Neftenbach ist eine von 19 politischen Gemeinden im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich in der Schweiz. Auf den 1. Januar 2013 wurde der Weiler Oberhueb (auch Obere Hueb) auf Wunsch der dortigen Einwohnerschaft von der Gemeinde Buch am Irchel abgetrennt und Neftenbach angeschlossen. Dadurch erhöhte sich die Landfläche der Gemeinde um 4,6 Hektaren und die Einwohnerzahl um 16 Einwohner.
Wappen Blasonierung Schräg geviert von Silber und Blau Das Wappen geht auf die Freiherren von WartNeujahrs-Blatt der Stadtbibliothek Winterthur auf das Jahr 1897/98: Die Freiherren von Wart zurück. Es wurde 1921 zum Gemeindewappen bestimmt.
Geographie Neftenbach liegt im unteren Tösstal, 19 km Luftlinie von Zürich entfernt. Es liegt auf einer Schotterterrasse am Südhang des Irchels. Von der Gemeindefläche – 1495 ha – dienen 55 % der Landwirtschaft, 30 % ist Wald, 10 % ist Siedlungsgebiet, und 4 % dienen dem Verkehr. Nebst dem Kerndorf rund um die Kirche gehören zur Gemeinde die Siedlungen Aesch, Hünikon (Neftenbach), Irchelhöfe, Riet (Neftenbach) und Tössallmend. mini|Luftbild (1962)
Gemeindeportrait Die bäuerlich geprägte Gemeinde ist eingebettet in ein eiszeitliches Seitental zwischen dem Abhang des Irchels und des Taggenbergs. Es bestehen lokale Einkaufsmöglichkeiten, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe, Verkehrsverbindungen für den individuellen und öffentlichen Verkehr sowie Schul-, Kultur- und Freizeitangebote.
Das Schloss Wart mit den anschliessenden Weinbergen ist ein Wahrzeichen der Gemeinde. An den Rebhängen von Neftenbach entstehen neben den beiden Hauptsorten Pinot Noir und Riesling x Sylvaner Spezialitäten wie Chardonnay, Sauvignon Blanc, Räuschling und Cabernet Sauvignon.
Sport- und Freizeit-Einrichtungen in der Gemeinde sind: Jugendtreff „InPoint“, Schwimmbad, Sportanlagen „Rietweg“, Tennisplätze, Naturlehrpfad, Beach-Volleyballfeld, Skateranlage, Reitplätze und Bibliothek. Die Gemeinde verfügt über eine Dreifach-Sporthalle für Training und Wettkampf. Verschiedene Organisationen wie die Spitex-Dienste, gemeinnützige Organisationen, Beratungsstellen, die Alterswohnungen erbringen hier ihre Dienstleistungen. Das Orts- und Weinbaumuseum liegt westlich des Dorfes in den Rebbergen.
Bevölkerung BevölkerungsentwicklungJahrEinwohner 1836 1452 1850 1490 1880 1421 1900 1608 1941 706 1950 1853 1970 2180 1990 3731 2005 4549 2010 5224 2013 5438 2015 5564 2018 5692 2021 5797 2023 5758
Bevölkerungsdichte: 382,1 Einw./km2 Konfessionszugehörigkeit: 42,3 % evangelisch-reformiert, 5,5 % römisch-katholisch, 36,8 % andere oder keine konfessionelle Zugehörigkeit (Stand: 2023)
Politik Der siebenköpfige Gemeinderat setzt sich aus sechs Männern und einer Frau zusammen. Parteizusammensetzung: 4 Freie Wähler Neftenbach, 2 SVP und 1 FDP. Aktuelle Gemeindepräsidentin ist seit September 2019 Maja Reding Vestner (Stand 2020). Gemeinde Neftenbach Neftenbach hat 2011 zum ersten Mal das Energiestadt-Label erhalten. 2015 wurde das Label wiederum verliehen. Eine Energiestadt ist eine Gemeinde oder Stadt, die sich kontinuierlich für eine effiziente Nutzung von Energie, den Klimaschutz und erneuerbare Energien sowie umweltverträgliche Mobilität einsetzt. Dafür erhält sie vom Trägerverein Energiestadt alle vier Jahre das Label verliehen.
Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Neftenbach: SVP 36,75 % (+1,15), FDP 14,75 % (+0,84), SP 13,87 % (+3,14), glp 11,67 % (−1,69), Mitte 7,84 % (+2,12), Grüne 5,01 % (−5,55), EVP 4,38 % (−1,04), EDU 2,35 (−0,54).
Geschichte mini|Das Dorf Neftenbach 1781 Archäologische Untersuchungen von 1986–1990 weisen für Neftenbach eine vorgeschichtliche Besiedlung nach: Früh-latènezeitliche Gruben im Riedt Oberwisen, einen mittelbronzezeitlichen Siedlungsort in Neftenbach-Hagenbuech, ein Steinbeilfragment und ein neolithisches Grubenhaus in der Steinmöri, das Werkplatz für die Herstellung von Steinwerkzeug war. 9 Gräber, die 1999 an der Zürcherstrasse zutage kamen, sind wie die 25 Gräber von Neftenbach-Steinmöri in die Zeit von 1200 v. Chr. zu datieren.
In römischer Zeit lag in der Steinmöri unterhalb des Friedhofs an der Sattleracher- und Aspacherstrasse ein römischer Gutshof, der heute überbaut ist. Bei den Ausgrabungen entdeckte man 1986 in einem Bronzegefäss einen Münzhort mit 1243 römischen Silbermünzen aus den Jahren 197–265 n. Chr.
Die erste urkundliche Erwähnung Neftenbachs erfolgte 1209, als ein Leutpriester von „Neftimbach“ bei einem Rechtsgeschäft mitwirkte. Der Keller des Frohhofs in Neftenbach deutet immer noch auf einen Wohnturm hin, der dort stand. Er gehörte wohl dem Ministerialengeschlechts «von Neftenbach», das 1267 erstmals urkundlich erwähnt wurde und das zu dieser Zeit wohl Gefolgsleute der Kyburger war. Das Geschlecht selbst kann verschiedenen Orts bis 1468 nachgewiesen werden. Das Gebiet gehörte später den Freiherren von Wart, deren Wappen seit 1921 das offizielle Gemeindewappen ist. Im Mai 1799 kam es beim Dorf im Rahmen des Gefechts bei Winterthur zu einem Zusammenstoss zwischen Franzosen und Österreichern, an das noch eine verirrte Kugel im Chor der Kirche erinnert.
Kultur
Sehenswürdigkeiten
Bilder
Persönlichkeiten Johann Jakob Redinger (1619–1688), evangelischer Geistlicher, Philologe und Schulleiter Leonard Meister (1741–1811), Lehrer, Politiker und evangelischer Geistlicher Heinrich Ernst (1846–1916), Architekt Erhard Minder (1925–2002), Moderner Fünfkämpfer Rudolf Berger-Hanselmann (1926–2014), Maler Nicole Brüngger-Skoda (* 1977), Eiskunstläuferin und Trainerin Manuel Akanji (* 1995), Fussballspieler
Literatur Eugen Ott, Hans Kläui, Otto Sigg: Geschichte der Gemeinde Neftenbach. Neftenbach 1979. Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich – Der Bezirk Winterthur, Nördlicher Teil. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 1986, ISBN 3-7643-1812-0, S. 31–87. (= Kunstdenkmäler der Schweiz, Band 79.) Jürg Rychener: Der römische Gutshof in Neftenbach. 2 Bände Zürich/Egg 1999. (= Monographien der Kantonsarchäologie Zürich, 31/1–2).
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Neftenbach Statistische Daten des Kantons zur Gemeinde Neftenbach
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kanton Zürich Kategorie:Schweizer Gemeinde
Kategorie:Weinbauort in der Schweiz Kategorie:Ersterwähnung 1209