mini|Sigmund Pick Sigmund Pick alias Abraham (* 10. Mai 1849 in Prag; † 4. Oktober 1922 ebenda) war ein Kellner, Kleinhändler und Geldverleiher im couleurstudentischen Umfeld Prags. Karl Hans Strobl hat ihn in seinem Roman Die Vaclavbude verewigt.
Jugend und Ausbildung Als Kind war Pick in das Seidengeschäft des Zacharias Kuh, des mütterlichen Großvaters von Egon Erwin Kisch und dessen Bruder Paul Kisch, in der Bergmannsgasse (Havířská ul.) in der Prager Altstadt eingetreten.Egon Erwin Kisch, Die Abenteuer in Prag, (Wien-Prag-Leipzig 1920), S. 24f. Wie viele andere jüdische Jungen dieser Zeit lernte Pick den Handel im Alltag. In angesehenen Handelshäusern arbeitete er als Lehrling und Kommis. In seiner Freizeit wirkte er im Gesangsverein von Holleschowitz mit.
Angestellter im Wirtshaus Schipkapaß Als verheirateter Mann fand er 1882 eine Anstellung in dem von Oskar Milde geführten Wirtshaus Schipkapaß bei Prag.Prager Tagblatt, 9. Februar 1912, S. 3 Als Hirte trieb er Mildes Vieh in die Wälder. Als Kellner gewann er durch die vielen Waffenstudenten unter den Stammgästen tiefe Vertrautheit mit Couleur und studentischem Brauchtum. Bei den Studenten, die ihm den Spitznamen „Abraham“ gaben, wurde er schnell beliebt; stetig wuchs der Kreis seiner Freunde und Geschäfte.
Kümmerer mini|Pumpier Abraham (1912) Später als Pumpier selbständig geworden, wohnte Abraham im Winkelwerk der Prager Judenstadt unweit des Gasthauses Vaclavbude. Allabendlich gab er im Deutschen Haus in Prag Audienzen, in einer Butzenscheibennische des altdeutschen Zimmers.
Studenten, denen er vertraute, besorgte er immer Geld. Er, der den Erzählungen nach niemals mehr als ein paar Gulden bei sich hatte, übergab die erbetene Summe am nächsten Tag um 11 Uhr auf dem Graben oder im Hinterhaus der Neupragergasse. Bei der Rückzahlung kam ihm ein kleiner Gewinn zugute. Bei Schwierigkeiten stundete er die Außenstände auf Monate oder Jahre. Von einer gewaltsamen Eintreibung war nie die Rede. 1914, fast 70 Jahre alt, verlor er im Ersten Weltkrieg viele Schuldner. Er verarmte und musste sein Leben mit einem improvisierten Zigarettenhandel fristen.
Sigmund Picks Visitenkarte trug oben links einen kleinen Stempel: eine Pumpe als Hinweis auf das Pumpen, den Geldverleih. Er wurde am Neuen jüdischen Friedhof im Familiengrab Pick (Gruppe 17, Reihe 11, Grab 18) beerdigt, Paul Kisch und Franz Lucksch hielten die Grabreden. mini Franz Lucksch, Professor für Medizin, war Mitglied der Prager Burschenschaft Arminia. Die Bohemia würdigte ihn in einem längeren Artikel.
Siehe auch mini|Picks Wirkstätte: Das Deutsche Haus in Prag Geschichte der Juden in Prag Liste der Studentenverbindungen in Prag Prager Senioren-Convent Golem Judah Löw Johannes Nepomuk
Literatur P[aul] K[isch]: Abraham zieht um! Ein Gruß zum siebzigsten Geburtstag. In: Bohemia vom 9. Mai 1918, S. 5 (mit biographischen Informationen) Paul Kisch: Nachruf für Abraham. Deutsche Hochschulwarte, II. Jg. (1922), S. 109. Abgedruckt in Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Bd. 32 (1987), S. 183–186. Adolf Siegl: „Abraham“ und „Osman“ – zwei Originale der Prager deutschen Studentenschaft. Einst und Jetzt, Bd. 28 (1983), S. 159–163. Karl Hans Strobl: Die Legende vom Abraham. In: Bohemia vom 5. Oktober 1922, S. 2–3 (Nachruf)
Weblinks Vera Schneider: Wachposten und Grenzgänger. Deutschsprachige Autoren in Prag und die öffentliche Herstellung nationaler Identität – Würzburg 2009, S. 76
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Person (Studentengeschichte) Kategorie:Studentengeschichte (Österreich-Ungarn) Kategorie:Person (Prag) Kategorie:Geboren 1849 Kategorie:Gestorben 1922 Kategorie:Mann