Der Artikel enthält eine ausführliche Darstellung der Schweizer Fussballnationalmannschaft bei Europameisterschaften. Die Schweiz konnte sich fünfmal qualifizieren, nahm einmal als automatisch qualifizierter Co-Gastgeber teil und lag in der ewigen Bestenliste vor der EM 2024 auf dem 15. Platz.

Übersicht

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1960 Frankreich nicht teilgenommen 1964 Spanien nicht qualifiziert In der Vorrunde an den Niederlanden gescheitert, die sich auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnten.1968 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation am späteren Europameister Italien gescheitert.1972 Belgien nicht qualifiziert In der Qualifikation an England gescheitert, das sich aber auch nicht qualifizieren konnte.1976 Jugoslawien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Vizeeuropameister UdSSR gescheitert, der sich aber auch nicht qualifizieren konnte.1980 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Vizeweltmeister Niederlande gescheitert.1984 Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation an Vizeeuropameister Belgien gescheitert.1988 Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Italien gescheitert.1992 Schweden nicht qualifiziert In der Qualifikation an Schottland gescheitert. 1996England VorrundeEngland, Niederlande, Schottland 13. Als Gruppenletzter ausgeschieden. 2000Niederlande und Belgien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Italien und Dänemark gescheitert. 2004Portugal VorrundeKroatien, England, Frankreich 15. Jakob Kuhn Als Gruppenletzter ausgeschieden. 2008Österreich und Schweiz VorrundeTschechien, Portugal, Türkei 9.Jakob Kuhn Als Co-Gastgeber automatisch qualifiziert. Als Gruppenletzter ausgeschieden. 2012Polen und Ukraine nicht qualifiziert In der Qualifikation an England und Montenegro gescheitert, die sich aber auch nicht qualifizieren konnten. 2016Frankreich AchtelfinalPolen 11. /Mit einem Sieg gegen Albanien sowie einem Remis gegen Rumänien und Frankreich erreichte die Schweiz als Gruppenzweiter die K.-o.-Runde. Niederlage im Penaltyschiessen im Achtelfinal. 2021Europa Viertelfinal Spanien 7. / Vladimir Petković Die Schweiz hatte sich zunächst mit dem St. Jakob-Park in Basel als Ausrichter von Spielen beworben, dann aber zurückgezogen. Die Schweizer qualifizierten sich am letzten Spieltag als Gruppensieger. Gruppengegner bei der Endrunde waren Italien, die Türkei und Wales. Mit je einem Sieg, einem Remis und einer Niederlage ging es als Gruppendritter in den Achtelfinal. Dort gewann die Schweiz gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich im Penaltyschiessen. Im Viertelfinal verlor die Schweiz gegen Spanien im Penaltyschiessen. 2024Deutschland Viertelfinal England 6. Murat Yakin Die Schweiz qualifizierte sich am vorletzten Spieltag aus einer Gruppe mit Rumänien, Israel, Belarus, Kosovo und Andorra. Gruppengegner bei der Endrunde waren Deutschland, Schottland und Ungarn, im Achtelfinal Italien. Im Viertelfinal verlor die Schweiz gegen England im Penaltyschiessen.

Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1960 An der ersten Fussball-Europameisterschaft 1960, die noch als «Europapokal der Nationen» ausgetragen wurde, nahm die Schweiz nicht teil.

EM 1964 Vier Jahre später wollten dann mehr Mannschaften als 1960 teilnehmen, darunter auch die Schweiz. Daher wurde dem Achtelfinal eine Vorrunde vorgeschaltet. Die Schweiz musste gegen die Niederlande antreten. Am 11. November 1962 bestritt die von Karl Rappan trainierte Schweiz in Amsterdam ihr erstes EM-Qualifikationsspiel, wobei Charly Hertig mit dem zwischenzeitlichen 1:1 das erste Qualifikationstor für die Schweizer gelang. Die Niederländer konnten aber noch zwei Tore nachlegen und mit 3:1 gewinnen.Niederlande 3-1 Schweiz. Das 1:1 im Rückspiel vier Monate später reichte dann nicht zum Weiterkommen. Die Niederlande scheiterten dann im Achtelfinal überraschend an Luxemburg, das im Viertelfinal erst in einem Entscheidungsspiel an Dänemark scheiterte.

