mini|St. Laurentius in Dittwar Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Laurentius (auch Laurentiuskirche) in Dittwar, einem Stadtteil von Tauberbischofsheim im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg, wurde von 1753 bis 1755 als Barockkirche errichtet und ist dem heiligen Laurentius von Rom geweiht.Franz Gehrig: Das Kreuzhölzle: Kapelle – Kreuzweg – Wallfahrt zu Dittwar; heute: Tauberbischofsheim-Dittwar. Katholische Pfarrgemeinde St. Laurentius Dittwar, Dittwar 1982, S. 18.Seelsorgeeinheit Tauberbischofsheim: Laurentiuskirche. Online auf www.kath-kirche-tbb.de. Abgerufen am 22. Juni 2015.

Geschichte Mittelalter Die Ursprünge Das Christentum fand in Dittwar wohl schon in der Zeit nach dem heiligen Bonifatius Einzug, als dieser das Bistum Würzburg gründete und im Jahr 722 im benachbarten Tauberbischofsheim eine Kirche einweihte. Für seine Verwandte Lioba baute er dort kurze Zeit später (etwa 725 bis 735) ein Kloster.Manfred Maninger: Chronik der Gemeinde Dittwar, 1968. Hrsg. Heimat- und Kulturverein Dittwar e. V. Online auf www.hkvdittwar.de. Abgerufen am 22. Juni 2015. Um das Jahr 1100 wurde Dittwar erstmals urkundlich erwähnt und noch vor dem Jahre 900 wird eine Besiedelung des Ortes als Ausbauort angenommen.LEO-BW.de.: Dittwar, Altgemeinde/Teilort. Online auf www.leo-bw.de. Abgerufen am 14. März 2017. Die Dittwarer Gemeinde gehörte daher wohl zunächst zum Bistum Würzburg und vom Jahr 900 ab etwa zum Erzbistum Mainz, denn für die benachbarte Gemeinde Tauberbischofsheim ist diese Zugehörigkeit belegt und dasselbe mag wohl auch für Dittwar gelten.

Die erste selbstständige Pfarrei Im Jahre 1222 wurde in Dittwar eine selbständige Pfarrei mit eigener Kirche genannt. 1232 wurde ein Leutpriester erwähnt.

Neuzeit Die Zeit als Filialkirche Trotz bestehender Pfarrpfründe unter Mainzer Patronat wurde Dittwar bis 1618 von der Martinskirche in Königheim, dann von der Stadtkirche St. Martin aus Tauberbischofsheim pastoriert.

Entstehung der Wallfahrt zum Kreuzhölzle mini|Kreuzkapelle (Kreuzhölzle) bei Dittwar, eingeweiht 1683 Ein taubstummes Mädchen aus Dittwar fand 1669 beim Holzsammeln zwei Figuren, die Maria und Johannes darstellen, in einer Eiche. In der Folge wurde an der Fundstelle zunächst ein kleiner Altar errichtet.Stadt Tauberbischofsheim: Online auf www.tauberbischofsheim.de. Abgerufen am 19. Oktober 2014. Seit 1670 ist eine Wallfahrt zum Kreuzhölzle nachgewiesen.Heimat- und Kulturverein Dittwar e. V.: Wallfahrt zum Kreuzhölzle. Online auf www.hkvdittwar.de. Abgerufen am 14. Oktober 2014. 1683 wurde an der Fundstelle eine Kreuzkapelle (auch als Kreuzhölzle bekannt) eingeweiht.

