Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der ungarischen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften. Ungarn nimmt 2024 zum fünften Mal an einer Endrunde teil und erreichte 1964 mit dem dritten Platz die bisher beste Platzierung. Nach 1972 konnte sich Ungarn 44 Jahre lang nicht mehr qualifizieren und scheiterte auch dreimal bei der Bewerbung um die Ausrichtung, für die sich Ungarn einmal allein und je einmal zusammen mit Österreich und mit Kroatien beworben hatte. Bei der wegen der COVID-19-Pandemie ins Jahr 2021 verschobenen paneuropäischen Endrunde stellte Ungarn eine Spielstätte.

Übersicht

Ungarn erreichte je zweimal die Endrunde mit vier Teilnehmern und mit 24 Teilnehmern, konnte sich aber nie für eine Endrunde mit acht oder 16 Teilnehmern qualifizieren.

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1960Frankreich nicht qualifiziert Im Achtelfinale am späteren Europameister UdSSR gescheitert. 1964Spanien Spiel um Platz 3 DänemarkDritter Lajos BarótiIm Halbfinale verlor Ungarn erst in der Verlängerung gegen den Gastgeber und späteren Europameister Spanien 1968Italien nicht qualifiziert Im Viertelfinale am späteren Vierten UdSSR gescheitert. 1972Belgien Spiel um Platz 3 Belgien Vierter Rudolf Illovszky Im Halbfinale scheiterte Ungarn erneut an der UdSSR 1976Jugoslawien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Wales gescheitert, das sich auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte. 1980Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Griechenland gescheitert 1984Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation an Dänemark gescheitert 1988BR Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation am späteren Europameister Niederlande gescheitert 1992Schweden nicht qualifiziert In der Qualifikation an der UdSSR gescheitert. 1996England nicht qualifiziert In der Qualifikation an der Schweiz und der Türkei gescheitert. 2000Niederlande und Belgien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Rumänien und Portugal gescheitert. 2004Portugal nicht qualifiziert In der Qualifikation an Schweden und Lettland gescheitert. 2008Österreich und Schweiz nicht qualifiziert In der Qualifikation an Griechenland und der Türkei gescheitert. 2012Polen und Ukraine nicht qualifiziert In der Qualifikation an den Niederlanden und Schweden gescheitert. 2016 Frankreich Achtelfinale Belgien 13. Ungarn erreicht nach einem Sieg gegen Dauergegner Österreich sowie Remis gegen Island und Portugal als Gruppensieger das Achtelfinale. 2021Europa VorrundePortugal, Frankreich, Deutschland 20. Ungarn stellte mit der im November 2019 eröffneten Puskás Aréna eine Spielstätte für drei Gruppenspiele und ein Achtelfinalspiel, musste sich aber wie alle anderen UEFA-Mitglieder für die EM qualifizieren. Nachdem die Mannschaft sich nicht direkt qualifizieren konnte, hatte sie noch die Chance sich in den Playoffs zu qualifizieren. Dies gelang durch ein Tor in der letzten Minute des Play-off-Finales gegen Island 2024Deutschland Vorrunde Deutschland, Schottland, Schweiz18. Marco Rossi Gegner in der Qualifikation waren Serbien, Montenegro, Litauen und Bulgarien.

Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1960 Für die Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, hatte auch der ungarische Fußballverband seine Nationalmannschaft gemeldet. Im Achtelfinale trafen die von Lajos Baróti trainierten Ungarn auf die UdSSR und verloren das Hinspiel in Moskau mit 1:3, wobei János Göröcs mit dem ersten Qualifikationstor zum 1:3 nur noch eine Ergebnisverbesserung gelang.UdSSR 3-1 Ungarn Auch das Rückspiel in Budapest wurde mit 0:1 verloren. Dabei standen noch zwei Spieler, József Bozsik und Gyula Grosics, aus dem Kader des WM-Finales von 1954 und mit Flórián Albert ein aufgehender Stern auf dem Platz, der gegen die UdSSR sein zweites Länderspiel machte und zwei Jahre später zu den sechs besten Torschützen der Fußball-Weltmeisterschaft 1962 gehörte. Die UdSSR erreichte dann auch die Endrunde und wurde dort erster Meister.

