mini|Festsaal im Alten Rathaus – Renaissance (2010) mini|Roßplatz – Sozialistischer Klassizismus (2014) mini|Neues Gewandhaus (links) und City-Hochhaus Leipzig (rechts) am Augustusplatz – Moderne (2006)
Die Geschichte der Architektur in Leipzig reicht vom Mittelalter bis in das 21. Jahrhundert. Zahlreiche typische Bauwerke und wertvolle Kulturdenkmale verschiedener Epochen sind noch erhalten oder wurden wieder aufgebaut. Seinen architekturgeschichtlichen Anfang nimmt Leipzig mit einigen Bauwerken im Stil der Romanik. Ein Beispiel für die gotische Architektur in Leipzig ist das spätgotische Hallengewölbe der Thomaskirche (1482/1496). In der Neuzeit wurde das Alte Rathaus im Stil der Renaissance ausgebaut. Die Stadt erlebte den Höhepunkt städtebaulicher und künstlerischer Entwicklung ab etwa 1870 bis 1914 mit Historismus, Reformarchitektur und Jugendstil. Es entstanden zahlreiche Messepaläste, Geschäftshäuser, Repräsentationsbauten wie das Reichsgericht und das Rathaus und die für die Stadt bekannten Passagen und Höfe. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Leipzig für seinen Neoklassizismus bekannt. Während der Luftangriffe auf Leipzig im Zweiten Weltkrieg wurden weite Teile der an historischen Gebäuden reichen Innenstadt zerstört. Es folgten in der Nachkriegszeit der (sozialistische) Neoklassizismus und die Moderne.
Architekturgeschichte Romanik und Gotik mini|hochkant|Stadtsiegel von Leipzig 13. Jhdt. Umschrift: „Sigillum Burgensium de Lipzk“ Leipzig entstand auf dem Gelände des Matthäikirchhof als „urbs LIPSK“Sofern nicht anders ausgewiesen, folgt das Kapitel Romanik (11./12. Jhdt.) dem Werk von Hocquél, S. 16. (slawisch: Lipa = deutsch Linde) um 929. Die Burg urbs LIBZI wurde erstmals 1015 in der Chronik des Merseburger Bischofs Thietmar erwähnt. Der Leipziger Kunsthistoriker Herbert Küas hat in den Jahren von 1950 bis 1956 dort geforscht. 1217 wurde die Burg zerstört, an dieser Stelle entstand 1253 das spätere Leipziger Barfüßerkloster. Die ältesten Kirchen St. Nikolai (1165) und St. Thomas (1212) sind romanischen Ursprungs. Im 13. Jahrhundert entstanden das Kloster St. Thomas und das Kloster St. Georg. Nach einer romanischen, um 1233 geweihten Katharinenkapelle wurde die spätere Katharinenstraße benannt. Aus dem um 1230 gegründeten Dominikanerkloster entstand die spätere Universitätskirche St. Pauli. Die Petersstraße wurde ebenfalls nach der romanischen Kapelle St. Petri benannt.
Im 13. JahrhundertSofern nicht anders ausgewiesen, folgt das Kapitel Romanik (11./12. Jhdt.) ab hier dem Werk von Hocquél, S. 20f. gab es vier Burgen, wovon nur die Pleißenburg als markgräfliches Schloss erhalten blieb. 1270 gab es ein Ratskollegium bestehend aus zwölf Ratsmannen. Diese unterstanden einem markgräflichen Schultheißen aus der Pleißenburg.
Bedeutende romanische Bauwerke in Leipzig sind oder waren:Weinkauf/Schneider, S. 5, 20, 22, 24, 26. Die Andreaskapelle Knautnaundorf zählt zu den ältesten Gebäuden in Sachsen, die Kapelle wurde um 1100 erbaut. Die ursprüngliche romanische Rundkapelle mit halbrunder Apsis wurde nach dem Vorbild der Rundkapelle erbaut, die Wiprecht von Groitzsch für seine Gemahlin auf der Stammburg Groitzsch errichten ließ. Ende des 15. Jahrhunderts wurde die halbrunde Apsis der Rotunde abgebrochen. 1720 wurde auf den romanischen, runden Turm ein barocker Oktogon aufgesetzt.Weinkauf/Schneider, S. 20. Die Kirche in Leipzig-Thekla wurde im 12. Jahrhundert als massiver Bau aus Bruchsteinmauerwerk – bestehend aus einem rechteckigen Kirchenschiff mit einem rechteckigen Ostchor – erbaut. Im Westen steht ein rechteckiger Turm.Weinkauf/Schneider, S. 22f. Die Grundmauern, Wände des Kirchenschiffs und des Chors sowie das Portal der Gnadenkirche an der Rittergutstraße 2 in Wahren stammen aus dem 12. Jahrhundert. Ebenso der Taufstein und das Türblatt.Weinkauf/Schneider, S. 24. Die Leipziger Nikolaikirche war ursprünglich eine romanische, dreischiffige Basilika. Von der Basilika sind noch Reste des Mauerwerks und das Westwerk mit den beiden Ecktürmen erhalten. Von 1784 bis 1797 wurde das Gebäude im Stil des Klassizismus nach Entwürfen von Dauthe umgebaut.Weinkauf/Schneider, S. 26.
