Wettmar ist eine Ortschaft der Stadt Burgwedel in der niedersächsischen Region Hannover.
Geschichte Frühgeschichte Zahlreiche archäologische Funde aus der Gemarkung Wettmar weisen auf das periodische Siedeln von Jäger- und Sammler- sowie Fischergruppen nach der letzten Eiszeit hin. Bei den Funden handelt es sich um Steinwerkzeuge aus der Altsteinzeit (12.000–8000 v. Chr.) und der Mittelsteinzeit (8000–4500 v. Chr.).
Aus der Jungsteinzeit (4500–2000 v. Chr.) sind Steinwerkzeuge, die der Ackerbaukultur zuzuordnen sind, an den Endmoränenrändern gefunden wurden. Dabei handelt es sich um Hämmer, Steinäxte, Steinbeile und Flintdolche. Funde aus der Bronzezeit und der früheren Eisenzeit (2000–500 v. Chr.) aus den Hügelgräbern hinter dem „Schelp“, Maschkop, dem Ehrenberg bei Thönse und dem Lahberg deuten auf dorfähnliche Siedlungen hin. Gefunden wurden bei Ausgrabungen Urnen verschiedener Art und Bronzegrabbeigaben.
Mittelalter Bereits um 1000 gab es eine Ortschaft im Gebiet des heutigen Altdorfes. Notausgrabungen von 1991 im Bereich des Baugebietes „Obstgarten“ brachten Reste eines Grubenhauses als Webhaus eines Gehöftes sowie Webgewicht, Keramiken und gebrannte Steine zum Vorschein.
Eine Eintragung in das Güterverzeichnis der Hildesheimer Dompropstei aus dem Jahre 1277 ist die älteste schriftliche Dokumentation des Dorfes „Wettmar“, damals noch als „Wetemer“ bezeichnet.
Verständlich wird die Benennung durch die Lage des Ortes: Wettmar ist auf drei Seiten von Erhebungen umgeben, worauf sich die Namengebung bezogen haben könnte.
Eine erste Kirche in der Nähe des heutigen Standortes (Magnuskirche) wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts errichtet, nachdem sich die drei Dörfer Wettmar, Thönse und Engensen am 25. November 1307 von der bis dahin zuständigen Pfarrei Burgdorf losgekauft hatten. Die Kirche wurde während des Dreißigjährigen Krieges zerstört.
Im Jahre 1350 brach im Gebiet des heutigen Niedersachsens die Pest aus. Der Epidemie fielen auch zahlreiche Bewohner in Wettmar zum Opfer.
Durch das Nachsiedeln von zahlreichen Kötnern in Wettmar auf der „breiten Trift“ entstanden neue Siedlungsabschnitte. Das ursprüngliche Dorf war in einer halbrunden Form angelegt, mit einer breiten Trifft zu den Weidegebieten.
Neuzeit mini|Zufahrt zur Wellmühle Ab 1523 oder 1534, das genaue Jahr ist unbekannt, verrichtete Gerd Polde als erster reformierter Prediger in Wettmar Dienst.
Die erste urkundliche Erwähnung des Standortes der Windmühle am heutigen Nordberg fand 1585 statt. Etwa zeitgleich 1586 wurde die Wellmühle als bäuerliche Wassermühle erwähnt. Sie befand sich im Besitz zweier Wettmarer Höfe. Da die Mühle durch einen Mühlenteich, der durch verschiedene Zuläufe gespeist wurde, angetrieben wurde, war das Aufstauen des Wassers einige Tage lang erforderlich, um die Mühle betreiben zu können. Das Wasserrad der Wellmühle stellt den unteren Teil des Wettmarer Wappens dar.
Der Dreißigjährige Krieg Wettmar litt im Dreißigjährigen Krieg besonders unter der Einquartierung dänischer Truppen. Im Jahre 1624 wurde die Wettmarer Kirche und das Pfarrwitwenhaus zerstört. 1689 wurde mit dem Neubau begonnen, 1694 wurde die Kirche eingeweiht.
Im Gefolge des Krieges wurden die Wettmarer Wellmühle und die Engenser Wulbekmühle ganz „ruiniret“. Die Wellmühle war in den Besitz der Gemeinde Wettmar übergegangen. Die Gemeinde fand niemanden, der sich zur Herrichtung der Mühle in der Lage gesehen hätte. Aus diesen beiden zerstörten Mühlen entstand die herrschaftliche Wellmühle. Die Mühle diente nach ihrer Errichtung 1668 bis 1901 zum Mahlen von Malz, das für die Burgwedeler Brauerei benötigt wurde.
Der Wettmarer Damm bestand von alters her, um die Weidegebiete im Wietzenbruch zu erschließen. Um 1660 wurde er verbreitert. Gleichzeitig wurde ein neuer Damm errichtet, der eine Verbindung von Kleinburgwedel auf den Wettmarer Damm im Bereich der Krümme herbeiführte. Der Damm erlangte die Bedeutung eines Heerweges, wodurch sich das Recht der Nutzung für die ganze Vogtei ergab. Die vielfältige Nutzung führte zu Streitigkeiten zwischen den Ortschaften über die Unterhaltung des Weges. Der Streit endete etwa 1779 mit der Fertigstellung des neuen Heerweges von Hannover nach Celle (Bundesstraße 3). Dadurch verlor der Wettmarer Damm seine überörtliche Bedeutung.
