Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der schwedischen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften. Schweden richtete die EM-Endrunde 1992 aus und nahm dadurch erstmals an einer Endrunde teil. Für die Endrunde 2000 qualifizierte sich Schweden erstmals sportlich und ist seitdem Stammgast bei der Endrunde. Schweden liegt als einzige Mannschaft mit nur sieben Teilnahmen auf dem 13. Platz der ewigen Rangliste der Endrunden.

Schweden nahm bisher siebenmal an der Europameisterschaftsendrunde teil, einmal als automatisch qualifizierter Gastgeber bei acht Teilnehmern, viermal bei 16 und zweimal bei 24 Teilnehmern. Das beste Ergebnis war die Halbfinalteilnahme als gastgebende Mannschaft 1992, im selben Jahr nahm sie erstmals an einer Endrunde teil.

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1960Frankreich nicht teilgenommen 1964Spanien nicht qualifiziert Im Viertelfinale am Titelverteidiger und späteren Vizeeuropameister UdSSR gescheitert. 1968Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Bulgarien gescheitert, das aber ebenfalls die Endrunde nicht erreichte. 1972Belgien nicht qualifiziert In der Qualifikation am Titelverteidiger Italien gescheitert, das aber ebenfalls die Endrunde nicht erreichte. 1976Jugoslawien nicht qualifiziert In der Qualifikation am späteren Gastgeber und Vierten Jugoslawien gescheitert. 1980Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation am Titelverteidiger und späteren Dritten Tschechoslowakei gescheitert. 1984Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation an Rumänien gescheitert. 1988BR Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Italien gescheitert. 1992Schweden HalbfinaleDeutschland 4. Tommy Svensson 1996England nicht qualifiziert In der Qualifikation an der Schweiz und der Türkei gescheitert. 2000Niederlande und Belgien Vorrunde Belgien, Italien, Türkei 14. Lars LagerbäckTommy Söderberg Nach Niederlagen gegen Co-Gastgeber Belgien im Eröffnungsspiel und Italien sowie einem Remis gegen die Türkei als Gruppenletzter ausgeschieden. 2004Portugal ViertelfinaleNiederlande 7. Lars LagerbäckTommy Söderberg Niederlage im Elfmeterschießen 2008Österreich und Schweiz Vorrunde Griechenland, Russland, Spanien 10. Lars Lagerbäck Nach einem Sieg gegen Titelverteidiger Griechenland, sowie Niederlagen gegen Russland und den späteren Europameister Spanien als Gruppendritter ausgeschieden 2012Polen und Ukraine Vorrunde Ukraine, England, Frankreich 12. Erik Hamrén In der Vorrunde wurden die ersten beiden Spiele gegen Co-Gastgeber Ukraine und England verloren, wodurch das Viertelfinale verpasst wurde. Das Spiel gegen Frankreich war nur noch für Frankreich relevant, der schwedische Sieg aber letztlich nur für die Platzierung Frankreichs entscheidend. 2016 Frankreich Vorrunde Irland, Italien, Belgien 20. Erik Hamrén Nach einem Remis und zwei Niederlagen als Gruppenletzter ausgeschieden. 2021Europa AchtelfinaleUkraine 10. Janne Andersson Schweden hatte sich mit der Friends Arena für drei Gruppenspiele und ein Achtel- oder Viertelfinalspiel beworben, wurde aber nicht berücksichtigt. Die Mannschaft qualifizierte sich vorzeitig als Gruppenzweiter. Bei der Endrunde treffen die Schweden auf Spanien, Polen und einen Playoff-Sieger. 2024Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Belgien und Österreich gescheitert.

Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1960 Für die Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, hatte der Svenska Fotbollförbundet seine Nationalmannschaft nicht gemeldet.

EM 1964 1964 wollte dann auch die von Lennart Nyman, dem ersten offiziellen Nationaltrainer Schwedens, trainierten Schweden teilnehmen und mussten dazu in der Vorrunde zunächst gegen den Nachbarn Norwegen antreten. Nach einem 2:0 in Oslo, bei dem Örjan Martinsson beide Tore erzielte,Norwegen 0-2 Schweden reichte ein 1:1 im Rückspiel um das Achtelfinale zu erreichen. Dort trafen sie auf Vize-Europameister Jugoslawien. Nach einem 0:0 in Belgrad wurde das Rückspiel mit 3:2 gewonnen. Im Viertelfinale war dann gegen Titelverteidiger Sowjetunion Endstation. Diesmal mussten die Schweden zuerst daheim antreten und konnten nur ein 1:1 vorlegen. Im Rückspiel verloren sie dann mit 1:3. Nyman blieb zunächst im Amt, nach der verpassten Qualifikation für die WM 1966 – durch ein 1:2 im Heimspiel gegen Deutschland – wurde er aber entlassen.