Neuerrichtung der Pfarrei und Neubau der heutigen Kirche Im Jahre 1702 wurde in Dittwar eine Pfarrei neu errichtet.Franz Gehrig: Das Kreuzhölzle: Kapelle – Kreuzweg – Wallfahrt zu Dittwar; heute: Tauberbischofsheim-Dittwar. Katholische Pfarrgemeinde St. Laurentius Dittwar, Dittwar 1982, S. 33 (Die Pfarrer von Dittwar nach Neuerrichtung der Pfarrei im Jahre 1702). Am 28. April 1746 wurden durch den Mainzer Vikar die Deeimatoren zu Dittwar für schuldig erklärt, einen Chor pr rate zu bauen. Im Jahre 1747 erhielt die Pfarrei von einer bischöflichen Kommission die Druckerlaubnis für das erste Wallfahrtsbüchlein zum Kreuzhölzle. Nachdem die alte Kirche baufällig wurde, kam es in der Zeit zwischen 1753 und 1755 zum Neubau der heutigen Kirche.LEO-BW.de: St. Laurentius (Laurentiusstraße 6, Tauberbischofsheim). Online unter www.leo-bw.de. Abgerufen am 19. Juni 2018. Es ist bereits die vierte nachgewiesene Kirche in Dittwar; die beiden ersten waren aus Holz, die beiden letzten waren Steinbauten. Wenige Jahre später, im Jahre 1759, errichtete die Pfarrgemeinde auch einen Kreuzweg zum Kreuzhölzle, der durch die Tauberbischofsheimer Franziskaner eingeweiht wurde.

Aus dem Jahr 1899 ist überliefert, dass es in Dittwar während des Gottesdienstes zu einem Zwischenfall kam, weil die Hof-Steinbacher seit langer Zeit in der Laurentiuskirche den sonntäglichen Gottesdienst besuchten, obwohl sie pfarreilich zur Gemeinde St. Vitus in Dittigheim gehören.Elmar Weiß: Dittigheim. Geschichte einer alten Siedlung im Taubertal. Interessengemeinschaft Heimatbuch Dittigheim, Tauberbischofsheim 1987, , S. 253–255.

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erhielt die Laurentiuskirche neue Kirchenglocken.Katholischer Kirchenchor Dittwar: Teil-Abschrift vom 25. August 2004 von Elvira Schmitt, Schriftführerin, Kirchenchor Dittwar: Teil 1.) Zweiter Aufruf von Dompräbander W. Weitzel, Domorganist, an sämtliche katholische Organisten von Baden und Hohenzollern (Fragen und Antworten), Freiburg, vom 25. Oktober 1926; Teil 2.) Vereinsstatistik vom 1. Januar 1922. (JPG) 25. August 2004. Online auf www.directupload.net. Abgerufen am 9. Januar 2016. Von diesen ist heute noch eine Glocke aus dem Jahre 1925 erhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten zwei weitere Glocken, die im Jahre 1950 gegossen wurden und seitdem ein dreistimmiges Geläut bilden.Erzbistum Freiburg: Kath. Pfarrkirche St. Laurentius in Tauberbischofsheim-Dittwar. Online auf www.ebfr-glocken.de. Abgerufen am 13. Juli 2016.

Die Laurentiuskirche gehört heute zur Seelsorgeeinheit Tauberbischofsheim, die dem Dekanat Tauberbischofsheim des Erzbistums Freiburg zugeordnet ist.

Architektur Außenbau Die Laurentiuskirche ist ein stattlicher Putzbau mit Eckquadern und geschweiftem Volutengiebel. An Stelle eines Turmes hat sie über dem Haupteingang einen Dachreiter.

Innenraum und Ausstattung mini|Innenraum der Kirche St. Laurentius in Dittwarmit barocken Portalen und reich verzierten Bildstöcken

Ausstattungsgegenstände Die Dittwarer Laurentiuskirche verfügt unter anderem über mehrere barocke Portale und reich verzierte Bildstöcke. Im Chor ist eine gotische Sakramentsnische aus der Zeit um 1500 aus rotem Sandstein eingelassen. Ein Großteil der Ausstattung besteht aus dekorativem Barock. Die ehemaligen Deckengemälde wurden übermalt.

Altäre Eine virtuose Hochaltarkomposition ergänzt die Ausstattung. Das Bild des barocken Hochaltars stellt das Martyrium des heiligen Laurentius dar. Das Schiff der Kirche besteht aus einem Raum mit dreiseitigem Chorabschluss und schräggestellten Seitenaltären.

mini|Empore von St. Laurentius mit Orgel von Wilhelm Schwarz & Sohn Orgel Die Laurentiuskirche verfügt über eine Orgel von Wilhelm Schwarz & Sohn aus dem Jahre 1905. Das Instrument hat 17 Register auf zwei Manualwerken und Pedal.Die-Orgelseite.de: Dittwar. St. Laurentius. Online auf www.die-orgelseite.de. Abgerufen am 13. Juli 2016.

Glocken Im Turm hängt ein dreistimmiges Glockengeläut. Die Glocken 1 und 2 stammen aus dem Jahre 1950 von der Glockengießerei der Gebrüder Rincker in Sinn. Die Glocke 3 wurde im Jahre 1925 von dem Glockengießer Störmer in Erfurt gegossen. In der Melodielinie erklingt das Te-Deum-Motiv. Die Glocken befinden sich in einem Dachreiter mittig über den Eingangsgiebel der Pfarrkirche in einem alten Holzglockenstuhl mit einer sogenannten Bockstuhlkonstruktion.

Glocke Gießer Gussjahr Durchmesser Gewicht Schlagton 1 Gebrüder Rincker, Sinn 1950 870 mm 384 kg a′+ 8 2 Gebrüder Rincker, Sinn 1950 730 mm 227 kg c″+ 7 3 Störmer, Erfurt 1925 680 mm d″+ 3

Räderuhrwerk Auf dem Speicher der Kirche befindet sich ein altes, mechanisches Räderuhrwerk. Im Giebel unter dem Kirchturm befindet sich ein Zifferblatt dieser Uhr. Die Glocken 1 und 2 sind in den Uhrenschlag integriert: Den Viertelstundenschlag übernimmt die Glocke 2 und den Stundenschlag tätigt die Glocke 1.

Denkmalschutz Der Laurentiuskirche befindet sich in der Laurentiusstraße 6 und ist ein Kulturdenkmal der Stadt Tauberbischofsheim.Regierungspräsidium Stuttgart (Hrsg.): Liste der Bau- und Kunstdenkmale mit Stand vom 15. Februar 2012. Sie steht als sonstiges Denkmal unter Denkmalschutz.

Gemeindeleben Seelsorger Die folgenden Pfarrer bzw. Seelsorger wirkten seit der Neuerrichtung der Dittwarer Pfarrei im Jahre 1702: 1703–1735:Johannes Frank; er starb mit 63 Jahren1736–1742:Johannes Grübler; 32 Jahre alt1742–1754:Johannes Reuß; der Erbauer der neuen Kirche St. Laurentius in den Jahren 1753–541755–1757:Franz May1758–1786:Adam Molitor1786–1796:Valentin Forster1796–1807:Sebastian Baumann1807–1817:Anton Hofer1817–1818:Andreas Schuman; Pfarradministrator1818–1818:Karl Kieser; Pfarrer der Gemeinde St. Vitus in Heckfeld; Administrator1818–1825:Andreas Geiger1826–1828:G. Sokoll1828–1829:Georg Sissek; Pfarrer der Gemeinde St. Peter und Paul in Gissigheim; Administrator1828–1829:Adam Geißler; Administrator1829–1843:J.P. Stiel1843–1848:G. Külsheimer1848–1854:Johann Scherer1854–1854:Stolz, Pfarrverweser aus Heckfeld1854–1861:Häfner1861–1865:Burbach1865–1871:Karl Baumann1871–1872:Wilhelm Rudolph1872–1874:Karl Volk1874–1876:Wilhelm Knäbel1877–1891:Joseph Bartn1891–1893:Julius Krämer1893–1894:Franz Kohler1894–1920:Peter Keilbach1920–1924:Augustin Schweikert1924–1925:Hermann Wetzel (Kaplan), Aloys Weniger (Kaplan)1926–1931:Franz Horn1931–1942:Josef Schmitt1942–1950:Wilhelm Schuhmacher1950–1972:Engelbert Winkler1973–1979:Josef Barton1979–Rupert Kleemann –1999Jürgen Banschbach

Zuletzt bestand eine gemeinsame Pfarrei der drei "Di"-Gemeinden beziehungsweise Tauberbischofsheimer Stadtteile Distelhausen, Dittigheim und Dittwar. In der Zeit nach der Jahrtausendwende musste die eigenständige Pfarrei der drei "Di"-Gemeinden jedoch aufgegeben werden. Die drei Gemeinden werden heute von Tauberbischofsheim aus versorgt.

