Hans-Joachim Kalendrusch (* 6. Januar 1939 in Weidenberg (Ostpr.), Landkreis Tilsit-Ragnit) ist ein deutscher Politiker (Ost-CDU, CDU).
Leben Kalendrusch besuchte die Grundschule und machte eine Ausbildung als Facharbeiter bei der Deutschen Reichsbahn. Danach folgte eine Ingenieurausbildung dort. Ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Rostock schloss er mit dem Diplom ab. Er arbeitete langjährig im Verkehrswesen (Reichsbahn, Kraftverkehr, Kfz-Instandhaltung). 1978 wurde er Ökonomischer Leiter im VEB Metallwerkstätten.
Seit 1980 war Mitarbeiter im Rat des Bezirkes des Bezirks Rostock und dort ab 1981 als Mitglied des Rates in der Stellung eines Abteilungsleiters Erholungswesen verantwortlich für Handel und Tourismus. In dieser Funktion gab er der Ostberliner National-Zeitung am 30. Januar 1984 ein Interview. Die Ostseeküste stellte für den DDR-Bürger den einzigen preiswerten und leicht erreichbaren Zugang zu Sonne und Meer dar, weswegen sie die größte zusammenhängende Erholungslandschaft der DDR war und mit rund 3,5 Millionen Urlaubern in den 1980er Jahren auch die meistbesuchte. Kalendrusch verwies auf die weitgehende Auslastung der mehr als 1.000 betrieblichen Erholungseinrichtungen, die im Jahr 1983 62.000 zusätzlich bereitgestellten Reisen im Vergleich zu 1982 und auf die 33.000 zusätzlichen Camper auf den Zeltplätzen an See und Bodden in der Vor- und Nachsaison.Heike Wolter: Ich harre aus im Land und geh, ihm fremd: Die Geschichte des Tourismus in der DDR. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2009, S. 130 und S. 512: „Interview mit Hans-Joachim Kalendrusch (Mitglied des Rates des Bezirkes Rostock für Erholungswesen).“ National Zeitung, 30.1.1984.
Seit 1982 war er Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates des Bezirkes.Er war verantwortlich für Handel und Tourismus, zuletzt war er stellvertretender Vorsitzender des Rates. In: Seilschaften. Empfehlung von Freunden. In den Schweriner Ministerien häufen sich die Affären: Es geht um Mauscheleien und die dunkle Vergangenheit von Spitzenbeamten. Der Spiegel vom 21. April 1991 (Nr. 17/1991). Von seinem Büro aus gab es „eine Telefonverbindung direkt ins Ministerium für Staatssicherheit in Ost-Berlin.“Nach der Wende, so eine der Beteiligten, fanden Mitglieder des Rostocker Bürgerkomitees und des Neuen Forums im Büro von Kalendrusch denn auch »eine Telefonverbindung direkt ins Ministerium für Staatssicherheit in Ost-Berlin« In: Landtage. Dieser und jener. Die Stasi-Vergangenheit zahlreicher Abgeordneter verunsichert die Parlamente der neuen Bundesländer. Der Spiegel vom 16. Juni 1991 (25/1991). Dennoch galt er als unbelastet und konnte seine politische Karriere bis zum Rücktritt des Ministerpräsidenten Alfred Gomolka am 16. März 1992 ungehindert fortsetzen.Astrid Lorenz: Demokratisierung in Ostdeutschland: Verfassungspolitische Weichenstellungen in den neuen Ländern und Berlin. Springer VS, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-658-03186-2, S. 144f: 29 Prozent aller Abgeordneten der CDU, 24 Prozent der FDP und ein Drittel der PDS hatten in der DDR in verantwortlichen politischen Positionen gewirkt. […] Im Vordergrund des öffentlichen Interesses stand aber nicht diese Form der systemtragenden Einbindung in die DDR, sondern der Umgang mit ehemaligen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit. Alle Landesparlamente fassten Ende 1990 bis Herbst 1991 parallel zu entsprechenden Beschlüssen im öffentlichen Dienst Beschlüsse zur Überprüfung der Abgeordneten auf eine Tätigkeit als informeller Mitarbeiter für das MfS. Eine solche informelle, konspirative Mitarbeit unterschied sich in ihrem Charakter von anderen, in vielen beruflichen und politischen Positionen unvermeidlichen Kontakten mit dem Ministerium für Staatssicherheit, doch war die Abgrenzung praktisch schwierig. So galt Hans-Joachim Kalendrusch, jahrelang CDU-Bezirksvorsitzender und Stellvertretender Vorsitzender im Rat des Bezirkes Rostock, der im Büro eine direkte Telefonleitung zum MfS hatte, als unbelastet, und wurde Parlamentarischer Staatssekretär beim Ministerpräsidenten.
