Correctiv (Eigenschreibung: CORRECTIV) ist ein Medienunternehmen mit Sitz in Essen und einem weiteren Standort in Berlin. Betrieben wird es von der Correctiv – Recherchen für die Gesellschaft gemeinnützige GmbH, die auch die Online-Journalistenschule Reporterfabrik betreibt. Über die gewerbliche Tochtergesellschaft Correctiv – Verlag und Vertrieb für die Gesellschaft UG (haftungsbeschränkt) verlegt Correctiv Bücher und führt Faktenchecks für den Internetkonzern Meta Platforms durch.
Ziele Durch sein Modell will Correctiv nach eigenen Angaben investigativen und aufklärenden Journalismus für alle Menschen und Medienpartner kostenfrei zugänglich machen. Viele Recherchen werden gemeinsam mit Zeitungen, Magazinen oder Radio- und Fernsehsendern publiziert. Die Inhalte werden primär auf der eigenen Website veröffentlicht; bei Recherchen werden zum Teil Bürger beteiligt. Es gibt ein Bildungsprogramm mit Recherche-Workshops und Online-Tutorials, unter anderem in der Online-Journalistenschule Reporterfabrik.Impressum reporterfabrik.org. Correctiv plädiert außerdem für eine redaktionelle Gesellschaft: eine demokratische Gemeinschaft, in der Bürger wie Journalisten agieren, um Wahrheit herzustellen und das Gemeinwohl aktiv mitzugestalten.
Geschichte Nachdem am 9. Dezember 2013 ein Gesellschaftsvertrag unterzeichnet worden und am 6. Januar 2014 der Handelsregistereintrag erfolgt war, nahm Correctiv die praktische Arbeit am 14. Juli 2014 auf. Gegründet wurde es von David Schraven, der zuvor das Rechercheressort der Funke Mediengruppe leitete. Von der Brost-Stiftung erhielt es eine Anschubfinanzierung in Höhe von drei Millionen Euro.
Im Januar 2017 wurde die Gründung der Online-Journalistenschule Reporterfabrik bekanntgegeben, die im Dezember 2018 startete.
Am 15. Januar 2017 kündigte Facebook eine Kooperation mit Correctiv an. Bestimmte Beiträge, die von Nutzern als Falschmeldung oder Fake News gemeldet werden und sich stark verbreiten, sollten von Correctiv überprüft werden. Gelangen deren Faktenchecker zu dem Schluss, dass Zweifel am Inhalt eines solchen Beitrags vorliegen, werde der Facebook-Beitrag zwar nicht gelöscht, aber mit einem Warnhinweis versehen, der darauf hinweist, dass die Geschichte von unabhängiger Seite angezweifelt werde. Correctiv füge einen Link auf einen eigenen Text hinzu, der dem verfälschenden Beitrag Fakten gegenüberstelle. Weiterhin werde die Sichtbarkeit dieser Beiträge durch technische Parameter in der Datenbank von Facebook reduziert. Die Arbeit wird nach einer ersten kostenfreien Testphase inzwischen von Facebook bezahlt. Faktenchecks von Aussagen von Politikern sind möglich, wenn es sich um Tatsachenbehauptungen handelt und die Relevanzkriterien erfüllt sind. Durchgeführt werden die Faktenchecks von der gewerblichen Tochtergesellschaft Correctiv – Verlag und Vertrieb für die Gesellschaft UG (haftungsbeschränkt).
Im Januar 2017 starteten Can Dündar und Correctiv das deutsch-türkische Onlinemagazin Özgürüz, das von Dündar geleitet wird. In der Türkei ist die Website gesperrt.
Zusammen mit der Rudolf Augstein Stiftung wurde im August 2018 Correctiv.Lokal gestartet, ein Netzwerk für die gemeinsame Recherche von Lokaljournalisten, Bloggern und Fachexperten.
Im Mai 2020 wurde mit Unterstützung der Ruhr-Konferenz der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und der RAG-Stiftung die Jugendredaktion Salon5 gegründet.
Im Oktober 2025 wurde Correctiv in Russland als unerwünschte Organisation eingestuft. Damit werden gemäß Correctiv Aktivitäten des Mediums in Russland verboten und Zusammenarbeit russischer Bürger mit ihr kriminalisiert.Putin setzt deutsches Medium "Correctiv" auf schwarze Liste. In: T-Online.de, 25. November 2025. Abgerufen am 25. November 2025.
Leitung und Organisation David Schraven war von Juli 2014 bis Mai 2015 Chefredakteur, Markus Grill von Juni 2015 bis August 2017 und Oliver Schröm von Januar 2018 bis Oktober 2019. Vom November 2019 bis September 2024 bildeten Olaya Argüeso und Justus von Daniels die Chefredaktion. Olaya Argüeso Pérez verließ im September 2024 Correctiv. Anette Dowideit ist seit Januar 2025 neben Justus von Daniels zweite Chefredakteurin von Correctiv.