Die bedeutende gotische Thomaskirche entstand von 1482 bis 1496 auf den Resten eines romanischen Vorgängerbaus als spätgotischer Hallenbau. Das Langhaus zeigt noch das ursprüngliche gotische Kreuzrippengewölbe mit vermutlich rekonstruierter Farbgebung aus dem 15. Jahrhundert. Die Fassade stammt aus dem Historismus (1877–1889).Weinkauf/Schneider, S. 28.
Leipziger Messe und Renaissance mini|hochkant|Bogensteine des Alten Rathauses (1949)
Um 1500 hatte Leipzig etwa 7.000 bis 8.000 Einwohner aufzuweisen, war aber nicht so bedeutend wie Erfurt, das zur gleichen Zeit 13.000 Einwohner hatte. Durch kaiserliche Messeprivilegien wurde die Leipziger Messe im Jahre 1497 und 1507 zur Reichsmesse erhoben. Die Bestimmungen des Leipziger Messeprivilegs gingen insbesondere zulasten anderer regionaler Handelszentren wie Erfurt, Halle und Magdeburg, weil das Privileg von 1507 besagte, dass im Umkreis von 112 km um Leipzig keine Messe, kein Jahrmarkt und kein Geschäft und Verkauf gehalten werden durfte – zuerst war die Leipziger Messe aufzusuchen und zuvor waren in Leipzig alle Waren anzubieten. Damit waren Messen in Erfurt, Halle und Magdeburg untersagt. Leipzig entwickelte sich damit zu einem überregional bedeutenden Handelsplatz im mitteldeutschen Raum.
Für den Handel wurden Gebäude wie das Rathaus, das Zeughaus, die Ratswaage, der Marstall und das Kornhaus im Stil der Renaissance erbaut, die in Sachsen als Sächsische Renaissance eine Blüte erlebte. Hieronymus Lotter gab 1556/1557 dem Alten Rathaus seine heutige Fassade. Der „Leipziger Erker“Sofern nicht anders ausgewiesen, folgt das Kapitel Renaissance (15./16. Jhdt.) dem Werk von Hocquél, S. 22f. hat seit dem 16. Jahrhundert in Leipzig eine ganz eigene Tradition. Der erste Steinerker entstand 1523 am Haus Zur goldenen Schlange. Diese Art von „Erker fanden zunehmend Verbreitung“.Hocquél, S. 23. Der Kunsthistoriker Wolfgang Haubenreißer bemerkt, dass vor allem die Renaissanceerker von Hieronymus Lotter die übrigen Hausbesitzer beeinflussten. Lotters Werke sind die eingeschossigen Kastenerker von 1556 am Alten Rathaus, der Pappenheimerker im Hof der Pleißenburg und der zweigeschossige Eckerker an Lotters Wohnhaus von 1550 in der Katharinenstraße 26.
Bedeutende Bauwerke der Renaissance in Leipzig sind oder waren:Weinkauf/Schneider, S. 5, 30, 32, 34, 36, 38. Alte Nikolaischule, erbaut 1597. Die bemalte Holzdecke im Eingangsbereich des Hauses, das Stadtwappen über der Tür und das Türgewände aus Rochlitzer Porphyrtuff sind aus der Renaissance und dem 16. Jahrhundert.Weinkauf/Schneider, S. 30. Moritzbastei. Ein zweiflügeliger Bau, auf fünfeckigem Grundriss, erbaut von Hieronymus Lotter von 1551 bis 1554.Weinkauf/Schneider, S. 34f. Ratswaage, erbaut von Hieronymus Lotter 1555. Im Haus befand sich die Waage. Leipzig erhielt 1507 das Wiegerecht und wog und verzollte alle Waren im Gebäude der Alten Waage.Weinkauf/Schneider, S. 36f. Altes Rathaus, erbaut von Hieronymus Lotter 1556.Weinkauf/Schneider, S. 38f.
Sofern nicht anders ausgewiesen, folgt das Kapitel Leipziger Messe und Renaissance (15/16. Jhdt.) dem Werk von Hocquél, S. 20f.
