Die Evangelische Kirche in Marggrabowa war ein verputzter Backsteinbau aus dem 17. Jahrhundert und bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg evangelisches Gotteshaus für die im Kirchspiel Marggrabowa (, umgangssprachlich auch: Oletzko, 1928–1945 Treuburg) lebenden Kirchenglieder.
Geographische Lage Die heute Olecko genannte Kreisstadt liegt im Osten der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren an der Landesstraße DK 65 (einstige deutsche Reichsstraße 132), die den Nordosten Polens von der russischen bis zur belarussischen Staatsgrenze auf einer Länge von mehr als 200 Kilometer durchzieht.
Der Standort der Kirche war auf dem früheren Marktplatz, unweit des heutigen Plac Wolności genau an der Stelle, an der eine neu errichtete, 1987 geweihte katholische Kirche steht.
Kirchengebäude Im Jahre 1552 wurden in Marggrabowa zwei amtierende Geistliche genanntFriedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 91., Grund also für die Annahme, das damals bereits eine Kirche bestandKirchen in Treuburg. Im Jahr 1646 erhielt ihr Turm eine neue Spitze, deren Errichtung – wie die Akten vermerken – der Amtshauptmann Siegfried von Wallenrodt finanziell gefördert hatte. Beim Tatareneinfall 1656 allerdings brannte die Kirche nieder, wurde jedoch baldmöglichst wieder aufgebaut.
Bei der Kirche handelte es sich um einen verputzten Backsteinbau mit dreiseitigem Schluss.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 116, Abb. 526, 527. Der Westturm war vorgesetzt. Im Jahr 1901 wurde das Gebäude grundlegend renoviert, u. a. wurde das Kirchenschiff verlängert.
Der Kircheninnenraum hatte eine flache Holzdecke. Der von 1702 stammende Altaraufsatz, der beim Umbau 1901 etwas beschädigt wurde, war eine reiche Schnitzarbeit aus der Werkstatt des Joh. Chr. Döbel, mit einer Kreuzigungsgruppe im Hauptabschluss. Das Kruzifix an der Südwand wurde als Werk ebenfalls von Döbel eingeschätzt. Die Kanzel entstand 1692. Ihre Treppe zeigte das Wappen der Familie von Lesgewang, deren Sohn Friedrich Wilhelm von 1688 bis 1695 Amtshauptmann in Marggrabowa war.
Die Orgel aus dem 17. Jahrhundert wurde 1850 umgebaut. Das Geläut der Kirche bestand aus drei Glocken, die 1776, 1807 und 1839 gegossen worden waren.
Zur Marggrabowaer Kirche gehörte ein vergoldeter Silberkelch von 1859 sowie ein Silbertablett, das 1825 von Johann Christian Thun in Königsberg (Preußen) geschaffen wurde. Beide werden heute im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg verwahrt. Auch eine Taufschale, die 1700 bis 1900 in Gebrauch war, wurde wiederentdeckt.
Kirchengemeinde Nur wenige Jahre nach Einführung der lutherischen Reformation in Ostpreußen wurde 1560 in Marggrabowa eine evangelische Kirchengemeinde gegründet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 484. Ihr Kirchenpatronat war staatlich; im Jahr 1925 zählte sie 10.000 Gemeindeglieder, die in einem 16 Orte umfassenden und weitläufigen Kirchspiel lebten. Von Anfang an taten an der evangelischen Kirche in Marggrabowa zwei Geistliche Dienst, nach 1862 zeitweise um einen Hilfsprediger ergänzt.
