mini|Bände von Meyers Enzyklopädischem Lexikon (9. Auflage) und Meyers Kleinem Konversations-Lexikon (1908)

Meyers Konversations-Lexikon (zuletzt auch Meyers Enzyklopädisches Lexikon und Meyers Lexikon) war ein enzyklopädisches Werk in deutscher Sprache. Es wurde im 19. und 20. Jahrhundert in mehreren Auflagen vom Bibliographischen Institut herausgegeben und ist nach dessen Gründer Joseph Meyer benannt. Die Weiterentwicklung wurde 1986 zugunsten der Brockhaus Enzyklopädie eingestellt, nachdem der F. A. Brockhaus-Verlag und das Bibliographische Institut 1984 zum Bibliographischen Institut & F. A. Brockhaus fusioniert waren.

Besonderheiten Die Leser von Meyers Konversations-Lexikon konnten mit den Herausgebern am Bibliographischen Institut in Kontakt treten. So enthält jeder Band einen Anhang über den Briefwechsel, das so genannte Korrespondenzblatt. Die ersten Auflagen enthalten bereits zahlreiche Zeichnungen und Pläne.

Chronik der Ausgaben Ur-Meyer (1840–1852/1855) mini|Titelseite aus dem 1. Band des Ur-Meyers

Das erste Lexikonprojekt von Joseph Meyer (1796–1856), dem Begründer des Bibliographischen Instituts, war das 1840 bis 1855 erschienene „Große Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände. In Verbindung mit Staatsmännern, Gelehrten, Künstlern und Technikern“, inoffiziell auch Ur-Meyer, Wunder-Meyer oder Auflage Null. Mit dem anfangs auf 21 Bände bis 1843 konzipierten Lexikon wollte er im Unterschied zu den bis dahin erschienenen Lexika ein breites Publikum ansprechen. Meyer wollte mit diesem Lexikon „dazu beitragen, das drückende Monopol des Wissens, welches so lange auf den Völkern gelastet, über den Haufen zu werfen“; sein Motto war dabei, dass „die Intelligenz Aller […] der stärkste Hort der Humanität und Freiheit [ist]“. Statt der geplanten 21 Bände sind es 52 Bände geworden, 46 Bände A–Z (1840–1852) sowie sechs Supplementbände (1853–1855) mit mehr als 65.000 Seiten zweispaltigem Text, 1200 Seiten Register und über 90 Millionen Wörtern. Damit war es das größte deutsche Konversationslexikon des 19. Jahrhunderts und gilt als eine der wichtigsten Bucherscheinungen dieser Zeit. Innovativ war bei einem deutschen Lexikon die Beigabe von Tafeln und Textillustrationen. Mit diesem Umfang, den Innovationen und dem Stichwortreichtum setzte Meyer neue Maßstäbe in der Geschichte und Entwicklung der Enzyklopädie.

1. Auflage (1857–1860/1861) Nach Joseph Meyers Tod im Jahr 1856 übernahm sein Sohn Herrmann Julius Meyer (1826–1909) die Weiterentwicklung des Lexikons. Er ließ es bewusst nicht als 2. Auflage des „großen Conversations-Lexicons für die gebildeten Stände“ erscheinen, sondern als Neubearbeitung unter dem Titel „Meyer’s Neues Conversations-Lexikon für alle Stände“ (ab Band 2: „Neues Konversations-Lexikon für alle Stände“). Hermann Julius hatte anders als sein Vater keine aufklärerische und erzieherische Intention, sondern wollte hauptsächlich korrekte und objektive Informationen liefern. Dieses neue Selbstverständnis äußerte sich auch in der Reduzierung des Gesamtumfanges. Zwischen 1857 und 1860 erschienen die 15 Bände des Grundlexikons, dazu noch bis 1861 ein Wort- und Sachregister, ein Atlasband und ein Tafel-/Stahlstichband. Alle zusammen hatten rund 19.000 Seiten (Zum Vergleich: „Das große Conversations-Lexicon für die gebildeten Stände“ hatte 52 Bände mit mehr als 65.000 Seiten). Das „Neue Konversations-Lexikon für alle Stände“, das bereits zweispaltig gedruckt wurde, bildete vom Aufbau und Umfang her das Fundament für alle weiteren Ausgaben.

2. Auflage (1861–1867/1875) mini|Meyers Konversations-Lexikon 2. Auflage, mit erstem Band der Ergänzungsblätter

Die 2., gänzlich umgearbeitete Auflage erschien zwischen 1861 und 1867 in 15 Bänden unter dem Titel: „Neues Konversations-Lexikon, ein Wörterbuch des allgemeinen Wissens“. Hinzu kam ein Register- und Nachtragsband (16. Band, 1868) sowie ein Spezialsupplement (1872). Zu dieser Auflage wurden sieben Bände Ergänzungsblätter zur Kenntnis der Gegenwart (1866–1871) veröffentlicht. In gleichem Kontext als Ergänzungswerk erschienen von 1871 bis 1875 noch die neun Bände Deutsche Warte. Umschau über das Leben und Schaffen der Gegenwart.

3. Auflage (1874–1878/1884) Die 3. Auflage von „Meyers Konversations-Lexikon. Eine Encyklopädie des allgemeinen Wissens“ erschien in den Jahren 1874 bis 1878 in 15 Bänden, mit etwa 15.600 Seiten, rund 70.000 Stichwörtern, fast 400 Tafeln in Stahlstich, Holzstich oder Lithographie sowie nahezu 1500 eigens für dieses Lexikon gezeichneten Textabbildungen. 1880 erschien ein Ergänzungs- und Registerband (16. Band) und in den Jahren 1879 bis 1884 erschienen fünf Jahres-Supplemente. 1879 erschien von dieser Auflage eine besondere Pracht-Ausgabe in Kalbleder mit breitem Rand und in vergrößertem Format. Sie ist heute eine der gesuchtesten Ausgaben. Die 3. Auflage ist die letzte fadengeheftete und die erste auf Buchdruckrotationsmaschinen hergestellte Ausgabe. Bei dieser Auflage sind die Illustrationen größtenteils direkt im Lexikon eingebunden und nicht wie in vorigen Auflagen in separaten Illustrationsbänden. Zudem enthält sie zahlreiche Abbildungen aus Brehms Tierleben. Eine weitere Erneuerung waren Aussprachebezeichnungen bei Fremd- und Fachbegriffen. Die 3. Auflage war sehr erfolgreich: allein von der Normalausführung wurden 130.000 Exemplare verkauft, dreimal so viel wie von der 2. Auflage.

4. Auflage (1885–1890/1892) mini|Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Bände 1–16 mit Jahressupplementbänden (links) mini|hochkant=0.2|links Die 4. Auflage von „Meyers Konversations-Lexikon. Eine Encyklopädie des allgemeinen Wissens“ erschien von 1885 bis 1890 in 16 Bänden, mit etwa 17.000 Seiten, 3000 Abbildungen und 556 Karten, Pläne und Tafeln. Im Jahr 1890 folgte noch ein Ergänzungs- und Registerband (Band 17) sowie zwischen 1891 und 1892 zwei Jahressupplementbände. Die Qualität der Reproduktionen konnte durch die Verwendung von holzfreiem Papier deutlich verbessert werden. Neben Schwarzweiß-Tafeln wurden in dieser Ausgabe erstmals 80 Farbtafeln verwendet, welche mittels Chromolithografieverfahren produziert wurden. Sie ist zudem die erste drahtklammergeheftete Ausgabe. Von der 4. Auflage wurden 200.000 Exemplare verkauft.

In den ersten Jahren der deutschsprachigen Wikipedia wurden zahlreiche Artikel aus der seit Erscheinen gemeinfrei gewordenen vierten Auflage in die Wikipedia eingestellt, um „den Artikelbestand schnell aufzustocken und Lücken vor allem in den Bereichen zu füllen, in denen bis dahin keine Autoren mit entsprechender Vorbildung aktiv waren“.Frank Schulenburg, Achim Raschka, Michail Jungierek: Der „McDonald’s der Informationen“? Ein Blick hinter die Kulissen des kollaborativen Wissensmanagements in der deutschsprachigen Wikipedia. In: Bibliothek. Forschung und Praxis, Jg. 31 (2002), Nr. 2, S. 225–229, hier Jg. 31, 2002, Nr. 2, S. 225–229, hier S. 227.

