mini|Stich des Klosters aus dem „Churbaierischen Atlas“ von Anton Wilhelm Ertl, 1687 mini|Stich des Klosters aus der Historico-topographica Descriptio 1723 von Michael Wening Das Kloster Seligenthal () ist eine 1232 gestiftete Abtei der Zisterzienserinnen in der niederbayerischen Stadt Landshut. Sie liegt auf dem Gebiet der Diözese Regensburg. Die 1259 geweihte Klosterkirche Mariä Himmelfahrt, die in den Jahren 1732/34 im frühen Rokoko-Stil umgebaut wurde, ist eine Begräbnisstätte der Wittelsbacher Herzöge von Bayern.
Geschichte Das der Heiligen Jungfrau geweihte Kloster wurde 1232 durch Ludmilla, Witwe des Herzogs Ludwig der Kelheimer, Stadtgründer von Landshut, gestiftet. Woher die Ordensfrauen kamen, galt bis ins 17. Jahrhundert hinein als unbekannt. Die ihnen später zugeschriebene und bis heute tradierte Herkunft aus dem Kloster Trebnitz im Bistum Breslau kann weder durch Urkunden noch durch die Klosterannalen belegt werden.Angela Straub, I. Schneider (Bearb.), Zisterzienserinnenabtei Seligenthal (Hrsg.): Seligenthal. Zisterzienserinnenabtei 1232–1982. Beiträge zur Geschichte des Klosters. Landshut 1982. Ludmilla lebte selbst im Kloster und wurde nach ihrem Tod 1240 in der Afrakapelle beigesetzt; später sollen ihre Gebeine in die Abteikirche übertragen worden sein. Heute erinnern dort noch zwei frühgotische Holzfiguren mit einer frühen Darstellung des bayerischen Rautenwappens an das Herrscherpaar. Das neu gegründete Kloster wurde 1236 der Zisterzienserabtei Kaisheim unterstellt. 1245 oder 1246 wurde das Kloster dem Orden einverleibt; dabei wurde erstmals der Name Seligenthal verwendet.Mader 1927, S. 216.
Erste Äbtissin von Seligenthal – vermutlich in der Zeit 1233 bis 1277 – war Agnes von Grünenbach. Unter den späteren Äbtissinnen finden sich Vertreterinnen der bayerischen Adelsgeschlechter Preysing und Gumppenberg. Zahlreiche Töchter des bayerischen Adels und sogar Wittelsbacher Prinzessinnen waren Mitglieder des Seligenthaler Konvents. Als Visitator fungierte zunächst der Abt von Kloster Aldersbach.
Nach der Klostergründung wohnten die Schwestern zunächst in dem um 1230 errichteten Haus Schwestergasse 8. Als vorläufige Klosterkirche diente die romanische Afrakapelle. Rund um dieses Kirchlein wurden 1259 die Abteikirche, die als Begräbnisstätte der Wittelsbacher diente, und in der Folgezeit die heutigen Konventgebäude erbaut.
Obwohl 1252 Kloster und Heilig-Geist-Spital rechtlich voneinander getrennt worden waren, sodass als wirtschaftliche Grundlage nunmehr Schenkungen von Land und Leuten sowie Stiftungen des Adels dienten, blühte das Kloster rasch auf. Als im Jahr 1260 ein Skriptorium gegründet wurde, lebten bereits 70 Schwestern in Seligenthal. In den folgenden Jahrhunderten besaß das Kloster stets die Gunst der bayerischen Herrscher. So stellte beispielsweise Herzog Ludwig der Bayer 1315 und 1341 das Kloster unter seinen Schutz und bestätigte ihm alle Rechte. 1331 erhielt das Kloster ein Salzdeputat in Hallein und durfte für einige Zeit mit herzoglicher Genehmigung Salzhandel betreiben.
Während das Kloster weiterhin der Abtei Kaisheim unterstellt war, wurden seit 1426 die Visitationen von der Abtei Raitenhaslach aus durchgeführt. Im Jahr 1559 wurde Seligenthal der Abtei Aldersbach unterstellt. Im 15. Jahrhundert durch mangelnde Einhaltung der Ordensregeln und vor allem im 16. Jahrhundert unter dem Einfluss der Reformation drohte dem Kloster mehrmals das „Aussterben“. So kamen beispielsweise im Jahr 1473 Zisterzienserinnen aus dem Kloster Koenigsbruck nach Seligenthal, um den Konvent am Leben zu halten. Um 1555 lebten erneut nur noch wenige Schwestern im Konvent. In den 1570er Jahren konnte durch Zisterzienserinnen aus dem Kloster Niederschönenfeld das Aussterben Seligenthals abgewendet werden. Unter Äbtissin Apollonia Reinbacher (1574–1605) beruhigte sich die Lage. Anfang des 17. Jahrhunderts erlebte das Kloster unter Äbtissin Anna Reisacher (1617–1634) einen Aufschwung. Es wurden umfahreiche Um- und Neubauten im Stil der Spätrenaissance vorgenommen. Während des Dreißigjährigen Krieges mussten die Schwestern wegen plündernder schwedischer Truppen und großer Hungersnöte den Konvent zwischen 1631 und 1649 mehrmals verlassen. 1651 kehrten sie in das zu großen Teilen zerstörte Kloster zurück.
