Die Klaus-Harms-Schule ist ein Gymnasium in Kappeln. Zurzeit besuchen 624 Schülerinnen und Schüler die Schule (Stand: 2018).
Geschichte
Gründungszeit Die Klaus-Harms-Schule wurde 1923 in der Kirchstraße 7 gegründet. Zuvor befand sich in dem Gebäude die Präparanden-Anstalt, wo künftige Volksschullehrer ausgebildet wurden.SchulZeitReisen Die Klaus-Harms-Schule Heute ist dort eine Außenstelle des BBZ Schleswig. Die Schule wurde nach Claus Harms benannt, da er neben seiner theologischen Lehre in seinem Eintreten für die plattdeutsche Sprache und „die Rechte des bürgerlichen Volkes gegenüber den Herrschenden“ als heimatverbundener Schleswig-Holsteiner in der Zeit nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und der Volksabstimmung zu Nordschleswig als Identifikationsfigur in der Abgrenzung zu Dänemark erschien.Warum wurde die Schule nach Klaus Harms benannt? - Auszug aus: 75 Jahre Klaus-Harms-Schule – Festschrift zum Jubiläum, wiedergeben in: Schulzeitreisen.de, abgerufen am 18. Juni 2015
In der Zeit des Nationalsozialismus Ab Jahresbeginn 1934 wurde der Schultag, wie landesweit angeordnet, mit einer Flaggenparade (Schwarz-Weiß-Rot und Hakenkreuzfahne) eröffnet. Am 7. November 1935 meldete der Schleibote, dass „93,5 % der Klaus-Harms-Schüler in der HJ seien, die Schule somit die Berechtigung erworben habe, die Fahne der Hitlerjugend zu hissen.“Fritz-Werner Dehncke, Die Geschichte Kappelns während der Zeit des Nationalsozialismus, Kappeln 1988, S. 29ff Die Klaus-Harms-Schule war wie auch z. B. alle Vereine vor Ort gleichgeschaltet, was in Kappeln reibungslos verlief, da Kappeln schon sehr früh weit über dem Durchschnitt liegende Wahlergebnisse für die NSDAP hatte. In der Reichstagswahl 1932 (als ein Beispiel) erhielt die NSDAP in Kappeln 53,9 % der Stimmen bei einem Ergebnis im Reichsgebiet von 33,1 %.Fritz-Werner Dehncke, Die Geschichte Kappelns während der Zeit des Nationalsozialismus, Kappeln 1988, S. 16. 1939/1940 wurde an der Klaus-Harms-Schule ein neunmonatiger Vorbereitungskurs für das Gymnasium für hochbegabte Schüler aus Volksschulen durchgeführt. Die Schüler kamen aus dem gesamten norddeutschen Raum, bis hin nach Ostpreußen. Die Schüler wohnten auf Gut Buckhagen, auf dem zu diesem Zweck ein Internat eingerichtet worden war. Einer dieser Schüler war der spätere Schriftsteller Siegfried Lenz. Von fünfzig anfänglichen Teilnehmern konnten lediglich zehn den Kurs beenden und waren damit berechtigt, auf ein Gymnasium zu wechseln. Die Hälfte der Absolventen wurde auf eine Napola-Schule geschickt. Lenz konnte ein Internat in Ostpreußen besuchen.Erich Maletzke: Siegfried Lenz: Eine biographische Annäherung. Zu Klampen Verlag, 2014, S. 19f. Es ist derzeit nicht bekannt, ob dieser Kurs mehr als einmal abgehalten wurde.
Neubeginn nach 1945 Die Klaus-Harms-Schule wurde nach Kriegsende am 8. Mai 1945 von den Alliierten wie alle anderen deutschen Schulen bis auf weiteres geschlossen, da wie überall ein sehr großer Teil der Lehrer durch eine Mitgliedschaft in der NSDAP belastet war. Man wollte ursprünglich verhindern, dass die Schüler weiterhin entsprechend beeinflusst wurden. Um die Kinder schließlich von den Straßen zu holen, wurde auch in Kappeln die Schule im August wieder geöffnet. Es wurden im Sommer 1945 in einer Überprüfung lediglich die allerschwersten Fälle als nicht für den weiteren Schuldienst geeignet aussortiert.Nicolaus Schmidt, Willi Lassen – eine biografische Skizze, in „Demokratische Geschichte“ Bd. 26, Schleswig-Holsteinischer Geschichtsverlag, 2015, S. 220
Mit der Berufung von Willi Lassen zum Direktor begann ab 1956 eine lange Phase der Neuorientierung. Lassen, der vor 1945 in den militärischen Widerstand gegen Hitler eingebunden war und bis 1948 in England eine leitende Funktion in der Ausbildung von deutschen Kriegsgefangenen in englischen Lagern ausgeübt hatte, versuchte, an der Klaus-Harms-Schule eine liberale, künstlerisch interessierte und weltoffene Atmosphäre zu schaffen. Er förderte ganz gezielt Kollegen und Bestrebungen, die zunehmend das Bild der Schule in diesem Sinne bestimmten. So gab er Gerda Schmidt-Panknin, die damals als Kunsterzieherin an der Klaus-Harms-Schule arbeitete, einen großen Freiraum in ihren Unterricht, der dazu führte, dass aus der Schule sehr viele Abiturienten z. B. an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg ein Studium begannen und heute als Künstler bekannt sind. Lassen musste die Schule 1968 aus gesundheitlichen Gründen verlassen, zu einem Zeitpunkt, als die auch durch seine Initiative angeworbenen jüngeren Kollegen die Neuorientierung des Schullebens stärker voranzutreiben begannen.Nicolaus Schmidt, Willi Lassen – eine biografische Skizze, in „Demokratische Geschichte“ Bd. 26, Schleswig-Holsteinischer Geschichtsverlag, 2015, S. 219ff
Gegenwart Anfang 1979 zog die Schule in das neugebaute Schulzentrum im Hüholz um. Bis zur Auflösung 2012 war dort auch die Christophorus-Schule untergebracht.Ende nach 38 Jahren: Eine Schule existiert nicht mehr Schlei-Bote vom 22. Juni 2012 Die Schule profiliert sich heute als UNESCO-Projektschule und fördert in einem hohen Maß den internationalen Austausch, ein Anliegen, das schon der frühere Direktor Willi Lassen angestrebt hatte.
