Lothar SalingerSeite 151 bei Margot Pikarski: Jugend im Berliner Widerstand. Herbert Baum und Kampfgefährten. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1978. (* 8. Mai 1919 in Berlin; † 4. März 1943 in der Strafanstalt Plötzensee, Berlin) war ein deutscher Arbeiter und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er wurde 1943 als Opfer der NS-Kriegsjustiz hingerichtet.

Leben und Tätigkeit Lothar Salinger war der Sohn eines Kaufmanns. Nach dem Besuch der Volks- und der Oberrealschule in den Jahren 1925 bis 1936 arbeitete er bis 1938 im Geschäft seines Vaters. Politisch betätigte er sich seit 1935 in dem linkssozialistischen jüdischen Jugendbund Habonim.Sie waren jung, jüdisch und links. taz, 3. März 2010.

Ab 1939 arbeitete Salinger als Gartenarbeiter, Transportarbeiter und Straßenbauarbeiter. Im September 1939 hielt er sich für drei Wochen im jüdischen Umschulungslager Paderborn auf. Seit Juli 1940 musste er Zwangsarbeit in Köpenick leisten. Ab 1941 war er in der Draht- und Kabelfabrik Vogel in der Friedrichshagener Straße beschäftigt.

Seit 1940 betätigte Salinger sich in der von dem ehemaligen kommunistischen Jugendfunktionär Herbert Baum geführten antinazistischen Widerstandsgruppe (sogenannte „Herbert-Baum-Gruppe“). Diese versuchte einen Beitrag zur militärischen Niederlage des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg (und damit zum Sturz des nationalsozialistischen Regimes) zu leisten, indem sie die (äußeren) Kriegsanstrengungen der alliierten Mächte – und insbesondere der Sowjetunion – von innen her ergänzte. Dies geschah, indem durch innere Sabotage-Aktionen: So verbreitete sie antinazistische Flugblätter und Wurfzettel. Die bedeutendste Aktion der Gruppe war ein im Frühsommer 1942 durchgeführter Brandanschlag auf die antisowjetische Propagandaausstellung Das Sowjetparadies im Berliner Lustgarten.

Im Zuge der im Anschluss an den Brandanschlag einsetzenden Zerschlagung der Baum-Gruppe durch die Geheime Staatspolizei wurde am 15. Juli 1942 auch Salinger verhaftet. Zusammen mit Heinz Birnbaum, Edith Fraenkel, Alice Hirsch, Hella Hirsch, Marianne Joachim, Hildegard Loewy, Hanni Meyer, Helmut Neumann, Heinz Rotholz, Lotte Rotholz und Siegbert Rotholz wurde er vor dem 2. Senat des Volksgerichtshofes wegen des Vorwurfes des Hochverrats angeklagt. Im Urteil vom 10. Dezember 1942 wurde er für schuldig befunden und ebenso wie Birnbaum, Hella Hirsch, Joachim, Loewy, Meyer, Neumann, Rotholz zum Tode verurteilt; Alice Hirsch, Edith Fraenkel und Lotte Rotholz erhielten Zuchthausstrafen. Die Hinrichtung erfolgte im März 1943 in der Strafanstalt Plötzensee durch das Fallbeil.

Verhaftung Mitglieder der Gruppe Baum verübten am 17. Mai 1942 einen Brandanschlag auf die nationalsozialistische Propagandaausstellung „Das Sowjet-Paradies“ in Berlin. Nach dem Anschlag wurde die Gruppe von der Gestapo aufgedeckt.

Urteil

Hinrichtung „Auf einem grellroten Plakat wurden Verurteilung und Hinrichtung dieser jungen Menschen, sie waren zwischen 20 und 23 Jahre alt, der Bevölkerung mitgeteilt. Ihre Namen waren mit den gesetzmäßig vorgeschriebenen Zwangs-Zusatz-Vornamen Sara bzw. Israel versehen.“ S. 9.

mit dem Untertext

Gedenken miniatur|Der Berliner Gedenkstein im Lustgarten Heute erinnern zwei der Baum-Gruppe gewidmeter Gedenksteine in Berlin namentlich auch an Lothar Salinger.

Gedenktafel in Berlin auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee (Eingang: Markus-Reich-Platz). Widerstandsgruppe um Herbert Baum. Dieser von Bildhauer Jürgen Raue gestaltete Gedenkstein wurde 1981 im Auftrag des Magistrats von Berlin (Ost) ohne nähere Informationen über die Widerstandsaktion im Lustgarten aufgestellt.Widerstandsgruppe um Herbert Baum. Gedenktafeln in Berlin, abgerufen am 12. Juni 2024.

Literatur Christiane Hoss, Martin Schönfeld: Gedenktafeln in Berlin. Orte der Erinnerung an Verfolgte des Nationalsozialismus, 1991–2001 (= Schriftenreihe des Aktiven Museums Faschismus und Widerstand in Berlin e. V. Bd. 9, ). Verein Aktives Museum, Berlin 2002, S. 131.

Weblinks

Einzelnachweise

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