EM 1968 1968 wurden dann erstmals Qualifikationsspiele mit mehreren Vierer- und einer Dreiergruppe angesetzt. Schweden, das nun von Orvar Bergmark trainiert wurde, musste in einer Vierergruppe gegen den WM-Dritten Portugal, Bulgarien und Norwegen antreten. Zwar wurde das erste Spiel in Portugal gewonnen und im Rückspiel ein 1:1 erreicht, danach gelang aber nur noch ein Heimsieg gegen Norwegen. Alle anderen Spiele wurden verloren, wodurch es nur zum dritten Platz reichte. Gruppensieger Bulgarien scheiterte dann im Viertelfinale an Italien, das dann die Endrunde ausrichten durfte und zum bisher einzigen Mal den Titel – auch dank Losglück – gewann. Bergmark blieb zunächst im Amt und führte Schweden zur WM 1970, trat dann aber nach dem Vorrundenaus zurück.

EM 1972 In der Qualifikation für die EM-Endrunde 1972 musste Schweden, das nun von Georg Ericson trainiert wurde, dann gegen Titelverteidiger und Vize-Weltmeister Italien, Österreich und Irland antreten. Die Schweden erreichten in den sechs Spielen je zwei Siege, Remis und Niederlagen, was nur zum dritten Platz reichte. Gruppensieger Italien scheiterte dann im Viertelfinale gegen Belgien, das dann die Endrunde ausrichten durfte und dort Dritter wurde. Ericson blieb aber im Amt und führte Schweden zur WM 1974.

EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen. Schweden, das bei der WM 1974 erst in der zweiten Gruppenphase ausgeschieden war, belegte in der Qualifikationsgruppe 4 hinter Jugoslawien und den punktgleichen Nordiren vor Norwegen wieder nur Platz 3. Dabei verlor Schweden das Heimspiel gegen Nordirland, konnte dort aber gewinnen. Gegen Norwegen wurden beide Spiele gewonnen, gegen Gruppensieger Jugoslawien dagegen beide verloren. Jugoslawien erreichte dann auch die Endrunde und durfte diese ausrichten, wurde aber nur Vierter. Ericson blieb danach zunächst im Amt und führte Schweden zur WM 1978.

Endrunden mit acht Teilnehmern EM 1980 Für die Europameisterschaft in Italien, die erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen wurde, mussten die Schweden in der Qualifikation gegen Titelverteidiger Tschechoslowakei, Frankreich und Luxemburg antreten. Schweden konnte nur das Heimspiel gegen Luxemburg gewinnen und wurde erneut nur Dritter. Gruppensieger Tschechoslowakei wurde bei der Endrunde dann Dritter. Ericson trat nach der verpassten Qualifikation zurück, sein Nachfolger wurde Lars Arnesson.

EM 1984 In der Qualifikation für die Europameisterschaft in Frankreich waren Rumänien, wieder die Tschechoslowakei, Italien und Zypern die Gegner. Während die Italiener überraschend schwach waren und mit dem Ausgang nichts zu tun hatten, lieferten sich Rumänen, Schweden und die Tschechoslowaken ein bis zum letzten Spieltag offenes Rennen, das letztlich die Rumänen durch ein 1:1 in der Tschechoslowakei für sich entschieden, da sie damit einen Punkt mehr hatten als Schweden. Bei der Endrunde spielten sie dann aber keine Rolle. Arnesson blieb zunächst im Amt, nach der verpassten Qualifikation zur WM 1986 übergab er den Trainerposten aber an Olle Nordin.

EM 1988 Für die EM 1988 hatten sich auch die skandinavischen Staaten Norwegen, Schweden und Dänemark in einer Gemeinschaftsbewerbung beworben, verloren aber bei der Abstimmung über die Vergabe gegen die Bundesrepublik Deutschland. Somit musste Schweden erneut in die Qualifikation und traf dabei auf Italien, Portugal, die Schweiz und Malta. Schweden verpasste die Qualifikation durch ein 1:2 in Italien am letzten Spieltag, womit Italien als Gruppensieger zur EM fuhr und dort das Halbfinale erreichte. Nordin blieb aber im Amt und führte Schweden zur WM 1990, wurde aber nach drei Vorrundenniederlagen entlassen.

