Der Begriff Infantes de Aragón (Prinzen von Aragonien) wird in der spanischen Geschichtsschreibung allgemein für die Kinder des Königs Ferdinand I. von Aragonien und seiner Frau Eleonore Urraca von Kastilien verwendet.
Eltern Vater Ferdinand war der zweite Sohn des Königs Johann I. von Kastilien. Er erhielt 1386 von seinem Vater Johann I. von Kastilien den neu geschaffenen Titel eines Herzogs von Peñafiel. Nach dem Tod seines Bruders Heinrich III. von Kastilien im Jahr 1406 lehnte er die ihm von den Cortes von Kastilien angebotene Krone von Kastilien ab und übernahm zusammen mit seiner Schwägerin Katharina von Lancaster die Regentschaft für den minderjährigen Johann II. von Kastilien. Das Ansehen Ferdinands wuchs besonders durch die Eroberung der Stadt Antequera im Rahmen der Reconquista im Jahr 1410. Er war seit diesem Sieg als „el de Antequera“ (der von Antequera) bekannt. Im Jahr 1412 wurde Ferdinand durch den Schiedsspruch von Caspe zum Herrscher der Krone von Aragonien bestimmt.
Mutter Eleonore Urraca von Kastilien (1374–1435) entstammte väterlicherseits einer Seitenlinie des kastilischen Königshauses des Hauses Trastámara und mütterlicherseits dem portugiesischen Königshaus, dem Haus Avis. Eleonore erbte nach dem Tod ihres Bruders nicht nur den Titel einer Gräfin von Albuquerque, sondern auch reiche Besitzungen in Kastilien, La Rioja und Extremadura. Einen Teil dieser Besitzungen gab sie schon zu Lebzeiten an ihre Söhne weiter. Nach dem Tod ihres Mannes (1416) lebte sie auf ihren Gütern in Medina del Campo. Eleonore versuchte zu verschiedenen Zeiten zwischen ihren Kindern und König Johann II. von Kastilien zu vermitteln.
Kinder (Infantes) Maria (1396–1445) heiratete 1420 ihren Vetter Johann II. von Kastilien. Sie hatte einen Sohn, den späteren König Heinrich IV. von Kastilien.
Alfons (1396–1458) folgte seinem Vater als Herrscher der Krone von Aragonien. Er heiratete 1415 seine Cousine Maria (1401–1458) von Kastilien, die Schwester des Königs Johann II. von Kastilien.
Johann (1397–1479) erhielt von seinem Vater im Jahr 1414 den Titel des Herzogs von Peñafiel. Durch seine Heirat mit Blanka von Navarra im Jahr 1420 wurde er mitregierender König, nach dem Tod Blankas alleinregierender König von Navarra. Nach dem Tod seines Bruders Alfons wurde er 1458 Herrscher der Krone von Aragonien.
Heinrich (1399/1400–1445) war 1. Herzog von Villena, Graf von Alburquerque und Herr von Ledesma, Großmeister des Ordens von Santiago (1409–1445). Über die kastilischen Titel hinaus verlieh ihm sein Bruder Alfons verschiedene aragonische bzw. katalanische Titel. Er war in erster Ehe seit 1420 mit seiner Cousine Katharina von Kastilien (1403–1439) der Schwester von Johann II. von Kastilien verheiratet. In zweiter Ehe heiratete er Beatriz Pimentel.
Sancho (1400–1416) wurde im Alter von acht Jahren Großmeister des Alcántaraordens.
Eleonore (1402–1445) heiratete 1428 den damaligen Thronfolger und späteren König von Portugal Eduard. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1438 war sie Regentin für ihren minderjährigen Sohn Alfons. Sie wurde 1439 durch ihren Schwager Peter von Portugal aus dem Amt gedrängt.
Peter (1406–1438), war Herzog von Notho und Graf von Albuquerque, er trat besonders als Helfer und Stellvertreter seines Bruders Alfons in Erscheinung. Tätigkeit Die Infantes de Aragón wurden in Kastilien geboren, zu einer Zeit, als ihr Vater Ferdinand Infant von Kastilien und Herzog von Peñafiel war. Als Regent für seinen Neffen Johann II. verschaffte Ferdinand seinen Söhnen die Herrschaft über wichtige Territorien in Kastilien bzw. die Führung der reichen und politisch einflussreichen Ritterorden von Santiago und Alcántara. Die Töchter Maria und Eleonore wurden mit dem König von Kastilien bzw. von Portugal verheiratet. Auch der bedeutende Besitz von Eleonore Urraca von Kastilien, der Mutter der Infantes de Aragón, führte dazu, dass diese eine einflussreiche Gruppe in der kastilischen Politik bildeten.
