mini|Bickenbach von Westen aus gesehen, dahinter Seeheim-Jugenheim mini|Großer Bau des ehemaligen Jagdschlosses Bickenbach, heutiges Rathaus Bickenbach (im lokalen Dialekt: Beckebach)Claudia Stehle: Darmstädter Echo. Freitag, 11. Januar 2019, S. 19. ist eine Gemeinde im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Bickenbach besteht aus nur einem Ortsteil.

Geografie Der Ort liegt an der nördlichen hessischen Bergstraße, in der Mitte zwischen den Ballungsräumen Rhein-Main und Rhein-Neckar. Nachbargemeinden sind im Norden die Stadt Pfungstadt, im Osten die Gemeinde Seeheim-Jugenheim, im Süden die Gemeinde Alsbach-Hähnlein sowie im Westen die Stadt Gernsheim (Kreis Groß-Gerau).

Geschichte Ortsgeschichte Der Ort war bereits in der römischen Zeit besiedelt. Im sumpfigen Gewann „Schiffslache“ entdeckten Archäologen ein Kleinkastell aus dem 1. Jahrhundert sowie die Sumpfbrücke Bickenbach. In der Nachbarschaft dieser Bodendenkmale befindet sich die Villa rustica „Steinmauer“.

Bickenbach wurde im Jahre 874 erstmals in einer Schenkungsurkunde des Lorscher Codex erwähnt, als König Ludwig der Deutsche den Ort dem Kloster Lorsch schenkte.Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Hessen. 3. überarbeitete Aufl., S. 47. In historischen Dokumenten ist der Ort in den folgenden Jahrhunderten unter wechselnden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Bicchumbach (874), Picchenbah (10. Jahrhundert), Bikinbach (1012), Bichenbach (1130), Bickenbach (1267), Bickinbach (1310), Bickembag (1330/31), Bickenbach (1380), Bickenbach uf dem Sande (1380–1388), Byckinbach off dem Sande (1396), Byckinbach off dem Sande (1489), Beckhenbach (1538), Beckenbach (1579) und Bickhenbach; Bickhenpach ahn der Bergstraßen (1583).

Bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts war der Ort eng mit dem Kloster Lorsch und dessen Lehnsherren verbunden. Es folgte eine Zeit häufig wechselnder Herrschaften. 1571 besaßen die Grafen von Erbach das Dorf, während der Landgraf von Hessen die hohe Obrigkeit ausübte. 1714 verkauften die Grafen von Erbach den Ort Bickenbach an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt, Landgraf Ernst Ludwig. Dieser ließ ab 1720 das Jagdschloss Bickenbach, eines der größten Jagdschlösser der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, südwestlich des alten Ortskerns errichten. Etwa 2 km südwestlich des Ortes finden sich die Reste des sogenannten Weilerhügels, einer Motte. Sie ist der Stammsitz der Herren von Bickenbach und wurde 1130 erstmals erwähnt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Bickenbach:

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, von 1897 bis 1955, verkehrte eine Dampflok-betriebene Nebenbahn zwischen Bickenbach, Alsbach, Jugenheim und Seeheim. Die Planungen für diese Verbindung hatten bereits 1869 begonnen, aber es gab viele Widerstände gegen den Bau. So fürchtete man Lärm, Störung der Feldarbeit und die Abwanderung von Feriengästen. Zur damaligen Zeit war die Bergstraße ein beliebtes Erholungsgebiet für Gäste aus ganz Europa, vor allem aus den Fürstenhäusern. Die Nebenbahn verband die nördliche Bergstraße am Bahnhof Bickenbach mit der Main-Neckar-Bahn. Neben den Feriengästen benutzte auch die einheimische Bevölkerung die „Ziggelsche“ genannte Nebenbahn. Da einige Züge bis nach Darmstadt fuhren und von Reisenden zum Besuch des Darmstädter Staatstheaters genutzt wurden, erhielten diese den Spitznamen „Theaterzug“.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Bickenbach angehört(e):

vor 1714: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach, Amt Seeheim und Tannenberg ab 1714: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (durch Kauf), Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Seeheim und Tannenberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Seeheim und Tannenberg ab 1806: Großherzogtum HessenInfolge der Rheinbundakte., Fürstentum Starkenburg, Amt Seeheim ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Seeheim ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk BensheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Zwingenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1871: Deutsches Reich,Infolge des Deutsch-Französischen Krieges. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DarmstadtIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurden die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Bickenbach 5397 Einwohner. Darunter waren 428 (8,0 %) Ausländer, von denen 271 aus dem EU-Ausland, 95 aus anderen europäischen Ländern und 62 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 13,9 %.) Nach dem Lebensalter waren 981 Einwohner unter 18 Jahren, 2305 zwischen 18 und 49, 154 zwischen 50 und 64 und 960 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2442 Haushalten. Davon waren 763 Singlehaushalte, 686 Paare ohne Kinder und 764 Paare mit Kindern, sowie 185 Alleinerziehende und 44 Wohngemeinschaften. In 446 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1735 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1629: 77 Hausgesesse (mit Hartenau) • 1791: 451 (Hartenau 34) Einwohner • 1800: 468 (Hartenau 56) Einwohner • 1806: 515 (Hartenau 52) Einwohner, 84 (Hartenau 6) Häuser • 1829: 773 Einwohner, 118 Häuser • 1867: 948 Einwohner, 140 Häuser