Unterricht
Die Schule bietet für die von 2008 bis 2017 mit der 5. Klasse beginnenden Schüler das achtjährige Gymnasium G8 an. Ab dem Schuljahr 2018/19 wird wieder auf das Abitur nach dreizehn Jahren (G9) umgestellt.
Englisch wird ab der fünften Klasse unterrichtet. Ab der siebten Klasse entscheiden die Schüler zwischen Latein und Französisch als zweite Fremdsprache. In der 9. Klasse können die Schülerinnen und Schüler ein WPU Fach (Wahl-Pflicht-Unterricht) wählen. Im laufenden Schuljahr 2025/26 wurden BNE (Bildung durch nachhaltige Entwicklung), Digitale Medien, Darstellendes Spiel sowie die Sprachen Latein und Französisch als dritte Fremdsprache angeboten. Von der 7. bis zur 9. Klasse gibt es einen bilingualen Zweig, in dem zurzeit Geschichte auf Englisch unterrichtet wird. In der Oberstufe wird Spanisch angeboten. Projekte
UNESCO-Projektschule
Seit 2012 ist die Klaus-Harms-Schule anerkannte UNESCO-Projektschule., abgerufen am 24. Februar 2015.
Ecopolicyade Die Klaus-Harms-Schule hat es bei der Ecopolicyade mehrfach in den Bundeswettbewerb geschafft und einmal den ersten Platz belegt.
2009: 2. PlatzSchleswig-Holstein erringt zweiten Platz beim Ecopolicyade-Bundesentscheid in Berlin SPD Ostholstein 2010: 2. Platz 2011: 3. Platz Bettina Hagedorn, Pressemitteilung vom 1. Juli 2011 2012: 1. Platz"Ecopolicyade": Bundessieger kommen aus Kappeln Flensburger Tageblatt vom 16. Mai 2012
Schüleraustausch Es bestehen Schüleraustauschprogramme mit Schulen in Italien, Frankreich und Polen.
Ehemalige Schüler (chronologische Folge) Oskar Hepp (* 1910) – Orthopäde, Klinikdirektor Heimatverein Angeln, 100. Geburtstag Oskar Hepp, abgerufen am 19. Juni 2015 Gerda Schmidt-Panknin (* 1920 – 2021) – Malerin und Kunsterzieherin an der Klaus-Harms-Schule Siegfried Lenz (1926 – 2014) – Schriftsteller (Lenz war 1939 Teilnehmer eines neunmonatigen Vorbereitungskurses für den Besuch eines Gymnasiums)Erich Maletzke: Siegfried Lenz: Eine biographische Annäherung. Zu Klampen Verlag, 2014, S. 19f. Peter Hübner (* 1939) – Architekt„Thesen für ein menschengemäßes Bauen“: Prof. Dipl.-Ing. Peter Hübner zum Thma „Bauen für Kinder“ (PDF; 282 kB), abgerufen am 19. Juni 2015 Peter Nagel (* 1941) – Maler und Hochschullehrer an der Muthesius Kunsthochschule Dietrich von Horn (* 1944) – Autor Hans-Jürgen Schnoor (* 1946) – Organist, Cembalist und Hochschullehrer an der Musikhochschule Lübeck Gert Maichel (* 1949) – Jurist und Industriemanager Eric Christian Rust – Historiker und Hochschullehrer an der Baylor University in Texas, USA Nicolaus Schmidt (* 1953) – Künstler Ernst Flüh – Professor für marine Geophysik am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung KielFachleute der Universität Kiel: Flüh, Prof. Ernst, abgerufen am 19. Juni 2015 Peter Heber (* 1956) – Künstler Hansjörg Schneider (* 1960) – Künstler Selina Storm (* 1987), Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen)
Einzelnachweise
Kategorie:UNESCO-Projektschule in Deutschland Kategorie:Kappeln Kategorie:Gymnasium im Kreis Schleswig-Flensburg Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1923