Carsilius Baier von Bellenhofen (Marsilius Beyer von Belichoven, Belhoffen, Bellerhofen) (* vor 1505; † 7. Mai 1573 vermutlich in Kreuznach) war ein pfalz-simmerischer, kurpfälzischer und badischer Oberamtmann und Rat der Vorderen Grafschaft Sponheim.
Leben Herkunft Es wurde vermutet, dass die Familie aus einem untergegangenen Ort „Bellenhofen“ bei GosselsheimWüstung beim heutigen Friedhof von Eckelsheim. stammen könnte, der allerdings als Ortsname urkundlich nicht belegt ist. Die „Beller Kirche“ 300 m südlich des Dorfes Eckelsheim hätte den alten Namen der heutigen Wüstung bewahrt.Vgl. Ludwig Knobloch: Agrar- und Verfassungsgeschichte des Wormsgaues im Mittelalter. Verlag der Stadtbibliothek, Worms 1951, S. 46. Ein in der Katharinenkirche zu Oppenheim um 1330/40 entstandenes Glasfenster mit einer Lilie (ohne Beischrift) wird entsprechend als das sonst erst später bezeugte Wappen der Baier von Bellenhofen gedeutet.So Uwe Gast, Ivo Rauch: Die mittelalterlichen Glasmalereien in Oppenheim, Rhein- und Südhessen. (Corpus vitrearum medii aevi 3/1). Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2011, S. 314, 316, 354; Fig. 260, Abb. 191. Carsilius Baiers von Bellenhofen Mutter entstammte jedoch der Nürnberger Patrizier- und Reichsforstmeister-Familie Waldstromer von Reichelsdorf.Vgl. die Wappen „BELHOFFEN, WALSTROMER, AHW, BALDECK, RIDESHEIM, HVND VO(N) SEILHEIM, ALMBSHEIM und PARTHEIM“ auf dem Grabstein seines Enkels; Eberhard J. Nikitsch: Nr. 414. Neu-Bamberg, Evang. Pfarrkirche. 1599 () und Nr. 485. Neu-Bamberg, Evang. Pfarrkirche. 1616. In: Deutsche Inschriften Online 34, Bad Kreuznach (). Etwa 30 km von Nürnberg entfernt vergaben die Herzöge Johann, Christoph und Otto II. von Pfalz-Mosbach-Neumarkt (1435–1499) zwischen 1431 und 1475 als Vögte des St. Katharinen-Klosters Nürnberg zwei Güter in „Pellenhouven“ (heute: Großbellhofen und Kleinbellhofen) bei Schnaittach in der Oberpfälzer Herrschaft Rothenberg, die von einer Familie „Beyer“ bewirtschaftet waren.Urkunden vom 19. Juni 1431, 18. Juli 1440, 16. März 1444, 24. Januar 1451, 9. Februar 1475 und 4. November 1495; Stadtarchiv Nürnberg (Rep. 6 Rst. Nürnberg: Katharinenkloster, Urkunden, Nr. 88, 104, 117, 397 und 401), 1495 abgelöst von „Phister (Pfister)“. Im benachbarten Weigensdorf begegnen 1520 Hans Beyr und seine Frau Christina.Urkunde vom 24. Februar 1520; Stadtarchiv Nürnberg (Kirchen, Urkunden 247). Eine familiäre Beziehung der „Baier von Bellenhofen“ zum Nürnberger Raum, in den sich auch Nachkommen des Carsilius Baier verheirateten, ist wahrscheinlich.
Im 16./17. Jahrhundert war die Familie Baier von Bellenhofen um Wöllstein und um Kirchberg (Hunsrück) begütert. Sie besaß unter anderem am Zehnten von Siefersheim und Wonsheim. 1560 bis 1607 verfügte die Familie über den Pfarrsatz und die Hälfte des Zehnten in Sohren einschließlich der dazugehörenden Filialen Büchenbeuren, Niederweiler, Wahlenau, Niedersohren, Lautzenhausen, Hahn, Bärenbach und Schwarzen.Vgl. W. Fabricius: Die Herrschaften, 1914, S. 45f und 118f.
Pfalz-simmerischer Rat Carsilius Baiers Eltern verfügten über wenig Vermögen. Dennoch absolvierte er ein juristisches Studium und erwarb den Doktor beider Rechte. 1526 heiratete er DrusianaName einer Christin aus Ephesus, die einer Heiligenlegende nach von dem Apostel Johannes von den Toten auferweckt wurde. Maleyss genannt Apotheker († 1529), die Witwe des ehemaligen Kreuznacher Notars, StadtschreibersVgl. Appelationsinstrument von 1512; Landesarchiv Speyer (Reichskammergerichtsprozess 2079). und TruchsessRegest vom 28. Juli 1519; Wilhelm Wattenbach (Bearb): Regesten der auf der Großherzoglichen Universitäts-Bibliothek zu Heidelberg verwahrten Urkunden-Sammlung. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 24 (1872), S. 151–224, bes. S. 221 (Google-Books). Johann Schoneck († 1519/26).