Schule in Wettmar 1668 wurde im Kirchspiel Wettmar der erste Schuldiener (Lehrer) eingesetzt. Ein geregelter Unterricht fand lange Zeit nur im Winter statt, da die Kinder während des restlichen Jahres auf Hof und Feld helfen mussten. 1712 entstand in Wettmar ein Schulgebäude mit einem etwa 60 m² großen Klassenraum. Es befand sich an der Stelle des heutigen Pfarrgartens (Hauptstraße). Der Wettmarer Lehrer Grave übernahm eine Schulklasse im Alter von 16 Jahren. Die Klassenstärke betrug im Jahr 1699 in Wettmar 100 Schüler.
1860 wurde an der Hauptstraße 21 ein neues Schulgebäude errichtet. Die Inschrift lautet: „Hier lernt die zarte Jugend Frömmigkeit, Weisheit und Tugend.“
Die Wellmühle 1752 wurde die Wellmühle als Amts- und Wohnsitz der Wettmarer Förster eingesetzt. Die örtlichen Bauern sperrten sich gegen den Vorschlag, ein neues Forstgebäude auf dem Schelpberg errichten zu lassen. Ab dem Jahr 1763 hatte Wettmar den ersten „gehenden Förster“.
Ortsbrände in Wettmar 1787 wurde Wettmar von zwei Feuerkatastrophen heimgesucht. 13 von 51 Höfen fielen den Bränden zum Opfer. Begünstigt wurden die Feuer von den strohgedeckten Häusern. Die Neubauten mussten daraufhin einen Sicherheitsabstand aufweisen. Da es zu einem Mangel an Eichenstämmen kam, wurden für den Wiederaufbau Tannenholz verwendet. Die Landesherren stellten den Brandopfern Getreide zur Selbstversorgung zur Verfügung.
Ein zweiter schwerer Brand brach am 24. Juni 1850 aus und erfasste innerhalb von zwei Stunden 51 Gebäude. Diesmal brannte auch die Kirche nieder – und mit ihr 25 der 50 Häuser und Höfe. Die St.-Marcus-Kirche wurde nach Plänen des hannoverschen Architekten Conrad Wilhelm Hase neu gebaut und 1855 eingeweiht.
Am 4. Juli 1850 geriet wieder eine Scheune in Brand, diesmal brannten 59 meist dicht beieinanderstehende Gebäude im Ortsteil „im Klündern“ nieder, 25 Wohnhäuser und 34 Wirtschaftsgebäude wurden vernichtet. 34 Familien wurden obdachlos. 1851 waren fast alle Gebäude wieder errichtet. Aufgrund der damaligen Brände gibt es heute in Wettmar kaum Fachwerkhäuser, die älter als 220 Jahre sind.
Die Agrarreform 1802 wurde auf dem Gebiet des ehemaligen Fürstentums Lüneburg die erste umfassende Gemeinheitsteilungsverordnung erlassen. Mit der Generalteilung des Wietzenbruchs begann für die Bauern in Wettmar und Umgebung eine grundlegende Veränderung der bisherigen Wirtschaftsform. Anstelle der bisherigen genossenschaftlichen Nutzung des Wietzenbruchs, wurden den einzelnen Ortschaften Weideflächen zugewiesen. Die Bemessungsgrundlage für die Aufteilung waren die Viehbestände der einzelnen Ortschaften. Neben der Aufteilung der Weideflächen wurden auch Berechtigungen an herrschaftlichen Forsten und Mooren, u. a. „Großes Moor“, durch Zuweisung von Flächen abgelöst. Dieser Vorgang war 1850 abgeschlossen.
Innerhalb der Ortschaften wurde das Land von 1827 bis 1853 nach dem gleichen Schema an die einzelnen Bauern weiterverteilt. Die neuen Besitzverhältnisse wurden vermessen und katasteramtlich erfasst. Darüber hinaus wurden auch gemeinschaftliche Wege und Gräben angelegt. Diese Vorgehensweise wurde als „Verkopplungsverfahren“ (Flurbereinigung) bezeichnet, begann 1857 und wurde 1883 abgeschlossen.
Die Kaiserzeit Gewerbe in der Kaiserzeit 1878 wurde in Wettmar eine Streichholzfabrik von W. Pedeke eröffnet. Diese befand sich an der Luisenstraße/Ecke Schelpberg und produzierte etwa 50 Millionen Streichhölzer pro Jahr. Im Jahre 1882 brannte diese Fabrik nieder.
