mini|Reanne Evans und Ng On Yee vor dem Finale des Paul Hunter Women’s Classic 2017 Die Snookerweltmeisterschaft der Frauen (World Women’s Championship, Ladies World Championship, World Women’s 6-Red Championship) ist eine internationale Snookerturnierserie, die seit 1983 mit Unterbrechungen ausgetragen wird. Sie stellt den höchsten Titel und das wichtigste Turnier im Turnierkalender des Frauensnookers dar. Rekordgewinnerin ist die Engländerin Reanne Evans, die zwischen 2005 und 2019 zwölfmal Weltmeisterin wurde.

Vorgeschichte Bereits 1976 wurde erstmals ein Turnier mit dem Rang einer Weltmeisterschaft unter dem Namen Women’s World Open ausgetragen. Siegerin war die Engländerin Vera Selby. 1980 und 1981 wurden zwei weitere Turniere ausgetragen, bevor eine richtige Weltmeisterschaft ausgerufen wurde.

JahrAustragungsortSiegerFinalistErgebnis 1976 Vera Selby Muriel Hazeldene 4:0 1980 Lesley McIlrath Agnes Davies 4:2 1981 Vera Selby Mandy Fisher 3:0

Offizielle Snookerweltmeisterschaft Der britische Freizeitparkbetreiber Pontins hatte sich schon seit den 1970ern im professionellen Snookersport engagiert. 1977 begannen sie, auch ein Jugend- sowie ein Frauenturnier auszurichten. 1983 fand im Freizeitpark Brean Sands in Somerset erstmals ein Einladungsturnier für Profis statt (Pontins Brean Sands) und dort veranstalteten sie dann auch die erste Frauenweltmeisterschaft. Sue Foster, die im Jahr zuvor auch die Pontin’s Ladies Bowl gewonnen hatte, wurde die erste Titelträgerin der Ladies World Championship. Ein Jahr später wurde das Turnier erneut ausgetragen, obwohl Pontins als Sponsor ausgestiegen war. Es gewann Stacey Hilliard, die mit sechs Finalteilnahmen zu den erfolgreichsten WM-Teilnehmern gehörte, auch wenn sie 1984 das einzige Mal den Titel holte. Im selben Jahr gab es zusätzlich eine Professional Championship, die von Mandy Fisher gewonnen wurde.Board Member: Mandy Fisher, Profil bei World Women’s Snooker, abgerufen am 2. Januar 2019. Die nicht mit ihr verwandte Allison Fisher gewann 1985 ihren ersten Titel und dominierte in der zweiten Hälfte der 1980er und der ersten Hälfte der 1990er das Frauensnooker. Mit sieben WM-Titeln ist sie die zweiterfolgreichste WM-Teilnehmerin. Bis 2014 kamen alle Titelträgerinnen aus England bis auf die dreimalige Titelträgerin und dreimalige Zweite Karen Corr, eine Nordirin.

Die Veranstalter hatten jedoch Mühe, Sponsoren zu finden und mussten sich lange Zeit spätestens nach zwei Jahren wieder auf die Suche nach neuen Geldgebern machen. 1992 und 1996 wurde gar keine Weltmeisterschaft ausgetragen. Auch wechselten häufig die Austragungsorte, meist kleinere Veranstaltungsorte in England. 1994 und 1995 wurde das Turnier erstmals internationaler und fand in Neu-Delhi statt.

Erst 1998 mit Unterstützung der WPBSA und des Zigarettenherstellers Embassy, der die Snookerweltmeisterschaft der Profis sponserte, wurde die Frauen-WM als Veranstaltung fest etabliert. Halbfinale und Finale fanden von da an als Nebenveranstaltung der Profi-WM im Crucible Theatre in Sheffield statt. Erste Siegerin war Kelly Fisher, nicht verwandt mit ihrer Vorgängerin Allison Fisher, aber ähnlich dominant im Frauensnooker. Sie gewann fünf der sechs Finale im Crucible.

Als in den 2000ern in Großbritannien die Einschränkung der Tabakwerbung erfolgte, fiel Embassy als Sponsor weg, und auch die WPBSA kam so sehr in finanzielle Schwierigkeiten, dass sie als Mitveranstalter ausstieg. 2004 wurde deshalb erneut keine Frauen-WM ausgetragen. Ab 2005 trug die WLBSA das Turnier wieder ohne Sponsor aus und setzte dabei wieder auf einen festen Austragungsort, das Snooker Centre in Cambridge. Die 19-jährige Reanne Evans gewann in diesem Jahr ihren ersten Titel und blieb danach zehn Jahre lang bei diesem Turnier ungeschlagen.

Erst 2015 verlor sie erstmals wieder ein WM-Match gegen Ng On Yee aus Hongkong. Die Chinesin wurde anschließend Weltmeisterin und damit die erste Nicht-Britin, die den Titel erringen konnte.

2018 kooperierte die WLBSA mit der World Snooker Federation, einer neu gegründeten kontroversen Amateursparte der WPBSA, die Amateurspielern als Sprungbrett zu Profiturnieren dienen soll, durch die Bedingung, dass deren Nationalverbände als Vertreter des Amateurwesens ihr beitreten müssen, aber in Konflikt zu dem sportrechtlich offiziellen Amateurweltverband IBSF steht, in dem die Verbände bisher Mitglied waren und dem laut vergangenen Urteilen des Internationalen Sportgerichtshofs die weltweite Zuständigkeit für Snooker obliegt. Die WSF trug in der zweiten Märzhälfte ein Dreifachturnier mit der WSF Championship, der WSF Seniors Championship und der WLBS World Women’s Snooker Championship aus. Alle drei Wettbewerbe fanden in Malta statt.Women’s/Seniors Draws Released for WSF Championships, World Snooker, 13. März 2018.

Nachdem die WSF Championship 2019, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden sollte, verschoben wurde, wurde die Frauen-WM erstmals im thailändischen Bangkok ausgetragen. Reanne Evans konnte gegen Nutcharut Wongharuthai ihren zwölften Titel gewinnen.

Wegen der COVID-19-Pandemie kam im folgenden Jahr das Amateursnooker zum Erliegen und erst 2022 gab es eine weitere Weltmeisterschaft. Mit dem Sieg der 2019 im Finale unterlegenen Thailänderin „Mink“ Nutcharut begann die Dominanz der asiatischen Länder, die mit ihren Landsfrauen „Baipat“ Siripaporn und Panchaya Channoi sowie der Chinesin Bai Yulu in den Jahren danach eine Fortsetzung fand.

Statistiken Ab 1983 gab es folgende Weltmeisterinnen: JahrAustragungsortSiegerFinalistErgebnis 1983 Sue Foster Maureen Baynton 8:5 1984(unbekannt) Stacey Hillyard Natalie Steinmach 4:1 1984-P Mandy Fisher Maryann McConnell 4:2 1985 Allison Fisher Stacey Hillyard 5:1 1986 Solihull Allison Fisher Sue LeMaich 5:0 1987 Ann-Marie Farren Stacey Hillyard 5:1 1988 Allison Fisher Ann-Marie Farren 6:1 1989 Brixham Allison Fisher Ann-Marie Farren 6:5 1990 Karen Corr Stacey Hillyard 7:4 1991 London Allison Fisher Karen Corr 8:2 1992 nicht ausgetragen 1993 Allison Fisher Stacey Hillyard 9:3 1994 Allison Fisher Stacey Hillyard 7:3 1995 Neu-Delhi Karen Corr Kim Shaw 6:3 1996 nicht ausgetragen 1997 Karen Corr Kelly Fisher 6:3 1998 Kelly Fisher Karen Corr 5:0 1999 Sheffield Kelly Fisher Karen Corr 4:2 2000 Sheffield Kelly Fisher Lisa Ingall 4:1 2001 Sheffield Lisa Quick Lynette Horsburgh 4:2 2002 Sheffield Kelly Fisher Lisa Quick 4:1 2003 Sheffield Kelly Fisher Lisa Quick 4:1 2004 nicht ausgetragen 2005 Reanne Evans Lynette Horsburgh 6:4 2006 Cambridge Reanne Evans Emma Bonney 5:3 2007 Cambridge Reanne Evans Katie Henrick 5:3 2008 Cambridge Reanne Evans June Banks 5:2 2009 Cambridge Reanne Evans Maria Catalano 5:2 2010 Cambridge Reanne Evans Maria Catalano 5:1 2011 Reanne Evans Emma Bonney 5:1 2012 Cambridge Reanne Evans Maria Catalano 5:3 2013 Cambridge Reanne Evans Maria Catalano 6:3 2014 Reanne Evans Ng On Yee 6:0 2015 Leeds Ng On Yee Emma Bonney 6:2 2016 Leeds Reanne Evans Ng On Yee 6:4 2017 Singapur Ng On Yee Vidya Pillai 6:5 2018World Snooker Federation Championship Women → Malta 2018 (Ergebnisse). San Pawl il-Baħar Ng On Yee Maria Catalano 5:0 2019 Bangkok Reanne Evans Nutcharut Wongharuthai 6:3 2020 nicht ausgetragen 2021 2022 Sheffield Nutcharut Wongharuthai Wendy Jans 6:5 2023 Bangkok Siripaporn Nuanthakhamjan Bai Yulu 6:3 2024 Dongguan Bai Yulu Nutcharut Wongharuthai 6:5 2025 Dongguan Bai Yulu Nutcharut Wongharuthai 6:4 2026 Dongguan Panchaya Channoi Reanne Evans 6:2

Ewigenliste Nr Siegerin Anz. Jahr 1 Reanne Evans 12 2005–2014, 2016, 2019 2 Allison Fisher 7 1985, 1986, 1988, 1989, 1991, 1993, 1994 3 Kelly Fisher 5 1998–2000, 2002, 2003 4 Karen Corr 3 1990, 1995, 1997 Ng On Yee 2015, 2017, 2018 6 Bai Yulu 2 2024, 2025 7 Sue Foster 1 1983 Stacey Hillyard 1984 Mandy Fisher 1984 Ann-Marie Farren 1987 Lisa Quick 2001 Nutcharut Wongharuthai 2022 Siripaporn Nuanthakhamjan 2023 Panchaya Channoi 2026

Amateurweltmeisterschaft Als das professionelle Snooker in den frühen 2000ern in der Krise steckte, beschloss der Amateurverband IBSF, neben der Männer- und Junioren-Amateur-WM auch eine Weltmeisterschaft der Frauen auszutragen. 2003 fand sie in Konkurrenz zur WLBSA-WM in China statt und Kelly Fisher sicherte sich in beiden Turnieren den Titel. Im Jahr darauf richtete nur der Amateurverband eine Weltmeisterschaft aus, welche Reanne Evans gewann. 2005 wurde nur die WLBSA-Profiweltmeisterschaft ausgestragen, welche Evans ebenfalls gewann.

Seit 2006 finden beide Wettbewerbe jährlich statt. Die Belgierin Wendy Jans, die bei den ersten fünf Wettbewerben das Finale erreichte, gewann in diesem Jahr als erste Nicht-Britin den Titel, um in den folgenden beiden Jahren jeweils das Finale gegen Evans zu unterliegen. 2009 gewann mit Ng On Yee erstmals eine Spielerin aus Asien. Sie wurde später auch Weltmeisterin der Profis. Im Jahr darauf verteidigte die Chinesin aus Hong Kong ihren Titel.

2011 wurde das in Bahrain geplante Turnier nach den Unruhen rund um den Arabischen Frühling abgesagt. Später im Jahr wurde das Männerturnier im indischen Bangalore nachgeholt, die Frauen-WM fiel hingegen aus.World Snooker moved to Bangalore, Syed Khalid Mahmood, The International News, 8. Oktober 2011. Von 2012 bis 2017 gewann Wendy Jans sechsmal in Folge den Titel, bevor sie 2018 die Neuauflage des Vorjahresfinals gegen die Thailänderin Waratthanun Sukritthanes verlor.

Im Jahr darauf errang Ng On Yee ihren dritten Titel. Nach einem Jahr Zwangspause wegen der COVID-19-Pandemie stand Wendy Jans im März 2022 zum 13. Mal im Finale und revanchierte sich bei Nutcharut Wongharuthai für die Niederlage bei der Ladies World Championship im Vormonat. Bei der 17. Austragung der WM im November desselben Jahres gewann sie ihren neunten Titel. Damit ist sie die Rekordhalterin des Amateurtitels.

2024 gewann Bai Yulu nach ihrem Sieg bei der Profi-WM auch die IBSF-Weltmeisterschaft und hatte als dritte Frau nach Kelly Fisher 2003 und Reanne Evans 2007/08 beide Titel gleichzeitig inne. Im Jahr darauf gewann mit Ploychompoo Laokiatphong zum zweiten Mal eine Thailänderin den Titel. 2025 gewann Anupama Ramachandran als erste Inderin die Amateur-Weltmeisterschaft. Ng On Yee unterlag zum dritten Mal in Folge im Finale, jeweils gegen unterschiedliche Spielerinnen.

JahrAustragungsortSiegerFinalistErgebnis 2003 Jiangmen Kelly Fisher Wendy Jans 5:2 2004 Veldhoven Reanne Evans Wendy Jans 5:1 2005 nicht ausgetragen 2006 Amman Wendy Jans Jaique Ip Wan In 5:0 2007 Nakhon Ratchasima Reanne Evans Wendy Jans 5:0 2008 Wels Reanne Evans Wendy Jans 5:3 2009 Hyderabad Ng On Yee Kathy Parasis 5:1 2010 Damaskus Ng On Yee Jaique Ip Wan In 5:0 2011 nicht ausgetragen 2012 Sofia Wendy Jans Ng On Yee 5:1 2013 Daugavpils Wendy Jans Shi Chunxia 5:3 2014 Bangalore Wendy Jans Anastassija Netschajewa 5:2 2015 Hurghada Wendy Jans Anastassija Netschajewa 5:1 2016 Doha Wendy Jans Amee Kamani 5:0 2017 Doha Wendy Jans Waratthanun Sukritthanes 5:2 2018 Rangun Waratthanun Sukritthanes Wendy Jans 5:2 2019 Antalya Ng On Yee Nutcharut Wongharuthai 5:2 2020 nicht ausgetragen 2021 Doha Wendy Jans Nutcharut Wongharuthai 4:1 2022 Antalya Wendy Jans Vidya Pillai 4:3 2023 Doha Bai Yulu Ng On Yee 4:0 2024 Doha Ploychompoo Laokiatphong Ng On Yee 3:2 2025 Doha Anupama Ramachandran Ng On Yee 3:2

Quellen

Weblinks World Champions (WWS World Women’s Championship – Roll of Honour)

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