5. Auflage (1893–1897/1901) Die 5. Auflage von „Meyers Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens“ erschien in 17 Bänden (1893–1897) und umfasst 17.800 Seiten mit etwa 100.000 Artikeln und 10.500 Abbildungen. Zudem erschien ein Nachtragsband (1898) und drei Jahressupplemente (1899–1901). Mit 233.000 verkauften Exemplaren wurde erneut eine Steigerung gegenüber der vorhergehenden Auflage erreicht. Diese Auflage war in sehr vielen verschiedenen Einbandvarianten erhältlich. Insbesondere werden die Prachtausgaben unter ästhetischem Gesichtspunkt als Höhepunkte der deutschen Lexikongeschichte bewertet.

6. Auflage (1902–1908/1920) mini|hochkant|Drei Bände der 6. Auflage Die 6. Auflage von „Meyers Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens“ erschien zwischen 1902 und 1908 in 20 Bänden und umfasste etwa 150.000 Artikel und Verweise auf mehr als 18.500 Seiten sowie 16.800 Abbildungen, Karten und Pläne im Text und 1522 Illustrationstafeln. Ab 1905 erschienen Neuauflagen der ersten Bände. Zudem erschienen ein Ergänzungen- und Nachträgeband (1909), drei Jahressupplemente (1909–1912) und drei Kriegsnachtragsbände (1916–1920). Erstmals verzichtete das Bibliographische Institut auf eine heftweise Auslieferung. Außerdem wurden bei der 6. Auflage erstmals bei einem deutschsprachigen Lexikon die Verlagseinbände aufwendig hergestellt und in dekorativer Jugendstil-Ornamentik gestaltet.

Die 6. Auflage gilt als Höhepunkt der Verlagsgeschichte und – neben der 14. und 15. Auflage des Großen Brockhaus – als Höhepunkt der populären Enzyklopädie in deutscher Sprache.Sarkowski 1976, S. 128 hält Meyer-6 nicht nur für den „bestgemachtesten“ Meyer, sondern das Vgl. auch Martin Peche, Hugo Wetscherek: Bibliotheca Lexicorum. Wien 2001, S. 382. Diese Auflage erschien in fünf Ausgaben – Jugendstil-Bibliothek-, Jugendstil-Pracht-, Kriegs-, Eichenlaub- und Eierstab-Ausgabe –, wobei die beiden letztgenannten die seltensten dieser Auflage sind. Während der Kriegszeit musste die Lexikonarbeit unterbrochen werden, und die für 1920/1921 vorgesehene Neuauflage scheiterte.Siehe Sarkowski 1976, S. 138.

7. Auflage (1924–1930/1935) mini|Bände 9 bis 12 und die drei Ergänzungsbände der 7. Auflage

Die 7. Auflage von „Meyers Lexikon“ erschien in vollständig neuer Bearbeitung in zwölf Hauptbänden von 1924 bis 1930 und umfasste rund 10.500 Seiten mit etwa 7900 Textabbildungen. Es sind zwar mehr Stichwörter als bei der vorangegangenen Auflage enthalten; die Artikel sind jedoch kürzer. Die Reduzierung des Umfanges wurde durch die Inflation (1914–1923) verschuldet. Zudem erschienen zwischen 1931 und 1933 drei alphabetische Ergänzungsbände sowie 1933 ein Atlas-Ergänzungsband und 1935 ein Orts- und Verkehrslexikon des Deutschen Reiches, der Freien Stadt Danzig und des Memelgebietes. Die 7. Auflage war zudem die erste maschinell fadengeheftete Auflage des Bibliographischen Instituts.

8. Auflage (1936–1942) mini|Prachtausgabe der 8. Auflage (1936–1942)