Politik 1969 trat er in die Blockpartei CDU ein. Er war dort 1972 bis 1990 Ortsgruppenvorsitzender und seit seiner Konstituierung auf der 15. Bezirksdelegiertenkonferenz des Bezirksverbands 01 Rostock am 18. September 1982 Mitglied des Bezirksvorstandes Rostock (als Nachfolger für Adolf Knipper).Sekretariat nach Konstituierung am 18.09.1982: 1) neu: Dieter Klemm - Bezirksvorsitzender, Nachfolger für: Otto Sadler. 2) neu: Heinz-Peter Scholz - Stellvertretender Bezirksvorsitzender, Nachfolger für: Uwe Schönfeld. 3) neu: Wolfgang Zöllig - Sekretär für Agitation und Propaganda, Nachfolger für: Heinz-Peter Scholz. 4) Ernst-Friedrich Lohff - Abteilungsleiter Wirtschaft. 5) Udo Klusmeyer - Abteilungsleiter Kader - Mitglieder Sekretariat: 6) neu: Hans-Joachim Kalendrusch - Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates des Bezirkes, Mitglied Rat des Bezirkes und Abteilungsleiter Erholungswesen und beim RdB Rostock, Nachfolger für: Adolf Knipper. 7) Xaver Kugler - Chefredakteur Bezirkspresse "Der Demokrat". In dieser Funktion wurde er durch die 16. Bezirksdelegiertenkonferenz am 15. Juni 19852.2.3.12 Protokolle und Dokumente Bezirksverbände 16. BDK 1985. Bezirksverband 01 Rostock. 16. Bezirksdelegiertenkonferenz 15.06.1985. Protokolle, Dokumente und Berichte. - Sekretariat nach Konstituierung am 15.06.1985. 1) Dieter Klemm - Bezirksvorsitzender. 2) Heinz-Peter Scholz - Stellvertretender Bezirksvorsitzender. 3) Wolfgang Zöllig - Sekretär für Agitation und Propaganda. 4) Ernst-Friedrich Lohff - Abteilungsleiter Wirtschaft. 5) Udo Klusmeyer - Abteilungsleiter Kader. - Mitglieder Sekretariat: 6) Hans-Joachim Kalendrusch - Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates des Bezirkes, Mitglied Rat des Bezirkes und Abteilungsleiter Erholungswesen und beim RdB Rostock. 7) Xaver Kugler - Chefredakteur Bezirkspresse "Der Demokrat". In: Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. Findbuch 07 – 011 CDU in der SBZ/DDR Bd. V, Sankt Augustin 2018, S. 387. und durch die 17. Bezirksdelegiertenkonferenz am 5. Mai 1987 bestätigt.2.2.3.13 Protokolle und Dokumente Bezirksverbände 17. BDK 1987 ... Bezirksverband 01 Rostock. 17. Bezirksdelegiertenkonferenz 05.09.1987. Protokolle, Dokumente und Berichte. - Sekretariat nach Konstituierung am 05.09.1987. 1) Dieter Klemm - Bezirksvorsitzender. 2) Heinz-Peter Scholz - Stellvertretender Bezirksvorsitzender. 3) Wolfgang Zöllig - Sekretär für Kultur, Bildung und Agitation. 4) Ernst-Friedrich Lohff - Sekretär für Wirtschaft und Landwirtschaft. 5) Udo Klusmeyer - Sekretär für Sozialistische Demokratie und Kader. - Mitglieder Sekretariat: 6) Hans-Joachim Kalendrusch - Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates des Bezirkes, Mitglied Rat des Bezirkes und Abteilungsleiter Erholungswesen und beim RdB Rostock. 7) Xaver Kugler - Chefredakteur Bezirkspresse "Der Demokrat". In: Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. Findbuch 07 – 011 CDU in der SBZ/DDR Bd. V, Sankt Augustin 2018, S. 409f.