Es gab auch eine Ziegelei in Wettmar, die 1870 eröffnet wurde und bis 1902 Ziegel herstellte. Noch heute sind die Reste auf der linken Seite (von Wettmar Richtung Engensen kommend), sichtbar. Die Geländeeinschnitte oberhalb der Ziegelei und im Mühlenfeld (am Celler Weg) sind auf den Tonabbau für die Ziegelei zurückzuführen. Nach der Stilllegung wurde das Grundstück bis 1940 als Wieckenberg’sche Obstplantage und Champignonzucht genutzt.
Ab 1872 betrieb H. Bartels eine Dampfsägemühle im Bereich „Alter Holzhof“. Daneben gab es um 1899 folgende Handwerksunternehmen: Bäcker, Dachdecker, drei Gastronomen, fünf Händler (Höker), Schlachter, zwei Schmiede, zwei Schneider, fünf Schuster, zwei Stellmacher und vier Tischler.
Die Müllerei erlebte infolge einer intensiven Landnutzung eine Blütezeit. Von 1880 bis 1926 wurde neben der Bockwindmühle am nordöstlichen Rand Wettmars die Schulzenmühle auf der Horst betrieben.
Ab 1883 wurde in Wietze Öl gefördert. Dieser Boom erreichte auch Wettmar. 1898 schlossen die Wettmaraner einen Kalibohrvertrag ab. Die Bohrversuche am „alten Damm“ brachten aber keine Erfolge.
Die Freiwillige Feuerwehr Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1888 gegründet. 36 Gründungsmitglieder waren zur Gründung anwesend. Der Burgdorfer Landrat erkannte 1890 die Freiwillige Feuerwehr Wettmar als so genannte Schutzwehr an. 1891 schaffte sich die Wettmarer Feuerwehr eine Wagen-Handdruckspritze an. Da die neuen Pumpen recht viel Wasser förderten, erwiesen sich die bis dahin bestehenden Löschwasserteiche als zu klein. Aus diesem Grunde wurden in Wettmar für den Ernstfall drei Röhrenbrunnen gebaut, ebenso zwei große Wasserbecken. Aufgrund einer am 28. Dezember 1898 vom preußischen Innenminister erlassenen Verfügung erließ der Oberpräsident der Provinz Hannover, Se. Exc. Konstantin Graf zu Stolberg-Wernigerode, Major à la suite der Armee, am 27. September 1901 die „Polizeiverordnung, betreffend die Regelung des Feuerlöschwesens“, die Bestimmungen für die Errichtung von „Gemeinde-Feuerwehren“ (Pflichtfeuerwehren) enthielt. In § 1 heißt es: „In jeder Stadt- und Landgemeinde und in jedem Gutsbezirke, soweit in denselben nicht eine aus-reichende Berufsfeuerwehr besteht, oder dieselben nicht einem Spritzenverbande (§ 139 des Zuständigkeits-Gesetzes) angehören, sowie für jeden Spritzenverband ist eine Feuerwehr einzurichten ...“
Vereinsleben in Wettmar zu Kaisers Zeiten Das Vereinsleben zu dieser Zeit entstand meistens aus den Schützenvereinen und den Musikvereinen. 1902 wurde der Schützenverein „Gut Ziel“ in Wettmar gegründet. 1906 schlossen sich die Schützenvereine aus Wettmar, Kleinburgwedel und Thönse zu einem Bund zusammen, der regelmäßig Vergleichsschießen veranstaltete. 1907 fand die erste dieser Aktivitäten statt.
Der Wettmarer Männergesangverein „Germania“ gründete sich im Jahr 1883 mit 50 Mitgliedern. Er gilt als ältester Verein Wettmars. Seit 1900 gehörte er dem Sängerbund „Hannovera“ an.
Der Erste Weltkrieg Am Abend des 1. August 1914 verkündete eine Extraausgabe des Burgdorfer Kreisblattes die Mobilmachung. Als erster Mobilmachungssonntag wurde der 2. August 1914 genannt. Viele Wettmaraner, die die Befürchtung hatten, sofort eingezogen zu werden, besuchten am Vorabend Gottesdienste. Die Standesämter reagierten umgehend: die Aufgebotspflicht wurde aufgehoben. Die Meldung von Freiwilligen hielt sich in den Dörfern, so auch in Wettmar, in Grenzen. Der Grund dafür dürfte in der Arbeit auf den Höfen zu suchen sein. Da immer mehr Männer eingezogen wurden, wurde die Ferienzeit der Schüler verlängert, damit diese auf den Höfen helfen konnten. In Wettmar wurde ein „Deutsch-Evangelischer Frauenverein“ gegründet. Dieser Verein führte Sammlungen durch und stellte Dinge des täglichen Bedarfs für die Frontsoldaten her.
Da ein Mangel an männlichen Arbeitskräften entstand, wurden in Wettmar belgische, russische und französische Kriegsgefangene zur Erntearbeit, aber auch zum Eisenbahnbau, eingesetzt. Diese bis zu 100 Gefangenen wurden in der Gaststätte Blume untergebracht.
Bereits im Herbst 1914 kamen die ersten Kriegsverletzten nach Wettmar zurück. 23 Wettmaraner fielen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer.
Die Weimarer Republik