Daten zur Religionszugehörigkeit • 1829: 706 lutherische (= 91,33 %), ein reformierter (= 0,13 %), 48 jüdische (= 6,21 %) und 18 katholische (= 2,38 %) Einwohner • 1961: 2418 evangelische (= 79,96 %), 469 römisch-katholische (= 15,51 %) Einwohner • 2011: 2233 evangelische (= 41,4 %), 1061 katholische (= 19,7 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen: Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenSozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 1.631 74.525 1.695.567 2.524.156 Veränderung zu 2000 +130,4 % +21,1 % +16,1 % +16,0 % davon Vollzeit 2017 68,9 % 68,3 % 72,8 % 71,8 % davon Teilzeit 2017 31,1 % 31,7 % 27,2 % 28,2 % Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 248 15.305 224.267 372.991 Veränderung zu 2000 +5,1 % +14,4 % +9,0 % +8,8 %

Branche Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenProduzierendes Gewerbe 2000 30,1 % 41,1 % 27,0 % 30,6 % 2017 *) 31,3 % 20,4 % 24,3 %Handel, Gastgewerbe und Verkehr 2000 38,8 % 26,1 % 26,4 % 25,1 % 2017 41,8 % 26,8 % 24,7 % 23,8 %Unternehmensdienstleistungen 2000 13,6 % 11,6 % 25,1 % 20,2 % 2017 15,0 % 17,1 % 31,6 % 26,1 %Sonstige Dienstleistungen 2000 *) % 18,8 % 20,1 % 22,5 % 2017 20,4 % 23,6 % 23,0 % 25,4 %Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) 2000 17,5 % 2,4 % 1,4 % 1,5 % 2017 22,9 % 1,1 % 0,3 % 0,4 % *) anonymisiert

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Bickenbach erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 38,71034,0936,2938,21035,3944,011 33,1829,8737,1936,5943,81146,312 KOMM,A Die Kommunale Alternative in Bickenbach19,5527,9715,3417,8410,221,70 8,728,3211,437,5210,838,02 Gesamt 100,0 25 100,0 25 100,0 25 100,0 25 100,0 25 100,0 25 Wahlbeteiligung in % 61,4 58,0 51,3 54,8 52,8 57,3

Bürgermeister und Gemeindevorstand Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Bickenbach neben dem Bürgermeister ehrenamtlich der Erste Beigeordnete und neun weitere Beigeordnete angehören.Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Januar 2018 Markus Hennemann (SPD). Er wurde als Nachfolger von Günter Martini (CDU), der nach vier Amtszeiten nicht mehr kandidiert hatte, am 22. Oktober 2017 in einer Stichwahl bei 64,1 Prozent Wahlbeteiligung mit 51,8 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgte eine Wiederwahl im Oktober 2023.Votemanager: Bürgermeisterwahl Gemeinde Bickenbach 2023

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu ladenDie Gemeindevertreter Bickenbachs 1946–1973, mit Amtszeiten der Bürgermeister, PDF-Datei 3,511 MB 2018–2029 Markus Hennemann (SPD) 1994–2017 Günter Martini (CDU), Amtsantritt am 1. Januar 1968–1993 Karl Schemel (SPD), Amtsantritt am 1. Oktober 1948–1968 Georg Blum (SPD) nach der Kommunalwahl 1948 ab 25. Juni im Amt 1946–1948 Georg Hill (SPD) nach der Kommunalwahl 1946 ab 22. März im Amt 1945–1946 Karl Dieter (KPD), am 15. April von der US-Militäradministration eingesetzt

Die ehrenamtlichen Beigeordneten werden von der Gemeindevertretung in oder bald nach der konstituierenden Sitzung für die fünfjährige Wahlperiode bis zur nächsten Kommunalwahl in den Gemeindevorstand gewählt. Für die Dauer ihrer Wahlzeit werden sie zu Ehrenbeamten ernannt und können, im Gegensatz zu dem Bürgermeister als hauptamtlichem Mitglied, nicht abgewählt werden. Die Stärke der in der Gemeindevertretung vertretenen Fraktionen spiegelt sich grundsätzlich in der Zusammensetzung des ehrenamtlichen Gemeindevorstands wider. Vertreterin des Bürgermeisters ist die Erste Beigeordnete Barbara Fenske (KOMM,A). Nach der geltenden Fassung der Hauptsatzung wird sich die Zahl der Beigeordneten am 1. April 2026 mit Ende der laufenden Wahlperiode von zehn auf sechs vermindern.

Der Gemeindevorstand steht an der Spitze der Gemeindeverwaltung und wird von dieser unterstützt. Er trifft die Entscheidungen zu laufenden Verwaltungsangelegenheiten, bereitet gemeinsam mit der Verwaltung die Beschlüsse der Gemeindevertretung vor und führt diese aus. Er wirkt mit bei der Ausführung der Gesetze und Verordnungen innerhalb der Gemeinde, bei der Verwaltung des Vermögens, bei der Erstellung des Haushaltsplanes sowie bei der Überwachung des Kassen- und Rechnungswesens. Auch die Wahrung der Bürgerinteressen ist seine Aufgabe. Er vertritt die Gemeinde nach außen, führt den Schriftwechsel und vollzieht die Gemeindeurkunden. Er tagt unter Vorsitz des Bürgermeisters in nicht-öffentlichen Sitzungen. An den Sitzungen der Gemeindevertretung nimmt der Gemeindevorstand ohne Stimmrecht teil.Gemeindevorstand §§ 65ff HGO bei hessenrecht.de

Wappen und Flagge mini|100px

Wappen

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Blasonierung: „Roter, von einer Doppelreihe silberner Rauten schrägrechts geteilter Schild; links oben ein mit dem Gemarkungszeichen (breitendiges Kreuz über unten geöffnetem Ring. Rot in Gold) belegter Kleinschild.“

Das Wappen wurde der Gemeinde Bickenbach im damaligen Landkreis Darmstadt am 4. August 1971 durch den Hessischen Innenminister genehmigt. Gestaltet wurde es durch den Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt.