Die Schönhauser Allee in Berlin ist eine der Hauptverkehrsstraßen im Ortsteil Prenzlauer Berg des Bezirks Pankow. Die über 2,8 Kilometer lange Ausfallstraße ist die größte Einkaufsstraße in Prenzlauer Berg und nach dem Schloss Schönhausen im Pankower Ortsteil Niederschönhausen benannt.
Die Straße beginnt als Verlängerung der aus Richtung Hackescher Markt kommenden Alten Schönhauser Straße und geht im Norden hinter der Kreuzung mit dem Innenstadtring an der Ecke Schonensche Straße in die Berliner Straße über. Die nördliche Hälfte hinter der Kreuzung Eberswalder Ecke Danziger Straße ist Teil der Bundesstraße 96a.
Die Linie U2 der U-Bahn verkehrt auf der gesamten Länge der Schönhauser Allee und bedient auf deren Trasse hinter dem U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz die drei Stationen Senefelderplatz, Eberswalder Straße und Schönhauser Allee.
Allgemeines Name mini|Stadtplan
Die Schönhauser Allee trägt seit dem 27. Dezember 1841 ihren Namen. Von ungefähr 1490 bis zum 17. Jahrhundert hieß die Straße Pankowscher Landweg, anschließend (bis ungefähr 1825/1826) wurde sie Schönhauser Weg genannt. Vor ihrer endgültigen Umbenennung hieß die Straße rund 15 Jahre lang Chaussee vor dem Schönhauser Tor. Als weitere Namen sind noch Schönhausensche Landstraße, Chaussee nach Pankow, Chaussee nach Niederschönhausen, Pankower Chaussee überliefert.
Lage im Stadtraum Der Verlauf aus Rosa-Luxemburg-Straße bzw. Alte Schönhauser Straße und Schönhauser Allee bildet eine der radialen Ausfallstraßen, die von dem historischen Zentrum der Stadt um den Alexanderplatz und Hackeschen Markt ausgehen.
Dazu gehören – mit Beginn aus dem Zentrum heraus von Nordwest bis Südost – im Uhrzeigersinn: Hackescher Markt – Oranienburger Straße – Friedrichstraße/Oranienburger Tor – Chausseestraße – Müllerstraße Hackescher Markt – Rosenthaler Straße – Rosenthaler Platz – Brunnenstraße – Badstraße Alexanderplatz – Rosa-Luxemburg-Straße – Rosa-Luxemburg-Platz – Schönhauser Allee – Berliner Straße Alexanderplatz – Karl-Liebknecht-Straße – Prenzlauer Tor – Prenzlauer Allee – Prenzlauer Promenade Molkenmarkt – Grunerstraße/Alexanderstraße – Otto-Braun-Straße – Greifswalder Straße – Berliner Allee Prenzlauer Tor – Mollstraße – Platz der Vereinten Nationen – Landsberger Allee Alexanderplatz – Karl-Marx-Allee – Strausberger Platz – Karl-Marx-Allee/Frankfurter Tor – Frankfurter Allee Spandauer Straße/Molkenmarkt – Stralauer Straße – Holzmarktstraße – Stralauer Platz – Mühlenstraße – Stralauer Allee
sowie Richtung Westen über die Spree: Molkenmarkt – Mühlendamm/-brücke – Gertraudenstraße/Gertraudenbrücke – Spittelmarkt – Leipziger Straße Alexanderplatz – Karl-Liebknecht-Straße – Liebknechtbrücke – Schloßplatz – Schloßbrücke – Unter den Linden
Straßenverlauf Von der Grenze zum Ortsteil Mitte am Rosa-Luxemburg-Platz, früher Standort des Schönhauser Tors der Berliner Zollmauer, verläuft die Schönhauser Allee zunächst rund 450 Meter am westlichen Rand des Kollwitzkiezes entlang in Richtung Nordnordost zum Senefelderplatz. Nach weiteren 950 Metern, auf denen hinter der Kreuzung Choriner Straße/Sredzkistraße die Linie U2 als Hochbahn weiterläuft, liegt an der Doppelkreuzung mit der Eberswalder/Danziger Straße bzw. Kastanien- Ecke Pappelallee der Hochbahnhof Eberswalder Straße der U-Bahn. Dann führt die Straßentrasse zwischen Gleimviertel und Helmholtzkiez rund 900 Meter weiter bis zur Ringbahn, wo sich der S-Bahnhof Schönhauser Allee mit der gleichnamigen Station der U-Bahn befindet. Der letzte Abschnitt ist 550 Meter lang und endet hinter der Kreuzung Bornholmer Ecke Wisbyer Straße (Innenstadtring) an der Einmündung der Schonenschen Straße, von wo die Berliner Straße weiter in Richtung Zentrum des Ortsteils Pankow verläuft.Zum genauen Grenzverlauf siehe: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Darstellung der Ortsteile von Berlin. Berlin, Mai 2012. Digitale Karte Ortsteile bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (fbinter.stadt-berlin.de, abgerufen am 1. Dezember 2012).