Die Infantes de Aragón waren im Grunde kastilische Adelige. Sie hatten ihre Anhänger besonders im kastilischen Hochadel. Dieser strebten eine größere Macht des Adels gegenüber der Krone an. Ihre Gegenspieler waren der König und seine Berater, der niedere Adel und die Vertreter der Städte in den Cortes, die ein Interesse daran hatten, die Autorität der Krone zu stärken. Diese Gruppe wurde repräsentiert durch Álvaro de Luna. Der Machtkampf zwischen dem Hochadel und der Krone durchzog die kastilische Politik während des gesamten 15. Jahrhunderts. Eine Entscheidung zugunsten der Krone brachte erst der Sieg der Katholischen Könige im Kastilischen Erbfolgekrieg. Zu einer weiteren Stärkung ihrer Position führte die Einnahme Granadas.
Da der älteste der Infanten, Alfons nach dem Tod des Vaters 1416 König von Aragonien und der zweitälteste, Johann 1420 durch seine Heirat mit Blanka von Navarra König von Navarra wurden, kümmerte sich der drittälteste Sohn, Heinrich, um die Familieninteressen in Kastilien. Dabei kam es allerdings in einigen Fällen auch zu Meinungsverschiedenheiten besonders zwischen Johann und Heinrich.
1418–1425 Johann II. von Kastilien stand seit dem Tod seines Vaters Heinrich III. von Kastilien unter der Vormundschaft seiner Mutter, Katharina von Lancaster und seines Onkels Ferdinand (dem Vater der Infantes). Sein Onkel starb am 2. April 1416. Seine Mutter starb am 2. Juni 1418. Am 20. Oktober 1418 verlobten sich der dreizehnjährige König Johann II. von Kastilien und die aragonische Infantin María die damals 22 Jahre alt war.
Im März 1419 erklärten die in Madrid tagenden Cortes von Kastilien den damals 14 Jahre alten König Johann für volljährig. Da Heinrich die Interessen seiner Familie durch die Berater des Königs bedroht sah, brachte er im Juni 1420 den König, der sich gerade in Tordesillas aufhielt, in seine Gewalt. Heinrich zog mit dem König erst nach Sevilla und dann nach Talavera de la Reina. In dieser Zeit der Halbgefangenschaft des Königs heiratete Heinrich die Schwester des Königs, Katharina von Kastilien. Die Hochzeit von Johann II. von Kastilien und der aragonischen Infantin María fand dann am 4. August 1420 in Ávila statt.
Ende November 1420 gelang dem König die Flucht aus der Überwachung durch Heinrich. Die Flucht war maßgeblich von Álvaro de Luna (Kastilien) geplant worden. Der wurde in der Folge der wichtigste Berater und Vertraute des Königs Johann. Im Juni 1422 wurde Heinrich von königlichen Soldaten gefangen genommen und eingesperrt. Ihm wurden seine Besitzungen in Kastilien aberkannt. Für das Großmeisteramt des Ordens von Santiago wurde ein Verwalter eingesetzt. Auch Anhänger Heinrichs wurden, wenn sie nicht fliehen konnten, gefangen genommen. 1423 kehrte Alfons V. von Aragonien, der älteste der Infanten aus Italien zurück, wo er seit 1421 die Herrschaft in Neapel angestrebt hatte. Verschiedene diplomatische Vorstöße Alfons’ zur Befreiung seines Bruders Heinrich hatten keinen Erfolg gebracht. Erst als Alfons 1425 Kriegsvorbereitungen traf um in Kastilien einzumarschieren kam es zu einem Abkommen. Am 10. Oktober 1425 wurde Heinrich nach über drei Jahren Gefangenschaft in Toledo entlassen. Nach einigen Auseinandersetzungen wurde ihm auch seine ehemaligen Ansprüche in Kastilien zurückerstattet.