Leipziger Bürgerhäuser und Erker des Barock mini|hochkant|Torgauer Erker diente als Vorbild für den Leipziger Fürstenerker (2009) mini|hochkant|Leipziger Fürstenerker (2013)
Nach dem Dreißigjährigen Krieg erreichte Leipzig als Messestadt eine führende Rolle in Mitteleuropa und durch eigene Handelsverbindungen in alle Richtungen entwickelte sie sich zu einem der wichtigsten Handelsplätze Europas. Mit dem Bau der Leipziger Börse begann der Barock und erfuhr in dieser Stadt eine eigenständige, bürgerliche Ausprägung. Die Leipziger Katharinenstraße, der Leipziger Marktplatz und die Leipziger Petersstraße entwickelten sich zu Orten mit bürgerlichen, viergeschossigen Prachtbauten mit mehrgeschossigen, schmuckvoll dekorierten Kastenerkern. Da Leipzig im Buchdruck wie im Buchhandel führend war, wurde Leipzig zugleich Umschlagplatz fortschrittlicher Ideen. Außerhalb der Stadtmauern, ungehindert von Zunftschranken, entstanden zahlreiche Manufakturproduktionen, die den Beginn der industriellen Entwicklung Leipzigs einleiteten. Messe und Manufakturen wurden von Großunternehmern, die zugleich Bankiers waren, betrieben, die aus Süd- und Westdeutschland nach Leipzig zugewandert waren. Der erworbene Profit wurde sogleich in barocken Gebäuden angelegt.Weinkauf/Schneider, S. 13.
Der „Leipziger Erker des Barock“Sofern nicht anders ausgewiesen, folgt das Kapitel Barock (17./18. Jhdt.) dem Werk von Hocquél, S. 22f. wurde durch den zweigeschossigen Eckerker am Wohnhaus von Hieronymus Lotter von 1550 in der Katharinenstraße 26 beeinflusst. So korrespondierte der zweigeschossige Eckerker des Romanushauses an der Katharinenstraße 23 mit dem Erker des Wohnhauses von Hieronymus Lotter. Ein „wichtiges Bindeglied zwischen den Leipziger Erkern der Renaissance und denen des Barock“ war der Erker des Hauses Hainstraße 3, genannt Webers Hof. Der Erker von 1662 ist zweigeschossig und zeigt Schmuckwerk aus dem Frühbarock: Festons, Putti, Füllhörner. Der Erker von Paul Wiedemann am Fürstenhaus bestehend aus Rochlitzer Porphyrtuff wurde durch das Torgauer Schloss Hartenfels (Johann-Friedrich-Bau) von 1533–1536 beeinflusst. „Eine Leipziger Sonderform des ausgehenden 17. Jahrhunderts“Hocquél, S. 24. sind die Kastenerker an der Hainstraße 8 und im Hof des Messehauses Stentzlers Hof in der Petersstraße 39 bis 41. Diese Erker sind „überreich mit vegetabilem Schmuckwerk“ dekoriert. Der Kastenerker von Hainstraße 8 wurde so beschrieben: „Die Stuckarbeiten, florales Rankenwerk und ein Blumengirlanden haltender Löwenkopf, zeugen noch heute von der außerordentlichen Qualität damaliger Handwerksarbeit“.Weinkauf/Schneider, S. 32.
Bedeutende Bauwerke des Barock in Leipzig sind oder waren:Weinkauf/Schneider, S. 5, 40, 42, 44, 46, 48, 50, 52, 54, 56, 58, 60, 62. Webers Hof, Hainstraße 3. Christian Richter gestaltete das Haus 1662 im Stil des Barock. Besonders aufwändig der zweistöckige Erker: „Dieser … Kastenerker … ist der älteste in Leipzig erhaltene, wenn nicht gar der erste überhaupt erbaute Erker“.Weinkauf/Schneider, S. 42. Alte Handelsbörse (1687). „Zu diesem Zeitpunkt dürfte man ihr noch nicht angesehen haben, dass hier Leipzigs erstes Bauwerk in einem ganz neuen Baustil entstand, der sich von den bislang üblichen geometrisch streng gefügten, am antiken Vorbild orientierten Formen stark unterschied. Erst als die lichte Fassade, verziert mit dekorativen Blumen- und Früchtegirlanden, vollendet war, zeigte sich die neue barocke Pracht“. Das Bauwerk von Johann Georg Starcke war das erste barocke Gebäude Leipzigs.Weinkauf/Schneider, S. 44 Der Großbosische Garten (ab 1680/1692): Dieser wurde nach Entwürfen von Leonhard Christoph Sturm geschaffen. Sturm war ein anderer Barockkünstler, der nach Leipzig berufen und von Georg Bose protegiert wurde.vgl. Gurlitt, S. 474. mini|hochkant|Hainstraße 15, erbaut von 1693 bis 1695 Hainstraße 15, erbaut von Wolfgang Bachmann von 1693 bis 1695. Das Fachwerkhaus ist zwei Fensterachsen breit. Über die gesamte Fassadenbreite erstreckt sich ein schmuckloser, hölzerner, zweigeschossiger Kastenerker. Nikolaus Pevsner beschreibt dies als beabsichtigte Neuerung, um sich von den schmuckvollen Erkern der benachbarten Häuser durch „Einfachheit, Nüchternheit und Schmucklosigkeit“Weinkauf/Schneider, S. 59. abzusetzen. Romanushaus an der Katharinenstraße 23, erbaut von 1701 bis 1704 durch Johann Gregor Fuchs.Weinkauf/Schneider, S. 46f.