Auf ihren fast drei Kilometern Länge verläuft sie durch den gesamten Ortsteil Prenzlauer Berg und überwindet dabei gut 14 Höhenmeter.Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Darstellung der Geländehöhen auf Grundlage des Digitalen Geländemodells (DGM 5) (SenStadt III C). Digitale Karte Geländehöhen 2009 (fbinter.stadt-berlin.de abgerufen am 1. Dezember 2012). Ihren Mittelpunkt hat sie ungefähr an der Kreuzung zur Ecke Eberswalder/Danziger Straße. Nördlich der Einmündung Wisbyer Straße läuft die Schönhauser Allee ein kurzes Stück entlang der seit 2001 festgelegten Ortsteilgrenze; die Häuser Nummer 91 und 92 gehören bereits zum Ortsteil Pankow.
Wichtige Querstraßen sind: Schwedter Straße / Metzer Straße am Senefelderplatz, Eberswalder Straße / Danziger Straße, an der Doppelkreuzung münden auch die Kastanien- und die Pappelallee ein, Gleimstraße / Stargarder Straße, Schivelbeiner Straße / Wichertstraße Bornholmer Straße / Wisbyer Straße (Innenstadtring), wenige Meter vor dem nördlichen Ende der Schönhauser Allee.
Individualverkehr mini|Blick vom Park Inn Alexanderplatz Richtung Norden mini|Wegweiser in der Wisbyer Straße östlich der Schönhauser Allee – Hinweis zur B 96a
Der Abschnitt nördlich der Kreuzung Eberswalder/Danziger Straße ist Teil der Bundesstraße 96a. Im Stadtentwicklungsplan Verkehr ist die Schönhauser Allee im Bestand auf ganzer Länge als Verkehrsachse des übergeordneten Straßennetzes, Stufe II (übergeordnete Straßenverbindung) ausgewiesen. Für die Planung 2015 ist wie für alle Straßen innerhalb des Innenstadtrings (d. h. südlich der Kreuzung Eberswalder/Danziger Straße) eine Rückstufung vorgesehen, die südliche Schönhauser Allee ist hier nur noch als Straße der Stufe III (örtliche Straßenverbindung) aufgeführt.Senatsverwaltung für Stadtentwicklung / Projektgruppe StEP Verkehr: mobil2010. Stadtentwicklungsplan Verkehr Berlin. Berlin, Juli 2003
Die durchschnittliche tägliche Verkehrsbelastung (DTV) der Schönhauser Allee lag im Jahr 2005 zwischen 18.800 (Schönhauser Tor bis Senefelderplatz) und 33.000 Fahrzeugen (Danziger Straße bis Wichertstraße) pro Werktag (WT).Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Verkehrslenkung Berlin, Straßenverkehrserhebungen VLB C 11): Straßenverkehrszählung Berlin 2005. Verkehrsmengenkarte Gesamtnetz Die parallelen Achsen Brunnenstraße, Prenzlauer Allee (Zubringer Autobahn 114) und Greifswalder Straße (Zubringer Autobahndreieck Barnim über Berliner Allee) wiesen zum selben Zeitpunkt in ihren nördlichen Abschnitten (Bernauer/Danziger Straße bis Ringbahn) eine DTV-WT von 31.400, 19.200 bzw. 33.000 Fahrzeugen auf, die Schönhauser Allee ist also trotz ihrer Funktion als Einkaufsstraße mit starkem Ziel- und Quell-, Fußgänger- und Radverkehr überdurchschnittlich stark durch den Kraftfahrzeugverkehr belastet.
mini|Radweg, Straße, Tram und Hochbahn an der Kreuzung Danziger Straße, 2012
Wie überall in Berlin ist das Verkehrsvolumen seit Beginn der 2000er Jahre auch auf der Schönhauser Allee zurückgegangen, im höchstbelasteten Abschnitt wurden 1998 noch 34.700 Kraftfahrzeuge pro Werktag gezählt. Der Rückgang fiel allerdings weniger stark aus als auf der Prenzlauer Allee oder der Greifswalder Straße.Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Verkehrslenkung Berlin, Straßenverkehrserhebungen VII A 44): Straßenverkehrszählung 1998, Ergebnisbericht. Blatt II.3, DTV-WT
Entlang der Schönhauser Allee gibt es beidseitig einen Radweg. Auf dem Abschnitt von der Torstraße bis zum Senefelderplatz verläuft der Radfernweg Berlin–Usedom. Die Schönhauser Allee mit ihren Kreuzungsbereichen gehört zu den Unfallschwerpunkten im Berliner Straßennetz. Dabei sind überproportional viele Unfälle mit Radfahrern erfasst.Der Polizeipräsident in Berlin: Verkehrsunfallstatistiken auf berlin.de, abgerufen am 14. Juli 2016
Im Rahmen eines bundesweiten Pilotversuches des Bundesverkehrsministeriums, wurde im April 2019 in neun Städten, darunter an fünf Kreuzungen in Berlin, die Regelung Rechts abbiegen für Radfahrer frei eingeführt. Die Torstraße Ecke Schönhauser Allee ist eine dieser Kreuzungen. Dort wurde das freie Rechtsabbiegen von der Torstraße in die Schönhauser Allee zugelassen.
Öffentlicher Verkehr Die Schönhauser Allee ist für das öffentliche Verkehrsnetz ebenfalls eine wichtige Straße. Die Straße wird in ganzer Länge von der Linie U2 der Berliner U-Bahn durchfahren. In der Schönhauser Allee befinden sich drei U-Bahnhöfe dieser Linie (Senefelderplatz, Eberswalder Straße und Schönhauser Allee). Das südliche Ende der Straße wird durch den U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz erschlossen. Am Hochbahnhof Schönhauser Allee kreuzt die Straße den S-Bahn-Ring, dies ist der wichtigste ÖPNV-Knoten des Stadtteils.
In der Nordhälfte der Straße fahren außerdem Straßenbahnen der Linie M1, sie hat in der Schönhauser Allee vier Haltestellen. Entlang der Kastanienallee und Pappelallee kreuzt die Straßenbahnlinie 12 die Schönhauser Allee, an derselben Stelle außerdem die Linie M10 im Verlauf der Eberswalder und Danziger Straße. Am nördlichen Ende der Straße, an der Bornholmer Straße, kreuzen außerdem die Straßenbahnlinien M13 und 50. Am Schönhauser Tor (Rosa-Luxemburg-Platz) kreuzt die Straßenbahnlinie M8.
Geschichte
Die Landstraße vom königlichen Berlin nach Pankow Die Schönhauser Allee entstand im Mittelalter als Verbindungsweg zwischen der noch recht kleinen Stadt Berlin und den Dörfern Pankow und Niederschönhausen. Das Gebiet beiderseits des Wegs war bis ins 13. Jahrhundert hinein bewaldet und wurde dann gerodet und landwirtschaftlich genutzt. An der Schönhausensche Landstraße wurden 1695 die ersten Bäume gepflanzt.Rolf Gänsrich: Als Goethe über die Schönhauser fuhr. Prenzlberger Ansichten, August 2013, S. 7. Zitiert wird nach Klaus Grosinski: Prenzlauer Berg – eine Chronik. Dietz-Verlag, Berlin 2008. Zu gewisser Bedeutung kam die Straße ab 1691, als Kurfürst Friedrich III. der Familie Grumbkow das Gutshaus Niederschönhausen abkaufte und zum Schloss umbauen ließ. Um dem Fürsten die etwa sechs Kilometer lange Reise zu seinem Schloss angenehmer zu machen, wurden vier Jahre später entlang der Schönhausenschen Landstraße Linden gepflanzt. Die Bepflanzung etwa ab Höhe Oderberger Straße bis zum späteren Bahnhof Pankow-Schönhausen erfolgte ab dem Jahre 1748.Ralf Gänsrich: König Friedrich II. ließ 5 Windmühlen errichten. In: Prenzlberger Ansichten, 21. Jg., September 2013, S. 8. 1708 entstand an der Ecke zur Straße vor den Thoren das Königliche Vorwerk vor dem Schönhausenschen Landwehr mit einem Gutshaus und damit die ersten Gebäude an der Straße.
Die von Friedrich II. nach der Thronbesteigung verstoßene Gattin Elisabeth Christine wurde 1740 von diesem nach Schloss Niederschönhausen abgeschoben. Da aber ausländische Gesandte der Königin weiterhin ihre Aufwartung machen mussten, wurde die Schönhausensche Landstraße zum ersten Mal in ihrer Existenz zur Protokollstrecke für Staatsbesucher und Diplomaten. Beispielsweise verließ Goethe nach fünftägigem Aufenthalt in Berlin am 20. Mai 1778 die Stadt über die Chaussee nach Pankow in Richtung Tegel.
Im frühen 19. Jahrhundert begann erst langsam, dann immer stürmischer, die Bebauung des Mühlenbergs. Die fünf von Berlin nach Nordosten führenden Straßen wurden 1822 durch einen Communicationsweg (seit 1874: Danziger Straße, mit Unterbrechungen) miteinander verbunden. Ein Jahr später kaufte Wilhelm Griebenow das vor dem Konkurs stehende königliche Vorwerk samt seinen Ländereien zu günstigen Konditionen, mit der Absicht, das Land zu parzellieren und mit großem Gewinn zu verkaufen. Dies gelang ihm bereits nach zwei Jahren, als er den Platz an der Einsamen Pappel zu einem äußerst hohen Preis an den Preußischen Militärfiskus verkaufte, der dort den Exerzierplatz des Alexander-Regiments anlegte.