Juli (Wochenmittel): Omega-Lage, westlich Tiefs Quintus/Siegfried, östlich Überlagerung zweier Strömungen durch das abziehende Hoch Annelie. Ungewöhnlich hohe Temperaturen gab es dann durch die kräftige Südströmung auch in Nordschweden, in Forse im Ångermanland (südliches Norrland) wurde am 2. Juli mit 32,8 °C ein neuer Höchstwert verzeichnet. Auch sonst hatte es bis 5. Juli in Nord- und Südschweden über 30 Grad. SMHI blogg, 6 juli, 2015 (Schwedischer Wetterdienst: ‚Zusammenfassung der diesjährigen ersten Hitzewelle‘).

Im Laufe des beginnenden Juli verlagerte sich das Zentrum von Annelie über Polen und die Hitzewelle erreichte auch im östlichen Zentraleuropa mit Höchstwerten um 35 Grad in Slowenien,Zelo topli noči in jutri s 6. na 7. in 7. na 8. julij 2015. (PDF) ARSO, 8. Juli 2015 (meteo.si: Podnebje > Izredni dogodki; Slowenischer Wetterdienst: ‚Klima > Außergewöhnliche Ereignisse: Sehr warme Nacht und morgiger Tag‘); Vročina in neurja od 1. do 9. julija 2015. (PDF; 5,9 MB) ARSO, Ljubljana, 14. Juli 2015 (ebd., ‚Hitze und Stürme 1.–9. Juli 2015‘) – ausführliche Analyse. Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Polen. Hier wurden die Allzeit-Rekordtemperaturen der Hitzewelle von 2013 aber nicht erreicht.

Von Westen setzten an der eintreffenden Kaltfront des nächsten Tiefs Siegfried über den Britischen Inseln teils heftige Gewitter ein. Im Raum Südwestfalen fiel tennisballgroßer Hagel. Nennenswerte Abkühlung brachten die Gewitter jedoch nicht. Infolge der Front erhielt der Europa-Nebenkern des Hochdruckkomplexes den Namen Bigi.

Ab dem 7. Juli verstärkte sich die Hitze über dem Osten Zentraleuropas, in Italien und am Balkan, weil eine kräftige Kaltfront des folgenden Nordseetiefs Thompson, die die Hitzewelle beendete, die heißen Luftmassen Westmitteleuropas vor sich her schob. Vom Schweizer Mittelland bis in die Pannonische Tiefebene wurden nun Rekordwerte gemessen. So verzeichnete Genf mit 39,7 °C den bisher höchsten je gemessenen Wert für die Alpennordseite. Innsbruck registrierte mit 38,2 °C am 7. Juli eine neue Höchsttemperatur, Lugano auf den 7. Juli (25,4 °C) und Wien auf den 8. (26,9 °C) die jeweils wärmste Nacht seit Messbeginn. Danach verzeichnete Seibersdorf mit 30,4 °C die höchste je in Österreich gemessene Frühtemperatur (8 Uhr). In Ungarn wurden an beiden Tagen mit Werten bis über 39 Grad örtlich 60 Jahre alte Rekordwerte des Sommers 1957 übertroffen (39,3 °C Budakalász, Pest). Richtung Schwarzes Meer und Ägäis blieb die Welle mit Temperaturen bis knapp 40 °C (Bukarest, 9. Juli) für nur ein bis zwei Tage vergleichsweise kurz, doch wurden auch hier Unwetterwarnungen gegeben.

Die über die Alpen ziehende Kaltfront verursachte in Mittel- und Süddeutschland, West- und Südösterreich, Norditalien und der Ungarischen TiefebeneHitzewelle und Unwetter forderten Todesopfer und Materialschäden in Ungarn. In: Pester Lloyd online, 9. Juli 2015. schwere Stürme. In Tirol (Innsbruck 141 km/h), Kärnten und auch Mittelungarn, wo zuletzt die größte Hitze geherrscht hatte (Aszód, PE, 131 km/h), erreichten die Windspitzen Orkanstärke und führten zu Windwurf, Verkehrsbehinderungen und Stromausfällen. Aus dem Raum Sachsen-AnhaltFramersheim – ein Ort, ein Unwetter. In: Die Welt online, 8. Juli 2015. wie auch Villach–Gailtal wurden bis golfballgroße Hagelschosse gemeldet, die regional zu umfangreichen Dachschäden führten. Auch die Steiermark verzeichnete Platzregen bis 65 Liter in wenigen Minuten. Zwischen Dolo und Mira unweit von Venedig richtete ein Tornado der Stufe 3/EF4 Verwüstungen an. Ein gemeldeter Tornado in Framersheim (Rheinland-Pfalz) könnte auch ein Downburst gewesen sein.Framersheim – ein Ort, ein Unwetter. In Die Welt online, 8. Juli 2015;Downburst in Framersheim hinterlässt gewaltige Schäden. Angelo D Alterio auf unwetteralarm.com, 8. Juli 2015.

Zweite Phase Mitte Juli Höchsttemperatur und Temperaturanomalie (Abweichung vom langjährigen Mittel) 12.–18. Juli: Beginn der zweiten Welle rahmenlos|hochkant=1.2lila > +40 °Crahmenlos|hochkant=1.2rot > +5 °C 19.–25. Juli: Verlagerung nach Ostenrahmenlos|hochkant=1.2dunkelrot > +35 °Crahmenlos|hochkant=1.2hochrot > +7 °C Nach dieser Front zog sich die Hitze in den Mittelmeerraum zurück, in Spanien ging die Hitzewelle in die dritte Woche. Dort wurden am 6. Juli mit bis über 45 Grad am unteren Guadalquivir bis zum Inneren der Provinz Valencia (Córdoba-Observatorio Andalusien, 45,2 °C) und am 7. Juli (Zaragoza-Aeropuerto, Aragonien, 44,5 °C, Murcia, Murcia, 43 °C)Récord histórico de temperatura en Zaragoza: 44,5 grados. In: El Pais online, 8. Juli 2015. in zahlreichen Orten die höchsten Messwerte seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in den 1920er Jahren erreicht. In der Kombination von Temperatur, Dauer und Ausmaß übertraf sie schon Anfang Juli die Ausmaße der Hitzewellen 2012 und 1991 und wurde mit 2003 die zweitschwerste Hitzewelle seit 1975. Mit Hoch Clara und den Tiefs Thompson und Ulrich stellte sich über Zentraleuropa in Folge normales Sommerwetter ein, was mit Kaltfronten für Spanien eine kurzzeitige leichte Entlastung brachte. Am Alpenrand führten diese neuerlich zu schweren Gewitterstürmen im Land Salzburg.

mini|hochkant=1.4|Wetterlage 14. Juli: Flache Azorenhoch-Ausläufer bis auf den Balkan, Tiefdruckrinne Xaver–Waldemar über dem nördlicheren Europa Ab dem 11. Juli gingen die Temperaturen in Zentral- und Südspanien wieder verbreitet gegen die 40-Grad-Marke.