EM 1964 1964 wollten dann schon mehr Mannschaften teilnehmen, weshalb es zunächst eine Vorrunde gab. In dieser trafen die Ungarn auf Wales. Nach einem 3:1 in Budapest und einem 1:1 im Rückspiel standen die Ungarn im Achtelfinale. Dort trafen sie auf die DDR. Nach einem 2:1 in Ostberlin reichte ein 3:3 im Rückspiel für das Weiterkommen. Im Viertelfinale war dann Frankreich der Gegner. Die Ungarn gewannen zunächst in Paris mit 3:1 und dann das Rückspiel in Budapest mit 2:1, obwohl die Franzosen bereits in der zweiten Minute in Führung gegangen waren.Ungarn 2-1 Frankreich Damit hatten sie die Endrunde erreicht, die in Spanien stattfand. In ihrem ersten Endrunden-Spiel trafen sie dann auf den Gastgeber Spanien. Die Spanier gingen zwar in der 35. Minute in Führung, Ferenc Bene konnte aber in der 84. Minute ausgleichen. Dabei blieb es bis zum Ende der regulären Spielzeit. In der Verlängerung gelang den Spaniern dann noch der Siegtreffer. Im Spiel um Platz 3 trafen die Ungarn dann auf Dänemark, das sich überraschend für die Endrunde qualifiziert hatte. Diesmal brachte Bene die Ungarn früh in Führung und die Dänen konnten spät ausgleichen. Dezső Novák sorgte dann mit zwei Toren in der Verlängerung für den ungarischen Sieg und die beste Platzierung bei einer Europameisterschaft. Acht Spieler des Kaders standen dann auch im Kader, der vier Monate später bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille holte.

EM 1968 1968 wurden dann erstmals Qualifikationsspiele mit mehreren Vierer- und einer Dreiergruppe angesetzt. Ungarn, das nun von Rudolf Illovszky trainiert wurde, musste in einer Vierergruppe gegen die DDR, die Niederlande und Dänemark antreten. Ungarn setzte sich als Gruppensieger durch, was schon vor dem letzten Spiel, einem 0:1 in der DDR, feststand. Danach übernahm aber Károly Sós das Traineramt. Im Viertelfinale trafen sie dann auf die UdSSR. Zwar wurde das Hinspiel mit 2:0 gewonnen, durch ein 0:3 im Rückspiel schieden die Ungarn aber aus. Die UdSSR wurde dann nach Lospech im Halbfinale nur Vierter.

EM 1972 In der Qualifikation für die EM-Endrunde 1972 musste Ungarn, das nun von József Hoffer trainiert wurde, gegen Bulgarien, Frankreich und Norwegen antreten. Ungarn erreichte in den sechs Spielen vier Siege, spielte einmal remis und verlor nur in Bulgarien, wonach Rudolf Illovszky wieder Trainer wurde. Da Bulgarien dann das letzte Spiel gegen Frankreich gewann, hatten die Ungarn am Ende zwei Punkte mehr als beide und wurden Gruppensieger. Im Viertelfinale trafen sie dann auf Rumänien. Nachdem beide in ihren Heimspielen nur remis spielten und Auswärtstore noch nicht zählten, gab es ein Entscheidungsspiel in Belgrad, das die Ungarn mit 2:1 gewannen. Bei der Endrunde in Belgien trafen sie mal wieder auf die UdSSR und verloren das Halbfinalspiel mit 0:1, wobei Sándor Zámbó kurz vor Schluss mit einem Foulelfmeter an Jewgeni Rudakow scheiterte. Das Spiel um den dritten Platz verloren sie dann gegen Gastgeber Belgien mit 1:2 und verabschiedeten sich damit für mindestens 44 Jahre von der EM-Bühne. Aber neun Spieler konnten drei Monate später bei den Olympischen Spielen noch die Silbermedaille gewinnen.

EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen. Ungarn musste nun ohne Flórián Albert auskommen, der 1974 – nachdem er sich in einem Länderspiel eine schwere Verletzung zugezogen hatte – seine Karriere als Fußballspieler beendet hatte. Beim ersten Qualifikationsspiel wurden sie von Ede Moór trainiert, der dann aber trotz eines 4:2-Siegs in Luxemburg von Lajos Baróti abgelöst wurde. Am Ende belegte Ungarn in der Qualifikationsgruppe 2 hinter Wales vor den punktgleichen Österreichern und Luxemburg, das alle Spieler verloren hatte, nur Platz 2. Dabei hatten die Ungarn beide Spiele gegen Wales verloren, das im Viertelfinale am späteren Ausrichter der Endrunde Jugoslawien scheiterte. Baroti blieb danach zunächst im Amt und führte Ungarn zur WM 1978.