In der Folgezeit, noch unter der Äbtissin Anna von Preysing (1643–1665), erlebte Seligenthal eine erneute Blüte. In den 1680er-Jahren rühmten hochrangige Vertreter des Zisterzienserordens sogar die vorbildliche Einhaltung der Ordensdisziplin. Auch die Heiligenverehrung prägte das Kloster um diese Zeit. So wurden zwischen 1667 und 1679 die Leichname der Hll. Antoninus, Cassian, Viktorinus und Theodor nach Seligenthal überführt. Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) mussten die Schwestern ihren Konvent wiederum vorübergehend verlassen. Wenig später, in den Jahren 1732 bis 1734, wurde die ursprünglich spätromanische Abteikirche (geweiht 1259) nach den Plänen von Johann Baptist Gunetzrhainer zum Zentralbau umgestaltet und im Frührokoko-Stil ausgestattet. Das Hochaltargemälde, der Stuck und die Deckenfresken stammen von dem Wessobrunner Maler und Stuckateur Johann Baptist Zimmermann. Um die Arbeiten hatte sich auch Egid Quirin Asam beworben, der allerdings nicht zum Zuge kam.
Die Aufklärung sorgte erneut für Einschnitte des klösterlichen Lebens. So wurde 1766 die Anzahl der Konventmitglieder auf 50 beschränkt, die Aufnahme neuer Mitglieder erforderte von nun an die Zustimmung des Kurfürsten. Im Jahr 1800 musste das Kloster Seligenthal über 10.000 Gulden an Steuern entrichten, damit die weltliche Herrschaft die Kosten für die Landesverteidigung decken konnte. Dadurch wurde der Verkauf von Grundbesitz und Kirchensilber erforderlich. 1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation zu Gunsten der bayerischen Landesuniversität aufgelöst, die im Jahr 1800 von Ingolstadt nach Landshut verlegt worden war. Dennoch durften die Schwestern vorerst im Kloster bleiben. Im Jahr 1820 wurde die erst 1782 eingerichtete Mädchenschule geschlossen.
Nachdem die letzten verbliebenen Schwestern sich im Juli 1833 mit der Bitte um Wiedererrichtung des Klosters an König Ludwig I. gewandt hatten, erhielten sie mit dem Münchner Weihbischof Franz Ignaz von Streber einen einflussreichen Fürsprecher, der sich persönlich beim König verwandte. Dieser ließ das Kloster Seligenthal am 4. November 1835 wieder eröffnen. Auflage dabei war es, die Mädchenschulen zur „Erziehung der weiblichen Jugend“ Landshuts wieder einzurichten. Damals lebten noch fünf Schwestern, die bereits vor der Säkularisation dem Konvent angehörten.Historische Commission bei der königl. Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Allgemeine Deutsche Biographie, Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 551–553.
1862 wurde Seligenthal Priorat, 1925 wieder Abtei. Die Abtei unternahm im Lauf ihrer jüngeren Geschichte mehrere Tochtergründungen. So wurden 1863 Nonnen nach Waldsassen (Kloster Waldsassen), 1955 nach Mönchhof (Abtei Marienkron), 1979 nach La Paz (Colegio Ave Maria) und 1999 nach Helfta (Kloster Helfta) entsandt, um dort Klöster wieder- oder neu zu errichten.
Seit 2023 leitet die Äbtissin M. Christiane Hansen die Abtei, die dieses Amt von ihren Vorgängerinnen M. Petra Articus (1999 bis 2023), M. Columba Baumgartner (1958 bis 1987; † 1. September 2007) und M. Assumpta Schenkl (1987 bis 1999; danach Priorin des Klosters Helfta in Eisleben; † 24. April 2009) übernahm.
Im Jahr 2023 lebten und arbeiteten 38 Schwestern in der Abtei. Die Schwestern unterrichten unter anderem als Lehrerinnen und Erzieherinnen in den Bildungs- und Betreuungseinrichtungen der Schulstiftung Seligenthal. Im Jahr 2007 konnte die Abtei ihr 775-jähriges Gründungsjubiläum feiern.
Im Jahr 2016 wurde eine fast 15 Jahre andauernde Sanierung der Gesamtanlage abgeschlossen, die rund 34 Millionen Euro an Kosten verursachte. Im Rahmen der Maßnahme wurden von 2004 bis 2012 für rund zwölf Millionen der historische Konvent mit dem Kreuzgang, die alten Abteigebäude und weitere Gebäude des eigentlichen Klosters renoviert. Der 1911 erbaute Zellentrakt wurde abgerissen und durch einen Neubau für weitere 8,3 Millionen Euro ersetzt. Für 11,2 Millionen wurden die Schulen auf dem Klostergelände saniert und eine neue Mehrzweckhalle erbaut. Auch das alte Gebäude des Kindergartens wurde abgerissen und von 2010 bis 2012 für weitere 2,2 Millionen Euro durch einen Neubau ersetzt.Landshuter Zeitung vom 1. Oktober 2016: „Es ist schlicht wunderbar“ – Knapp 15 Jahre, rund 34 Millionen Euro Kosten: Das Kloster Seligenthal ist generalsaniert
Abteikirche
mini|links|Chor mit Hochaltar, im Vordergrund links die Kanzel mini|Kuppelfresko Krönung Mariens von Johann Baptist Zimmermann (1734) Die im Kern spätromanische Klosterkirche Mariä Himmelfahrt wurde 1259 durch Bischof Heinrich von Chiemsee geweiht. Seit einem Umbau in den Jahren 1732/34, der nach den Plänen von Johann Baptist Gunetzrhainer durch Johann Georg Hirschstötter ausgeführt wurde, ist die Kirche ein einschiffiger Zentralbau mit kreuzförmigem Grundriss. Der streng proportionierte Innenraum wird von Tonnengewölben – teils mit Stichkappen – überspannt, die Vierung von einer flachen Kuppel. Die Gewölbeflächen sind mit Stuck und Fresken im Stil des frühen Rokoko überzogen, die von Johann Baptist Zimmermann geschaffen wurden. Von besonderem Interesse ist dabei ein Marienzyklus, der auch die von Zimmermann gemalte Patroziniumsdarstellung auf dem Hochaltarblatt einbezieht. Die Figuren an Hochaltar und Kanzel stammen von Wenzeslaus Jorhan. Das Langhaus westlich der Vierung wird von einer großen Empore überdeckt, die den Nonnenchor bildet. Von außerhalb des Klostergeländes sichtbar ist nur der schlanke barocke Turm, der 1698 seine heutige Form erhielt.Mader 1927, S. 220–230.Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal: Die Abteikirche des Klosters Seligenthal. Online auf abtei.seligenthal.de; abgerufen am 28. Oktober 2021.
Die Klosterkirche diente seit jeher auch als Begräbnisstätte der Wittelsbacher. Neben der Stifterin Ludmilla († 1240) wurden in der möglicherweise legendären „Fürstengruft“ die Herzöge Friedrich der Weise († 1393), Heinrich der Reiche († 1450), Ludwig der Reiche († 1479) und Georg der Reiche († 1503) von Bayern-Landshut bestattet. Falls diese tatsächlich existierte, wurde sie wohl im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden zerstört. Heute tritt nur noch das Grab des Herzogs Ludwig X. († 1545), des Erbauers der Landshuter Stadtresidenz, in Erscheinung. Die Grabplatte ist im Bereich der Vierung in den Boden eingelassen. Sie wurde ursprünglich von dem Renaissance-Bildhauer Loy Hering geschaffen und zeigt Ludwig X. als typischen Renaissance-Fürsten.
Preysing-Kapelle mini|hochkant=0.8|Spätrenaissance-Altar an der Ostseite der Preysing-Kapelle (1629), im oberen Teil die sogenannte „Preysing-Madonna“ (um 1300)
Die Preysing-Kapelle befindet sich neben dem westlichen der zwei Portale der Abteikirche und öffnet zu deren Langhaus mittels zweier Rundbogenarkaden. Die Kapelle wurde 1233 von dem gleichnamigen Adelsgeschlecht gestiftet, das in Altenpreysing, heute Kronwinkl, seinen Stammsitz hatte. Beim Umbau 1732/34 wurde die Kapelle durch Zusammenlegung mit der angrenzenden ehemaligen Kärgl-Kapelle vergrößert. Daher umfasst die heutige Preysing-Kapelle zwei Spätrenaissance-Altäre, die 1629 bzw. 1640 geschaffen wurden. Ersterer enthält die sogenannte „Preysing-Madonna“, eine sitzende Marienfigur mit dem bekleideten Jesuskind aus der Zeit um 1300. An den Wänden und im Pflaster sind zahlreiche Epitaphien im Stil der Spätgotik und der Renaissance für Angehörige der bayerischen Adelsgeschlechter Preysing und Kärgl angebracht. Besonders bemerkenswert sind die Epitaphien des Karl Kärgl († 1495) vom Burghauser Steinmetz Franz Sickinger und des Seligenthaler Hofmeisters Georg Kärgl († 1527) von dem Landshuter Bildschnitzer Stephan Rottaler.Mader 1927, S. 230–238.
Afrakapelle