1531 wird Carsilius Baier in Kreuznach als Vormund seiner Stieftochter Margarethe Schoneck erwähnt,Urkunden vom 5. Oktober 1531 und 9. Januar 1532; Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (B 15); Stadtarchiv Worms (Abt. 159 Herrnsheimer Dalberg-Archiv (Akten/Amtsbücher), K 38 UA 265). des einzigen Kindes von Johann Schoneck und seiner Frau Trosiana (Drusiana) Apotheker aus Kreuznach. Carsilius Baier war „rechter natürlicher Vater“ der übrigen Kinder der verstorbenen Trosiana.Urkunde vom Oktober 1531; Stadtarchiv Worms (Abt. 159 Herrnsheimer Dalberg-Archiv (Akten/Amtsbücher), K 38 UA 271 und 272). 1531 gehört Baier zu den Beauftragten des Friedrich Kämmerer von Worms genannt von Dalberg (* um 1500; † 1574), die die Übergabe der von ihm von den Vormündern der Nachkommen Apotheker gekauften Freimersheimer Hofgüter „mit Hand, Mund und Halm“Vgl. Jacob Grimm: Deutsche Rechtsalterthümer. Dieterich, Göttingen 1828, bes. S. 121–130 (Google-Books). durchführten.Urkunde vom 7. Dezember 1531; Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (Bestand B 15); Stadtarchiv Worms (Abt. 159 Herrnsheimer Dalberg-Archiv (Akten/Amtsbücher), K 38 UA 260).
Carsilius Baier von Bellenhofen war Keller des Pfalzgrafen Herzog Johann II. von Simmern (1492–1557) im pfalzgräflichen Hof zu Kreuznach.Urkunde vom 9. November 1534, ausgestellt in Kreuznach; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 54S,061 Familie von Schönburg, Urkunde 656). Im Dezember 1534 nahm er als pfalz-simmerischer Rat an der Koblenzer Kreisständeversammlung teil, auf der ein Mandat gegen das Täuferreich von Münster verabschiedet wurde.Vgl. Abschied der vier Churfürsten am Rhein auch der Reynischen, Niderlandischen und Westvelischen kreys. Stenndt, Botschafften unnd Rhet, so der Monsterischen widdertauffischen handlung halber auff dem tag Lucie Anno 1534 zu Coblentz erschienen sein. O. O. o. J.. 1537 vermittelten Konrad Stumpf von Waldeck († 1544), Kurpfälzer Oberamtmann in Kreuznach, Carsilius Baier, beider Rechte Doktor, Philipp Faust von Stromberg, Nassau-Saarbrücker Amtmann in Kirchheim, und Velten Heyer d. Ä.,Velten von Heier war 1528 Landschreiber in Kreuznach; vgl. Urkunde vom 13. Juli 1528; Stadtarchiv Mainz (U / 1528 Juli 13). „herzoglicher“ (= pfalz-simmerischer)Die Pfalzgrafen bei Rhein führten als Nebenlinie der Wittelsbacher auch den Titel „Herzog in Bayern“. Amtmann in Neu-Bamberg, einen Vergleich zwischen Graf Wirich V. von Daun-Falkenstein (1473–1546) und den Einwohnern des Niedergerichts in Wöllstein in einer Auseinandersetzung über Bede und Verpflichtung zur „Atzung“.Vgl. W. Fabricius: Die Herrschaften, 1914, S. 517 Anm. 1.
Nach dem Tod des Druckers und pfalz-simmernschen Kanzlers Hieronymus Rhodler († 1539) wurde Baier am 18. März 1539 Vormund von dessen Söhnen Matthias, Peter und Franz Rhodler.Vgl. Peter Schößler: Die kurtrierische Beamtenfamilie Deungen und ihr familiäres Umfeld im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 35 (2009), S. 215–284, bes. S. 248; Epitaph von Hieronymus Rhodler aus Bamberg in der Stephanskirche Simmern.
Reichstage und Religionsgespräch Als Gesandter des Pfalzgrafen Johann II. von Simmern und Sponheim nahm Baier 1535 am Reichstag zu Worms und 1540 am Hagenauer Religionsgespräch teil.Vgl. Klaus Ganzer, Karl-Heinz zur Mühlen (Hrsg.): Akten der deutschen Reichsreligionsgespräche im 16. Jahrhundert, Bd. I Das Hagenauer Religionsgespräch (1540), Teilbd. 2. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, S. 406, 680, 755f, 888, 894 und 1031. 1542 und 1543 war Baier als „amptman zu Newenbeimburg“ Gesandter des Pfalzgrafen und des Oberrheinischen Kreises an den Reichstagen zu Nürnberg und 1545 am Reichstag zu Worms.Vgl. Aller Deß Heiligen Römischen Reichs gehaltenen Reichs-Täge, Abschiede und Satzungen … vom Jahr 1356. biß in das 1654. Johann Martin Schönwetter, Mainz 1692, S. 345 (1535), S. 413 (1543) und S. 439 (1545); Silvia Schweinzer-Burian: Der Reichstag zu Nürnberg 1542. (Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe 14). Oldenbourg, München 2010, S. 168 und S. 937. Erster Vertreter des Pfalzgrafen bei diesen Tagungen war bis 1543 Hans Beuser von Ingelheim († 1543/47), der Kreuznacher Oberamtmann.