Die Kirchengemeinde Marggrabowa gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Oletzko/Treuburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung im Kriegszusammenhang brachten das kirchliche Leben in Marggrabowa zum Erliegen. Nur wenige evangelische Kirchenglieder leben heute in der von katholischer Bevölkerung geprägten Stadt. Sie besuchen die Gottesdienststätten in Gołdap (Goldap) bzw. Ełk (Lyck) innerhalb der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel der evangelischen Kirche Marggrabowa gehörten vor 1945 16 Orte:Alle Orte, außer Prostkergut und Stobbenorth, waren Schulorte
Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Babken Legenquell Babki Oleckie Lengowen Lengau Łęgowo Dopken Markgrafsfelde Dobki Marggrabowa (Oletzko) (ab 1928)Treuburg Olecko Dullen Duły Moosznen 1936–1938 Mooschnen Moschnen Możne Gollubien Kalkhof Golubki Olschöwen (ab 1933)Erlental Olszewo Gordeyken Gordeiken Gordejki Prostkergut Imionki Jaschken Jesken Jaśki Rosochatzken (ab 1927)Albrechtsfelde Rosochackie Krupinnen Krupin Stobbenorth (ab 1928)Stobbenort Pieńki Kukowen Reinkental Kukowo Seedranken Sedranki
Pfarrer An der Kirche in Marggrabowa amtierten bis 1945 als evangelische Geistliche: Laurentius Prostcka, 1552–1587 Johann Schenckenberg, 1588–1589 Johann Kupzau, 1589–1625 Leonhard Choinovius, bis 1594 Salomo Wannowius, 1593–1607 Paul Metellus, 1607–1631 N. Borcik, 1609–1625 Andreas Maeyer, ab 1625 Joachim Lossau, 1631–1636 Christoph Breuer, 1636–1655 Daniel Schulz, 1636–1657 Matthias Zielinski, 1657–1683 St. de Poniatowa-Poniatowski, 1658–1663 Martin Strugul, 1663 Georg Möller, 1663–1687 Georg Abramowitz, 1684–1702 Christoph Cibrowius, 1687–1702 Matthias Damanius Bielski, 1703 Gottfried Reimer, 1703–1710 Georg Mieczkowski, 1703–1710 Albert Stosnowius, 1710–1731 Michael Parschau, 1711–1725 Bernhard Barth. Olschewius, 1725–1733 Samuel Hoffmann, 1726–1754 Johann Christian Funck, 1733–1742 Johann Schultz, 1742–1757 Michael Horn. 1755–1769 Daniel Aegidii, 1757–1779 Christoph Karl Kempen, 1769–1784 Christian Jerosch, 1781–1786 Christian Albrecht Orlowius, 1784–1816 Friedrich Simon Szczepanski, 1784–1822 Carl Gottlieb Skrzeczka, 1811–1819 Karl Adam Rohmann, 1817–1822 August Friedrich Cygan, 1820–1837 Heinrich Friedrich Gizycki, 1822–1824 Johann Carl Brzoska, 1824–1835 Johann August Skrodzki, 1835–1840 Ernst August Stern, 1837–1865 Martin Friedrich Szczesny, 1841–1847 Julius Robert Stiller, 1846–1853 Alexander Kohtz, 1853–1885Angehöriger des Corps Masovia Adolf Eduard Rudloff, 1862–1864 Johann C. Hermann Gawlick, 1865–1868 Louis Schellong, 1869–1897 Franz Albert Rauch, 1885–1895 Paul Hermann Rudolf Link, 1895–1897 Leo Wilhelm Richard Bury, 1896–1898 Ernst Theodor Teschner, 1898–1921 Ernst Wilhelm Vogelreuter, 1898–1934 Hermann Rudolf Niklas, 1921–1930 Ernst Willamowski, 1930–1940 Kurt Wiele, ab 1934 Friedrich Kwiatkowski, 1939–1940 Horst Markowski, 1940–1945 Johannes Perle, 1943–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen des Kirchspiels Marggrabowa haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. 3. Auflage. Berlin 1992, S. 82.
Taufen Stadt: 1684–1754, 1775–1781, 1783–1928 Land: 1684–1754, 1775–1930 Trauungen: Stadt: 1800–1804, 1806–1905 Land: 1800–1804, 1806–1905 Begräbnisse: Stadt: 1774–1886, 1889–1891 Land: 1774–1922 Konfirmationen: Stadt: 1924–1934 Land: 1924–1934
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Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut im 17. Jahrhundert Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Kirchengebäude (lutherisch) Kategorie:Kirchengebäude der Kirchenprovinz Ostpreußen Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Ermland Kategorie:Gmina Olecko