Wappen 150px Basisdaten Hochschulort: Universität Gent, Flandern Gründung: 1887 Gründer: Lodewijck de Bock Verband: verbandsfrei; bis 2015 KVHV Farben: schwarz-gelb-weiß 60px Wahlspruch: Hou ende Trou! Zirkel: 80px Netzpräsenz: https://gent.kvhv.org/
Der Katholiek Vlaams Hoogstudenten Verbond Gent (KVHV) (Katholischer Flämischer Studentenverband zu Gent) ist eine katholische Studentenverbindung mit einer flämisch-nationalen und konservativen Ausrichtung. Gegründet im Jahr 1887, ist der KVHV-Gent der älteste KVHV-Ortsverband und eine der ältesten Studentenverbindungen in Flandern. Der KVHV-Gent hat eine politische und traditionell-studentische Ausrichtung und war von 1911 an Mitglied des Katholischen Flämischen Studentenverbands, der sich 2015 auflöste.
Wenngleich er sich seiner Herkunft nach als katholische Korporation bezeichnet, ist der KVHV-Gent seinen Prinzipien nach am ehesten mit einer deutschen Burschenschaft vergleichbar.
Der KVHV Gent ist eine farbentragende akademische Verbindung mit national-konservativem Wertekanon. Aus historischen Gründen ist er als traditionell flämische Verbindung nichtschlagend und katholisch (beide Aspekte sind das Erbe der alten flämisch-katholischen Studentenbewegung). Trotzdem können Studenten aller christlichen Konfessionen und auch nichtgläubige Studenten Mitglied werden. Als Ortsverband mit einer politischen Wirkung steht KVHV-Gent für Männer und Frauen offen. Die Verbindung ist traditionell-studentisch orientiert und war bis 2007 mit dem Dachverband Gents Studentenkorps (GSK) verbunden. Als politisch eingestellte Verbindung erwartet sie von ihren Mitgliedern politisches Engagement in (flämisch-)nationaler und konservativer Hinsicht. Diese politische Identität verwirklicht sich auch am Festhalten an nationalem Liedgut wie „het Wilhelmus“ und „De Vlaamse Leeuw“ sowie politische Aktionen. Neben einem Freundeskreis kennt der KVHV Gent auch das Lebensbundprinzip.
Geschichte Rodenbach’s vrienden mini|Praesidium Rodenbach’s Vrienden (1910–11). Unten: Kluyskens, Storme, Debeuckelaere. Die erste Organisation katholisch-flämischer Studenten an der damals französischsprachigen Universität Gent war die Vlaamsch Katholieke Gilde (Flämische Katholische Gilde), gegründet im Jahr 1887 durch Lodewijck de Bock. Ziel dieses Vereins war die Vereinigung flämisch orientierter (Flamingante) und katholischer Studenten gegen die flämische, aber sehr freisinnig-liberale akademische Sozietät T Zal Wel Gaan einerseits, und die katholische, aber französischsprachige Gesellschaft Association Générale des Étudiants Catholique andererseits. Im Jahr 1889 änderte man den Namen auf Rodenbach’s Vrienden, eine Reverenz an Albrecht Rodenbach, der zehn Jahre zuvor die Fundamente der flämischen Studentenbewegung mit seinem Aufruf zur Gründung einer Studentenbewegung ähnlich der mächtigen und triumphierenden Burschenschaft, einer flämischen Burschenschaft oder Knapenschap gelegt hatte.F. Staeren: Albrecht Rodenbach en de Duitse Burschenschaft, In: B. Vermeulen (Red.), Omtrent Albrecht Rodenbach: Historisch-literaire schetsen, Verduyn, Roeselare, 2006, S. 42–45M. De Bruyne en L. Gevers, "Kroniek van Albrecht Rodenbach", Brugge, 1980, S. 151
Die frühe Vereinskultur war hauptsächlich durch die Pflege einer kulturellen flämischen Identität und sozialen Bewusstseins inspiriert und äußerte sich in einem ausgesprochen Eifer auf literarische Bildung und das Ausleben ordentlicher Studentenkultur. Dieses Streben spiegelt sich in studentisch-literarischen Stücken, wie Studentenliedern (z. B.: De Gilde Viert von Rene De Clercq aus 1902) und starker Kritik an anderen Verbindungen und ihren verrohten Versammlungen wieder. Auch mit aktuellen sozial-politischen Themen wie der Einführung einer Schulpflicht beschäftigte man sich, daneben waren Rodenbach’s Vrienden auch eine starke Stimme im Streit für eine niederländischsprachige Universität in Gent. Im Unterschied zu deutschen Verbindungen waren Vereine wie Rodenbachs Freunde ursprünglich eher literarisch-kulturelle Vereine ohne starke Verbindungskultur wie ihre deutsche Nachbarn, obwohl man schon frühe Formen der Bierkneipe kannte. Verbindungsfarben und Zirkel waren nicht bekannt. Die Mütze war eine sogenannte crapuleuse: eine (wahrscheinlich) grüne Mütze mit Fakultätszeichen und goldene Sternen für jedes Studienjahr. Die Popularität dieser Mütze bis 1914 zeugt von einer stürmischen antifranzösischen Identität (gegen die Calotten, so wurden die katholischen Französischsprachigen genannt).E. De Goeyse: O Vrij Studentenheerlijkheid: historisch-studentikoze schetsen, Universitaire Pers Leuven, 1987, S. 61–65 Kontakte mit ähnlichen Vereinen bestanden schon mindestens zehn Jahre, als im Jahr 1911 Präside Jules Storme (Rodenbach’s Vrienden zu Gent) und Jozef Verduyn (Vlaamsch Verbond zu Leuven) den Allgemeinen Katholischen Flämischen Studentenverband als Dachverband für flämisch-katholische Gesellschaften und Verbindungen gründeten.