David Schraven ist seit der Gründung ein Geschäftsführer der Gesellschaft. Von November 2014 bis November 2016 war Christian Humborg zweiter Geschäftsführer und von Mai 2018 bis Januar 2022 Simon Kretschmer. Von September 2022 bis November 2024 war Jeannette Gusko als Geschäftsführerin neben David Schraven tätig.
Die wirtschaftliche Arbeit wird durch den Aufsichtsrat überwacht, der von Lukas Beckmann (seit 2017), Dagmar Hovestädt (seit 2017) und Andrew Murphy (seit 2015) gebildet wird. Bis 2017 gehörten Hedda von Wedel und Gerhard Winter dem Aufsichtsrat an. Die Qualität der journalistischen Arbeit wird durch einen Ethikrat überwacht. Gründungsvorsitzender des Gremiums war Bodo Hombach, der 2016 wegen eines Interessenkonfliktes das Amt niederlegte.
Gesellschafter und Finanzierung Correctiv besitzt die Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH. Berichte, wonach Correctiv ein Verein sei, sind falsch. Auch ist Correctiv keine Stiftung, erhält aber regelmäßig Spenden von solchen.
David Schraven war zunächst alleiniger Gesellschafter der Correctiv – Recherchen für die Gesellschaft gemeinnützige GmbH. Im Oktober 2017 übergab er die Mehrheit der Anteile an weitere Gesellschafter, die Kuratoren. Mitglieder des Kuratoriums sind die Vorsitzende Dagmar Hovestädt (Mitglied des Aufsichtsrats), Lukas Beckmann (Vorsitzender des Aufsichtsrats), Christian Humborg (ehemaliger Geschäftsführer), Maria Scharlau und David Schraven (Geschäftsführer) (Stand: 3. November 2023).
Correctiv ist eine Non-Profit-Organisation und finanziert sich durch Spenden von Einzelpersonen sowie durch Zuwendungen von Stiftungen und aus Steuermitteln. Weitere Einnahmequelle sind Erlöse der gewerblichen Tochtergesellschaft Correctiv Verlag und Vertriebs UG, die Bücher herausgibt und Faktenchecks für Facebook durchführt. Neben den Geschäftsberichten wurden bis Juni 2024 auch alle Spenden, Zuwendungen und Förderbeiträge über 1.000 € namentlich auf der Website ausgewiesen. Am 17. Juni 2024 änderte CORRECTIV seine Offenlegungsrichtlinie im Redaktionsstatut. Anstatt alle Zuwendungen über 1.000 € zu veröffentlichen, werden seither alle Spenden und Zuwendungen über einem Prozent des Jahresumsatzes der CORRECTIV gGmbH grundsätzlich öffentlich gemacht. Alle Zuwendungen von staatlichen oder staatlich kontrollierten Stellen werden zudem laut Redaktionsstatut Punkt 6 unabhängig von der Höhe mit Benennung der zuweisenden Stelle immer veröffentlicht. Hauptspenderin war im Gründungsjahr die Brost-Stiftung, die auch die Anschubfinanzierung in Höhe von drei Millionen Euro übernahm. Ohne ihre Unterstützung wäre der Aufbau von Correctiv nach eigenen Angaben nicht möglich gewesen.
Die Summe an Spenden von Einzelpersonen an Correctiv betrug im Jahr 2023 1.894.570,40 €. Weitere Zuwendungen von mindestens 50.000 € erhielt die Organisation von der Luminate Foundation (Omidyar Network) (661.018,53 €), der Bundeskasse (431.059,85 €), der Schöpflin Stiftung (286.000,00 €), der Landeshauptkasse NRW (145.338,00 €), der Mercator Stiftung (140.000,00 €), der RAG-Stiftung (120.000 €), der Google Germany GmbH (115.425,00 €), The Sunrise Project (106.400,00 €), der Adessium Foundation (72.000,00 €), der JX Fund gGmbH (65.391,95 €), der Deutschen Stiftung f. Engagement und Ehrenamt (98.100,80 €), der Zeit-Stiftung (50.000 €) und der European Climate Foundation (50.000 €).
Seit seinem Bestehen erhielt Correctiv außerdem Geld von folgenden weiteren Institutionen: Rudolf Augstein Stiftung, den Open Society Foundations, der Bundeszentrale für politische Bildung, der Deutschen Telekom, der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, Facebook und der Cassiopeia Foundation.