Disibodenbergischer Vergleich, Amtmann von Neu-Bamberg 1541 war „Consiliarius“ (= Rat) Baier an den Verhandlungen des „Disibodenbergischen Vergleichs“ zwischen Pfalzgraf Johann II. von Pfalz-Simmern und Ruprecht von Pfalz-Zweibrücken-Veldenz (1506–1544) über eine mögliche Nachfolge von Ludwig V. von der Pfalz (1478–1544) in der Kurwürde beteiligt, nach dem der Ältere – Johann II. – die Kur und der andere die übrigen Erblande erhalten sollte.Urkunde vom 21. Februar 1541; Jean Dumont Baron de Carlscroon (Bearb.): Corps universel diplomatique du droit des gens, Bd. IV/2. Amsterdam 1726, S. 209f (Google-Books). Pfalzgraf Johann II. verlieh dem Dr. iur. Carsilius Beyer von Bellnhofen, pfälzischem Rat und Amtmann zu Neu-Bamberg, wegen getreuer Dienste zwei Monate später einige der durch den erbenlosen Tod des Kaspar Erlenhaupt von Saulheim († 1539) heimgefallenen Güter in der Mark Osthofen und im Dorf Selzen als Mannlehen.Urkunden vom 26. April 1541 und 8. April 1578; Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (Bestand A 5 Aktivlehen, Regesten 16/1–3).
Der Disibodenbergische Vergleich wurde durch den Heidelberger Vergleich vom 19. März 1551 zwischen den Pfalzgrafen Kurfürst Friedrich II. „der Weise“ von der Pfalz (1482–1556), Herzog Johann II. von Pfalz-Simmern und Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken (1526–1569) einvernehmlich aufgehoben.Vgl. Johann Heinrich Bachmann: Betrachtungen über die Grundfeste des Durchlauchtigsten Hauses Pfalzbaiern. Heinrich Bender, Mannheim 1780, S. 38–43 (Google-Books).
Belehnung mit Neu-Bamberg mini|Ruine der Burg Neu Baumburg|250px Graf Johann II. belehnte Baier im Einverständnis mit seinem ältesten Sohn Friedrich III. (1515–1576) unter Vorbehalt der ewigen Öffnung des Schlosses 1543 mit seinem Anteil von an Schloss, Tal und Amt Neu-Bamberg.Vgl. Joachim Ernst von Beust: Observationes militarium continuatio. Kriegs-Anmerckungen, Bd. II. Christian Mevius, Gotha 1745, S. 174 (Google-Books). Mit-Kondominatsherren waren die Grafen von Falkenstein, die ihren Anteil von an Neu-Bamberg als mainzisches Lehen innehatten.Vgl. Landesarchiv Speyer (Reichskammergerichtsprozess 272). Zur Herrschaft „Neuen-Baumburg“ gehörten Gefälle aus Wöllstein, Gumbsheim und Pleitersheim.Vgl. W. Fabricius: Die Herrschaften, 1914, S. 64 und 517. In Wöllstein besaßen die Bayer von Bellenhofen 48 Morgen Land.Vgl. Georg Friedrich Böhn: Beiträge zur Territorialgeschichte des Landkreises Alzey. (Mainzer Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte 1). Hain, Meisenheim/Glan 1958, S. 214. 1565 kauften Oberamtmann Carsilius Beyer von Bellenhofen und seine Ehefrau Appollonia von Abt Robert von Wyck († 1572) für 100 Reichstaler alle Einkünfte der Benediktinerabtei Tholey in der Gemarkung von Neu-Bamberg.Urkunde vom 8. Juni 1565; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 49 Archiv der Freiherren von Salis-Soglio, Familie von Metternich Müllenark, Urkunde 20331).
Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken als Graf von Veldenz belehnte Carsilius Beyer von Bellenhofen 1551 mit dem von Wolf von Morsheim gekauften Anteil am großen und kleinen Zehnten zu Siefersheim,Urkunde vom 7. April 1551, Meisenheim; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 54B Familien, 018 Familie Beyer von Bellenhofen, Urkunde 47). in der Folgezeit bemühte sich Beyer um einen weiteren Anteils desselben Zehnten von Niclas Schmal (Claus Schmall) († vor 1559)Vgl. Landesarchiv Speyer (Bestand B 6 Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, Lehensakten, 03.15.02 Siefersheim in Rheinhessen, Sachakte 588). aus Alzey. Im Juni 1551 wurde Carsilius Baier von Bellenhofen von einem oberrheinischen Kreistag in Worms als Vertreter der geistlichen und weltlichen Fürsten zu einem der Münzräte bestellt.Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main (Rheinische Kreishandlungen Mgb., D 31–33, Lit F, Beilage); vgl. Helmut Neuhaus: Reichsständische Repräsentationsformen im 16. Jahrhundert. (Schriften zur Verfassungsgeschichte 33). Duncker & Humblot, Berlin 1982, S. 368 Anm. 35 (Google-Books).
Oberamtmann in Kreuznach