Andrea Cavalleri (* 1969 in Pavia bei Mailand) ist ein italienischer Physiker und Direktor am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie. Er hat Pionierleistungen auf dem Gebiet der Ultrakurzzeit-Spektroskopie mit Synchrotronstrahlung an Materialien mit stark korrelierten Elektronen erbracht.

Leben Andrea Cavalleri studierte Elektrotechnik und Laserphysik an der Universität Pavia und der Universität-Gesamthochschule Essen. In Pavia machte er 1994 einen Laurea-Abschluss und wurde 1998 zum Doktor promoviert.

Von 1998 bis 2001 war er Postdoktorand bei Kent R. Wilson an der University of California, San Diego (UCSD), anschließend von 2001 bis 2005 am Lawrence Berkeley National Laboratory (LBNL). Im Jahr 2004 wechselte er an die University of Oxford, an der er 2006 Professor wurde.

Die Max-Planck-Gesellschaft ernannte ihn 2008 zum ersten Direktor der Max-Planck-Forschungsgruppe für strukturelle Dynamik an der Uni Hamburg, die 2013 zum Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie mit Cavalleri als geschäftsführendem Direktor wurde.

Cavalleri ist Professor an den Universitäten von Oxford und Hamburg.

Wirken Während der Zeit in Wilsons Gruppe in San Diego führten Cavalleri und seine Mitarbeiter Messungen zur Dynamik atomarer Strukturen in Festkörpern mit Röntgenpulsen im Femtosekundenbereich durch. Die ultrakurzen Röntgenpulse wurden durch laserproduzierte Plasmen erzeugt.

Am LBNL begann er, die Spektroskopie mit ultrakurzen Röntgenpulsen mit Terahertz-Strahlung zur Anregung vor allem von stark korrelierten Elektronensystemen zu kombinieren. Dabei war er maßgeblich an der Entwicklung der ersten wissenschaftlichen Anwendungen der „Slicing“-Technik beteiligt, mit deren Hilfe aus Synchrotronstrahlung ultrakurze, sehr intensive Röntgenpulse gewonnen werden.

Seine Arbeiten in Oxford behandelten lichtinduzierte Prozesse in Quantenmaterialien. Unter anderem gelang Cavalleris Gruppe die Demonstration lichtinduzierter Supraleitung in Cupraten.

Am Max-Planck-Institut ist der Schwerpunkt der Forschungstätigkeit der von Cavalleri geführten Gruppe die Physik stark korrelierter Systeme und von deren Steuerung durch starke elektromagnetische Transienten im Terahertz-Frequenzbereich. Zu den behandelten Themen gehören unter anderem lichtinduzierte Supraleitung, das Regeln von Magnetismus durch nichtlineare Phononik sowie die kohärente Kontrolle von Mott-Isolatoren und Ladungsdichtewellen.

Ehrungen und Auszeichnungen Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und das britische Institute of Physics (IOP) verliehen Cavalleri 2015 den Max-Born-Preis „für seine zeitaufgelösten Messungen photoinduzierter Phasenübergänge in elektronisch korrelierten Materialien“. Ebenfalls 2015 erhielt er den Dannie-Heineman-Preis der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. 2016 wurde er zum Fellow der American Association for the Advancement of Science ernannt. 2017 wurde er in die Academia Europaea aufgenommen. 2018 erhielt er den Frank-Isakson-Preis für optische Effekte in Festkörpern der American Physical Society. Für 2024 wurde Cavalleri der CMD Europhysics Prize zugesprochen, für 2026 die Stern-Gerlach-Medaille der DPG.

Publikationen (Auswahl)

Andrea Cavalleri ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Zu seinen meistzitierten Fachartikeln gehören die folgenden:

Weblinks Lebenslauf Andrea Cavalleri bei der Academia Europaea (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Physiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (University of Oxford) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Hamburg) Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft Kategorie:Fellow der American Association for the Advancement of Science Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Italiener Kategorie:Geboren 1969 Kategorie:Mann