St. Peter und Paul ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Bonndorf im Schwarzwald im baden-württembergischen Landkreis Waldshut. Die von Josef Berckmüller im von Heinrich Hübsch geprägten Rundbogenstil erbaute dreischiffige Pseudobasilika mit Fassadenturm und dreiseitig geschlossenem Chor ersetzte die 1842 niedergebrannte Klosterkirche an einem neuen Standort.Dagmar Zimdars u. a. (Bearb.): Baden-Württemberg II. Die Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen (Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler). Deutscher Kunstverlag, München 1997, ISBN 3-422-03030-1, S. 113–114. Nach mehreren Planänderungen dauerte die Fertigstellung bis zum Jahr 1850. Die Kirchengemeinde war jedoch mit der Ausstattung unzufrieden,Spitzbart, S. 148. bis die Kirche ungefähr zwischen 1893 und 1900 von Franz Joseph Simmler grundlegend renoviert und ausgemalt wurde. Dieser Zustand des Kircheninneren wurde zwischen 1972 und 1974 restauriert.

Zusammen mit ihren Filialen Ebnet, Wellendingen und WittlekofenErzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br. (Hrsg.): Realschematismus der Erzdiözese Freiburg i. Br. Badenia, Karlsruhe 2001, S. 868. gehört die Pfarrgemeinde zur Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach im Dekanat Waldshut der Erzdiözese Freiburg. Zum 1. Januar 2026 wurde die Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach mit weiteren sieben Seelsorgeeinheiten unter der Pfarrei Mariä Himmelfahrt – Waldshut-Tiengen zur neuen Großpfarrei „An der Wutach“ zusammengefasst. mini|St. Peter und Paul vom Philosophenweg aus mini|St. Peter und Paul von Nordwest mini|St. Peter und Paul von Südwest

Pfarreigeschichte mini|Kirche St. Peter und Paul mit ehemaligem Paulinerkloster um 1815 (im 20. Jahrhundert aus einer Zeichnung von Josef Köpfer abgemalt und vom Künstler nach eigenen Vorstellungen vervollständigt) Der Ort wurde erstmals im Jahr 800 als „Pondorf“ erwähnt, die Pfarrei erst mit der Nennung eines Plebans 1223. Ende des 14. Jahrhunderts war die Pfarrei verwaist. 1402 gründete Rudolf von Wolfurt zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth von Krenkingen unter ausdrücklicher Zustimmung ihres Sohnes Wolf und des Schultheißen sowie des Rates ein Paulinerkloster, dem er die Pfarrkirche als Klosterkirche zur Inkorporation überließ. Die Pauliner stellten seitdem die Pfarrer. 1731 ist von einer Neuaufrichtung der Gebäude die Rede, bei der das Kloster St. Blasien, in dessen Besitz sich die Reichsherrschaft Bonndorf seit 1612 befand, Holz lieferte.Hermann Schmid: Das Pauliner-Kloster in Bonndorf (1402–1807). In: Schwarzwaldverein Bonndorf (Hrsg.): 100 Jahre Schwarzwaldverein Bonndorf. Bonndorf 1985, S. 17 f.

Mit der Säkularisation der kirchlichen Besitztümer 1806 kam Bonndorf zum Großherzogtum Baden und 1807 endete nach über 400 Jahren die Geschichte des Paulinerklosters. Die Klosterkirche wurde wieder Pfarrkirche, die Baupflicht ging auf das Großherzogtum über. Kirchlich kam Bonndorf 1821 vom Bistum Konstanz zum Erzbistum Freiburg.Hermann Schmid: Das Pauliner-Kloster in Bonndorf (1402–1807). In: Schwarzwaldverein Bonndorf (Hrsg.): 100 Jahre Schwarzwaldverein Bonndorf. Bonndorf 1985, S. 22 f.

Am Abend des 18. Juli 1842 brach in der Wohnung des Kirchenfondsverwalters ein Brand aus. Auch wenn eine windstille Nacht das Übergreifen des Feuers auf weitere Gebäude verhinderte, wurden sieben Privathäuser inklusive Scheunen und Stallungen, das Pfarrhaus sowie die ehemalige Klosterkirche zerstört.