EM 1992 Bei der Wahl des Ausrichters der EM 1992 setzte sich Schweden am 17. Dezember 1988 gegen Spanien durch und war damit auch erstmals qualifiziert. Schweden nutzte die Zeit zwischen der WM und EM für 19 Freundschaftsspiele und reiste dazu sogar erstmals nach Australien. Neun Spiele konnten gewonnen werden, drei endeten remis und sieben wurden verloren, u. a. gegen Weltmeister Deutschland.

Bei der Endrunde war Schweden, das seit 1991 von Tommy Svensson trainiert wurde, dann neben Schottland der einzige Debütant. In ihrem ersten EM-Endrundenspiel trafen sie auf Frankreich, wobei Jan Eriksson das erste EM-Tor für Schweden erzielte, aber nur ein 1:1 erreicht wurde. Im zweiten Spiel gegen Dänemark, das kurzfristig für die suspendierten Jugoslawen nachnominiert wurde, gelang mit einem 1:0 der erste Sieg in einem EM-Spiel. Im letzten Gruppenspiel gegen England gerieten sie zwar bereits nach vier Minuten in Rückstand, konnten das Spiel aber in der zweiten Halbzeit drehen und mit 2:1 als Gruppensieger ins Halbfinale einziehen. Hier trafen sie auf Weltmeister Deutschland und verloren mit 2:3. Svensson blieb im Amt, führte Schweden zur WM 1994 und wurde dort überraschend Dritter.

Endrunden mit 16 Teilnehmern EM 1996 Für die EM 1996, die erstmals mit 16 Mannschaften ausgetragen wurde, mussten sich die Schweden in einer Gruppe mit der Schweiz, der Türkei, Ungarn und Island qualifizieren. Schweden gewann nur in Island und das Heimspiel gegen Ungarn. Damit reichte es nur zum dritten Platz. Gruppensieger Schweiz sowie die Türkei als Gruppenzweiter qualifizierten sich direkt erstmals für die EM-Endrunde, schieden dort aber in der Gruppenphase aus. Svensson blieb weiter im Amt, trat aber nach der verpassten Qualifikation für die WM 1998 zurück.

EM 2000 Vier Jahre später gelang dann unter Tommy Söderberg die erste sportliche Qualifikation für die EM 2000. In einer Gruppe mit England, Polen, Bulgarien und Luxemburg gewannen die Schweden sieben Spiele und gaben nur beim Remis gegen England einen Punkt ab. Damit waren sie als Gruppensieger direkt qualifiziert, England musste in die Playoffs der Gruppenzweiten. Hier wurde ihnen Schottland zugelost und nach einem 2:0 in Schottland konnte das 0:1 in London verkraftet werden, um ebenfalls die Endrunde zu erreichen.

Bei der Endrunde wurde Schweden in eine Gruppe mit Co-Gastgeber Belgien gelost und bestritt gegen die Belgier das Eröffnungsspiel. Die Schweden verloren nicht nur das Spiel mit 1:2, sondern auch Kapitän Patrik Andersson durch eine Gelb-Rote Karte. Im zweiten Spiel gegen die Türkei kamen sie nur zu einem torlosen Remis. Vor dem letzten Spiel gegen die bereits für das Viertelfinale qualifizierten Italiener bestand aber noch die Chance, mit einem Sieg das Viertelfinale zu erreichen, sofern die Türkei im Parallelspiel nicht zu hoch gegen Belgien gewann. Die Türken taten ihnen dann auch den Gefallen, aber Schweden verlor mit 1:2 gegen Italien und schied damit als Gruppenletzter aus. Söderberg blieb weiter im Amt, teilte sich aber in den folgenden Jahren die Verantwortung mit seinem vormaligen Assistenten Lars Lagerbäck. Beiden gelang es dann Schweden zur WM 2002 zu führen, wo sie im Achtelfinale durch ein Golden Goal ausschieden.

EM 2004 links|mini|Szene aus dem Viertelfinalspiel gegen die Niederlande

In der Qualifikation für die EM 2004 traf Schweden auf überraschend starke Letten sowie Polen, Ungarn und erstmals San Marino. Schweden gewann fünf Spiele, spielte zweimal remis und verlor nur das letzte Spiele gegen Lettland als die Qualifikation bereits perfekt war. Lettland wurde dadurch Zweiter und konnte sich dann in den Playoffs gegen die Türkei erstmals für ein großes Turnier qualifizieren.