mini|hochkant=1.6|Gedenktafel für jüdische Opfer in Rudolfsheim-Fünfhaus Die Liste der Erinnerungssteine in den Wiener Bezirken 14 bis 19 enthält die Erinnerungssteine und Gedenktafeln in den Wiener Gemeindebezirken Penzing, Rudolfsheim-Fünfhaus, Ottakring, Hernals, Währing und Döbling, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Verlegungen erfolgten überwiegend durch den Verein Steine der Erinnerung mit Sitz in der Leopoldstadt. Zwei Gedenksteine (einer im 15., einer im 16. Bezirk) wurden durch den Verein Steine des Gedenkens mit Sitz in Wien-Landstraße verlegt.
Konzept Das Konzept der Wiener Erinnerungs- und Gedenksteine beruht auf dem der Stolpersteine von Gunter Demnig und wird von diesem als Plagiat bezeichnet. Die hier abgebildeten Erinnerungssteine unterscheiden sich von Demnigs Stolpersteinen (a) durch ihre Größe, sie sind viermal so groß, (b) dadurch, dass sie zumeist mehrere Personen auf einem Erinnerungsstein würdigen, (c) dass sie maschinell gefertigt wurden und nicht von Hand.
Im Regelfall wurden Erinnerungssteine im Gehsteig verlegt. In drei Fällen – bei zwei Häusern im 15. Gemeindebezirk sowie bei einem im 19. – konnte die Genehmigung der Hausbesitzer erwirkt werden und es wurden Gedenktafeln an der Fassade bzw. am Eingangstor angebracht. Da der Verein Steine der Erinnerung, der die Verlegungen der Erinnerungssteine und der Wandtafeln organisierte, sich überwiegend dem Gedenken der Holocaust-Opfer widmet, erinnern alle in diesen sechs Wiener Gemeindebezirken verlegten Erinnerungssteine und Gedenktafeln an jüdische Männer und Frauen.
Die Tabellen sind teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen. Wenn Wandtafeln montiert wurden, so ist dies in der Spalte Standort in Klammern ergänzt.
14. Penzing
Bild Name Standort Verlegedatum Leben150px Lautensackgasse 5 Olga Langfelder wurde am 9. Februar 1880 in Wien als Tochter von Heinrich und Rosa Oppenheim geboren. Ihr Enkel Kurt Langfelder berichtet: Die Deportation erfolgte am 31. August 1942, die Ermordung am 4. September 1942.
Ihr Sohn Richard (1906–1980) konnte mit seiner Frau Franzi (1912–1987) und den Söhnen Harry und Kurt nach Australien emigrieren. Olga Langfelders Tochter Edith hingegen und deren Ehemann Frigyes Diamantstein starben bereits viereinhalb Monate vor ihr, sie wurden am 21. März 1942 vom NS-Regime im Ghetto Łódź ermordet. Jenny Schanzer (geboren am 20. Dezember 1886 in Wien) war die Tochter von Fanni und Louis Thewett. Sie hatte zwei Schwestern, Berta, deren Schicksal unbekannt ist, und Kamilla (geboren am 7. März 1883). Sie heiratete den Ingenieur Rudolf Schanzer und gemeinsam bekamen die beiden zwei Söhne: Walter Ludwig (1908–?) und Georg Oswald (1914–2011). Beide Söhne konnten rechtzeitig in die Vereinigten Staaten emigrieren. Beide heirateten. Walter Ludwig hatte einen Sohn. Georg Oswald wurde Hochschullehrer an der University at Buffalo und hatte zwei Söhne und zwei Töchter. Jenny Schanzer wurde am 28. Oktober 1941 gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihrer Schwester Kamilla ins Ghetto Łódź deportiert, wo alle drei ermordet wurden. Jenny Schanzer verstarb im Jahr 1943.Susanne Blumesberger, Michael Doppelhofer, Gabriele Mauthe: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Band 3: S–Z, Register. Hrsg. von der Österreichischen Nationalbibliothek. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8, S. 1187 [Eintrag über Schanzer, George Oswald] Rudolf Schanzer (geboren am 13. August 1879 in Pilsen) war der Sohn von Hermine Schanzer geb. Bondy (ca. 1852 geboren) und Josef Schanzer (1845–1910). Er hatte drei Schwestern, Louise Arnetová (1877–1942), Matilda Doppler (1884–1942) und Hedwiga Schanzer, deren Geburts- und Sterbedaten nicht bekannt sind. Da er den Titel Ingenieur führte, muss er eine technische Ausbildung absolviert haben. Er wurde gemeinsam mit seiner Frau Jenny am 28. Oktober 1941 von Wien ins Ghetto Łódź deportiert, wo er am 14. Jänner 1942 zu Tode gebracht wurde. Seine Söhne Walter Ludwig (1908–?) und Georg Oswald (1914–2011) konnten rechtzeitig in die Vereinigten Staaten emigrieren und überlebten das NS-Regime.
Es besteht Namensgleichheit mit dem Operettenlibrettisten Rudolf Schanzer (1875–1944), der in Gestapo-Haft Selbstmord verübte, und mit dem 1887 in Wien geborenen Rudolf Schanzer, der von Triest nach Auschwitz deportiert wurde und ebenfalls das NS-Regime nicht überlebte.150pxLudwig GrünbergerKienmayergasse 37
15. Rudolfsheim-Fünfhaus mini|links|Erinnerungsort Turnertempel,2011 eröffnet Die Ansiedlung von Textilfabriken in den heutigen Gemeindebezirken 12 bis 16, die damals Vororte Wiens waren, führte im frühen 19. Jahrhundert zum Zuzug von Arbeitern und Arbeiterinnen oftmals jüdischer Konfession. In der Folge entstanden eine Reihe kleinerer jüdischer Gemeinden. Als erste der vorstädtischen Gemeinden machte sich die israelitische Kultusgemeinde in Sechshaus von der Wiener Muttergemeinde unabhängig und errichtete im Jahr 1871 den Turnertempel, den dritten Synagogenbau in Wien. Sechshaus war der südlichste Bezirksteil des heutigen 15. Wiener Gemeindebezirks Rudolfsheim-Fünfhaus und eine der 89 Wiener Katastralgemeinden. Jedoch blieb die Dichte der jüdischen Bevölkerung im Vergleich zu Gesamt-Wien recht gering, das soziale Profil entsprach der Umgebung. Auch die meisten Juden und Jüdinnen dieser Bezirke waren Arbeiter und Kleingewerbetreibende.Steine der Erinnerung: Steine der Erinnerung in Rudolfsheim-Fünfhaus, abgerufen am 10. Dezember 2015.
Weitere Zentren jüdischen Lebens in diesem Gemeindebezirk waren die orthodoxe Storchschul, die 1934 zur Synagoge ausgebaut wurde und in den Jahren 1955 bis 1974 die Haschomer Hazair beherbergte, sowie das privat gestiftete Vereinshaus in der Herklotzgasse 21. Nach der Shoah entstand kein lokales jüdisches Leben mehr in den südwestlichen Vorstädten Wiens. Das Projekt Herklotzgasse 21 und die jüdischen Räume in einem Wiener Grätzel arbeitete die Geschichte der jüdischen Gemeinde auf und veröffentlichte sie in vielfältiger Weise, beispielsweise auf deren Website oder auf einer Doppel-DVD, in der zwanzig Menschen von ihrer Kindheit oder Jugend in der jüdischen Gemeinde Sechshaus erzählen.Herklotzgasse 21 und die jüdischen Räume in einem Wiener Grätzel, abgerufen am 10. Dezember 2015.