mini|hochkant=1.3|Westriegel des Mindener Doms

Der Mindener Dom St. Gorgonius und St. Petrus Apostel ist eine römisch-katholische Propsteikirche in der ostwestfälischen Stadt Minden in Nordrhein-Westfalen. Ihre Dompropsteigemeinde gehört zum Pastoralverbund Mindener-Land des Erzbistums Paderborn.

Der Mindener Dom war die Bischofskirche des um 800 von Karl dem Großen in Minden gegründeten Bistums Minden. Die katholische Diözese näherte sich bereits Mitte des 16. Jahrhunderts in der Reformation dem Protestantismus an. Mit dem Westfälischen Frieden 1648 wurde die Diözese de facto aufgehoben, ebenso wie das aus der Diözese als geistliches Territorium entstandene Hochstift Minden. Nach Aufhebung des Bistums erhielt der Dom den Status einer römisch-katholischen Pfarrkirche, die 1859 zur Propsteikirche erhoben wurde. Heute gehört er zum Erzbistum Paderborn.

Im Laufe der Jahrhunderte wuchs der Dom baugeschichtlich von einer einfachen Saalkirche über eine karolingisch-romanische Basilika mit monumentalem Westwerk zur heutigen gotischen Hallenkirche mit romanischem Westriegel. Das lichtvolle, hochgotische Langhaus und seine großen Maßwerkfenster waren stilprägend für eine Reihe späterer Kirchenbauten. Fast 600 Jahre lang blieb der Mindener Dom so gut wie unverändert, bis er im Zweiten Weltkrieg bei einer Bombardierung der Altstadt am 28. März 1945 beinahe völlig zerstört wurde. In den Jahren 1946–1957 wurde er unter der Leitung von Dompropst Josef Parensen und des Architekten Werner March wieder aufgebaut.

Zu den wertvollsten Kunstschätzen des Doms gehören das romanische Mindener Kreuz aus dem frühen 12. Jahrhundert und eine Nachbildung der Goldenen Tafel; ihr Original besitzt die Berliner Skulpturensammlung. 1168 traute Bischof Werner von Bückeburg Heinrich den Löwen und Mathilde von England im Mindener Dom.

Lage mini|Die Domfreiheit und die Lage des Doms in Minden

Der Dom liegt in der unteren Altstadt von Minden. In der Zeit des Bistums Minden befand sich die Stadt in einer südwestlichen Randlage des Bistums, das sich im Nordosten bis in die Lüneburger Heide erstreckte. Im 90-Kilometer-Radius um Minden lagen zu dieser Zeit die Bischofskirchen der angrenzenden katholischen Diözesen Verden und Bremen im Norden, Paderborn im Süden, Osnabrück im Westen und Hildesheim im Osten.

Der Mindener Dom wurde auf der westlichen Uferterrasse der Weser nahe einer alten Furt, dem einzigen günstigen Flussübergang nördlich der Mittelgebirge bis Bremen, errichtet. Die Uferterrasse ist eine natürliche schildartige Erhebung, die die Umgebung um gut vier Meter überragt. Zusammen mit der Johannisfreiheit, dem späteren Wichgrafenhof, dem Deichhof sowie der angrenzenden Bebauung von Markt, Scharn und Bäckerstraße bildete die Domfreiheit den größten Teil der hochwassergefährdeten Unterstadt. Diese war zunächst durch Wälle und Gräben gegen die Weser, aber auch gegen die Stadt abgegrenzt und wurde im späten 12. Jahrhundert durch die Stadtmauer befestigt. Die Befestigung der Domfreiheit bot Schutz gegen die regelmäßigen Überflutungen; dennoch soll beim Magdalenenhochwasser 1342 sowie am 10. Februar 1375 die Weser auch in den Dom geflossen sein.

Die Mindener Domburg reichte mit einer Fläche von etwa 250 × 170 Metern annähernd an die Anlagen in Paderborn und Münster heran. Auf der Domfreiheit wurden ab dem 11. Jahrhundert weitere kirchliche Bauwerke errichtet. Erbaut wurden unter anderem Kurienhäuser und der Bischofspalast. Das Areal der Domfreiheit glich damit der städtischen Bebauung der Stadt Minden. Die ehemalige Grenze der Domimmunität ist heute städtebaulich kaum mehr erkennbar.