1429–1432 Als Reaktion auf einen Einmarsch aragonischer Truppen in Kastilien, die sich mit Soldaten Heinrichs vereinigten, ließ Johann II. 1429 erneut den gesamten Besitz Heinrichs in Kastilien beschlagnahmen. Dieser Beschluss sollte durch Rodrigo Alfonso Pimentel durchgesetzt werden, dem 600 Lanzenreiter unterstellt waren. Vor dieser Streitmacht zog sich Heinrich in Richtung der Grenze zu Portugal zurück. Dort schloss sich ihm sein Bruder Peter an. Im August ließ der Kronrat den kompletten in Kastilien gelegenen Besitz von Heinrich und seiner Frau Katharina, von Johann von Navarra und seiner Frau Blanka von Navarra und deren Sohn Karl konfiszieren. Die militärischen Aktionen beider Seiten verursachten zwar große Kosten, es kam aber kaum zu ernsthaften Gefechten. Bei den immer wieder stattfindenden Verhandlungen ging es in erster Linie um Abfindungen die den Infantes für die beschlagnahmten Güter gezahlt werden sollten. Im Juni 1432 wurde Peter, der jüngste Bruder Heinrichs von Truppen des Königs gefangen genommen. Heinrich gab sich geschlagen und schloss ein Abkommen mit der Gegenseite und begab sich mit dem freigelassenen Peter über Lissabon nach Valencia.
Kampf um Neapel Zum Herrschaftsgebiet der Krone von Aragonien, das Alfons V. seit 1416 regierte, gehörte auch die Insel Sizilien. Der auf der Italienischen Halbinsel gelegene Teil des historischen Königreiches wurde seit dem Frieden von Caltabellotta im Jahr 1302 als Königreich Neapel von der Insel getrennt regiert.
1420 war Alfons nach Sizilien gereist, um seine Besitzansprüche in Italien zu sichern. In den Jahren 1421 bis 1423 bekämpfte Alfons für Johanna II. von Neapel den vom Papst 1419 zum König von Sizilien und Neapel gekrönten Ludwig von Anjou. 1423 kam Alfons auf Drängen der Cortes von Aragonien auf die Iberische Halbinsel zurück. 1432 reiste Alfons wieder nach Sizilien. Seine Brüder Johann, Heinrich und Peter begleiteten ihn.
Als Königin Johanna II. von Neapel im Februar 1435 starb, hatte sie in ihrem Testament René I. von Anjou als ihren Erben benannt. Da René zu der Zeit von Herzog Philipp III. von Burgund gefangen gehalten wurde, reiste seine Frau Isabella von Lothringen nach Neapel um das Erbe anzutreten. Sie wurde von Herzog Filippo Maria Visconti von Mailand und einer genuesischen Flotte begleitet. Da auch Alfons das Königreich Neapel als Herrschaftsgebiet der Krone von Aragonien beanspruchte, wollte er auf dem Seeweg nach Neapel reisen. Die Schiffe Alfons’ wurden von der genuesischen Flotte angegriffen. In der Seeschlacht von Ponza im August 1435 wurden die Infantes de Aragón gefangen genommen und dem Herzog von Mailand übergeben.
Ende des Jahres 1435 wurde Johann freigelassen. Er reiste auf die Iberische Halbinsel um Lösegeld für die Freilassung seiner Brüder zu beschaffen.
Während seiner Gefangenschaft konnte Alfons den Herzog Filippo Maria Visconti auf seine Seite bringen. Nach seiner Freilassung führte Alfons mit seinen Brüdern Heinrich und Peter die Eroberung des Königreiches Neapel fort. Bei der Belagerung von Neapel wurde im Jahr 1438 der Infant Peter getötet. Im Jahr 1442 hatte Alfons die Herrschaft über das gesamte Königreich Neapel.
1436–1445 Im Januar 1436 setzte Alfons V. seinen Bruder Johann als seinen Stellvertreter in Aragonien ein und bevollmächtigte ihn auch in seinem Namen mit Johann II. von Kastilien Verhandlungen über die Rückerstattungen des Besitzes in Kastilien zu führen. Diese Verhandlungen führten im September 1436 zu dem Vertrag von Toledo. Dieser Vertrag sah vor: Die Begnadigung aller an den vorausgegangenen Kämpfen Beteiligten und eine finanzielle Abfindung der Infantes. Diese Abfindung sollte allerdings weit unter den Verlusten liegen, die die Infantes durch die Konfiskation ihres Besitzes erlitten hatten. Außerdem wurde die Heirat des kastilischen Kronprinzen Heinrich, dem Sohn des Königs Johann II. von Kastilien, mit Blanka (II) von Navarra, der Tochter Johanns dem Infanten von Aragón und König von Navarra, vereinbart. Als Morgengabe sollte Blanka die 1429 konfiszierten Familiengüter der Infantes de Aragón in Medina del Campo, Olmedo, Aranda und Roa und die Markgrafschaft Villena erhalten.