Der Erste Weltkrieg beendete die Aktivitäten der Vereine. Ehemalige Mitglieder von Rodenbach’s Vrienden und dem Vlaamsch Verbond bleiben jedoch politisch und literarisch aktiv. So konnten beide Vereine 1916 eine Sonderausgabe vom Löwener Studentenblatt Ons Leven herausgeben als Hoogstudent op den Yser, mit Beitragen von flämischen Politikern und Ideologen wie Frans Van Cauwelaert, Joris van Severen, Hendrik Borginon und Alfons Van de Perre. Auch politisch blieb man sehr aktiv. Adiel Debeuckelaere, Redakteur im Jahr 1911, war einer der Gründer der sogenannte Frontbewegung, einer radikalen flämischen Soldatengruppe. Auch Joris van Severen (Senior 1912) blieb aktiv in radikalen sozial-nationalistische Soldatengruppen.H.J. Elias: Vijfentwintig jaar Vlaamse Beweging. De Nederlandsche Boekhandel, Antwerpen 1969-1972 (4 dln)
Nach dem Ersten Weltkrieg mini|150px|Geert De Rijcker, Vorsitzender AVHV (1928–1929) mit flat Der Erste Weltkrieg und die deutsche Flamenpolitik enden in einer ausgesprochenen Spaltung zwischen Aktivisten (pro Kollaboration und für flämische Rechte) und Passivisten (gegen Kollaboration), auch bei Studenten. Während des Krieges entstand in Gent eine neue Studentenbewegung holländischer Korporationsart mit radikalen flämischen Forderungen und mit Unterstützung der deutschen Besatzer, das Gentsch Studentencorps "Hou ende Trou" (GSC), als allgemeiner Verein flämischer Hochschulstudenten an der flämischen Universität zu Gent (1916–18). Andererseits bleiben auch ehemalige Mitglieder wie Adiel Debeuckelaere und Joris van Severen aktiv für die flämische, aber loyalistisch-belgische Seite. Am 10. Februar 1919 konnte der Verein Rodenbach’s Vrienden wieder durch ehemalige Mitglieder und neue flämisch-radikale Studenten im Wirtshaus Den Rooden Hoed wiedergegründet werden. Es kam zur Auseinandersetzung zwischen Radikalen und Passivisten, woraus der Algemeen Vlaamsch Hoogstudentenverbond (AVHV) als flämische, aber überkonfessioneller Front flämischer Studenten zu Gent, Löwen, Antwerpen und später zu Lüttich und Kuregem entstand. AVHV definierte seine Statuten so: „Die Zusammenarbeit flämischer Studenten, geboren im Ersten Weltkrieg, zu unterhalten und so bald wie möglich Recht für das flämische Volk zu bekommen.“L. Vos: Idealisme en Engagement: de roeping van de katholieke studerende jeugd in Vlaanderen (1920-1990), Acco, Leuven, 2011 Die soziale Seite der flämischen Studentenbewegung (Nationalismus, Frauenbewegung), fand ihren Ausdruck in den ersten aktiven Frauen bei AVHV-Gent. Trotzdem entstand auch der KVHV im Jahr 1919 unter der Führung von August De Schryver wieder. Die öffentliche Zustimmung von und durch Alte Herren von GSC Hou ende Trou, endete mit Verboten und Kritik seitens der Universität, französischsprachigen Studenten und selbst durch Wirtshäuser. Dank des Beistandes von Alten Herren fanden die Studenten ein Heim im Wirtshaus Den Uylenspiegel. Dieser KVHV war durch die Konkurrenz des Dachverbands AVHV und der katholischen Gesellschaft St. Thomas (°1923) wenig aktiv. Obwohl die AVHV-Vorsitzenden aus Gent immer sehr flämisch aktiv waren, kann man nicht mit Sicherheit sagen, wie aktiv KVHV Gent zwischen 1919 und 1938 war.
