Paul Nicolaus (* 17. September 1904 in Trier; † Mai 1945 in Kriegsgefangenschaft im ehemaligen Jugoslawien) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Leben und Wirken Herkunft und Ausbildung Paul Nicolaus stammte aus bescheidenen, jedoch musisch orientierten Verhältnissen. Sein Vater, Ferdinand Nicolaus, der nach einem abgebrochenen Theologiestudium als Stadtobersekretär tätig war,Personalakte Ferdinand Nicolaus, Stadtarchiv Trier T 12/6504. Darin Lebenslauf, S. 11–12; Pensionierung als Stadtobersekretär zum 31. Dezember 1932, unpaginiert. Adress- und Geschäftshandbücher der Stadt Trier, 1910 – www.dilibri.de/periodical/pageview/484208, sowie 1914, 1921/22, 1928 und 1936. begeisterte sich für Trierer Bodenfunde, alte Wegekreuze und Kapellen, die er in akribisch genauen Zeichnungen festhielt. Die am Konservatorium in Straßburg ausgebildete Mutter, Anna Nicolaus geborene Kaiser, liebte Geselligkeit und Feste, zu denen sie musizierte. Beide Eltern förderten die früh erkennbare künstlerische Begabung ihres Sohnes und vermittelten ihn nach seinen Gymnasialjahren in eine Lithografenlehre. Sein Lehrbetrieb war das angesehene Unternehmen Schaar & Dathe, Graphische Kunstanstalt für Buch-, Stein und Lichtdruckerei in Trier.

Nach deren erfolgreichem Abschluss 1923 studierte Paul Nicolaus Malerei und Grafik an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Trier unter August Trümper, dem Lehrer zahlreicher Trierer Maler. Unter dessen Schülern befanden sich zu dieser Zeit auch die Maler Reinhard Heß und Edvard Frank, mit denen sich Paul Nicolaus anfreundete. Trümper vertrat einen deutschen Spätimpressionismus, der sich an die Malerei der Berliner Secession anlehnte. Auch für Paul Nicolaus, der ab November 1928 als Assistent Trümpers in der Entwurfsklasse für dekorative Malerei tätig war,„Liste der im Unterrichts- und Werkstättenbetriebe für Hilfsleistungen Angestellten an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Trier“, Stand Winterhalbjahr 1928/29, Stadtarchiv Trier, Tb 19/319. stand er am Anfang seiner Entwicklung.

Freier Künstler in Trier Nach dem Abschluss seiner Studien und einer ersten von mehreren Italienreisen ließ sich Paul Nicolaus 1929 als freier Künstler in Trier nieder. Überregional im „Bund der Deutschen Gebrauchsgraphiker“ vernetzt,Auf seiner Visitenkarte „firmierte“ er: Paul Nicolaus – Maler und Graphiker B.D.G – Trier. trugen fortan vor allem seine Arbeiten auf grafischem Gebiet, Werbeaufträge für Trierer Brauereien und Zigarettenfabriken, Illustrationen und Schriftgestaltung für Vereine und Gemeinden, zu seinem Lebensunterhalt bei.Angaben seiner Nichte Anita Büttner, vgl. Lit. Verz, Katalog 2001, S. 69. Die zeitgenössischen Werbegrafiken der angesprochenen Trierer Unternehmen tragen keine Signaturen und können mangels Vergleichsmaterial auch stilistisch nicht Paul Nicolaus zugeordnet werden. Zwei erhalten gebliebene handschriftliche Kompendien erweisen die Faszination, die Schriften und ihre Entwicklung, Hauszeichen oder Piktogramme auf ihn ausübten.Paul Nicolaus: Schrift I und Schrift II. Undatierte Kompendien, Stadtarchiv Trier, Vermächtnis Reinhard Heß, Mappen 6 und 12.

Trotz seiner Affinität zu den grafischen Künsten sah sich Paul Nicolaus in erster Linie als Maler und Zeichner. Nach Angaben seines Malerfreundes Reinhard Heß erteilte er während längerer Zeit entsprechenden Unterricht an der städtischen Realschule Trier.Es dürfte sich um eine Hilfslehrertätigkeit nach der Pensionierung des Studienrates und Malers Anton Schneider-Postrum 1932 gehandelt haben. Nach Auskunft des Stadtarchivs Trier, Frau Schömer, vom 11. Mai 2015, existiert keine Personalakte Paul Nicolaus. Parallel dazu entstand im Verlauf der 1930er Jahre ein umfangreiches Gesamtwerk an Landschafts-, Architektur- und figürlicher Malerei, das er mit den in wechselnder Zusammensetzung operierenden Trierer Künstlergruppen ausstellte, zuletzt zwischen 1930 und 1932 als Mitglied der „Gesellschaft bildender Künstler und Kunstfreunde im Bezirk Trier“. Ein herausragendes Ereignis war die Teilnahme an der „Großen Berliner Kunstausstellung 1932“ im Rahmen einer „Sonderschau heutiger Kunst der Saar.“ Hermann Keuth, Direktor des Städtischen Heimatmuseums Saarbrücken, hatte die Einladung an die „Trierer Künstlergruppe um Paul Nicolaus“ gerichtet und zugleich deren Aufnahme in den „Reichsverband Saar“ vorgeschlagen. Paul Nicolaus organisierte erfolgreich die Präsentation der Exponate, die zuvor von der Saarbrücker Jury ausgewählt worden waren, neben seiner eigenen Arbeit, dem Ölgemälde Blick auf die Straße, u. a. Werke der Trierer Maler Reinhard Heß und Peter Krisam.

Frühwerk

Die Ausgangsposition von Paul Nicolaus als Spätimpressionist belegt eine Mosellandschaf, die ausweislich ihrer rückseitigen WidmungDie in schwarzer Tusche auf den Keilrahmen aufgetragene Widmung lautet: „Dem jungen Paar zur Hochzeit. Trier 1929. P. Nicolaus“. spätestens 1929 entstand und in Duktus und Farbwahl noch den Einfluss seines Lehrers Trümper verriet. Doch die Emanzipation folgte schnell. 1930 schuf Paul Nicolaus ein Porträt des Trierer Bildhauers Heinrich Hamm (1889–1968), das zu den besten und eigenständigsten seiner (erhaltenen) Werke gehört: Im Zentrum der Komposition steht der Bildhauer als Rückenfigur beim Bearbeiten einer überlebensgroßen Skulptur. Der provisorisch wirkende Innen- und Werkraum unter einer Plane verschränkt sich nahtlos mit dem von Werkstücken eingefassten Außen- und Schwellenraum. Die vorherrschenden Grautöne vor wenigem Blattgrün signalisieren Staub und körperlich schwere Arbeit mit Fäustel und Meißel beim Herausschlagen aus dem Naturstein. Zugleich jedoch deuten sie auf die Abkehr des Malers von impressionistisch bunter Farbigkeit. Den europaweiten Tendenzen der 1930er Jahre folgend begann sich auch die Malerei von Paul Nicolaus zu einem Realismus mit festen Konturen und klar bestimmten Farbflächen in Annäherung an den Lokalton zu verfestigen. Er bewunderte die gegenständlichen Arbeiten der Maler André Derain und Karl Hofer und verband seine eigenen realistischen Positionen mit einer hochprägnanten Ordnung, die sich auch der Kunstströmung der Neuen Sachlichkeit verdankte. Eine ganz spezifische Spur Naivität ergänzte diese Gemengelage, etwa bei seinen 1930/1931 entstandenen Architekturstücken: Schloss Monaise in Trier oder Porta Nigra von Westen. Seine römischen Impressionen aus der Mitte der 1930er Jahre lesen sich demgegenüber als Notizen zu einem Reisetagebuch.