Katholischer Kirchenchor Dittwar Die Gemeinde betreibt im Rahmen der Liturgie den Katholischen Kirchenchor Dittwar.Stadt Tauberbischofsheim: . online auf www.tauberbischofsheim.de. Abgerufen am 5. November 2015. Der Kirchenchor besteht mindestens seit dem Jahre 1890, da einzelne Chorsänger am 25. Oktober 1926 für ihre Mitgliedschaft seit diesem Jahr genannt wurden. Möglicherweise bestand der Chor schon vor dem Jahre 1890. Die Zahl der Chormitglieder entwickelte sich im 20. und 21. Jahrhundert wie folgt: 1922 (ca. 25 Mitglieder), 1926 (27, davon 12 Herren und 15 Damen), 1980 (ca. 25),Aufzeichnungen und Informationen des Ehrendirigenten Linus Hönninger, Chorleiter von 1980–2010 und 2012–2014, Kirchenchor Dittwar. 1990 (ca. 35), 2016 (18).

Katholischer Jugendclub Carawanse Dittwar Für die kirchliche Jugendarbeit unterhält die Pfarrei St. Laurentius als Träger den Katholischen Jugendclub (KJC) Carawanse Dittwar. Dieser wurde am 25. Oktober 1979 gegründet.KJC Carawanse Dittwar: . Online auf www.kjc-carawanse.de. Abgerufen am 22. Juni 2015. Zur Jugendpflege unterhält die Carawanse ein offenes Jugendhaus unterhalb des Kindergartens. Ihre Arbeit ist parteipolitisch unabhängig, neutral und überkonfessionell.KJC Carawanse Dittwar: . 17. März 2002. Online auf www.kjc-carawanse.de. Abgerufen am 22. Juni 2015.

Literatur

Franz Gehrig: Das Kreuzhölzle: Kapelle – Kreuzweg – Wallfahrt zu Dittwar; heute: Tauberbischofsheim-Dittwar. Katholische Pfarrgemeinde St. Laurentius Dittwar, Dittwar 1982. Rudi Walz: Wallfahrt zum Kreuzhölzle Dittwar. Katholische Pfarrgemeinde St. Laurentius Dittwar, Dittwar 1984. Pfarrer Kleemann: Festschrift – Heimatbuch zum Jubiläum 300 Jahre Kreuzkapelle Dittwar. Pfarrgemeinde St. Laurentius Dittwar, StieberDruck, Lauda 1983. Wallfahrtsbüchlein zu Dittwar. St. Laurentius, Dittwar 1831.

Weblinks

Die Laurentiuskirche Dittwar auf der Website der Seelsorgeeinheit Tauberbischofsheim. Geschichte der Kirchengemeinde in der Dittwarer Ortschronik (unter dem Gliederungspunkt A. Allgemeiner Teil, 3. Kirchengemeinde) auf der Website des Heimat- und Kulturvereins Dittwar. Wallfahrt zum Kreuzhölzle in der Pfarrei St. Laurentius (1) und (2) auf der Website des Heimat- und Kulturvereins Dittwar. Wallfahrt zum Kreuzhölzle auf der Website der Seelsorgeeinheit Tauberbischofsheim

Einzelnachweise

Kategorie:Laurentiuskirche Laurentius Kategorie:Barocke Kirche Kategorie:Barockbauwerk im Main-Tauber-Kreis Kategorie:Erbaut in den 1750er Jahren Kategorie:Pfarrkirche des Erzbistums Freiburg