Baugeschichte Nach der Säkularisation lag die Baupflicht beim Großherzogtum. Aus der Zeit um 1840 gab es einen Plan für eine neue Pfarrkirche am bisherigen Standort, der jedoch nach dem Brand nicht zur Ausführung kam. Stattdessen entwarf der Karlsruher Bauinspektor Friedrich Theodor Fischer einen neuen Plan, der im April 1844 genehmigt wurde. Die zuständige Bezirksbauinspektion Donaueschingen sah als örtlichen Bauleiter den Dienstverweser Georg Steinwarz vor. Nach einer Vorab-Beschwerde über ihn und seinen Gehilfen seitens der Bonndorfer sowie der Bitte nach einer Ausnahme in der Wahl der Bauleitung löste die Badische Hofdomänenkammer das Bauprojekt im Mai 1844 aus dem Zuständigkeitsbereich der Bezirksbauinspektion Donaueschingen heraus und übertrug es Josef Berckmüller, einem der begabtesten SchülerWörner und Wörner 1975, S. 130. Friedrich Weinbrenners. Der damalige Privatarchitekt und BaupraktikantGroßherzoglich Badisches Regierungs-Blatt Nr. 1, Karlsruhe, den 17. Januar 1845, Berckmüller behielt sich vor, die Pläne des Vorgängers abändern zu dürfen.Spitzbart, S. 143. Seine überarbeiteten Pläne wurden bereits am 17. Juli 1844 dem katholischen Oberkirchenrat überstellt und noch am selben Tag genehmigt.Spitzbart, S. 144. Berckmüller, der 1844 von St. Blasien nach Karlsruhe übersiedelt war, wurde dort am 19. Dezember 1844 Bezirksbaumeister und im April 1845 zusätzlich Militärbaumeister. Er war auch für die Polizeigeschäfte (Baugenehmigungen, Nachbarschaftsstreitigkeiten etc.) zuständig und füllte damit drei Ämter auf einmal aus.Spitzbart, S. 142.

Bauplatzwechsel und weitere Verzögerungen Zuerst war geplant, die Kirche am Vorgängerbaus zu errichten, den Berckmüller jedoch bereits im Juni 1845 nicht mehr nutzen wollte. Die begonnenen Fundamentierungsarbeiten hatten gezeigt, dass der Boden für die geplanten Dimensionen der Kirche ungeeignet war. Selbst die Vorgängerkirche hatte Risse und Sprünge gezeigt, deren Ursache im schlechten Baugrund vermutet worden war. Auf Anfrage Berckmüllers hatten sich Heinrich Hübsch, oberster badischer Baubeamter und als Kirchenarchitekt stilistisch prägend, sowie die Festungsbaumeister Georg Eberle und Major Mali negativ zum geplanten Bauplatz geäußert bzw. die Notwendigkeit teurerer Sicherungsmaßnahmen betont.

Wegen der vermutlich höheren Fundamentierungskosten, dem dennoch verbleibenden Risiko für den Kirchenbau sowie der drohenden zusätzlichen Verzögerung lehnte die Hofdomänenkammer in der Folge den geplanten Standort Anfang Juli 1845 ebenfalls ab. Zur Diskussion standen ein Platz im Osten und der oberhalb der Stadt („hinter dem Hause des Joseph Dobler“). Bis zum August 1845Spitzbart, S. 145. hatte man sich auf den Bauplatz geeinigt. Den entscheidenden Ausschlag gaben die Gläubigen der Filialgemeinde Ebnet, die sich einstimmig für den letzteren und damit den für sie nächstliegenden Standort entschieden. Die Bonndorfer hätten den Viehmarktplatz bevorzugt, da er damals dem Ortszentrum näher lag.Artur Riesterer: Grundstein der Kirche wurde heute von 150 Jahren gelegt. In: Badische Zeitung. 7. Mai 1996.

Vermutlich musste Berckmüller seine Pläne an den neuen Standort anpassen, sodass die Grundsteinlegung erst am 7. Mai 1846 erfolgte.Lebenserinnerungen von Augustin und Nikolaus Kern aus Bonndorf 1768–1849, zitiert in: Artur Riesterer: Grundstein der Kirche wurde heute von 150 Jahren gelegt. In: Badische Zeitung. 7. Mai 1996. Zur Fundamentierung der neuen Kirche wurden die Steine der abgebrochenen Klosterkirchen-Ruine benutzt. Danach kamen die Steine aus einem Sandsteinbruch, der sich im Bereich des heutigen Sportplatzes befand. Neben der Standortproblematik und den zähfließenden Geldmitteln wird die Badische Revolution von 1848 „mit ihren ‚Demokratenwirren‘ und ‚Insurgentenaufständen‘“ als weiterer Grund für einen schleppenden Baufortschritt betrachtet. Im Revolutionsjahr kam der gebürtige Löffinger Franz Josef Bodenmüller aus Engen nach Bonndorf.Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt Nr. 51, Karlsruhe, 24. Juni 1848, ; Franz Josef Bodenmüller. In: Friedrich von Weech (Hrsg.): Badische Biographieen. Erster Theil. Verlagsbuchhandlung Fr. Bassermann, Heidelberg 1875, S. 106 f. Sein Vorgänger, Joseph Gerspacher, war 1838 von Oberbiederbach nach Bonndorf versetzt wordenGroßherzoglich Badisches Regierungs-Blatt, Nr. 11, Karlsruhe, 7. März 1838, und hatte sich im Februar 1847 noch im Amt befunden.Hof- und Staats-Handbuch des Großherzogtums Baden, Braun, Karlsruhe 1847, S. 265, Gerspacher war 1838 dem Pfarrverweser Joseph Anton Heizmann gefolgt, der 1836 als Nachfolger für Dominikus Kuenzer nach Bonndorf versetzt worden war.Christian Schröder: Armenfürsorge und katholische Identität: Südbaden und die Saarregion im historischen Vergleich (1803–1870). LIT, Münster 2014, ISBN 978-3-643-12020-5, S. 163 f. ;