Arbeiten in der NS-Zeit Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ließ sich auch Paul Nicolaus in die Bezirksgruppe Trier der Reichskammer der bildenden Künste aufnehmen, um als lizenzierter Künstler weiter arbeiten zu können.Anita Büttner, wie Lit. Verz., Katalog 2001, S. 70. Das Datum ist nicht bekannt. Er gehörte jedenfalls nicht zu den ersten, am 9. September 1933 aufgenommenen 8 Trierer Malern, sondern war ein Nachrücker. Vgl. Trierer Nationalblatt vom 16. September 1933. Nach Auskunft des Bundesarchivs vom 28. Mai 2015 konnten dort zu Paul Nicolaus keine Archivalien ermittelt werden, insbesondere keine NSDAP Zentral- bzw. Gaukartei und auch keine Archivalie aus dem Bestand BArch R 9361-V, Personenbezogene Unterlagen der Reichskulturkammer (RKK). Im selben Jahr hatte er bereits von der Stadt Trier den Auftrag erhalten, die Urkunde zu der am 19. April 1933 an Adolf Hitler verliehenen Ehrenbürgerwürde zu gestalten.Aus der Niederschrift über die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zu Trier am 19. April 1933 ergeben sich die Beschlüsse über die einstimmige Annahme des Antrags auf Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Adolf Hitler sowie die Vergabe der Gestaltung „an einen heimischen Künstler in bester Form.“ Die Kosten sollten aus den Mitteln der Stadtverordnetenversammlung bereitgestellt werden. Stadtarchiv Trier, Ratsprotokolle 1928 bis 1933, Tb 100/52, S. 565/566. Nach den Angaben seiner Nichte Anita Büttner erging der Auftrag an Paul Nicolaus. Vgl. Lit. Verz., Katalog 2001, S. 70, 72 mit Anm. 18. Auch der Entwurf der Ehrenbürgerurkunde samt Schatulle, die dem Reichserziehungsminister Bernhard Rust am 10. November 1936 in Trier überreicht wurde, stammte von seiner Hand.Trierischer Volksfreund vom 11. November 1936 und Schreiben der Handwerkerschule vom 5. November 1946 an das Presseamt der Stadt Trier. Stadtarchiv Trier Tb 19/461 und Tb 19/462 sowie Fotomappe Tc Als auffällige Tatsache bleibt aber festzuhalten, dass Paul Nicolaus – abweichend vom Gros der Trierer Maler – an keiner der Kunstausstellungen mehr beteiligt war, die zahlreich und parteigelenkt von 1933 bis 1944 vom Museum der Stadt Trier, dem „Kulturverband Gau Moselland“ und dem sog. Kunsthaus Luxemburg veranstaltet wurden. Auch wenn in Trier keine gegen einzelne Künstler gerichteten Malverbote bekannt geworden sind: Paul Nicolaus wurde offensichtlich „zwangsprivatisiert“Zitiert nach Peter-Klaus Schuster: Kunst für Keinen – Zur inneren Emigration der deutschen Moderne. In: Christos M. Joachimides (Hrsg.): Deutsche Kunst im 20. Jahrhundert: Malerei und Plastik 1905-1985, wie Lit. Verz. S. 455–457.. In die Jahre 1935/36 fielen seine wiederholten Studien- und Arbeitsaufenthalte bei Verwandten in Rom und Meran. Für den Sommer 1938 ist ein längerer Besuch bei seinem Freund Edvard Frank in Berlin dokumentiert.Postkarte von Paul Nicolaus und Edvard Frank vom 5. Juli 1938 aus Berlin an Familie Dubreuil in Lingen. Abb. in: Elisabeth Dühr (Hrsg.): Malerfreundschaften in bedrohlicher Zeit – Die 30er Jahre in der Region. Trier 2001, Beitrag von Bärbel Schulte: Edvard Frank, S. 79–91, hier S. 82–83.