Seit 1988 war Kalendrusch ehrenamtlicher stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes Rostock der CDU. Als Berichterstatter für den Bezirksverband Rostock nahm er auch an Sitzungen des Hauptvorstandes der CDU-Ost teil.CDU in der SBZ/DDR (07-011), Sekretariat Hauptvorstand, Protokolle und Dokumente, 30.- 35. Sitzung 10.04.1984 - 0.07.1984, Parteivorsitzender Gerald Götting. Der Bezirksvorsitzende des Bezirksverbandes 01 Rostock war Dieter Klemm, weitere Mitglieder des Bezirkssekretariates Rostock waren Heinz-Peter Scholz, Udo Klusmeyer, Ernst-Friedrich Lohff und Xaver Kugler.Stand 1984: Teilnehmer einer Sitzung des Hauptvorstandes der Ost-CDU. 1976 bis 1990 war Kalendrusch Mitglied im Bezirkstag Rostock.
Am 20. Dezember 1989 nahm Kalendrusch an einer Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes Rostock der CDU teil, auf der der Sonderparteitag der CDU ausgewertet und eine Vergrößerung Untersuchungsausschuss des Bezirksvorstandes beschlossen wurde. Nach wie vor saßen aber dennoch die alten Mitglieder des Bezirkssekretariates Rostock im Bezirksvorstand.I) Bezirksverband Neubrandenburg, Rostock und Landesvorstand sowie Landesparteitag CDU Mecklenburg und Vorpommern. I.1) Bezirkssekretariat und Bezirksvorstand Rostock. 20.12.1989 - Bezirksvorstand. Teilnehmer: Klemm, Scholz, Bayer, Buske, Harloff, Höfer, Kalendrusch, Klusmeyer, Kugler, Lohff, Maaß, Mundt, Päplow, Schöne, Schuster, Schmidtbauer, Slonina, Sonnenburg, Voß, Wiesemüller, Zobel, Zödlick, Schmidt, Panik. Tagesordnung: 1. Auswertung Sonderparteitag. 2. Antrag zur Vergrößerung Untersuchungsausschuss des BV. 3. Aussprache. 4. Beschlüsse.
Aus dem Bestreben einer Länderneubildung in Ostdeutschland wurde der CDU-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern bereits am 3. März 1990 gegründet, also noch vor den Wahlen zur neuen (und letzten) Volkskammer der DDR am 18. März 1990.Marcel Reusch: Der Transformationsprozess im Nordosten der Bundesrepublik Deutschland, S. 61. Schriftliche Hausarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Magister Artium, Rostock, 3. 8. 2009, https://rosdok.uni-rostock.de/resolve/id/rosdok_thesis_0000000005
Nach den Kommunalwahlen am 6. Mai 1990 waren die Bezirkstage die einzigen nicht demokratisch legitimierten Regierungsorgane. Aus diesem Grund beschloss die Volkskammer am 17. Mai 1990 das Ende der Legislaturperiode der Bezirkstage zum 31. Mai 1990. Gleichzeitig setzte die Volkskammer sogenannte Regierungsbevollmächtigte ein. Diese sollten die Regierbarkeit der Bezirke sichern und die ersten Schritte zur Umsetzung einer umfassenden kommunalen Verwaltungsreform einleiten. Die Amtsperiode der Regierungsbevollmächtigten sollte bis zu den ersten Landtagswahlen dauern. Faktisch endet die Amtsperiode jedoch schon mit dem Inkrafttreten des Einigungsvertrages am 3. Oktober 1990. Das Vorschlagsrecht für die Regierungsbevollmächtigten erhielten die Bezirksgeschäftsstellenleiter der Parteien, die bei den Volkskammerwahlen in den entsprechenden Bezirken die meisten Stimmen erhalten haben. Im Bezirk Rostock war dies die CDU, wo Kalendrusch seit 1988 stellvertretender Vorsitzender des Bezirksvorstandes war.