Die an den Dom grenzenden Plätze werden als Kleiner und Großer Domhof bezeichnet. Der Kleine Domhof liegt vor dem Westriegel des Doms. Er ist der Vorplatz zum Haupteingang des Doms im räumlichen Abstand zur Stadt. An der Westseite des Kleinen Domhofs steht das Alte Rathaus, an der Nordseite der Rathausneubau des Architekten Harald Deilmann von 1978 und an der Südseite das Haus am Dom, in dem der Domschatz ausgestellt wird. Nördlich des Doms liegt der größte innerstädtische Platz der Stadt Minden, der Große Domhof. Er schließt sich mit seinem östlichen Ausläufer an den Chor des Doms an. Das jetzt verschlossene Bischofsportal war einst der Zugang zum Dom vom Großen Domhof aus. An der Westseite des Platzes steht die Alte Regierung des preußischen Regierungsbezirks Minden, deren Vorgängerbau der Bischofshof war. An der östlichen Seite des Platzes stehen zwei restaurierte Kurienhäuser. Eines davon beherbergt heute die Dompropstei. Südlich schließt sich das ehemalige Domkloster mit dem Klosterhof (Kreuzhof) an den Dom an. Der für westfälische Sakralbauten ungewöhnliche zweistöckige Kreuzgang mit Ost- und Südflügel entstand 1140.

Funktionen des Gebäudes Der Kirchenbau war bis 1648 die Bischofskirche des um 800 entstandenen Bistums Minden. Mit der Reformation näherten sich die Mindener Bischöfe Mitte des 16. Jahrhunderts der lutherischen Lehre an. Zwar kam mit Franz Wilhelm von Wartenberg 1631 erneut ein entschieden katholischer Bischof auf den Mindener Thron, im Westfälischen Frieden wurde aber 1648 Minden endgültig protestantisch. Am 24. Oktober 1648 wurde das Bistum praktisch aufgelöst, und das Hochstift Minden fiel als Fürstentum Minden an Brandenburg-Preußen. Das Territorium und große Teile des Vermögens des Bistums fielen an den weltlichen Herrscher Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Im Dom blieb jedoch der Bischofsstuhl zunächst stehen; formal löste die katholische Kirche das Bistum endgültig erst 1821 auf. Der Dom war weiterhin Stiftskirche des Domkapitels, in das nun auch Protestanten Einzug hielten. Im Dom wurde Gottesdienst aber ausschließlich nach römisch-katholischem Ritus gefeiert. Haupt der katholischen Domgemeinde war der Domprediger. Der Abt des Klosters Huysburg hatte das Vorschlagsrecht für die Besetzung der Dompredigerstelle, weshalb die meisten Domprediger Mönche des Klosters Huysburg waren. Sie mussten vor Antritt der Stelle eine Probepredigt halten.

1803 wurden infolge des Reichsdeputationshauptschlusses zahlreiche Stifte in der Region aufgehoben, so auch 1810 in der napoleonischen Ära das Domkapitel. Infolge dieser Säkularisation ist das Land Nordrhein-Westfalen heute Patronatsträger für den Mindener Dom. 1821 hob Pius VII. das Bistum Minden auch kirchenrechtlich endgültig auf. Spätestens seit 1821 war der Dom nur noch einfache katholische Pfarrkirche im Erzbistum Paderborn. Im Sprachgebrauch wurde das Gebäude jedoch auch nach 1821 wegen seiner (geschichtlichen) Bedeutung und Größe als Dom bezeichnet. 1859 wurde der Dom zur römisch-katholischen Propstei erhoben. Der leitende Domgemeindepfarrer trägt seitdem den Titel Propst.

Im Dom wird täglich die heilige Messe gefeiert. In das ehemalige Domkloster, das mit dem Dom über den Kreuzgang verbunden ist, zog das Pflege- und Altenheim St.-Michaels-Haus ein. In der Kapelle, die zum Dom gehört, wird monatlich ein evangelischer Gottesdienst gehalten. Auf dem westlich vorgelagerten Kleinen Domhof finden in den Sommermonaten Musikveranstaltungen statt, die das Westwerk des Doms häufig mit in das Lichtkonzept einbinden. Der Dom wird auch für Weihnachtskonzerte genutzt. Mit über 1000 Plätzen gehört er zu den größeren Veranstaltungsräumen in Minden.

Grundriss sowie Übersicht über die Gebäudeteile und die Ausstattung

mini|Grundriss

Gebäudeteile:

Ausstattung: 1 Chorfenster, Verglasung 1957 2 Goldene Tafel, 2002 3 Choraltar (Volksaltar), 1972 teilw. 1170 4 Mindener Heiligenfenster,um 1300, Verglasung 1957 5 Heilig-Geist-Altar, 1622 6 Chorschranke, 1994 7 Matthiasaltar, 1500 8 Statue Joseph mit Jesuskind 9 Grabstein desJohannes Hendricus von Vincke, nach 1670 10 Bischofsportal mit thronender Madonna(außen Kopie, innen Original), 1270 11 Fensterrose, um 1300, Verglasung 1957 12 Mindener Kreuz (Kopie), Original 1070 13 Vierungsaltar (Volksaltar), 1974 14 Apostelfries, 1260 15 Zugang zur Sakristei und zum Kreuzgang, 114016 Grabstein des Propstes Thomas von Halle, nach 153517 Querhausorgel, 200118 Ambo, 197419 Statue Hl. Antonius20 Epitaph des Eberhard von Mallinckrodt, 162221 Sakramentshäuschen, teilweise 129022 Epitaph des Freiherrn Hueber von Maur,Mitglied des Domkapitels, 178223 Emerentiagruppe, 152024 Traubenmadonna, 145025 Malerei am Vierungspfeiler (Maria und Heilige), 129026 Bronzestatue der Pauline von Mallinckrodt27 Baldachin, darunterStatue Kaiser Heinrich VI., 127028 Altartafelbild, 149029 Kreuzhof mit Kruzifix und Begräbnisstätten an der Südwand30 Baldachin, darunterStatue Bischof Thietmar, 127031 Madonnentorso, 126532 Skulptur Kreuzweg, 196033 Taufstein, 1957/199934 Epitaph des Herbord von Langen, 162835 Holzkruzifix (Das handliche Kreuz)36 Hauptorgel, 1996 vor Kaiserloge, 115037 Aufgang Westriegel, 952/115038 Epitaph des Hieronymus Grapendorf, 162239 Jungfrauenportal, um 1270–128040 Pietà (=Vesperbild), 142041 Innenportal (952) mit Petrusfigur (1300),Türzieher in Löwenkopfform (um 1225) und Statuen von Ecclesia und Synagoge, 127042 Relief (Daten des Wiederaufbaus des Domes)43 Relief (Eckdaten der Dombaugeschichte)44 Außenportal, 1957

Baugeschichte Der karolingische Dom In den Sachsenkriegen gelang den christlichen Franken um 800 die Unterwerfung der Sachsen. Im Zuge ihrer Christianisierung entstanden in den sächsischen Siedlungsgebieten christliche Missionszentren. Beispiele sind Münster, Corvey, Paderborn, Herford und Minden. 799 gründete Karl der Große ein Domstift in Minden und vermutlich um oder kurz nach 805 das Bistum Minden. Es entstand zunächst eine einfache, turmlose Saalkirche, bestehend aus einem schlichten Saal und einem quadratischen, flachen Kastenchor. Diese karolingische Bauform war typisch für die in Westfalen nach der Sachsenmission gebauten Kirchen wie zum Beispiel in Paderborn. Der Bau wurde über einer Brunnenanlage, vermutlich einem vorchristlich-sächsischen Brunnenheiligtum, errichtet. Diese Brunnenanlage wurde bei den Grabungen 1936 bis 1949 unterhalb der Vierung freigelegt und enthielt noch Wasser. Bei Grabungen im 20. Jahrhundert stellte sich heraus, dass dieser erste Dombau die Lage der Vierung und die Ausrichtung des Mittelschiffes des heutigen Dombaus bestimmte. Im Gegensatz zum heutigen Dom besaß dieser Bau wahrscheinlich eine Außenkrypta von nicht mehr bekannter Größe, etwa an der Stelle der heutigen Sakristei. Der karolingische Dom wurde 947 durch eine Brandkatastrophe zerstört.

Der spätkarolingisch-ottonische Dom 952 wurde der Nachfolgebau des karolingischen Doms, eine dreischiffige, flachgedeckte Basilika, fertiggestellt. Die Seitenschiffe waren sehr schmal im Vergleich zum breiten Mittelschiff; das Breitenverhältnis zum Mittelschiff war 1 : 4. Das Querhaus konnte vermutlich vom karolingischen Vorgängerbau übernommen werden.Beschreibung am Modell des Sigbert-Domes Außerdem wurde zum ersten Mal ein dreitürmiges Westwerk integriert. Dieses Westwerk war vermutlich als Raum für den Kaiser oder König gedacht, der dort auf einer in das Langhaus hineinragenden Empore an den Gottesdiensten teilnehmen konnte. Wenn diese Vermutung zutrifft, bestätigt das Westwerk des Mindener Doms die überregionale Bedeutung der Mindener Bischofskirche als Residenzort des Kaisers. Besuche des Kaisers in Minden lassen sich für diese Zeit nachweisen. Die beiden Seitentürme des Westwerks flankierten eine offene, tonnengewölbte Vorhalle. Eine Emporenanlage überspannte diesen Bereich. Der Nordturm war, im Gegensatz zu dem die Treppenanlage tragenden Südturm, in mehrere Etagen unterteilt und besaß einen Zugang vom nördlich angrenzenden Bischofshof. Damit war der Zutritt zum Dom von dort aus gewährleistet. Das mittlere Quadrum (Quadrat) des Westwerks war von einem dritten Turm überbaut. Die niedrigen seitlichen Treppentürme des heutigen Westriegels stammen noch aus dieser Bauphase.