Die Zuwendungen von der Öffentlichen Hand durch die Bundeskasse und die Landeshauptkasse NRW im Jahr 2023 sind nach eigenen Angaben zweckgebunden und dienen Projekten der Medienbildung. Über die Höhe der Zahlungen von Meta Platforms an die Correctiv Verlag und Vertriebs UG im Rahmen des Faktencheck-Programms von Facebook macht Correctiv keine Angaben. Die Leiterin des Faktencheck-Teams sagte im Juni 2020 in einem Interview mit der Konrad-Adenauer-Stiftung: „Wir haben eine Vereinbarung mit Facebook, dass wir über Vertragsdetails nicht sprechen dürfen“.
Recherchen und Projekte (Auswahl) Jahr Correctiv-Titel Thema Quelle Jan. 2015 Flug MH17 Abschuss eines Verkehrsflugzeugs über dem ukrainischen Kriegsgebiet Nov. 2018 Die Alte Apotheke Medizinskandal Alte Apotheke Bottrop um die Fälschung von Krebsmedikamenten Mai 2019 Wem gehört die Stadt? Eigentumsstrukturen im Immobilienmarkt Okt. 2018 The CumEx Files Mehrfache Erstattung nur einmal abgeführter Kapitalertragsteuer (Cum-Ex-Steuerbetrug) Mai 2019 Grand Theft Europe Umsatzsteuer-Betrug durch Karussellgeschäfte Feb. 2020 Die Heartland-Lobby Unterstützung der deutschen Klimawandelleugner durch das US-amerikanische Heartland-Institut Jun. 2020 Pillenkick Schmerzmittelmissbrauch im Fußball Okt. 2020 Kein Filter für Rechts Netzwerke der politischen Rechten nutzt Instagram zu Rekrutierung Nov. 2020 Nurses for Sale Dubiose Vermittlung ausländischer Pflegekräfte Feb. 2021 Häusliche Gewalt Gewalt durch die häusliche Isolation während des Corona-Lockdowns März 2021 Der Schattenmann AfD-Spendenskandal Okt. 2022 Draußen Held, drinnen Gewalt Das Schweigen der „Spielerfrauen“ z. B. im Fall Jérôme Boateng Jan. 2024 Geheimplan gegen Deutschland Treffen von Rechtsextremisten in Potsdam 2023 zum Thema Vertreibung Okt. 2025 Trotz Kritik: Forschungsministerium fördert umstrittenes Projekt gegen Antisemitismus Kritik am Projekt „Dis-Ident“ des Islamismusforschers Ahmed Mansour Nov. 2025 Klöckner klickt rechts Analyse der Social-Media-Aktivitäten und Befragung der Wegbegleiter von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner
Auszeichnungen 2014: Journalist des Jahres in der Kategorie Newcomer für das Team von Correctiv 2015: Grimme Online Award der Kategorie Information für die umfangreiche Webreportage MH17 – Die Suche nach der Wahrheit. tagesschau.de, 19. Juni 2015. 2015: Deutscher Reporterpreis in der Kategorie Innovation für die grafische Reportage Weisse Wölfe von David Schraven und Jan Feindt 2015: Deutsch-Französischer Journalistenpreis für MH17 – Die Suche nach der Wahrheit 2016: Deutscher Reporterpreis in der Kategorie Innovation 2016: Journalist des Jahres in der Kategorie Team des Jahres 2016: LeadAward in der Kategorie Independent des Jahres 2016: Axel Springer Preis in der Kategorie Investigative Recherche für die Undercover-Recherche Tierdiebe 2016: Auszeichnung „Innovation des Jahres“ der Medienfachzeitschrift Wirtschaftsjournalist für die Entwicklung der Plattform CrowdNewsroom und die Analyse Sparkassen-Check 2016: Deutscher Reporterpreis in der Kategorie Innovation 2017: ERM-Medienpreis für nachhaltige Entwicklung. Auszeichnung an Fabian Löhe und Annika Joeres für Correctivhttps://journalistenpreise.de/kategorien/erm-medienpreis-fuer-nachhaltige-entwicklung 2018: Deutsch-Französischer Journalistenpreis an Annika Joeres und Simon Jockers für Correctiv für Steigende Meerehttps://www.sr.de/sr/home/der_sr/so_kommunizieren_wir/aktuell/20180704_pm_dfjp_verleihung100.html 2018: Ehrenpreis des Dr.-Georg-Schreiber-Medienpreises für die investigativen Leistungen von Correctiv 2018: Journalistenpreis der Apothekerstiftung Westfalen-Lippe 2018: Otto-Brenner-Preis: 1. Preis des Otto-Brenner-Preises für kritischen Journalismus für die Artikel Er kommt am Abend und Vergewaltigt auf Europas Feldern von Pascale Müller (Correctiv) Stefania Prandi (BuzzFeed) 2018: UmweltMedienpreis der Deutschen Umwelthilfe an Justus von Daniels, Stefan Wehrmeyer und Annika Joeres für die Online-Recherche Irrsinn der Agrarpolitik