Endrunden mit acht Teilnehmern EM 1980 Für die Europameisterschaft in Italien, die erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen wurde, mussten die nun von Ferenc Kovács trainierten Ungarn in der Qualifikation gegen Griechenland, Finnland und die UdSSR antreten. In einer überraschend ausgeglichenen Gruppe hatten die Griechen am Ende einen Punkt mehr als Ungarn und Finnland sowie zwei mehr als die UdSSR und fuhren damit erstmals zu einem großen Fußballturnier, wo sie aber in der erstmals ausgetragenen Gruppenphase scheiterten.

EM 1984 In der Qualifikation für die Europameisterschaft in Frankreich musste sich Ungarn, das nun von Kálmán Mészöly trainiert wurde, mit Dänemark, England, Griechenland und Luxemburg auseinandersetzen. Ungarn gewann aber lediglich die beiden Spiele gegen Luxemburg mit 6:2, das auch alle anderen Spiele verlor, und das Heimspiel gegen Dänemark. Damit wurde Ungarn nur Vierter. Dabei hatte es auch nicht geholfen, dass nach einem 1:3 in Dänemark György Mezey neuer Nationaltrainer wurde. Unter ihm gelang dann zwar noch der Sieg gegen Dänemark. Der brachte den Ungarn aber nichts mehr und die Dänen konnten die Niederlage verkraften. Sie fuhren als Gruppensieger zur Endrunde, wo sie mit erfrischendem Fußball das Halbfinale erreichten. Mezey blieb aber im Amt und führte Ungarn zu seiner bis heute letzten WM-Teilnahme.

EM 1988 Für die EM 1988 musste sich Ungarn gegen die Niederlande, wieder Griechenland, Polen und Zypern qualifizieren. Während sich die Niederländer mit sechs Siegen und zwei Remis Platz 1 sicherten, nahmen sich Griechen, Ungarn und Polen gegenseitig Punkte ab. Begonnen hatten die Ungarn die Qualifikation mit Imre Komora als Trainer, der aber nach den beiden Auftaktniederlagen von József Verebes abgelöst wurde, der seinerseits auch nach drei Qualifikationsspielen von József Garami beerbt wurde. Da ihm die Wende dann auch nicht gelang, endete seine Amtszeit danach. Die Niederländer konnten dann bei der Endrunde erstmals einen großen Titel gewinnen.

EM 1992 Für die EM 1992 musste sich Ungarn, das nun von Kálmán Mészöly gecoacht wurde, gegen die Sowjetunion, Italien, Norwegen und Zypern qualifizieren. Ungarn verlor zwar nur in Italien und das Heimspiel gegen die UdSSR, konnte aber nur beide Spiele gegen Zypern gewinnen und spielte ansonsten viermal remis. Das reichte nur zum vierten Platz und vor dem letzten Spiel wurde Mészöly durch Róbert Glázer ersetzt. Die UdSSR, die mit dem letzten Gruppenspiel gegen Zypern ihr letztes Länderspiel bestritt, nahm nach ihrem endgültigen Zerfall als Gemeinschaft unabhängiger Staaten an der EM-Endrunde in Schweden teil, schied dort aber in der Gruppenphase aus.

Endrunden mit 16 Teilnehmern EM 1996 Für die EM 1996, die erstmals mit 16 Mannschaften ausgetragen wurde, mussten sich die nun wieder von Kálmán Mészöly (er war auf den Rumänen Emerich Jenei gefolgt, dem ersten nichtungarischen Nationaltrainer der Ungarn, der aber in der Qualifikation für die WM 1994 gescheitert war) trainierten Ungarn in einer Gruppe mit der Schweiz, der Türkei, Schweden und Island qualifizieren. Ungarn gewann nur die Heimspiele gegen Schweden und Island – jeweils mit 1:0. Hinzu kamen noch zwei Punkte aus Remisspielen. Dem gegenüber standen aber vier Niederlagen, womit Ungarn wieder nur Vierter wurde. Dagegen konnten sich die Schweiz und die Türkei erstmals für die Endrunde qualifizieren, scheiterten aber in der Gruppenphase. Mészöly räumte nach dem Qualifikationsaus seinen Posten, seinem Nachfolger János Csank gelang es aber auch nicht, die Ungarn zur WM 1998 zu führen, so dass anschließend Bertalan Bicskei den Posten übernahm.

EM 2000