EM 1968 Für die Fussball-Europameisterschaft 1968 wurden in der Qualifikation erstmals Gruppenspiele angesetzt. Die Schweiz, die nun vom 1938er-Weltmeister, dem Italiener Alfredo Foni, trainiert wurde, musste gegen Italien, Rumänien und Zypern antreten. Der Schweiz gelangen zwar hohe Siege gegen Rumänien (7:1, wobei Erwin Ballabio den erkrankten Foni vertrat) und Zypern (5:0) und ein 2:2 gegen Italien, aber es wurden auch mit 0:4 in Italien und 1:2 in Zypern die beiden letzten Spiele verloren. Daher sprang am Ende nur Platz 3 heraus. Italien wurde Gruppensieger, qualifizierte sich dann für die Endrunde, durfte diese ausrichten und wurde auch dank Losglück Europameister. Fonis Arbeit als Nationaltrainer endete mit der verpassten Qualifikation.

EM 1972 Auch für die EM-Endrunde 1972 konnte sich die nun von Louis Maurer trainierte Schweiz nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit Ex-Weltmeister England, Griechenland und Malta lieferte sie sich mit England lange einen Kampf um Platz 1, verlor aber das Heimspiel gegen die Engländer mit 2:3 und erreichte im Rückspiel nur ein 1:1. Da England dann das letzte Spiel in Griechenland gewann, wurden die Briten Gruppensieger. Im Viertelfinal scheiterten sie dann aber an Deutschland, das dann bei der Endrunde erstmals den Titel holte. Maurer trat nach dem Aus in der Qualifikation aus seinem laufenden Vertrag trotz positiven Stimmen in der Schweizer Öffentlichkeit zurück.

EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen. Die nun von René Hüssy trainierte Schweiz scheiterte wieder bereits in der Gruppenphase, diesmal an der Sowjetunion, Irland und der Türkei. Dabei konnte die Schweiz nur das Heimspiel gegen Irland gewinnen, was letztlich dafür verantwortlich war, dass Irland nur Zweiter hinter der UdSSR wurde. Die Schweiz, der ansonsten nur noch ein 1:1 im Heimspiel gegen die Türkei gelang, wurde Gruppenletzter. Die UdSSR scheiterte dann im Viertelfinal am späteren Europameister Tschechoslowakei, der den Titel im Penaltyschiessen gegen Titelverteidiger Deutschland gewann.

Endrunden mit acht Teilnehmern EM 1980 In der Qualifikation für die Europameisterschaft in Italien, die erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen wurde, trafen die Schweizer auf die Niederländer, die 1978 wieder den WM-Final verloren hatten und seit 1977 ohne Johan Cruyff auskommen mussten, sowie Polen, die DDR und Island. Die von Roger Vonlanthen trainierten Schweizer konnten nur beide Spiele gegen Island gewinnen, das auch alle anderen Spiele verlor, und wurden wieder nur Vierte. Nach einem 0:3 gegen die Niederlande trat Vonlanthen zurück, seinem Nachfolger Léon Walker gelang es aber nicht, das Blatt zu wenden. Gruppensieger Niederlande fuhr zur EM, scheiterte dort aber am späteren Europameister Deutschland.

EM 1984 In der Qualifikation vier Jahre später traf die nun von Paul Wolfisberg trainierte Schweiz auf Vizeeuropameister Belgien, die DDR sowie Schottland und verlor gleich das erste Spiel in Belgien mit 0:3. Zwar wurde dann nur noch in der DDR (ebenfalls 0:3) verloren, aber zwei Remis und zwei Siege reichten nur zum zweiten Platz. Belgien war damit für die EM-Endrunde qualifiziert, in Frankreich schied es aber bereits in der Gruppenphase aus.

EM 1988 Gegner in der Qualifikation für die EM 1988 waren erneut Italien, Portugal, Schweden und Malta. Die Schweiz wurde nun von Daniel Jeandupeux trainiert. Wieder verloren die Schweizer das erste Spiel, diesmal in Schweden mit 0:2, kamen dann gegen Portugal nur zu einem 1:1 und verloren in Italien mit 2:3. Damit hatten sie die Qualifikation bereits verpasst, denn am Ende hatten sie als Vierte sechs Punkte weniger als Italien. Italien erreichte dann bei der Endrunde den Halbfinal, verlor diesen aber gegen die UdSSR. Jeandupeux blieb zunächst im Amt, nach der verpassten Qualifikation für die WM 1990 übernahm dann Uli Stielike das Amt, für den es die erste Trainerstation war.