Wie andere flämisch orientierte Vereine und Verbindungen, hatten auch AVHV und KVHV seit 1918 die Mütze. Die eher deutsche Mützen werden durch rotbraune Barette ersetzt, auch Flat(te) genannt. Obschon die deutschen Mützen Löwener Art keine Sterne und Fakultätszeichen kannten, sah man solche Anstecker wieder bei der Flat. Als überkonfessioneller Dachverband sind Zirkel und Band wenig bekannt, jedoch entstanden mittlerweile auch die erste Verbindungen flämischer Art, oft mit der Hilfe sehr aktiver AVHV- oder KVHV-Mitglieder.
Ende der Zwischenkriegszeit Am Ende der Zwischenkriegszeit war die Lage günstiger für eine große und starke flämisch-katholische Verbindung. Das Gentsch Studentencorps, das seit 1933 eine überkonfessionelle Einheitsfront flämischer Studenten war, war schon Jahre derb und schwach aufgrund interner Streitigkeiten. Das Wettkampf zwischen Verdinaso und VNV-Studenten, und später zwischen liberalen, sozialistischen und freisinnigen Studenten einerseits und flämisch-nationale Studenten andererseits endete mit der Gründung einer neuen KVHV-Verbindung gegen besser organisierte Feinde. Schon 1938 waren 350 Studenten aktiv, am Ende des ersten Jahres hatte KVHV-Gent 550 Aktive und war damit mit Abstand die größte und aktivste Verbindung in Gent. Daneben traten auch zahlreiche prominente Professoren und Intellektuelle der KVHV bei als Ehrenmitglied, wie Hochschullehrer und Nobelpreisträger Corneel Heymans.
Den 8. März 1939 gründen Oscar Bogaert, José Meiresonne, Ward Opdebeeck und Raf Van den Abeele KVHV zu Gent wieder. Wie AVHV und GSC, suchten sie auch wieder Kontakt mit den Altherrenbünden vom KVHV und GSC "Hou ende Trou". Während dieser kurzen aktiven Zeit äußerte der KVHV sich wieder als radikale flämisch-nationalistische, antikommunistische (z. B. durch die Finnlandhilfe), soziale (durch die Winterhilfe) und traditionelle (durch die sog. Modelkneipe) Verbindung. Wahrscheinlich gründete diese Generation auch die sogenannte Verbondswacht als Propagandagruppe und zum Schutz gegen die Gewalt durch die Linken, nach Löwener Vorbild. Mit 550 Aktiven und eine kräftige politische Identität, wuchs der KVHV in wenigen Monaten, trotz dauerhafter Kritik und Auseinandersetzungen von Sozialisten, Kommunisten und Liberalen, zur führenden Verbindung von Gent heran. Im November 1940 beendete der KVHV aufgrund des Krieges den Aktivenbetrieb. Die meisten Aktiven blieben jedoch im Gentsch Studentenverbond (GSV), ein Dachverband Studentenvereine und Verbindungen unter Deutscher Besatzungskontrolle, aktiv. Der ersten GSV-Praeses war Raf Van den Abeele, ehemaliger KVHV-Praeses.
Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|300px|Neugründung KVHV Gent (1944) Alles änderte sich im Jahr 1944. Zwar waren die nationalistischen studentischen Korporationen nicht verboten worden, wurden jedoch Opfer von Repressionsmaßnahmen. Die Universität gründete als Alternative zum GSV einen neuen Dachverband, um auch die Vereine und Verbindungen zu beherrschen. Diese Nationale Studentengroepering (NSG) (Nationale Studentengruppierung) war in Gegensatz zu älteren Verbänden wie die AVHV, GSC und GSV belgisch-loyal, eher freisinnig und stand in gutem Verhältnis mit Professorenschaft und Rektor. Im Jahr 1944 gründeten katholische flämische Studenten, mit Hilfe des KVHV-Leuven, den KVHV-Gent als antibelgische, flämisch-nationale und katholische Verbindung wieder. Professor Corneel Heymans hatte den Vorsitz des Verwaltungsrats.L. Vos, B. De Wever en W. Weets: Vlaamse Vaandels, Rode Petten: honderd jaar Katholiek Vlaams Hoogstudentenverbond, Uitgeverij Pelckmans, Kapellen, 2002