Im Dezember 1848 beklagte sich das Pfarramt bei der Großherzoglichen Domänenkammer über die Verzögerungen, während die Rohbauarbeiten inzwischen abgeschlossen waren. Eine weitere Beschwerde im Januar 1849 lässt vermuten, dass die Arbeiten komplett ruhten. Nach diesen Klagen kam es zu weiteren Fortschritten, sodass im selben Jahr erste Verhandlungen für Glocken und Orgeln geführt wurden und Berckmüller Altar und Taufstein entwarf. Vermutlich wurde die Kirche am 23. Mai 1850 übergeben, während die Arbeiten bis 15. Dezember weiterliefen. Ebenfalls 1850 wurde Hieronymus Schuler aus Engen als Pfarrer von Frickingen nach Bonndorf berufenGroßherzoglich Badisches Regierungs-Blatt, Nr. 30, Karlsruhe, 17. Juni 1850, und war damit der dritte Pfarrer, der am Kirchenneubau beteiligt war.

Beschwerden nach Bauende mini|Maria mit Engeln über dem Haupteingang von Franz Xaver Reich Das badische Finanzministerium beschäftigte sich in den folgenden Jahren mehrfach mit Beschwerden aus Bonndorf, da trotz Abschluss der Bauarbeiten die Ausstattung der Kirche nicht vollständig war. So fehlten im Jahr 1850 u. a. das Chorgestühl, eine Kommunionbank sowie ein Tabernakel (Letzteres für Spitzbart ein Indiz dafür, dass Berckmüllers Altarentwurf nie ausgeführt wurde). Im Juli 1858 übertrug das Ministerium den Innenausbau der Kirche Heinrich Hübsch, der seit 1826 Weinbrenners Nachfolger als Leiter der Karlsruher Bauschule und der aus ihr hervorgegangenen Polytechnischen Schule Karlsruhe war. Hübsch entwarf drei neue Altäre, zu denen Amalie Bensinger bis 1859 Gemälde schuf. Der Hauptaltar zeigte Christus mit den Apostelfürsten, die Seitenaltäre Maria (links) und Josef (rechts).Sauer 1933, S. 67.Sauer 1933, S. 643. Die Arbeiten wurden inzwischen wieder durch die Bezirksbauinspektion Donaueschingen betreut.Spitzbart, S. 149. Zudem beauftragte Hübsch den Hüfinger Bildhauer Franz Xaver Reich (1815–1881), der für die Turmvorhalle über dem Haupteingang eine Terrakotta-Madonna mit Engeln schuf. Die Kosten für Altäre und Relief beliefen sich auf 2422 Gulden.

mini|Osterlamm mit vermeintlichem Renovierungsjahr 1894

Im Gegensatz zum Relief Reichs sind die Altäre heute verschwunden; eine Generation später, im Historismus gegen Ende des Jahrhunderts, empfand man Berckmüllers und Hübschs nachklassizistische Formen als karg. Stadtpfarrer Fridolin Honold (1837–1900) setzte sich ab 1886 mit Denkschriften beim badischen Finanzministerium für eine neue Innenausstattung ein. Im selben Jahr schrieb er, dass er 3400 Mark für einen Hochaltar gesammelt habe, dieser jedoch 8000 Mark koste. Er beschrieb detailliert, wo er sich Ausmalungen, Statuen etc. vorstellen könnte. Die Großherzoglich Badische Domänendirektion bezeichnete Honolds Schilderungen des Kircheninneren als übertrieben und antwortete, dass das Domänenärar zur Anschaffung von Bildern, Statuen und ähnlichem nicht verpflichtet und schon gar nicht in der Lage sei. Maximal sei man zu einem neuen Innenanstrich bereit. Honold reagierte mit der Drohung, sich erneut an die Domänendirektion und gleichzeitig an den Großherzog und Staatsminister Turban zu wenden. Die Kirchenbehörde, an die er sich ebenfalls gewandt hatte, sah darin keine Erfolgsaussichten und empfahl, die Privatwohltätigkeit in Anspruch zu nehmen.Sauer 1933, S. 67 ff.