EM 1992 Die Qualifikation für die EM 1992 brachte dann auch noch nicht den ersehnten Erfolg. Gegen Schottland, Rumänien, Bulgarien und San Marino, das erstmals teilnahm und alle Spiele verlor, gab es in dieser ausgeglichenen Gruppe einen lange offenen Kampf um das EM-Ticket. Die Schweiz verpasste dieses dann schliesslich durch ein 0:1 in Rumänien am letzten Spieltag, womit beide punktgleich waren, aber einen Punkt weniger als die Schotten hatten. Diese waren damit erstmals qualifiziert, scheiterten aber bei der Endrunde in der Gruppenphase. Mit der verpassten Qualifikation endete die Amtszeit von Stielike, sein Nachfolger wurde der Engländer Roy Hodgson, der die Schweiz 28 Jahre nach der letzten WM-Teilnahme zur WM 1994 führte.

Endrunden mit 16 Teilnehmern EM 1996 mini|Aserbaidschanische Briefmarke zum ersten EM-Spiel der Schweiz

Für die EM 1996, die erstmals mit 16 Mannschaften ausgetragen wurde, konnte sich dann auch die Schweiz erstmals qualifizieren.

In einer Gruppe mit der Türkei, Schweden, Ungarn und Island belegte sie am Ende Platz 1, den sie sich durch ein 3:0 gegen Ungarn im letzten Spiel sicherte. Die Türkei qualifizierte sich als drittbester Gruppenzweiter ebenfalls erstmals für die EM. Nach der erfolgreichen Qualifikation wechselte Hodgson als Trainer zu Inter Mailand, sein Nachfolger wurde der Portugiese Artur Jorge.

Bei der EM durften die Schweizer das Eröffnungsspiel gegen Gastgeber England bestreiten und sicherten sich durch einen von Kubilay Türkyılmaz verwandelten Handspenalty den ersten Punkt in einem EM-Spiel. Dies blieb aber der einzige Punkt und das einzige Tor, denn die beden anderen Gruppenspiele gegen die Niederlande und Schottland wurden mit 0:2 bzw. 0:1 verloren. Als Gruppenletzter verabschiedete sich die Schweiz dann für acht Jahre von der EM-Bühne, und die Amtszeit von Jorge endete.

EM 2000 Nach der verpassten Qualifikation für die WM 1998 hatte Gilbert Gress das Amt des Nationaltrainers von Rolf Fringer übernommen.

Für die EM 2000 musste sich die Schweiz in einer Gruppe mit Italien, Dänemark, Wales und Belarus qualifizieren. Während die beiden Letztgenannten nichts mit dem Ausgang zu tun hatten, lieferten sich die drei Erstgenannten lange einen offenen Kampf. Diesen entschied im letzten Spiel Italien mit einem 0:0 in Belarus zu seinen Gunsten, wodurch die Italiener einen Punkt mehr hatten als die punktgleichen Dänen und Schweizer. Die Verlängerung des Vertrages von Gress scheiterte dann an Gress’ Lohnforderung. Dänemark nutzte dann die Play-off-Spiele gegen Israel, um sich ebenfalls zu qualifizieren. Bei der Endrunde erreichte Italien dann zum zweiten Mal den Final, verlor diesen aber gegen Weltmeister Frankreich durch ein Golden Goal. Dänemark scheiterte in der Gruppenphase.

EM 2004 Die Qualifikation für die EM 2004 verlief dann wieder erfolgreich. Im August 2001 hatte das Schweizer Fussballidol Jakob «Köbi» Kuhn das Amt des Nationaltrainers übernommen, nachdem es dem Argentinier Enzo Trossero nicht gelungen war, die Schweiz zur WM 2002 zu führen. In einer Gruppe mit Russland, Irland, Albanien und Georgien hatten die Schweizer am Ende einen Punkt mehr als Russland, den sie sich durch ein 2:0 im letzten Spiel gegen Irland sicherten. Russland setzte sich dann aber in den Play-offs der Gruppenzweiten gegen Wales durch und fuhr ebenfalls zur EM.

In Portugal trafen die Schweizer im ersten Gruppenspiel auf Kroatien und erreichten mit dem 0:0 den einzigen Punkt, wobei sie 40 Minuten in Unterzahl spielten. Denn gegen England und Titelverteidiger Frankreich folgten 0:3- bzw. 1:3-Niederlagen – gegen England auch wieder 30 Minuten lang in Unterzahl. Dabei wurde Johan Vonlanthen im Spiel gegen Frankreich mit 18 Jahren und 141 Tagen jüngster EM-Torschütze. Als Gruppenletzter fuhr die Schweiz nach Hause, konnte aber schon für die nächste EM planen.

EM 2008 mini|Startaufstellungen beim ersten Sieg der Schweizer in einem EM-Spiel