mini|Schrumpfniere Die Schrumpfniere oder NephrozirrhoseGünter Thiele (Hrsg.): Handlexikon der Medizin, Verlag Urban & Schwarzenberg, München / Wien / Baltimore ohne Jahr , Teil IV (S–Z), S. 2194. (NierencirrhoseHerbert Volkmann (Hrsg.): Guttmanns Medizinische Terminologie, 30. Auflage, Verlag Urban & Schwarzenberg, Berlin / Wien 1941, Spalte 666.) ist der Endzustand vieler Nierenparenchymerkrankungen. Die Umwandlung von Nephronen in Binde- bzw. Narbengewebe ist in der Regel mit dem fast vollständigen Funktionsverlust des Organs verbunden. Geschieht dies einseitig, kann die andere Niere durch Hypertrophie die Funktion des ausgefallenen Organs mitübernehmen. Bei beidseitiger Schrumpfniere besteht eine Niereninsuffizienz.Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 268. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2020, ISBN 978-3-11-068325-7, S. 1596.
Ursachen Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose) führen zur primären Schrumpfniere. Entzündungen (Glomerulonephritis, Pyelonephritis u. a. chronische Nephritiden) führen zur sekundären Schrumpfniere. Chronische Bleivergiftungen können zur sogenannten akuten bleitoxischen tubulären Schrumpfniere (Bleischrumpfniere, Bleiniere, Nephritis saturnina) führen. Peter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch 2007/2008, 1. Auflage, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 1670. Sonstige Ursachen (arterielle Hypertonie, Ureterstenose etc.)
Pathologie Makroskopisch ist das Organ deutlich verkleinertMaxim Zetkin, Herbert Schaldach: Lexikon der Medizin. 16. Auflage. Ullstein Medical Verlag, Wiesbaden 1999, ISBN 3-86126-126-X, S. 1812. (Organgewicht <80 g, normal >150 g) und hat eine unregelmäßige Oberfläche durch Glomerulosklerose. Histologisch findet man in der Regel eine Verödung der Glomerula, interstitielle Fibrosen, Tubulus-Atrophien, Zysten und unregelmäßige entzündliche Infiltrate. Außerdem finden sich häufig gutartige Nierentumore.
Bereits im Mittelalter beschriebene Nierenerhärtungen (beziehungsweise in der Nierengegend fühlbare Härten) wurden von Max Höfler als NierenschrumpfungGundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 428–429 (zu nyre). gedeutet.
Differentialdiagnose Hypoplasien der Nieren können auch andere Ursachen haben. Man spricht dann von sogenannten Zwergnieren. Meistens werden sie nach Säuglingsnephritiden beobachtet. In seltenen Fällen findet man dagegen hypogenetische Herde.Friedrich Linneweh, Konrad Hugo Jarausch: Pyelonephritis im Kindesalter, in: Handbuch der inneren Medizin, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 1968, 5. Auflage, 8. Band, 2. Teil, S. 862.
Diagnostik Nierenfunktion: Abschätzen der filtrativen Nierenfunktion durch die labormedizinische Bestimmung von Harnvolumen, Harnzusammensetzung (Zellen, Proteine wie z. B. Albumin), Harnstoff, Cystatin C, Kreatinin, Kreatinin-Clearance u. a. Nierenbiopsie: Kann die Ursache der Schrumpfnierenbildung klären und durch eine dann einsetzende spezifische Therapie die Nierenrestfunktion erhalten. Bei kompletter Schrumpfniere ist eine Biopsie jedoch nicht immer sinnvoll, da die Grunderkrankung oft nicht mehr zu erkennen ist.
Komplikationen chronische Niereninsuffizienz: Überschreitet der Funktionsverlust der Nieren eine gewisse Schwelle, so reichern sich harnpflichtige Substanzen im Blut an (Urämie). Therapeutisch ist dann (als ein Nierenersatzverfahren) die Hämodialyse bzw. eine Nierentransplantation notwendig. renale Hypertonie (Bluthochdruck): Erhöhung des Blutdrucks über das so genannte Renin-Angiotensin-System (kann die operative Entfernung der Schrumpfnieren notwendig machen).
Siehe auch Glomeruläre Filtrationsrate Diurese Anurie Chronisches Nierenversagen
Ältere Literatur Joachim Frey: Hämorrhagische Nephritiden. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin / Göttingen / Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 926–951, hier: S. 945–951 (Nephrocirrhosen). Herbert Schwiegk (Hrsg.): Handbuch der inneren Medizin, Nierenkrankheiten, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 1968, 5. Auflage, 8. Band, 3 Teile, 3228 Seiten, ISBN 3-540-04152-4.
Weblinks
www-medlib.med.utah.edu/WebPath Präparat eines Harntrakts mit Schrumpfnieren Histologisches Präparat einer Schrumpfniere
Einzelnachweise
Kategorie:Krankheitsbild in der Nephrologie