Die Ghjuvannali oder Giovannali waren eine Sekte auf Korsika. Nach der These von Alexandre Grassi (1866) waren sie die „Katharer“ Korsikas. Für neuere Historiker handelt es sich um eine Abspaltung der Franziskaner.Daniela Müller stützt sich auf Recherchen des l’abbé Casanova vom Beginn des 20. Jahrhunderts, die in den 1950ern durch Dorothy Carrington untermauert wurden. – Revue Pyrénées – Spécial Cathares – 2003. Diese Gemeinschaft entstand im 14. Jahrhundert in Carbini in der Region von l’Alta Rocca. Sie bestand über einen Zeitraum von ca. 50 Jahren.

Lehren Die Giovannali wurden durch den Franziskanerbruder Giovanni Martini angeführt. Wie es bei den Franziskanern üblich ist, wurde ihre Lehre bestimmt durch Armutsgelübde und Selbsthingabe. Es gab kein Eigentum und alle Güter wurden der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt. Daher scheinen sie weniger Gemeinsamkeiten mit den Katharern gehabt zu haben. Verbindungen bestehen eher zu den Fratizellen. Sie erlegten sich Buße auf und verschiedene Geißelungen. Ihre Ideale waren Demut, Einfachheit, Armut und Gewaltlosigkeit. Indem sie das Sakrament der Ehe ablehnten, schufen sie einen Ruf der Zügellosigkeit und laut ihren Verfolgern feierten sie auch Sabbate.

Die Gemeinschaft entwickelte sich im Süden der Insel, in der Delà des Monts bzw. Terra di i Signori (Land der Herren). Weil sie sich weigerten die Steuern zu zahlen, wurden sie zu Staatsfeinden. Auch im Norden der Insel, in Alesani gab es eine Gruppe.

Geschichte Laut Giovanni della Grossa erblickte diese Sekte im Jahre 1354 die Welt. Die Verfechter der Sekte waren Polo und Arrigo d’Attalà, illegitime Brüder von Guglielminuccio, dem Herrn von Attallà.Abbé Letteron: Histoire de la Corse. Band 1, Bulletin de la Société des sciences naturelles et historiques de la Corse, Imprimerie et librairie Ve Eugène Ollagnier Bastia 1888.

Polo d’Attalà war der Anführer der Sekte, deren Gebiet sich bis an die Deçà des Monts (Terre de Commune) erstreckte.

1352 exkommunizierte der Bischof von Aléria die „Häretiker“. Ende desselben Jahres appellierten die Ghjuvannali beim Erzbischof von Pisa (Giovanni Scarlatti) und erreichten eine Aufhebung der Exkommunikation. Sie radikalisierten sich daraufhin gegenüber den kirchlichen Hierarchien, die sie im Gegensatz zur christlichen Botschaft verurteilte. Ihre Spiritualität, ihr religiöser und sozialer Ansatz riefen in ganz Korsika Reaktionen hervor. Aber 1354, kurz vor seinem Tod, wandte sich Monseigneur Raimondo, Bischof von Aléria, an Papst Innozenz VI. und bestätigte noch einmal, dass die Ghjuvannali Häretiker seien . Der Papst, damals schon in Residenz in Avignon, erklärte die Ghjuvannali zu Häretikern.

Sein Nachfolger, der Benediktiner Urban V., erhielt die Exkommunikation aufrecht und entsandte einen Legaten nach Korsika. Der päpstliche Kommissar organisierte mit Unterstützung der lokalen Herren einen Heiligen Militärkreuzzug in der Region von Carbini und der Ebene im Osten. Im Namen der Kirche massakrierte man zwischen 1363 und 1364 in Carbini, Ghisoni, im Kloster von Alesani und in anderen Dörfern eine ganze Anzahl von Ghjuvannali, eingeschlossen Frauen und Kinder. Die letzten Hinrichtungen wurden in Ghisoni vollzogen. Dort wurden die Ghjuvannali am Fuße des Berges verbrannt, der den Namen Kyrie Eleison et Christe Eleison trägt.

In dieser Zeit des Hungers, der Katastrophen und der Krankheiten ist es eine der dunkleren Seiten der korsischen Geschichte.

Populärkultur Ein Chanson der korsischen Gruppe Canta u Populu Corsu auf dem Album Rinvivisce trägt den Titel I Ghjuvannali.

Literatur Abbé Letteron: Histoire de la Corse. Band 1, Bulletin de la Société des sciences naturelles et historiques de la Corse, Imprimerie et librairie Ve Eugène Ollagnier Bastia 1888. in Chronique de Giovanni della Grossa, S. 219–220. Philippe Franchini: Les chemins de granit, I ghjuvannali. Colonna édition 2011. Francis Pomponi: Histoire de la Corse. Hachette, Paris 1979, ISBN 2-01-003859-2.

Heidrun Moser (Hrsg.): Korsika. Michelin, der grüne Reiseführer. Univ. Press of Mississippi 2008: 101.

Weblinks La thèse d’Alexandre Grassi (PDF; 0,1 MB) Alta-Rocca: Les Ghjuvannali Homepage eines Journalisten Seite der Ortsverwaltung von Carbini

Einzelnachweise

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